Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

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Laura
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Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » So 3. Mär 2019, 19:15

Hi in die Runde!

Ich glaube nicht, dass es mir bisher so viel gebracht hat, dass ich in vielen Situationen was runtergeschluckt habe anstatt mich zu verteidigen oder mir etwas zu erstreiten, das mir vorenthalten wurde, obwohl es mir zugestanden hätte. Das hat schon was mit meinen sehr starken Ängsten - vor übermächtigen Gegnern - zu tun, natürlich auch mit dem "Keiner mag mich"-Klebestreifen, der an meiner Stirn haftet. Wuaaah, natürlich passen da so einige Helfer aus dem psychiatrischen Bereich wie die Faust aufs Auge darauf. Ich argumentiere im Geiste dauernd alles mit mir selber aus, das reinste Schachspiel der Argumente, um in der nächsten brenzligen Situation gewappnet sein zu können.


Es spielt eigentlich auch keine Rolle, welches sprachliche Register ich ziehe, um mich glaubwürdig zu machen. Wenn im Hilfssystem jemand sein Geld auf dem Rücken von Kranken verdient, dann sind es am wenigsten Langzeitpatienten wie meine Wenigkeit, die es sich leisten können, berechtigte Kritik zu üben. Da wird man einerseits für zu krank befunden, um etwas was richtig beurteilen zu können - und dies würde immerhin einen extrem hohen Hilfsbedarf bedeuten - andererseits ist man stets gesund genug, um mit verweigerter Hilfeleistung oder falschen Informationen (NL verursachen nie und nimmer Durchfall...haha, die Quasi-Analphabetin kann ja eh keine Beipackzettel lesen...) prima leben zu können und sich auch noch solche Leute, die prima "nein" sagen können, zum Vorbild zu nehmen....

Wahrscheinlich ist genau das mein Pech im psychiatrischen Hilfssystem: Es gibt so einiges, was man mir nicht extra erklären muss, aber deswegen erhalte ich umso mehr Belehrung.

Leute, die so etwas gesund beurteilen könnten, geraten aber nicht in solch eine Situation jedenfalls nicht für länger. Tja, und derweil kann man spöttisch über mich lächeln...ja, denn entweder bin ich zu doof, um kritisieren zu dürfen oder lege mich mit...haha...eben übermächtigen Gegnern an.

Und last but not least: Viele Leute meinen, sich gut in eine psychisch kranke Person einfühlen zu können und im Grunde genommen ahnen sie gar nicht, wie tief das Leid geht. Da bekommt man leicht Bärendienste erwiesen und dann ahnt da jemand abermals nicht, wie verletzend das ist. Die Person wollte ja nur helfen, was soll meine Aufregung, selbst wenn ich mit sowas schon mal mit 'ner Psychose in der Klinik gelandet bin? Höhö, da fällt mir schon mal eine Helfertussi ein, von der ich gerne hätte, dass sie ihr tolles Selbstbewusstsein nicht darauf stützt, dass sie doch durch die Gegend rennt und professionelle Hilfe anbietet. Soll die sich doch mal wie Abschaum fühlen, wenn sie meint, es sei alles ganz easy, mit einer psychischen Erkrankung zu leben. Schleimt sich erst bei mir ein und setzt mich dann vor versammelter Mannschaft damit unter Druck, ich solle mir doch einen Job suchen. Hahaha, damals war ich immerhin in einer Reha-Werkstatt! Wieso sucht sich dieser Abschaum von Helferin nicht mal einen Job, in dem sie tatsächlich mal was tun muss anstatt den ganzen Tag Kranken irgendwelches Zeugs zu erzählen und dann noch zu befinden, man solle doch arbeiten gehen. lol, in ihrem Beruf kann sie ja nichts falsch machen "zynischlächel", aber in einem Job in der freien Wirtschaft schon eher...

Und wenn man dann noch nicht einmal eine unübersehbare Leidensmiene "anbieten" kann erfolgt Hilfsverweigerung auf Hilfsverweigerung. Und ich soll diejenige sein, die von vorneherein "nie Hilfe annehmen wollte"???

Da ich es gewohnt bin, dass meine Probleme anderen uninteressant und nichtig erscheinen, hoffe ich, dass ich mich mir mit diesem emotional geladenen Beitrag (emotional geladen? nee, ey, das gereizte Doofchen nimmt wieder seine Medikamente und ist erzürnt) nicht schon wieder Leute gegen mich aufbringe, die mir doch eigentlich helfen sollen.

Es wäre besser, ich hätte mehr als nur Worte zur Verfügung um Leuten klarzumachen, wie es um mich bestellt ist. Derzeit muss ich zusehen, wie ich in diesem Hilfssystem klarkomme, denn eigentlich sollte ich wohl auch noch am besten auch noch Scheißdreck aus der Hand fressen und jubeln, wie gut da jemand noch zu mir ist. Immerhin gibt's ja immer Schlimmeres auf der Welt, also kann man auch Giftigeres aufgetischt bekommen als Scheiße.

Wirke ich jetzt auf jemanden so, als sei es eine völlig klare Sache, dass man mir eh nicht helfen kann? Oha, na, dann habe ich ja auch keine Hilfe zu erwarten und verkriech mich solange in meinem Loch bis der Mist entweder vorbei ist; sei es durch meinen Todesfall oder durch ein Wunder.

Eins kann ich aber jetzt schon sagen, obwohl ich noch mittendrin bin: Schlechte Helfer sind nicht "na ja, muss man halt mit leben", schlechte Helfer gehören aus diesem Bereich herausgenommen. Kleine Bestellung bei der ausgleichenden Gerechtigkeit.
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon mamschgerl » Mo 4. Mär 2019, 08:04

hallo Laura,
dein Beitrag spiegelt so ziemlich genau die Ängste wider, die ich vor dem Gerichtstermin habe.
Ich denke an mein Verhalten beim Gutachter, der meine Äußerungen falsch interpretiert und ausgelegt hat, um daraus eine schwerwiegende, narzisstische Störung zu basteln und die komplexe PTBS als wahrscheinlich, aber nicht belegbar bezeichnet, weil ich unter anderem nicht darüber sprechen wollte/konnte.
Dieses Ohnmachtsgefühl, sich mit solchen Personen auseinandersetzen zu müssen, um an das zu kommen, was einem zusteht, sein Gesicht zu wahren, ohne auf zweifelhafte Diagnosen reduziert zu werden...Ehrlichkeit oder Offenheit ist fehl am Platze, weil diese Menschen damit nicht umgehen können. Die Erkenntnis, daß hinter der Diagnose ein Mensch steckt, der nicht plötzlich nur aufgrund der Diagnose zu einem "Deppen" mutiert ist, kommt den Fachleuten nur selten in den Sinn und anstatt sich menschlich mit den Betroffenen auseinanderzusetzen, wird pauschal alles an Äußerungen und Reaktionen in Diagnoseschubladen geschoben.
Nichtbetroffene können nun mal nicht nachempfinden, wie es psychisch Kranken geht. Ich selbst hätte vor meinem Zusammenbruch nur gelächelt, hätte man mir gesagt, daß ich irgendwann nicht mehr "aufstehen" könnte. Einem Menschen, dem so etwas noch nie widerfahren ist, kann man es nicht begreiflich machen, was hinter dem harmlos klingenden Wort "Antriebslosigkeit" tatsächlich steckt. Daß hierbei jedes Motivationsprogramm ( Sport, Spaziergänge, ehrenamtliche Tätigkeiten etc etc etc ) von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, weil eben das Entscheidende fehlt, nämlich der Antrieb, wird einfach übergangen.
Ich habe nicht umsonst die Therapie abgebrochen, weil am Ende trotz Symphatie eines ziemlich klar wurde: das Verständnis für die im Grunde bekannten Symptome fehlte gänzlich. Ein Nachplappern der gesammelten Schilderungen vieler Patienten mit gleicher Symptomatik bedeutet nicht, daß man es verstanden hat. Behandlungsmethoden darauf aufzubauen, daß es von hundert Betroffenen vielleicht zehn gibt, die den Vorgaben Folge leisten können, spricht nicht zwangsläufig für die Richtigkeit dieser Methoden und berechtigt vor allem nicht, den restlichen neunzig mangelnde Kooperationsbereitschaft vorzuwerfen.
Es graut mir nicht vor Auseinandersetzungen und Diskussionen, obwohl ich da längst nicht mehr so enthusiastisch bin, aber wenn es um mich als Person geht und alles von den Entscheidungen bestimmter Menschen abhängt, die mein Leben beeinflussen können, dann macht mir das gehörige Angst.
Würde ich mich selbst nicht als unwichtig, nicht liebenswert oder unterdurchschnittlich befinden, könnte ich dem Termin gelassener entgegensehen, so aber befürchte ich, daß die Gegenseite mit geschickter Argumentation genau darauf abzielt, daß ich am Ende selbst zugeben werde, daß ich überzogene Forderungen stelle und es mir im Grunde genommen nur faul und unnütz auf dem Rücken des Sozialsystems bequem machen möchte.
Es ist schon erschreckend perfide, daß das mangelnde Selbstwertgefühl inmitten aller Symptome der Depression, PTBS etc gegen einen verwendet wird, ein leichteres Opfer gibt es im Grunde nicht.
Ich habe Angst davor, einen Rückfall zu erleiden, denn diese Gesamtsituation ist so erniedrigend, daß ich befürchte, mich vor Gericht als zitterndes, hilfloses, ausgeliefertes und vor Wut heulendes Bündel wiederzufinden, weil es sich nicht wehren kann.

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Laura
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » Di 5. Mär 2019, 21:19

Hallo mamschgerl!

Ich fürchte, etwas von Deinen Problemen wirst Du den Gutachtern schon preisgeben müssen, auch wenn der Termin ja nicht psychotherapeutisch gemeint ist. Vielleicht würde sich sogar eine Art Flucht nach vorne empfehlen? Dass Du gleich voranschickst, dass Du mit denselben Ängsten, die Du mit Dir herumschleppst, nun auch in diesen Termin hineingehst und Du oft erlebt hast, dass man Dich weitaus eher "bändigen" wollte, wenn Du Deine Probleme irgendwo neu benannt hast als Dir wirklich zuzuhören und zu helfen. Und dass all diese Behördenakte nun mal bei den Antragsstellern die zusätzliche Angst hervorrufen, sie könnten schon bald auf der Straße landen. Dass diese Ängste nunmal Dein Auftreten beeinflussen und Dich in eine Verteidigungsstellung versetzen, die aber nach außen wie eine Angriffsstellung wirkt? Sowas in der Art halt. Oder dass Dein eigenes Misstrauen wiederum oftmals Abwehr bei Fachleuten hervorruft und sich beides dann leider hochschaukeln kann.

Hm,das waren jetzt nur mal so ein paar theoretische Vorschläge. ich weiß ja gar nicht, ob es unbedingt so förderlich ist, wenn man sich erstmal in vielen Sätzen erklärt.
Als ich da mal so einen enervierenden Termin bei einer ärztlichen Gutachterin hatte, hatte ich das Gefühl, dass sie nach endloser Fragerei in dem Moment weich wurde, als ich ihr eine Frage beantwortete, von der ich fand, dass diese nun wirklich zu sehr meine Intimsphäre berührte (ging sie nix an, in Normaldeutsch), aber ich beherrschte mich, blieb ruhig und beantwortete sie wahrheitsgemäß in wenigen Sätzen. Die Frage bezog sich auf das Verhältnis zu meiner Mutter, also schon von Kindheit an. Es erstaunte mich, wie schnell sie meine Antwort akzeptierte und mir nun eeeeendlich guten Gewissen zugestehen konnte, dass ich krank genug war, um von Erwerbsarbeit verschont zu bleiben. Was weiß ich. Indem ich etwas preisgab, von dem ich fand, dass sie das nichts anging, hörte sie endlich mit der Nachbohrerei auf. Hab ihr nicht einmal gesagt, dass ich diese Frage als zu privat empfand, verhielt mich weiterhin beherrscht, wenn auch mit Mühe. Da saß halt ein Drache vor mir, der das Tor zur Vorratskammer (Sozialhilfe) bewachte und ich musste dem Drachen sanfte Lautenklänge bieten, damit
er mich passieren ließ.
So, wie ich das Verhältnis zu meiner Mutter beschrieb, enthielt meine knappe Aussage genug Negatives, wenn auch keinen "Schockerbericht". Vielleicht war es dieser Ärztin mit ihrer eigenen Mutter sogar ein wenig ähnlich ergangen und dieses Problem nagte auch noch an ihr, auch ohne Psychose-Folge?

LG

Laura
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon mamschgerl » Mi 6. Mär 2019, 13:00

Hallo Laura,
ich finde es immer wieder erstaunlich, daß du dich trotz allem immer in andere hineinversetzen und die Gründe für deren Verhalten herauszufinden versuchst. Ich habe das so lange getan und mich in die andere Seite versetzt, daß ich so alles erklären und verstehen konnte, nur damit ich es nicht persönlich nehmen musste. Ich denke, diese Art, sich vor Übergriffen und Grenzüberschreitungen zu schützen, ist eine ganz nützliche, um sich die Emphatie zu bewahren, die man trotzdem empfindet.
Würde man alles an sich heranlassen oder als Angriff auf die Intimsphäre sehen, käme man aus der Abwehrhaltung nie wieder heraus.
Du hast mir übrigens jetzt schon sehr geholfen, denn das Erinnern an diese Art, wie man mit so etwas umgehen kann, beruhigt mich schon wieder etwas. Ich werde versuchen, mir vor Augen zu führen, daß es hierbei nicht darum geht, mich persönlich kleinzukriegen ( die kennen mich nicht, wieso also sollten sie persönlich gegen mich vorgehen wollen? ), es geht hierbei rein um den Verwaltungsakt und darum, die Kosten niedrig zu halten und von daher muß man schon bei Kleinigkeiten rigoros vorgehen, denn wo kämen wir denn hin, wenn jedem gleich bei Erstantrag schon nachgegeben würde?
Du kannst dir gerade nicht vorstellen, wie sehr mir dieses Umdenken ( von dir ausgelöst ) aus meiner Panikstarre heraushilft und dafür bin ich dir wirklich dankbar und fürs "Händchenhalten" sowieso...
Ganz liebe Grüße
mamschgerl

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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » Mi 6. Mär 2019, 13:39

Mein Verständnis für Unverständnis ist inzwischen oftmals auch nur noch sehr bemüht. Ich habe da durchaus auch noch meine brodelnden Ressentiments. Und da ist für viele Situationen, die eigentlich schon in der Vergangenheit liegen, bei mir auch noch nicht Gras über die Sache gewachsen. Ich lebe auch in der Angst, dass bisher zwar alles noch glimpflich abgelaufen ist (da dieselben Ängste, die mir das Leben verleiden, mir immerhin auch Selbstbeherrschung "ermöglichen"), aber dass doch noch die "allesentscheidende" Situation auftreten könnte, bei der "dumm gelaufen" siegen könnte gegen mein nacktes Überleben.

Sehr wahrscheinlich ist es so: Verständigeren Patienten hilft man an sich schon gerne und es ist eine angenehme Zusammenarbeit, aber auch nur so lange keine Widerworte von den Compliance-Begabten fallen. Vermutlich betrifft das mehr Patienten als nur irgendjemand ahnen mag. Nette Patienten halten auch nicht jede ungerechte "Kleinigkeit" in der Behandlung aus. Es ist halt doch nicht nur die Krankheit als solche, die einen so kritisch und "ungezogen" macht. Es gibt sie nunmal, die schwarzen Schafe im Helferbereich. Der Psycho-Bereich kann ebenso hochanspruchsvoll wie strunzsimpel sein. Warum soll man schlechten Helfern immer und ewig zugestehen, dass sie ja eigentlich noch viel schlimmere Probleme als die Patienten haben (und trotzdem jeden Tag wacker "zur Arbeit" erscheinen...warum lassen die sich denn nicht helfen, wenn sei denn so arm dran sind?

Wieder mal wollte ich mit dem thread insgesamt nur meine aktuelle Sichtweise auf meine Erkrankung kurz umreißen und wieder ist Kritik an schlechten Helfern herausgekommen. Heilt mich nicht unbedingt, soll mich aber vor Schlimmerem bewahren. Wenn es im Psychobereich nichts "wirklich" Schlimmes gibt, dann gibt es da auch keine Helden...komischerweise geiern manche schlechten Helfer nur so auf "echte Notfälle", bei denen sie mit einem simplen Akt Leben retten können. Also mit nix, was man auch nur in einem Erst-Hilfe-Kurs lernen könnte. Hey, diese kleinen Aktionen müssen Betroffene aber oftmals auch für andere Betroffene leisten! Durchaus auch auf Akustationen, wenn es einem selber schlecht geht und die Mitarbeiter ja auch nicht überall ihre Augen und Ohren haben können. Damit meine ich weniger aggressive Akte, sondern das selbstschädigende Verhalten von Mitpatienten. Alzheimer-Patienten z. B. werden eher der Obhut der Mitpatienten überlassen als der der Mitarbeiter. Sie würden eher auf eine neurologische Station gehören, aber es gibt ja immer gute Gründe für irgendwas...
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » Mi 6. Mär 2019, 18:51

Sodele,

es widerstrebt mir, ausgerechnet im Internet "nackt" damit umzugehen, was sich für "überdimensionierte" Gedankenfilme bei mir abspielen, also wenn ich mal die ganze Psychiatrieschelte weglassen will. Eher würde ich damit andere Verunsicherte noch zusätzlich verunsichern und bessere Methoden für einen Realitäts-Check würden sich für mich ohnehin nicht ergeben.

Im Moment fühle ich mich so ziemlich aufgeschmissen und die langjährige Routine, die ich im Umgang mir meiner Erkrankung hatte, ist nun auch erstmal sehr schwach geworden. Es fühlt sich an wie ein neuer Lebensabschnitt und ich schreibe vieles meiner Wechseljahres-Befindlichkeit zu. Ich hab das Gefühl, dass ich den Menschen, denen ich im rl vertraue und deren professionelle Hilfe ich auch sehr zu schätzen weiß (hier mal das Statement: ja, es gibt auch gute professionelle Helfer, und die sind sich nicht zu schade, chronisch Kranken in unseren kleinen Nischenplätzen zu begegnen) nun auch reichlich zur Last falle. Könnte ja auch beleidigend bei denen ankommen. Dass ich also von denen auch nur dann Beistand und Begegnung auf Augenhöhe bekomme, wenn ich vieles noch selber managen kann. Dass ich ihnen nicht zutraue, dass sie mir Beistand und andere Unterstützung bieten, wenn ich wirklich mal so richtig ausgeknockt bin. Nicht nur für zwei Wochen, sondern über Monate hinweg. Also, im Moment läuft's ganz gut und ich muss noch immer nicht um Sondertermine und dergleichen bitten. Ich schlurf nur im Moment mit äußerster Mühe in die Tagesstätte, um wenigstens ein Mittagessen bekommen zu können. Ich helfe im Moment nicht bei den Küchendiensten mit.

So, hier mal wieder ein Beispiel für meine Extra-extra-noch-mal-eins-draufgesetzt-Gedanken. In der Arbeitswelt erleben viele Leute, dass den Leistungsstärkeren auch mehr aufgeladen wird als den Leistungsschwächeren, auch, dass sich das nicht unbedingt in einer besseren Bezahlung wiederspiegelt . Im psychiatrischen Hilfssystem wird auch zwischen fitteren und schwächeren Patienten unterschieden. Und da sind gerade die fitteren oftmals in einer heiklen Situation, wenn sie wirklich mal Schonung brauchen. Auf Station wird z. B. noch jemand unter den Patienten gesucht, der die Geschirrspülmaschine einräumt. Erste Ansprechpartner sind diejenigen, die da ohnehin sehr pflichtbewusst und fleißig sind. Ein nein wird nicht akzeptiert, wird nicht geglaubt, wenn man da ein Fitterer auch mal schwach ist. Denn die professionellen Helfer möchten sich auch nicht gerne mit so richtig schwierigen Patienten anlegen, denen es für sowas grundsätzlich zu schlecht geht. Und wenn ein fitter Patient noch mehr Argumente bringt, um sich zu schützen, dann ist er ja in Wirklichkeit ganz besonders asozial, nur mit besserer "Tarnung".

Zum Glück wird es in meiner Tagesstätte so gehandhabt, dass wenn für einen Küchendienst wirklich mal jemand von uns Besuchern ausfällt, diese Dienste von einem der Mitarbeiter übernommen wird. Auf Akutstationen sieht man nicht so schnell eine Schwester oder einen Krankenpfleger für solch einen plebejischen Dienst einspringen, geschweige denn einen Arzt oder einen Psychologen. Hierarchie hat was mit Ordnung zu tun! Und die Patienten sollen sich ja nicht zu sehr an "Hotelservice" gewöhnen, sondern ihre Selbstständigkeit bewahren! Dennoch wird man gerne daran erinnert, dass die Behandlung die Krankenkassen ein Heidengeld kostet. Ich habe keine Ahnung, wohin ca. 400 Euro pro Behandlungstag und Patient in der Psychiatrie hinversickern, denn es gibt ja gleichzeitig nur noch Sparmaßnahmen im sozialen Bereich! Das naheliegende Argument wäre wohl, dass es immer mehr Kranke in der Gesellschaft gibt. Äh ja, mal von der Schere zwischen arm und reich abgesehen, die sehr viel mit gesundheitlichen Konsequenzen zu tun hat, macht dieses Argument die Menschen in Gesundheitsberufen umso wichtiger. Aber Pfuscher will doch auch keiner!
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon mamschgerl » Do 7. Mär 2019, 12:17

...ja, das mir nur zu gut bekannte Prinzip: diejenigen, die von sich aus schon helfen, werden zusätzlich ausgenutzt und die Grenzen, die man selbst zu setzen nicht fähig ist, werden permanent überschritten. Man merkt es nicht, wie sehr man sich verausgabt, wie sehr man ausgenutzt und ausgesaugt wird, bis es zu spät ist. Dann die Kurve zu kriegen und "nein" zu sagen, ist fast unmöglich, weil man selbst nicht fähig ist, zu erkennen, daß es eben nicht mehr geht. Wagt man den Vorstoß, mal darauf hinzuweisen, daß man am Ende ist, bekommt man zusätzlich noch zu völligem Unverständnis einen auf den Deckel, indem man mit Vorwürfen, man wäre faul und undankbar, konfrontiert wird.
Zu helfen ist für mich selbstverständlich, doch Hilfe an sich ist nicht selbstverständlich und sollte dementsprechend auch nicht vorausgesetzt werden. Hilfe zu leisten oder leisten zu können, ist ein gutes Gefühl, doch ausgenutzt zu werden, ist das mieseste überhaupt.
Mein letzter Job war genauso vergiftet worden und am Ende scheide ich mit schlechtem Gewissen aus der Firma aus, mache mir selbst noch Vorwürfe, daß ich wohl nicht belastbar genug bin, um in diesem Job zu bestehen. Es hat eine Weile gedauert, bis mir klar wurde, daß ich vier bis fünf Jobs ausgeübt habe, weil alle anderen clever genug waren, ihre Grenzen klar zu machen und meine Chefs genau wussten, wie sie mich händeln mussten, damit ich 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche verfügbar war und auch größtenteils auf Urlaub verzichtete und mir den Gegenwert auszahlen ließ. Sie haben eine Menge Geld gespart und brauchten kein zusätzliches Personal, weil ich ja alles gerne übernommen habe...
Ja, es ist nicht förderlich in dieser Welt, Skrupel zu haben oder zu versuchen, noch Schwächeren zu helfen. Aber trotzdem bleibe ich dabei und behalte meine Skrupel, ich will nicht so werden wie all die anderen, die sich einen Dreck drum scheren, wie es einem geht.

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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » Do 7. Mär 2019, 15:54

und die Grenzen, die man selbst zu setzen nicht fähig ist, werden permanent überschritten.
Schon wieder die Ängste. Und nicht jeder kann da gegeneinschüchtern oder Risikobereitschaft an den Tag legen. Risikobereitschaft am Arbeitsplatz wäre: "Okay, such du dir 'nen anderen Mitarbeiter und ich such mit 'nen anderen Chef". Manche Psychohelfer kommen auch gerne mit der Keule, man könne sich ja an einen Kollegen wenden (wenn man z. B. merkt, wie sie anfangen, einen geringschätzig zu behandeln und man es wagt, dagegensteuern zu wollen und sich noch ziemlich höflich um Klärung zu bemühen.) Schön, dass es da noch immer genügend Berufskollegen gibt, an die man sich stattdessen wenden kann und schön, dass eine stetig sinkende Anzahl an freiwilligen Hilfesuchenden nicht am Selbstbewusstsein des Helfenden kratzen kann. Der wacht erst bei sinkendem Einkommen so richtig auf. edit: Obwohl, wenn ich es mir so recht überlege, so scheint nicht mal das richtig zu helfen. "Die Hand, die einen ernährt, die beißt man nicht", also "Vogel, friss oder stirb!" Das kann er auch in einem rangniederen Job ausleben.

Aaaaah, und natürlich kommen sich doofe Vorgesetzt oder doofe Helfer immer noch lieb und nett und harmlos bei all ihrem Tun und Handeln vor! In einem Betrieb kann das Argument kommen "Wir sind hier kein Sozialamt, unsere Kunden stellen nunmal Ansprüche". In einer sozialen Institution kommt öfters die Ausrede "Was erwarten Sie denn nur?" Da bin ich natürlich keine "Kundin", die Ansprüche stellen darf!
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon mamschgerl » Do 7. Mär 2019, 17:24

Ja, leider. Wir wissen ja, daß ein Patient sich bei Mißerfolgen während der Behandlung meistens unkooperativ zeigt und von daher selbst schuld hat. Ein Wechsel zu einem Kollegen wird ja da noch unterstützt, denn so wird man den unbequemen Kandidaten am besten los und kann sich wieder den angenehmeren und folgsameren widmen, die einem mehr Ansehen bringen und zu allem ja und Amen sagen.
Früher war ich anders, furchtloser bezüglich meines Verhaltens gegenüber Vorgesetzten, aber da konnte ich jederzeit und überall auch einen neuen Job bekommen, zudem war ich ungebunden und trug für niemanden Verantwortung. Das witzige daran ist aber, daß ich genau durch dieses kompromisslose Verhalten meistens das bekommen hatte, was ich wollte, denn meine Forderungen waren nie unberechtigt oder überzogen. Aber mit Verantwortung bekommt man Angst vor dem, was danach kommen könnte und man tritt sehr viel leiser auf, frisst mehr in sich hinein und strandet am Ende bei einem Therapeuten, der einem einreden will, daß man ein überzogenes Gerechtigkeitsempfinden entwickelt hat und nicht anpassungsfähig ist, einem zu allem Überfluss auch noch Tipps geben will, wie man sich in solchen Situationen am besten verhält, also kuscht, sich also mit anderen Worten anpasst an die Bevormundung, Ausnutzung, Übervorteilung, Grenzüberschreitungen etc etc etc...weil man ja eh nichts dagegen tun kann. Das bedeutet nichts anderes, als gegen seine eigenen Empfindungen und Überzeugungen anzukämpfen und sich selbst zu verleugnen; wenn man da nicht vollends zusammenbricht, kann man von einem starken Überlebenswillen sprechen.
Würden wir anders denken, wären wir als Töchter geboren worden?

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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » Do 7. Mär 2019, 17:30

Im Kindergarten kursierte der Spruch: "Wer A... sagt, ist selber eins"!". Muss bei mir ganz schön hängengeblieben sein, gerade als Mädchen. Für Erwachsene lautet die Weisheit: "Wer mit dem Finger auf andere zeigt, zeigt mit drei Fingern auf sich selber". Es erscheint wie ein absurdes Spiel der Aggressionen ohne Anfang und Ende. Und auch immer wieder sehr ernüchternd, wenn man von Gesunden durchaus die Bestätigung erhält, dass die "Raubtiere" schon wissen, wo und wie sie ihre leichte "Beute" finden können. Da hat ein wehrloses Opfer, das eigens angepeilt wurde, ja nur versäumt, sich zu wehren. Selbst schuld!

Also echt, leben wir in einer aufgeklärten, rationalen Welt von friedliebenden Menschen oder ist das hier doch ein Dschungel der umformulierten ugga-ugga-Instinkte?

edit: Dieser Beitrag hat sich soeben mit Deinem überschnitten, liebes mamschgerl. Ich antworte Dir später auf Deinen letzten Beitrag.
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon mamschgerl » Do 7. Mär 2019, 21:02

Jaaa, wir leben immer noch im Dschungel :lol: wer sich am lautesten auf die Brust trommelt und am heftigsten auf den Boden stampft, kriegt immer, was er will...ob er recht hat oder nicht.
Ich hatte auch ein Problem als Mädchen, weil ich mich immer prügeln wollte und sowieso lieber ein Junge gewesen wäre...aber den Spruch mit dem "A... sagen, kenn ich nur mit dem "der muß auch 'B' sagen" am Ende. Das hat mich immer gestört, wieso muß ich B sagen, ich kann doch meine Meinung ändern? Ich weiß schon, daß der Spruch eigentlich bedeutet, daß man Angefangenes bis zum Ende durchziehen sollte, aber ich denke, wenn man unterwegs erkennt, daß der Anfang schon beschissen war, warum sollte man sich dann nicht eines Besseren besinnen und lieber die Sache vorher beenden?
Egal, ich kenne auch so viele Sprichwörter, die im Grunde nichts bedeuten, wenn man sie mal genauer hinterfragt. Aber einige mag ich doch, weil sie so richtig schön bescheuert sind wie z.B. " Steht im Dezember noch das Korn, is es wohl vergess'n worn..."
Weswegen einen dieses Dschungelverhalten so aufregt, ist die Tatsache, daß der Mensch in der heutigen Zeit, mit all dem Wissen, das er hat, immer noch wie ein Gorilla herumstapft und sein Territorium beherrschen will. Geht's noch? Traurig, verstörend, beängstigend finde ich dieses Verhalten und beunruhigend sowieso, ich wundere mich nicht, daß ich all diese psychischen Störungen habe und kein Vertrauen fassen kann, denn nicht nur meine Kindheit war für den A..., die Jahrzehnte danach konnte ich auch vielleicht nur eine Handvoll Nichtgorillas kennenlernen. Dummerweise tummeln sie sich überall, egal wo man ist, man wird umzingelt und um nicht aufzufallen, muß man sich ebenso auf die Brust trommeln, sonst wird man gnadenlos gegen den nächsten Baum geklatscht.
Deswegen frage ich auch nie nach dem Sinn des Lebens, obwohl die Antwort in dem Buch "Per Anhalter durch die Galaxis" gegeben wird, fällt mir gerade ein...
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Dieser Film zeigt den Aberwitz überdeutlich
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » Fr 8. Mär 2019, 22:04

Hi mamschgerl,

die Software dieses Forums ist nun so eingestellt, dass Schimpfwörter von vorneherein zensiert werden. Was ich mit dem Spruch aus Kindergartenzeiten sagen wollte, muss ich nun umschreiben: Wer jemand anderen mit einem dreckigen Schimpfwort belegt, hat dieses dreckige Schimpfwort selber verdient. Das A... (hier habe selber nur das A und die nachfolgenden Pünktchen hingetippt) bezieht sich dabei auf den Darmausgang am Allerwertesten. Hu, wenn ich das abgesendet habe, bin ich mal gespannt, ob wenigstens diese Version so stehengelassen wird. Und passt ja im Sinne dieses Kinderspruchs, wenn uns die Software davor bewahrt, dass all diese dreckigen Wörter auf uns zurückfallen könnten:-) Was liegt nun näher als an die "Jehova"-Szene aus "Das Leben des Brian" zu erinnern?

"Per Anhalter durch die Galaxis", davon habe ich die Serie in den 80ern geguckt und fand sie superwitzig. Später habe ich mir die Romanvorlage gepackt und sie nicht lange durchgehalten. Das war mir an Gags zuviel des Guten. Ich kann mich noch ungefähr an Marvin, den depressiven Roboter, erinnern, der sich dauernd degradiert fühlte, weil er eben nur ein Roboter war und nicht als vollwertiges Mitglied der Raumschiff-Crew akzeptiert wurde. Im ersten Starwars-Film z. B. ging es den Robotern noch gut und sie reklamierten nicht! An die Szene mit der 42 (aus "Per Anhalter.."), die der Computer ausspuckt als Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens oder was das alles soll, kann ich mich auch noch erinnern. War da auch nicht davon die Rede, einen Planeten namens Erde zu "bauen", der die Frage besser würde beantworten können? Oder soll die 42, englisch ausgesprochen und anders ausgeschrieben, daran erinnern, dass das Glück an gelingenden Ehen, Partnerschaften/Zweierkisten hängt? for two? Dietrich Bonhoeffer-Zitat: "Der Sinn des Lebens ist da erfüllt, wo Liebe ist" Dem ist nur noch hinzuzufügen, dass dann auch die Liebe nach all den Irrungen und Wirrungen erfüllt sein darf/muss/soll.

Derweil geht es mir immer noch ziemlich schlecht und die Erfahrungen, die ich gemacht habe und die ich jetzt im Nachhinein als so richtig ungerecht gegen mich bewerte, sind halt noch nicht auskuriert, es kam noch heilsame Kraft über mich und ich habe einfach nur Angst, dass ich nun so richtig wie der "Racheengel" klinge, als der ich schon bezeichnet worden bin und auf den dann umso mehr Hatz gemacht werden müsste. Aber angenommen ich bin Teil der strafenden Gerechtigkeit und verfahre noch schonend genug und völlig gerecht? Ha? Werde ich jetzt auf einmal vorsorglich von irgendeiner Seite zwangseingewiesen, weil sich an dieser Gedankenäußerung zeigt, wie gemeingefährlich ich doch bin? Diesen und andere "größenwahnsinnige" Gedanke habe ich schon ziemlich lange und wenn ich psychotisch wurde, wurde ich noch immer nicht gemeingefährlich. Dass ich gegen negative Vorurteile und Unterstellungen ankämpfen muss, durchzieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben, z. B. habe ich ja auch einen Migrationshintergrund.

Die (also ich) kommt so nett und tapfer daher her, da muss sich doch irgendwas finden lassen, was an ihr absolut schlimm ist. Und so kommt es dann vielleicht zu all diesen Vorurteilen, teilweise aber auch echten Falschaussagen gegen mich, die ich schon im Leben zu wiederlegen bemüht bin und dann im Kopf mit mir selber herumargumentiere, nur um endlich auf das "richtige" Argument stoßen zu können. Was für ein Dilemma: Bin ich nett, werde ich für doof befunden, bleibe ich nett, bin ich erst recht "Idiotentests" ausgeliefert, sage ich was oder wende ich mich ab, war ja angeblich sowieso klar, dass ich so schlimm bin, dass ich nur Schlimmes verdient hätte.

mamschgerl, was man Dir als überzogenes Gerechtigkeitsempfinden attestiert hat, ist wie wenn ich von einem Psychologen ein ums andere Mal als "gereizt" bezeichnet wurde und er sogar noch wortwörtlich zu mir sagte "Seien Sie nicht so gereizt!". a) ein gereizter Mensch würde beschwichtigt gehören und im "Training für soziale Kompetenzen" (Gruppenangebot "seiner" Tagesklinik, wird in vielen Tageskliniken angeboten) sprach sich genau dieser Psychologe für Deeskalierung aus. Eigentlich konnte er es nur nicht auf sich sitzen lassen, dass er wirklich Mist an mir gebaut hatte, als er mir im Einzelgespräch vorwarf, ich würde absichtlich heraushängen lassen, dass ich kein Bock auf das Gespräch hätte. Und noch am Morgen dieses Tages hatte ich in der Blitzlichtrunde seiner Gruppe ausgesagt, dass ich die Nacht zuvor schlaflos verbracht hatte und nun ziemlich übernächtigt und fertig in der Tagesklinik herumlaufe. Selbst wenn man sich nicht jede einzelne von ca 15 verschiedenen Aussagen, die in einer Blitzlichtrunde fallen, warum werden mir sogleich "böse Absichten" unterstellt? In dieser Situation war ich tatsächlich einfach nur fertig und übernächtigt gewesen. Aber falls man hier doch noch was "unbewusstes" vermuten will.

Ich war dreimal innerhalb von vier Jahren in dieser Tagesklinik gewesen. Jedesmal bekam ich diesen "jovialen" Zuckerbrot-und-Peitsche-Psychologen zugewiesen, obwohl ich schon beim zweiten Aufenthalt darum gebeten hatte, mit jemand anderem die Einzelgespräche führen zu können (da es mir als Vorschrift erklärt wurde, diese Einzelgespräche unbedingt über sich ergehen lassen zu müssen, egal ob die Chemie stimm oder nicht). Es gab jedes Mal was weiß ich für Gründe, die Gespräche stattdessen nicht mit dem Stationsarzt führen zu können. Also, wenn man mir die Möglichkeit geboten hätte, ganz auf diese Einzelgespräche verzichten zu können, weil ich mit diesem Psychologen nicht konnte (so wie viele andere Patienten übrigens auch nicht!) und der Stationsarzt überlastet war (was weiß ich) und trotzdem das Tagesklinik-Angebot nutzen zu können, das an sich sehr gut war (ausgehend von den Krankenschwestern), dann wäre es nicht zu dieser Situation gekommen. Und die Konsequenzen habe ich dann halt für mich selber gezogen: Ich habe seitdem nie wieder um Aufnahme in dieser Tagesklinik gebeten, und auch nicht in einer anderen. Das geht nun immerhin schon seit 17 Jahren so!

Ja, wieder könnte jemand kommen und sagen, na, wenn ich denn so überempfindlich bin, dann ist mir ja wirklich nicht zu helfen. Also dann kann man mir nicht helfen und ich darf es auch niemandem übelnehmen. Übrigens hatte mir dieser rustikale Psychologe mal ins Gesicht gepfeffert "Das ist nun wirklich Ihr Problem". Da hatte ich etwas an seiner Behandlung bemängelt. Man muss ja wenigstens was sagen, sonst kann es der andere ja nicht wissen. Ja, ich bin sehr empfindlich. Das sind im Grunde genommen alle Psychiatriepatienten. Da ist schonende Behandlung angezeigt und die Krankheit einem nicht zum Vorwurf machen. Wenn das ein Behandler nicht leisten kann, dann ist er halt ein gesunder und zufriedener Mensch und weil ich ein leidender Mensch bin, möchte ich geschont werden und gehe allen aus dem Weg, die mit meiner Verletzlichkeit nicht umgehen können. Also immerhin gibt es noch ein paar Leute, die sich entweder privat mit mir unterhalten oder aus beruflichen Gründen. So schlimm kann ich doch gar nicht sein, denn die kennen mich nun auch schon ein paar Jahre lang!
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon mamschgerl » Sa 9. Mär 2019, 07:59

Ja, du bist wirklich so was von empfindlich, man muss ständig aufpassen, was man zu dir sagt, überall liegen Minen herum und macht man einen falschen Satz, fliegt einem alles um die Ohren :mrgreen:
Ich denke, wie du weißt, nicht so über dich, vielleicht auch deshalb, weil ich selbst ja zu den Überempfindlichen gehöre, denen genau das ständig vorgehalten wird. Stimmt, wir sind auf Dauer sehr anstrengend, weil wir hinterfragen, auslegen, von allen Seiten betrachten und analysieren. Aber wir sind nur für diejenigen anstrengend, die selbst nicht nachdenken und wenn sie's doch mal tun, ganz schnell wieder damit aufhören. Na und? Wie schon geschrieben, konnte ich eine Handvoll Menschen kennenlernen, denen ich nicht zu anstrengend war und du hast auch welche kennengelernt. Was bedeutet das nun? Sind diese wenigen jetzt alle selbst verrückt, übersensibel, verdreht? Um den Faden mal weiterzuspinnen, vielleicht gehören wir zu den wenigen, die tatsächlich den Durchblick haben? :shock:
Spaß beiseite, ich für mich kann einfach nicht mehr ertragen, mich mit Smalltalk durchs Leben zu lavieren, ich habe lange genug mein Gesicht zur grinsenden Maske verzogen und anderen alles mögliche vorgespielt, obwohl es im Inneren gebrodelt hat. Es gibt momentan eben nur noch drei Menschen, die mich ertragen und umgekehrt. Vielleicht ist der Drang zu freiem Denken und Leben ohne konventionelle Vorgaben und persönliche Egotrips auslebende Therapeuten einfach übermächtig geworden und der Druck, der logischerweise ob dieser Übermacht auszuhalten ist, manchmal zu groß, so daß man kurz vorm endgültigen Durchdrehen steht?
Ich für mich hoffe ( und das nicht erst seit gestern...), daß es dazu nie kommen wird, denn dann hätten alle anderen viel zu lachen, wenn ich sabbernd in der Gummizelle "42" vor mich hinbrabbele.
Mag sein, daß mein Selbstwertgefühl ganz, ganz tief unten liegt, aber egal, wie viele von diesen Gorillas um mich herumschwirren und mir gelegentlich das Leben noch schwer machen können, hinter dem Guckfenster lande ich nicht.
Ach ja, die 42, da sieht man mal wieder ganz deutlich, zu welchen Gedankengängen du fähig bist. Ich wollte, ich hätte jemanden im RL, mit dem ich so über solche Dinge "rumspinnen" könnte. Im Ansatz hat sich meine Therapeutin mal auf sowas eingelassen, musste dann aber wieder zurückrudern, wobei ich mir immer noch nicht sicher bin, ob sie es aus Sicht der beruflichen Distanzwahrung oder eben, weil es ihr zu viel wurde, getan hat.
Ja, das kann für manche sehr, sehr anstrengend sein... :lol: ...und um die andere Sache mal klarzustellen, nicht du warst überempfindlich und gereizt, sondern der Psychotherapeut. Eindeutig überfordert, der Gute...wahrscheinlich hat er erkannt, daß er völlig falsch gelegen hat in seiner Berufswahl und nun ist es zu spät. Damit muß man auch mal klarkommen, tut er aber nicht, also braucht es solche Kandidatinnen wie dich, an denen er seinen Frust so richtig schön auslassen kann. Das wahre Wesen des Menschen zeigt sich am besten dann, wenn er eine Machtposition übernimmt. Da vergessen die meisten, ihr eigens Tun und Handeln zu hinterfragen, weil es eben keine große Rolle mehr spielt...
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » So 10. Mär 2019, 18:13

Hallo mamschgerl!

Es mag sein, dass dieser Psychologe schon gemerkt sein, dass dieser Beruf doch nicht so toll ist, wie er dachte. Aber die Akutpsychiatrie als Arbeitsplatz hatte er vor seinem Psychologiestudium bereits kennen gelernt, nämlich als Pfleger. Wie hat er doch gleich nochmal in seiner Gruppe für "soziale Kompetenzen" aus dem Nähkästchen geplaudert, also von dem, was ihn das Leben gelehrt hätte? Er hätte sich als junger Mann auch (dieses auch bezog sich auf eine theoretische Frage eines Patienten, ob in manchen Konfliktsituationen nicht vielleicht doch eine Prügelei die richtige Konfliktlösung sein könne) noch mit anderen jungen Männern geprügelt, es später aber sein gelassen. "Und das ist auch nicht das, was bei den Frauen gut ankommt! Da zählen dann eher berufliche Position und ein gutes Einkommen!" Das sagt er, nun da er endlich eine "Position" hat und in der Gruppe sitzen lauter Patienten, männlich wie weiblich, seltenst aus einer Führungsposition kommend, und können ihm nicht begreiflich machen, wie das an Arbeitsplätzen in der Wirtschaft tatsächlich abläuft. Er rät zur Deeskalation, zum Gespräch. Und hat man das sowieso schon immer beherzigt, kann man immer noch erkranken und bei ihm landen und er kann im Einzelgespräch eben nicht, was er da selber predigt. In einem Einzelgespräch gibt es ja auch keine Dritten als Zeugen! Dient alles, um das Vertrauen der Patienten zu fördern. Oder auch auszunutzen und kaputtzumachen! Der Typ ist schon überfordert, wenn er nicht angehimmelt wird. Er möchte kranken Menschen (kranken Frauen eher) helfen, die wenigstens ihn anlächeln. Er rät mir dazu, öfters zu lächeln, aber damit sei nichtdas "Keep smiling" gemeint. Übrigens empfinde ich es nicht als die Aufgabe eines Psychologen, einem ungebetene Styling-Tipps zu geben, schon gar nicht von Mann zu Frau. Wenn er Ohrringe an einer Frau toll findet, dann soll er sich bei anderen Frauen mit derlei "Tipps" unbeliebt machen, aber nicht seinen Patientinnen raten, "es mal mit 'nem Ohrrring" zu versuchen. Es ist ohnehin eine Geldfrage, ob man/frau sich echte Ohrringe leisten kann, die keine Allergien hervorrufen. Wenn ich als junges Mädchen billigen Modeschmuck vertragen hätte, wären meine Ohrlöcher nicht wieder zugewachsen. Aber inzwischen halte ich von allzu vielem Aufbrezeln ohnehin nichts mehr. Kann einem zwar vielleicht ein paar Türchen im Leben mehr öffnen, aber auch durchaus solche mit falscher Aufschrift...was man vorher aber nicht wissen konnte. Übrigens finde ich umgekehrt auch, dass man sich für einen sozialen Beruf besser nicht allzu sehr aufbrezeln sollte. Die Kittellänge reicht doch, um zwischen Ärzten und Psychologen und "all den anderen" auf Anhieb unterscheiden zu können. (Arzt = längerer Kittel, meist offenstehend, Pfleger = kurzer Kittel, meist zugeknöpft) Wer will denn da auch noch mit "gutem Aussehen" bei wem glänzen und warum?

Dass man im Job unzufrieden ist, ist kein Hindernis, ihn weiterhin auszuüben. Schließlich ist das Geld, das da verdient wird, das was privat gut ankommt (so auch bei den Frauen!!!) Noch steht aber im Raum, dass wir Patienten ja sowieso von vorneherein so unmöglich seien, sowieso unheilbar krank . Und wo keine Heilung "erzeugt" werden kann, weichen die Wichtigtuer (als Teilmenge unter den Mitarbeitern) halt auf einen Benimmkursus aus. Am besten bei denjenigen Patienten, die sich ohnehin schon ganz gut benehmen können, trotz der Last der Erkrankung. Und genau dieses Prinzip habe ich auch in anderen sozialen Institutionen kennen gelernt, früher aber noch nicht durchschaut, da hatte ich es an mir selbst noch nicht so oft erlebt und da hatte ich auch noch nicht so tief im Hilfssystem gehangen (sprich: ich war für einige Gesunde noch erträglich und Gesunde auch für mich). Nun ja, kann ja nicht heißen, dass je mehr auf-Teufel-komm-raus an mir herumgekrittelt wird, ich desto gesünder und desto anhänglicher werde . Selbst wenn es sich um eine "professionelle Meinung" handelt, ich betone "Meinung". Ein Experte darf mich furchtbar finden, aber genau deswegen soll ich ihn toll finden! Hä?

Dieser Psychologe meinte doch auch noch glatt beurteilen zu können, wie ich mich außerhalb der Klinik benehmen würde, obwohl er mich da nie erlebt hatte. Sorry, das war nun wirklich ein eindeutiger faux-pas! Und dann meinte er auch noch, andere würden sich nicht getrauen, mir "sowas" ins Gesicht zu sagen, er aber schon! ( Hat da jemand mal was von "dysphorisch-gereizt" in die Krankenakte geschrieben, wird einem das ein ums andere Mal auch von anderen Behandlern aufs Brot geschmiert. Es geht also darum, mich ausgeglichen zu machen, deswegen erlebe ich den Härtetest. Natürlich auch von selber recht reizbaren Leuten, z. B. diesem Psychologen selber! Aha, psychisch Kranke sind in ihrem ganzen Vorleben nie kritisiert worden, alle erfolgsverwöhnt, alle verzärtelt und verweichlicht , alle schicksalsgestrafte Mobber....*kotz*, Moment mal, er kann auch nicht wissen, was andere vor ihm mir schon alles "ins Gesicht gesagt haben", also sowohl Psychoprofis (später im Leben) als auch all meine anderen "sozialen Kontakte". Da soll doch all dieses Psychobusiness eigentlich einen Ausgleich für die Patienten schaffen. Stattdessen geht es um sichere Arbeitsplätze in der Psychiatrie, sichere Gehälter, damit wenigstens ein paar der Halbabilen dieser Gesellschaft, sich ihren gewünschten Ehepartner krallen und erhalten können. Weiß der Kuckuck, wie seine Frau mit ihm in seiner Rolle als Ehemann zufrieden ist. Aber was soll's, die kann sich ja ihrerseits im Notfall auch eine Psychotherapeutin suchen, wenn die Ehen von Psychologen nicht besser verlaufen als die von Pflegern und Krankenschwestern...

Uahhh, jetzt habe ich mir diesen einen Psychologen rausgepickt, auch wenn es noch andere Idioten in diesem Bereich gibt. Welche Enttäuschungen machen mir am meisten zu schaffen? Sowohl privat als auch in so einer finanziell getragenen Helfer-Patient-Beziehung? Die Leute, die mir erstmal sympathisch und vertrauenswürdig erschienen. Die Leute, von denen ich für eine angenehme Patientin gehalten werden wollte. Die Leute, denen ich ein ums andere mal was habe durchgehen lassen und dies nur schamlos ausgenutzt haben.

Jaaaa, Therapie steht immer stellvertretend für vergangene, noch nicht bereinigte Konflikte. Und was nu? Was lerne ich nu? Der übermächtige Gegner (Therapeut) verhält sich genauso wie der übermächtige Gegner in der Vergangenheit und will ganz genauso von mir hören, dass es nicht schlimm war, dass er mich ja nicht mit Absicht verletzen wollte blablabla... (und ich darf immer wieder über mich die "konstruktive Kritik" über mich ergehen lassen, dass ich ja alles mit Absicht mache...wenn ich kein falsches Lächeln kann und will, habu ich als Frau sowieso überall geluhst, das war früher auch schon so...)


Ja, sie wissen nicht, was sie einem antun, weil sie selber nicht krank sind, aber solch ein Verhalten hat mich ja auch in einem normalen Umfeld in die Krankheit geritten. Keiner will was dafür gekonnt haben, aber nur zum Spaß an der Freud bin ich auch nicht krank geworden, auch nicht um mich vor der Arbeit zu drücken.

Ich fürchte die Rachsucht derjenigen Helfer, denen ich jetzt - teilweise dezidiert - noch aus dem Weg gehen kann. Ich habe Angst, dass ich in einer Notsituation genau einem von denen wieder begegnen könnte, der mich schon einmal in einer Notsituation hat hängen lassen (hey, ich muss für eine Art Halbsimulantin gehalten worden sein, nur weil ich eine angenehme Patientin sein wollte, um gut behandelt zu werden, Notsituationen fallen in der Psychiatrie auch am ehesten dann auf, wenn es für den Patienten schon zu spät ist, aber noch kann ich mir einen besseren Tod vorstellen als durch menschliches Versagen) und der prima damit leben kann, immer wieder denselben Fehler zu machen, als ob er allein dadurch diesen Fehler in "gut gemacht" umwandeln könnte. Vielleicht war es damals noch keine gravierende Notsituation. Aber auch in einer gravierenden Notsituation würde man es nicht unbedingt meiner Mimik ansehen. Es könnte sich auch um einen Sozialarbeiter oder eine Sozialarbeiterin handeln, die mir den Weg zu einem Wohnheimplatz versperrt, nur weil ich dem oder der auch irgendwann das Vertrauen entzogen habe.

Der längere Hebel, der längere Hebel...man hätte ja was sagen können...hab oft genug was gesagt und noch moderat genug, aber das ist genau wie mit fluuu....dem fiel auch noch immer was ein...und die, vor denen ich mich im rl fürchte (nicht vor tödlichen Medikamentendosierungen etc., sondern eher um die Verweigerung einer Aufnahme in der Klinik oder in einem Wohnheim, weil ich ja schon immer soooooo hochmütig war und Hochmut nunmal vor dem Fall kommen muss...) sind zwar nicht so prollig und primitiv wie fluuu und im Gegensatz zu ihm tatsächlich qualifiziert und berufserfahren, aber genauso auf der Richtigkeit ihrer Sichtweise und Behandlungsmethoden beharrend. Wenn es um den eigenen Arbeitsplatz, das eigene Gehaltskonto, den eigenen hungrigen Magen, dem eigenen Bedürfnis nach einem gemütlichen Dach über dem Kopf geht und die eigenen "sozialen Kontakte", Ehen im Privatleben geht, dann kann das Renommé auch mal mit Lügen geschützt werden, die zu Lasten eines Patienten gehen. Das ist nicht das, was ich als ein "zu seinen Fehlern bei der Arbeit stehen" verstehe. Und wenn es denn bei mir immer nur um Kleinigkeiten ging, so ist daraus immer noch ein großer Haufen an Kleinigkeiten geworden und - wenn ich ehrlich bin - erwarte ich schon eine Wiedergutmachung gerade von denjenigen, die ihre Fehlleistungen trotz meines "Stopp-Schildes" munter weiter geleistet haben. Menschlich??? Aber immer doch, wenn's ums Geld geht....deswegen wird für Privatpatienten auch vieles geleistet, was man Kassenpatienten wie mir als "langfristig schädlich" vorenthält...
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon mamschgerl » So 10. Mär 2019, 18:40

Ja, das kann ich nachempfinden. Dieses Nichtvergessenkönnen, diese Hilflosigkeit, diese Wut, dieses Ausgeliefertsein...ich wundere mich nicht darüber, daß ich keine Konfrontationstherapie haben möchte, ich weiß genau, daß mir das mehr schadet als nutzt, ich weiß, wie alles in mir hochkocht und überläuft, nichts von all dem, was ich erlebt habe, kann ich unter der Rubrik: ist nun mal passiert, gehört zum Leben, kann man dann abhaken" einordnen und ablegen. Wer kommt überhaupt auf diese Schwachsinnsidee, daß all das jemals als nicht mehr so schlimm empfunden werden könnte? Wenn einem solche hirnrissigen Behandlungen dann auch noch von genauso hirnrissigen Therapeuten angetragen werden, braucht man sich nicht wundern, daß immer mehr therapieresistente Patienten und Patientinnen herauskommen. Es wundert mich auch nicht, daß angesichts der Überzahl an unfähigen Ärzten keinem dieser Halbgötter mal in den Sinn kommen könnte, daß eventuell irgendwie und irgendwo was falsch läuft...ach ja, ich vergaß: wir sind ja diejenigen, die falsch programmiert und unkooperativ und völlig verständnislos alles sabotieren, was uns an Hilfe von Fachleuten herangetragen wird.
Dieser selbstherrliche Typ, von dem du erzählst, würde im realen Leben genauso wie fluu eher verbal eine Klatsche kriegen, wenn er sich solche Äußerungen herausnehmen würde. Keine Frau, die etwas auf sich hält, lässt sich so eine tumbe Anmache gefallen, das kann er sich eben nur bei den Patientinnen erlauben, die sich eh meistens nicht aufzumucken trauen. Wen wundert's, daß er sich diesen Job ausgesucht hat? Nicht nur wegen des Ansehens und Geldes wegen, nein, er kann sich auch noch als selbstgerechter Macho und Großdepp aufspielen, um seine tiefsitzende Angst vor dem weiblichen Geschlecht zu überspielen. Armes, armes Würstchen, dumm nur, daß er eben die Macht hat und, wie du schon schreibst, nebst vielen anderen Großdeppen am längeren Hebel sitzt.
Ja, die Erinnerungen bleiben und arbeiten in einem genauso heftig wie am Tag des Geschehens.
L.G. mamschgerl


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