Paranoide Schizophrenie - Bitte um Rat

Hier können Sie sich austauschen, Tips geben und Fragen stellen zu allen seelischen Problemen, Lebenskrisen und Erkrankungen, zu Medikamenten, Psychotherapie, anderen Therapien, Therapeuten, Kliniken etc.
Trashbarbie
Beiträge: 1
Registriert: Di 7. Apr 2020, 09:51

Paranoide Schizophrenie - Bitte um Rat

Beitragvon Trashbarbie » Mo 27. Apr 2020, 09:15

Guten Morgen zusammen,

ich bin selber nicht betroffen von einer Schizophrenie, sondern meine Mutter. Ich bin aktuell sehr verzweifelt, was den Umgang mit ihr angeht und wollte hier um Rat fragen. Ich glaube, dass Betroffene und Angehörige mir hier gute Ratschläge geben können.

Zur Situation:
Die paranoide Schizophrenie ist erst vor ca. 5 Jahren diagnostiziert worden. Aufgrund eines Erbstreites ist meine Mutter an ihre Grenzen gekommen und hat versucht sich das Leben zu nehmen. Laut ihrer Aussage sei dies eine Übersprungshandlung gewesen. Sie schien auch erst wieder über dem Damm, allerdings zeige sich nach ca. einem halben Jahr eine extreme depressive Symptomatik, sodass sie auf eine geschützte Station einer psychiatrischen Klinik kam. Im Anschluss erfolgte eine Behandlung auf der offenen Station. Hier wurde sie auch auf ihre Medikation eingestellt. Nach der Entlassung schien es erst einmal besser zu laufen.
Ich habe noch eine kleine Schwester, die zu diesem Zeitpunkt 3 Jahre alt war. Während des Klinikaufenthaltes meiner Mutter habe ich mich hauptsächlich um sie gekümmert. Auch habe ich alles was die Post und Finanzen betraf geregelt, allerdings ohne richterliche Verfügung. Nach einem weiteren halben Jahr hat meine Mutter dann eigenmächtig ihre Medikation von heute auf morgen abgesetzt. Wir wussten davon nichts. Ihr Zustand verschlechterte sich zunehmend und sie bekam Panikattacken.

Es erfolgte ein weiterer Klinikaufenthalt. Dies hatte ihr aber klar gemacht, dass sie ihre Medikation einnehmen muss. Sie hielt sich an alles was die Ärzte sagten. Auch in dieser Zeit habe ich Vollverantwortlich alles übernommen. Nicht nur, dass ich das Kind versorgt und alles geregelt habe, sondern ich habe mir natürlich auch sehr große Sorgen um meine Mutter gemacht.
Immer wenn sie Zuhause war und nicht bei ihrem Partner war ich sehr sehr angespannt. Da man nie wusste, ob sie wieder irgendwie explodiert oder nicht. Das ist leider für mich sehr schwer zu beschreiben.
Sie stabilisierte sich zunehmend und übernahm die komplette Versorgung meiner Schwester. Sie war wirklich auf einem sehr guten Weg und lange Zeit (bestimmt zwei Jahre) sehr sehr stabil. Je stabiler sie wurde, desto instabiler wurde ich und es hat sich bei mir eine Panikstörung entwickelt. Hierzu bin ich nun selbst in psychiatrischer Behandeln. Aber dies ist nicht unbedingt Teil der Geschichte, aber als Information ggf. wichtig.

In folge dessen, dass durch die Medikation die Blutwerte zunehmend schlechter wurden, ist diese kleinschrittig in Absprache mit dem behandelnden Psychiater ausgeschlichen wurden.
Auch das schien sie erst einmal gut zu vertragen. Sie hatte durch die Medikation stark zugenommen und war deshalb sehr unglücklich. Mit Absetzen der Medikation purzelten auch die Kilos wieder runter. Jedoch zeigten sich zunehmend Stimmungsschwankungen. So viel zur Vorgeschichte.

Vor ca. drei Wochen rief meine Mutter mich an, dass ich ihr mit dem Pool im Garten helfen müsste (wir leben in einem Haus in zwei getrennten Wohnungen). Ich merke sofort am Telefon, dass sie nicht gut drauf ist. Wir haben dann alle den Pool gemacht. Sie hatten wohl Rückenschmerzen und wollte in der Küche eine Schmerztablette einnehmen. Ich war zufällig auch in der Küche, weil ich ein Getränk zurück in den Kühlschrank gebracht habe.
Irgendwann kam meine Mutter dann auf die Terrasse und unterstellte mir, dass ich die Tabletten aus der Küche entsorgt hätte. Ich habe dies mehrmals verneint. Allerdings bestand sie darauf. Daraufhin bin ich wütend geworden und die Situation eskalierte völlig. Sie bildete sich ein, dass wir respektlos gewesen seien und irgendwelche Sachen zu ihr gesagt hätten. Dies hat so aber nicht stattgefunden. Sie hat die Realität völlig verdreht. Wir sind dann hoch in unsere Wohnung gegangen. Sie hat unten rumgeschrien und laut geweint. Als ich daraufhin nicht reagierte bekam ich immer weiter WhatsApp Nachrichten mit sehr verletzenden Inhalten. Ich sei die schlimmste Tochter, sei wie meine Oma (wegen der es diesen Erbstreit gibt), bekomme gar nichts hin, würde in meinem Selbstmitleid versinken und und und... Ich habe diese Nachrichten weitestgehend ignoriert. Auch am Tag darauf kamen immer weiter diese Art von Nachrichten, welche ziemlich zusammenhangslos und wirr wirkten. Immer wenn sie Zuhause war knallte sie demonstrativ Türen und schrie laut rum.

Daraufhin war erstmal Funkstille. Diese drei Tage der absoluten Eskalation haben natürlich auch in mir extreme Unruhe und auch Angst verursacht. Zuhause zu sein, war unglaublich schwierig für mich. Durch die aktuelle Corona Situation gab es ja nicht einmal die Möglichkeit irgendwo wegzufahren. Meine Mutter hatte mich dann zwischenzeitlich auf WhatsApp geblockt, was ich gar nicht verstand, da sie nur schrieb und nicht ich.
Ich habe dann mit meiner Partnerin beraten, dass das Zusammenleben in einem Haus nicht gut für mich ist und wir haben uns auf die Suche nach einer neuen Wohnung gemacht. Durch Freunde sind wir ziemlich schnell fündig geworden. Aus Respekt habe ich meiner Mutter dann über SMS mitgeteilt, dass wir ausziehen werden. Unsere Beziehung ist als ungesund symbiotisch zu beschreiben, daher war mir schon vorher klar, dass dies nicht leicht wird. Ich bin die Jahre davor deswegen nicht ausgezogen. Aber aufgrund der aktuellen Situation und meiner eigenen psychischen Gesundheit kann ich dort einfach nicht mehr leben.

Dadurch hat sich ihre Wut in Trauer verwandelt. Sie versucht mich emotional zu erpressen. Sie bettelt, dass ich bleibe. Im anderen Moment bin ich der schlechteste Mensch der Welt. Ich habe ihr Herz zerstört und habe ihre Familie zerstört. Ich bekomme immer weiter Nachrichten. Sie geht auf meine Antworten überhaupt nicht ein und bombadiert mich immer weiter und weiter. Es fühlt sich wie Terror an. Wir wollten uns zum Reden treffen. Sie hat das dann abgesagt, weil sie uns nicht sehen könnte und wir sollten das akzeptieren. Dann schreibt sie Stunden später wir hätten doch einfach kommen sollen. Sie schreibt sie würde weg gehen, sich aber nichts antun. Sie wirft mir vor, dass ich ihr das über WhatsApp geschrieben habe. Einerseits ist meine Partnerin ein Teufel andererseits schreibt sie, sie kann mich beruhigt bei ihr zurücklassen.

Emotional ist das für mich aktuell der Super-Gau. Ich weiß nicht mehr, wie ich mich ihr gegenüber Verhalten soll. Egal wie ich mich verhalte, ob ich nett bin, ob ich wütend werde, sie findet immer wieder etwas was ihr nicht passt und trifft mich mit ihren Aussagen mitten ins Herz.

Könnt ihr mir einen Rat geben, wie ich mich weiter verhalten soll? Ich bin wirklich am Ende. Das einzige was feststeht ist, dass ich diesen Umzug definitiv durchziehen werde. Ich kann das alles so nicht mehr weiter leben...

Sorry für den langen Text.

Zurück zu „Zu allen Fragen der Psychiatrie und Psychotherapie“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste