GdB bei Schizophrenie bzw. Schizoaffektiver Störung? Schwerbehinderung und Arbeit?

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No Twist
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GdB bei Schizophrenie bzw. Schizoaffektiver Störung? Schwerbehinderung und Arbeit?

Beitragvon No Twist » Mo 25. Mär 2019, 14:25

Hallo erst einmal- ich bin neu und stelle frecherweise direkt mal eine Frage: Welchen GdB habt ihr mit Schizophrenie oder schizoaffektiver Störung und wieso, falls ihr das wisst?

Ich hab im Februar einen Antrag beim Versorgungsamt gestellt und frage mich, womit ich rechnen kann. Ich bin momentan nicht akut, aber ich merke, dass ich bei weitem nicht mehr so leistungsfähig bin, wie ich es einmal war- mache momentan eine Fortbildung und der Kontakt zu meinem Mitlernenden ist unglaublich anstrengend für mich. Ich bin am Ende des Tages einfach sowas von k.o. und weiß gerade gar nicht mehr, ob ich noch in der Lage bin Vollzeit arbeiten zu gehen... das macht mich zusätzlich fertig, ist ja auch eine Geldfrage und ich war eigentlich jemand, der es geliebt hat, immer beruflich in Bewegung zu sein. Jetzt nach der Fortbildung leg ich mich zu Hause einfach aufs Sofa und will Ruhe. Privat hab ich Freunde, aber Beziehung geht auf Grund der Erkrankung nicht- sobald mir jemand gefällt, ist ein akuter Schub nicht weit. Oder Panikattacken oder sonstwas. Das bekomme ich also kaum geregelt und finde schon, dass das einschränkend ist, weil ich ein Leben in Partnerschaft theoretisch ziemlich schön finde. Ich frage mich einfach, ob ein Grad von 50 mit der Symptomatik schon möglich sein könnte?

Prinzipiell hab ich mich jahrelang geweigert, diesen Antrag zu stellen. Einfach weil ich mir nicht behindert, eingeschränkt vorkam- aber ich hab eine riesige Lücke im Lebenslauf und die erschwert die Rückkehr in den Beruf und ich hätte da gerne quasi amtlich, dass ich wirklich erkrankt bin und die Lücke sich so erklärt. Vielleicht ist das auch irgendwie dämlich, wenn ich hoffe, dass es so etwas einfacher wird, aber da ich von der Ausbildung und Berufserfahrung vielleicht gut in einige Bereiche des öffentlichen Dienstes passe, würde ich gerne ausprobieren, ob mir das bei der Rückkehr ins Berufsleben hilft. Vielleicht habt ihr dazu auch Erfahrungen?

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Laura
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Re: GdB bei Schizophrenie bzw. Schizoaffektiver Störung? Schwerbehinderung und Arbeit?

Beitragvon Laura » Mo 25. Mär 2019, 14:55

Hallo No Twist!

Wie die Sachbearbeiter des Versorgungsamts über die individuellen Fälle entscheiden, ist ein großes Rätsel. Das sind nicht selten auch nur Leute, denen man nicht krank genug sein kann.
Ich habe den Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis gestellt, als ich schon 22 Jahre lang immer wieder Psychosen bekommen hatte und mit vielen nachweisbaren Klinikaufenthalten. Ich hatte in einem Zeitraum von etwa 25 Jahren extrem viele Psychosen und Klinikaufenthalte, trotz medikamentöser und sonstiger Behandlung. Ich habe auf Anhieb 80 Prozent GdB unbefristet anerkannt bekommen. Bei Antragsstellung hatte ich schon längst auf Reha-Werkstatt umgesattelt. Ich bin schon so jung erkrankt, dass mein Lebenslauf nur bis zu meinem 30. Lebensjahr normal erscheint, trotz der Erkrankung. Als ich den Antrag stellte, war mir klar, dass ich es mir gesundheitlich nicht mehr leisten konnte, mich immer wieder zu berappeln, im Normalo-Leben mein Bestes zu geben und dann doch so getriezt zu werden, dass es immer wieder in die Psychose führte. Die Arbeitswelt macht sich mit ihren wachsenden Anforderungen, bzw. der zunehmenden Ausbeutung ihre Kranken und Arbeitslosen selber.

Wenn man "dem Sozialstaat auf der Tasche liegt" geht die Diskriminierung allerdings gerade mal weiter....
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No Twist
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Re: GdB bei Schizophrenie bzw. Schizoaffektiver Störung? Schwerbehinderung und Arbeit?

Beitragvon No Twist » Mo 25. Mär 2019, 15:10

Hallo Laura, vielen Dank für deine Antwort!

Ja, ich bibbere momentan- mein Therapeut hat mir eher wenig Hoffnung auf einen Grad von 50 gemacht, nach seinen Erfahrungen. Meine Psychiaterin hält den Grad allerdings für sehr angemessen- aber sie entscheidet ja letztlich nicht. Ich möchte vorerst auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten, weil ich einfach so viel Schweiß und Tränen in meinen Studienabschluss gesteckt habe- aber ich merke, auch wenn das richtig weh tut, dass ich eher eine Teilzeitstelle machen kann und die bitte nicht mit vielen Menschen, weil die mich wirklich stressen. Ich hoffe einfach, dass ich auf die Art in einen Job komme, der einigermaßen machbar für mich ist und ich hoffe eben, dass diese Bescheinigung mir hilft, die Lücken nicht großartig erklären zu müssen.

Das die Arbeitswelt von heute ihre psychisch Erkrankten selbst produziert, da bin ich ganz bei dir.

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Laura
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Re: GdB bei Schizophrenie bzw. Schizoaffektiver Störung? Schwerbehinderung und Arbeit?

Beitragvon Laura » Di 26. Mär 2019, 11:50

Hallo No Twist!

Eigentlich kann Dich kein Mensch darüber beraten, womit Du bessere Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt hast und was Du bei einem Bewerbungsgespräch erzählen kannst und was nicht. Denn wenn Du mal einen Job ergatterst, wirst Du da ohnehin ganz auf Dich gestellt sein, um ganz "selbstbewusst" dagegen anzugehen, wenn Du z. B. mit Arbeit nur so überhäuft wirst oder was für Stolpersteine es da auch immer gibt, bei der kein Therapeut oder sonstwer zugegen ist, der einen schützt.

Eigentlich muss es jeder so schaffen können, dass er sich nicht völlig zu verbiegen braucht. Nun gilt es aber als der Tipp schlechthin, dem Arbeitgeber nichts von der psychischen Erkrankung, insbesondere wenn es sich um Psychosen handelt, zu erzählen. Ich habe dies in meinen Jobs als Belastung erlebt. Etwas von mir verschweigen zu müssen, was in meinen Augen keine Schande darstellte (also ich fand meine Psychosen nicht schandhaft, aber wenn ich irgendwo neu bin, weiß ich ja nicht, wie andere darüber denken)

Wenn Du noch recht jung bist, setzt nicht nur Du Deine Hoffnungen darein, finanziell auf eigenen Beinen stehen zu können, sondern auch Leute wie Therapeuten etc. werden dazu tendieren, Dich hart ranzunehmen, um Dich vor dem "sozialpsychiatrischen Nirwana" zu bewahren.

Es gibt bei Ämtern, so auch beim Versorgungsamt, ein Widerspruchsrecht, dass eine bestimmte Frist gekoppelt ist. Und ein Amt richtet sich weitaus eher nach einer ärztlichen Einschätzung als nach der von anderen Psychohelfern.

Probier, was Du kannst. Es bestehen Chancen, dass Du es schaffst. Und wenn nicht, so wirst Du für Dich selbst wissen, dass Du nicht so leicht das Handtuch geworfen hast.

Ich finde es einfach nur beknackt, dass da einerseits im Raum steht, mit einer psychotischen Vorerkrankung könne man einen Betrieb vielleicht in den Ruin treiben, wenn man in einem bestimmten Moment versagt, andererseits da immer noch Leute sind (teilweise dieselben), die behaupten, Psychosen könnten doch nicht so schlimm sein, als dass man deswegen nicht etwas schaffen gehen könnte.

In einer Reha-Werkstatt soll man stolz darauf sein, dass man noch etwas leistet und deswegen verbieten sich Ansprüche auf eine vernünftige Bezahlung....

Liebe Grüße

Laura
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mamschgerl
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Re: GdB bei Schizophrenie bzw. Schizoaffektiver Störung? Schwerbehinderung und Arbeit?

Beitragvon mamschgerl » Mi 27. Mär 2019, 16:29

Um mich kurz mit meiner jüngsten Erfahrung einzubringen...meinen Antrag auf GdB von wenigstens 50 stellte ich im Juli 2016. Zuerst gestand man mir 30 zu, nach meinem Einspruch 40, nach erneutem Widerspruch, der automatisch als Klage vor dem Sozialgericht gehändelt wurde, der wiederum einen Gutachtertermin nach sich zog, wurde mir jetzt am 20.03.2019 per richterlichem Beschluss rückwirkend zum Datum Juli 2016 ein GdB von 50 zuerkannt.
Also alles in allem dauerte das ganze Verfahren fast 3 Jahre, nur um am Ende per Gerichtsverfahren, das genau 7 Minuten dauerte, Recht zu bekommen.
Vielleicht wäre es mit Anwalt schneller gegangen, doch die Termine richten sich nach Akteneingang und die Warteliste ist anscheinend endlos lange...unnötig wie ein Kropf, aber es gibt nun mal keine einheitlichen Bestimmungen, die von vornherein besagen, welchen GdB man bei bestimmten Erkrankungen bekommt.
Laut Tabelle gibt es auch die nötigen Unterscheidungen zwischen den vielfältigen Diagnosen nicht, allenfalls leichte, mittelschwere und schwere Behinderungen im Alltag, dies aber verallgemeinert auf alle möglichen psychischen Erkrankungen. Mein GdB wurde am Ende nicht wegen meiner komplexen PTBS und allen anderen Diagnosen zuerkannt, sondern lediglich aufgrund meiner schweren rezedivierenden Depression ( laut Verfahrensprotokoll ).
Alles nicht so einfach und gute Recherchen im Vorfeld oder Beratung von sozialen Stellen sind wohl erstmal angesagt, bevor man sich diesen langwierigen Prozess mit all den seelischen Hochs und Tiefs antut.


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