MACHT.WAHN.SINN - Eine Erfahrung der Schizophrenie

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Lara_Jaensch
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MACHT.WAHN.SINN - Eine Erfahrung der Schizophrenie

Beitragvon Lara_Jaensch » Sa 15. Jan 2022, 05:29

Hallo zusammen,

Ich möchte hier meine Autobiographie über meine Erkrankung an Schizophrenie vorstellen. In einem YouTube-Video lese ich Teile aus meinem Buch vor:
https://www.youtube.com/watch?v=nslqW7bvlDQ


Ich habe im Buch zum Teil meine Gedanken im Wahn selbst aufgeschrieben, um ein authentisches Bild von der Erkrankung machen zu können. Es ist ein sehr ehrlicher Bericht über die Geschehnisse, der diese eins zu eins wiedergibt.

Das Buch gibt es überall im Handel:
https://www.amazon.de/Macht-Wahn-Sinn-r ... 760&sr=8-1

...oder beim Verlag selbst:
https://www.omnino-verlag.de/document/1066594

Bei Interesse könnt ihr auch mein Interview "Ich hatte den Verstand verloren" lesen bei Neue-Pressemitteilungen.de:
https://neue-pressemitteilungen.de/ich- ... loren.html

Viele Grüße,
Eure Lara

Lara_Jaensch
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Re: MACHT.WAHN.SINN - Eine Erfahrung der Schizophrenie

Beitragvon Lara_Jaensch » Mi 6. Apr 2022, 14:09

Selbststigma und Social Identity Theory



Die Social Identity Theory besagt, dass Menschen ihre Gruppenzugehörigkeit mit der eigenen Identität assoziieren. Demnach identifizieren sich Betroffene mit ihrer Gruppenzugehörigkeit zu den psychisch Erkrankten. Da der gesellschaftliche Stand schlecht ist, mindert das ihren Selbstwert.



Um diesem negativen Selbststigma zu entgehen, kann man

(1) die Gruppenzugehörigkeit zu anderen Gruppen hervorheben. Zum Beispiel die Zugehörigkeit zu der Gruppe der Arbeitenden, der Personen mit einem bestimmten Hobby etc. Deswegen ist vielleicht Ergotherapie und Beschäftigung so hilfreich bei der Abwendung psychischer Erkrankung.

(2) Die Gruppe der psychisch Erkrankten aufwerten für sich persönlich. Man kann für sich sagen, dass diese Gruppe nicht schwach, sondern stark ist, weil psychisch Erkrankte sich immer wieder aus den unmöglichsten Situationen neu berappeln müssen. Psychisch Erkrankte haben einen besonderen Weg und können darauf stolz sein.

(3) Sich klar darüber werden, dass die eigene Identität, die mit dem Selbstwert verbunden ist, ein reines Konstrukt ist, dass man etabliert. Wie und mit was man sich identifiziert ist wandelbar.



Selbststigma ist m.E. ein großes Problem, da es den weiteren Krankheitsverlauf verschlechtert. Ich bin in Psychologie ein Laie. Vielleicht nimmt trotzdem jemand etwas durch meine Ausführungen mit.

Hier ein Video zur Theorie: https://www.youtube.com/watch?v=FBwAhrmIbxo

Viele Grüße,

Eure Lara Jänsch

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Laura
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Re: MACHT.WAHN.SINN - Eine Erfahrung der Schizophrenie

Beitragvon Laura » Do 14. Apr 2022, 15:59

Hallo Lara (ohne -u-, sozusagen :-))

Sich selbst so mögen/akzeptieren, wie man ist. Und dann mal sehen, ob und von wem man unter den anderen gemocht wird. Meiner Meinung nach gehört zur Selbstakzeptanz/Selbstliebe unabdingbar dazu, dass man von anderen gemocht wird, um diese Selbstakzeptanz überhaupt nur entwickeln zu können und später, wenn es sein muss, wieder neu aufbauen zu können. Vielleicht ist Selbstakzeptanz sogar etwas Angeborenes, dass aber mit dem ersten tappsigen Herumfühlen auf dieser großen weiten Welt am Allerzerbrechlisten ist und den Menschen schon früh umso abhängiger von Liebe von außen macht (Eltern).

Man kann z. B. auch sehr überzeugt davon sein, dass dieser oder jener Beruf genau der Richtige für einen sei, aber ob man darin einen Ausbildungsplatz, Studienplatz oder eine Erstanstellung bekommt, hängt nicht nur von der eigenen Überzeugung ab. Sofern es sowas wie Freiberufler gibt, z. B. im künstlerischen Bereich, kann das Werk nach fachmännischen Standards noch so toll sein, aber wenn die Leute es nun mal nicht kaufen wollen oder es sich nicht leisten können, dann wird gerne von sachlichen Gründen gesprochen, der Künstler, der da etwas auf den Markt geworfen hat, kann sich dennoch in seinem Selbstwert getroffen fühlen und dann entweder geknickt oder verärgert sein.

Manche psychologischen Phrasen kommen mir vor wie der Spruch, der in meiner Jugendzeit in den 80ern kursiert ist: Wie bekommt man einen Elefanten in den Kühlschrank? Na, ganz einfach: Kühlschranktür auf, Elefant rein, Kühlschranktür zu! Man soll sich nicht nicht so sehr mit anderen vergleichen (denn da wird man immer welche finden, die irgendwie "besser" sind und das wäre dem Selbstwertgefühl ja abträglich), aber der Ergotherapeut, in dessen Gruppe man auf der akutpsychiatrischen Station gelandet ist, hat dann nur Augen und Ohren für die begabteren Patienten, die dann oftmals auch noch beispielsweise Kunstpädagogik studiert haben oder als Schreiner gearbeitet haben.

Ich finde, an dieses "Selbstwert-Thema" schließt sich auch das unangenehme Thema "Konkurrenzverhältnisse" an.

Zu meinem background: Ich habe meine Schizophrenie-Erkrankung seit 37 Jahren, hatte schon zig Psychosen und Psychiatrie-Aufenthalte, musste die letzten zwölf Jahre wenigstens nicht mehr stationär gehen und für mein Selbstwertgefühl war ich noch nie in einer peer group - egal ob Randgruppe oder Gruppe im mainstream -, in der ich von einfach allen aus der Gruppe so gemocht wurde, wie ich bin. Also träume ich weiter, genau wie andere Leute auch!


Grüße

Laura (mit -u-)
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.


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