Benommenheit und Schwindel in der Depression

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mamschgerl
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Re: Benommenheit und Schwindel in der Depression

Beitragvon mamschgerl » So 3. Nov 2019, 12:49

Liebe Christiane,
leider gibt es kein Patentrezept, wie man die Sicherheit erlangen kann, den richtigen Weg zu gehen.
Ich fand bei mir selbst heraus, daß ich mich immer am besten fühlte, wenn ich auf meinen Bauch gehört hatte, so halte ich es auch heute noch.
Das hat nichts mit Vertrauen oder Zuversicht zu tun, sondern einfach mit der Frage, ob ich mich selbst im Spiegel anschauen kann...wenn ich also auf Ärzte gehört und weiterhin fleißig und brav ADs geschluckt hätte, hätte ich meiner eigenen Überzeugung zuwidergehandelt. Obwohl ich also völlig allein mit meiner Überzeugung auf weiter Flur gestanden bin und niemand, auch mein damaliger Partner, mich dabei unterstützt hätte, das Zeug wegzulassen, habe ich mich auf meine Intuition verlassen und mit diesen Folgen kann ich leben.
Ich folge nicht dem Prinzip der Schmeißfliegen und finde den Scheißhaufen super, weil alle ihn super finden.
Hinterfragen lohnt sich immer und Selbstreflektion ist überlebenswichtig, denn sich von anderen erzählen zu lassen, wie man sich fühlt, kann nicht gut sein.
Also, vertrau deinem Bauchgefühl, so gewinnst du am ehesten wieder deine Selbstwahrnehmung zurück und damit auch ein wenig Sicherheit.
Das Ziel, wieder für dein Kind da sein zu können, ist nicht so weit weg, wie du jetzt vielleicht glauben magst...ich habe auch nicht mehr daran geglaubt, für meinen Sohn eine Stütze sein zu können, dabei bin ich es mehr, als ich selbst dachte ( nach den Worten meines Sohnes...), aber auch das hat wieder mit der Selbstwahrnehmung zu tun und der Angst, etwas falsch zu machen oder eben dadurch, daß ich diese Kraft nicht mehr spüre, über die ich früher verfügte.
Ich möchte nichts beschönigen, es ist nicht leicht, wieder an seinem Selbst anzuknüpfen und sich wiederzufinden und keinesfalls werde ich behaupten, daß es irgendwann wieder wie früher sein wird, denn das wäre einfach gelogen.
Ein solcher Zusammenbruch ist und bleibt ein einschneidendes Erlebnis und das Leben danach ist ein anderes, aber nochmal, es ist ein Leben, mit dem man sich arrangieren kann, wenn man es zulässt und sich zugesteht, eben nicht mehr mit voller Kraft voraus, sondern alles etwas langsamer und bewusster anzugehen.
Es ist nicht wichtig, ob du den Ärzten vertraust, nimm dir das heraus, was dir guttut und dich weiterbringt, schließlich musst du nicht alles einfach widerstandslos hinnehmen, auch in der Psychiatrie nicht.
Keiner hat die Weisheit gelöffelt und niemand ist ein Halbgott in weiß, dem man bedingungslos folgen muß, auch das sind nur Menschen.
Manche Ideen sind es wert, gehört zu werden, besonders die, welche sich wirklich mit dir beschäftigen und nicht einem Schema F folgen, was man allen Patienten mit dieser Diagnose angedeihen lässt.
Horch einfach in dich rein und hör auf dich selbst, dann findest du auch heraus, welche deiner Empfindungen deine eigenen sind und welche sich lediglich als Nebenwirkungen der ADs herauskristallisieren, das hilft auch, die Ängste weiter zu reduzieren.
Alles Liebe
mamschgerl

mamschgerl
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Re: Benommenheit und Schwindel in der Depression

Beitragvon mamschgerl » Di 5. Nov 2019, 11:30

...beim Durchlesen meines letzten Beitrags fiel mir auf, daß ich etwas missionarisch daherkomme...das war nicht so beabsichtigt und ich will hier auch niemanden von irgendwas überzeugen, sondern wollte einfach nur schreiben, was ich bei mir feststellen konnte.
Es ist nun mal so, man verliert sich und sich wiederzufinden, ist verdammt schwer.
Dazu kommen Bemerkungen von Ärzten, Therapeuten und auch den Angehörigen oder guten Bekannten, die einen ganzen Wust an guten Ratschlägen, Tipps und Beobachtungen zum Besten geben, was einen eher beunruhigt als daß es hilfreich wäre.
Wenn man sich verloren hat und keinen Halt mehr findet, weiß man auch nicht, wonach man sich orientieren sollte, es bleibt einem nichts übrig, als auf vermeintliches Fachpersonal zu hören, die sich ja schließlich damit auskennen sollten...auch ich habe mich fallenlassen müssen ( bis zu einem gewissen Grad...), um wenigstens etwas geschützt durch Verständnis und Anteilnahme erstmal zur Ruhe zu kommen.
Da ich nun aber mal kein Jungspund mehr bin und schon einiges an Lebenszeit hinter mich gebracht habe, zudem noch eine eigenständige Persönlichkeit entwickeln konnte, die neben meinen psychischen Störungen eine ernstzunehmende Existenzberechtigung verdient, konnte ich nicht alles widerstandslos und in festem Glauben an die Sinnhaftigkeit mancher Behandlungsmethoden hinnehmen.
Es ist nun mal jeder einzigartig und in sich selbst mit niemandem vergleichbar...wenn jemand sagt, in ihm herrsche nur Leere, so ist dies dennoch nicht die Leere, die in mir oder anderen herrscht und jeder empfindet die Konsequenz dieser inneren Leere vollkommen anders.
Wenn man sich zudem selbst kennt und vieles erlebt hat, so kann man nicht Behandlungen durchlaufen, die bei einem selbst zu nichts führen oder gar den Zustand noch verschlimmern.
Leider wird einem die eigene Persönlichkeit im Rahmen der Therapien und Klinikaufenthalte recht schnell abgesprochen und man wird als Laie zu einem unmündigen Befehlsempfänger degradiert.
Wer, wenn nicht der Betroffene selbst, kann zu wissen behaupten, wie es in einem arbeitet?
Daher halte ich es für so ungemein wichtig und existentiell, niemals die Regie über die eigene Persönlichkeit aus der Hand zu geben.
Ja, es ist mühsam, sich selbst zu finden und noch viel mühsamer ist es, zu sich selbst zu stehen, besonders, wenn man Wesenzüge entdeckt, über die man gar nicht entzückt ist.
Ich werde wohl nie im Brustton der Überzeugung sagen können, daß ich mich voll und ganz akzeptiere und völlig in Ordnung finde, aber ich meine inzwischen schon, daß ich nicht so schlecht bin, wie ich immer dachte.
Außerdem bin ich wirklich froh darüber, mich der Fremdbestimmung durch Drogen und Ärzten bzw Therapien entzogen zu haben, auch wenn ich mir dadurch keine Freunde gemacht habe.
L.G. mamschgerl

Skygirl77
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Re: Benommenheit und Schwindel in der Depression

Beitragvon Skygirl77 » Di 12. Nov 2019, 18:40

Ich fühle mich den ganzen Tag so dauerbenommen. Ich kann mich auch ganz schwer davon ablenken bzw damit abfinden. Ich kann mir zurzeit mit der Stärke dieses Gefühls kein lebenswertes Leben vorstellen. Es macht mir alles einfach nur Angst.

mamschgerl
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Re: Benommenheit und Schwindel in der Depression

Beitragvon mamschgerl » Mi 13. Nov 2019, 11:05

Liebe Christiane,
ich weiß, wovon du redest und diese Benommenheit und diese Angst, die du beschreibst, kenne ich aus eigener Erfahrung.
Ich kann dir diese destruktiven Empfindungen nicht nehmen und alles, was man dazu sagen könnte, würde eh abprallen, da du dir in deiner jetzigen Gemütslage nicht vorstellen kannst, daß diese Empfindungen und Ängste mit der Zeit etwas abnehmen.
Ich weiß selbst nicht mehr genau, wie ich aus diesem Tief herausgekommen bin, das mich so vereinnahmt hatte, daß ich an ein Leben mit diesen Empfindungen nicht glauben konnte.
Aber letztlich ebben diese Ängste ab, wenn man erkennt, daß man gar nicht damit leben muß und dieses Gefühlschaos eine Momentaufnahme ausmacht und mit der Depression an sich gar nicht soviel zu tun hat.
Die Depression ist eine völlig andere Sache, mit der man leben und sich arrangieren kann.
Diese Ängste und Benommenheit, die sich jetzt noch in den Vordergrund drängen, sind vergleichbar mit den Empfindungen, die man immer vor allem Unbekannten hat...vor der Gewissheit der absoluten Änderung des bisher Dagewesenen.
Daß einem angesichts der Tatsache, daß man nun diese Depression nicht mehr verheimlichen und verdrängen kann und das künftige Leben absolut nicht mehr mit dem bisherigen zu vergleichen ist, Ängste und Verzweiflung überfallen, ist nur zu nachvollziehbar.
Aber ich bin der festen Überzeugung, daß man in dem Moment, in dem einem klar wird, daß ein weiteres Davonlaufen keinen Zweck mehr hat, sich innerlich diesem "Feind" stellen kann, denn was bliebe einem sonst übrig?
Dann beginnt erst die wirkliche Auseinandersetzung mit der Psyche und auch mit sich selbst.
Das zumindest denke ich, wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückschaue und ich denke mir dabei auch, daß es im Grunde genommen nichts mehr gibt, was schlimmer als das Vergangene sein könnte ( außer dem Tod meines Sohnes ), aber daran denke ich natürlich nicht.
Seit meinem psychischen Zusammenbruch vor nun 6 Jahren verschwanden diese Ängste und die Benommenheit immer mehr und geblieben sind "nur" noch die typischen Symptome meiner komplexen PTBS und der Depression, mit denen ich mal mehr, mal weniger gut umgehen kann, aber ich kann mittlerweile damit leben, die Symptome machen mir keine Angst mehr.
Ja, es gibt hier im Forum jemanden, der das Problem genau erkannt hat und mit dem sich auch viele andere herumplagen in vergleichbaren Situationen. Das Zauberwort heißt "Geduld".
L.G. mamschgerl


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