GdB Gutachten

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mamschgerl
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GdB Gutachten

Beitragvon mamschgerl » Mo 8. Okt 2018, 11:37

Heute hatte ich einen Termin bei einem vom Sozialgericht bestellten Gutachter; es geht um die Feststellung des GdB ( Grad der Behinderung ).
Die Sitzung war lange, ca 2 Stunden, inkl. EEG und Reflexuntersuchungen, zumindest soweit möglich, da ich mich nicht bis auf die Unterwäsche ausziehen und auch den Spatel nicht in meinem Mund haben wollte, ich bekam mittlere Panikattacken bei dem Gedanken, es geht eben nun mal nicht.
Es folgte ein wirklich langes Gespräch, in dem ich einiges nicht erzählen konnte, weil es mir zu sehr an die Substanz ging und meine ( mir möglichen ) Schilderungen über die Beeinträchtigungen im Alltag und dem ganzen Pipapo klangen in meinen Ohren so banal, so unwichtig, so lächerlich...dabei liegt das nur daran, daß ich mich an all diese Stolpersteine schon so sehr gewöhnt habe...Stände ich wieder am Anfang, also kurz vor meinem Zusammenbruch, würde ich nicht verstehen können, wieso man bei solchen Kleinigkeiten so aus der Fassung geraten kann, aber ich fühle mich eben in diesem Dauerzustand wie ein Kind, das die ersten Gehversuche alleine in der großen, weiten und bösen Welt machen muss und alles nimmt bedrohliche Ausmaße an.
Aber, was mich wirklich ärgerte, war wieder einmal dieser bescheuerte Satz: " Antidepressiva sind keine Suchtmittel und man wird nicht abhängig, es gibt keine Absetzsymptome." Das bekam ich zu hören, mit dem Unterton tiefsten Unverständnisses, weil ich alle Medis abgesetzt habe. Mein Argument, daß die bisherigen Mittel sich alle negativ auf meine Psyche ausgewirkt haben und die Nebenwirkungen nicht tragbar gewesen seien, hat ihn überhaupt nicht interessiert. Schließlich sei es doch wohl besser, "...in Watte gepackt und angstfreier.." im Alltag bestehen zu können, als sich ohne ADs voll den Symptomen ausgesetzt zu fühlen.
Daß sich mein Zustand bezüglich Angstzuständen, Panikattacken, Emotionslosigkeit, Depersonalisation, Dissoziationen etc etc etc unter Medikamenteneinfluß eher verstärkt haben, wollte er nicht gelten lassen...aber was soll's? Er ist ein von der "Gegenseite" bestellter Gutachter, da muß er alles gegen mich verwenden ( so kam es mir zumindest vor ).
Ich denke, das Ergebnis wird nicht in meinem Sinne ausfallen, obwohl der GdB bei komplexer PTBS eigentlich schon zwischen 60 bis 100 liegt, wird immer wieder dagegen entschieden, es gibt nicht umsonst soviele Klagen.
Aber egal, wie das ausgeht, das war mein letzter Kraftakt, ich pack' diese Ärzte einfach nicht mehr...

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Ihor
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Re: GdB Gutachten

Beitragvon Ihor » Sa 8. Dez 2018, 17:13

Hi, mamschgirl, warum, verdammt tausendmal, du könntest nicht mit diesen Bürokraten ohne Herz und Seele mit-spielen? Jetzt, na ja, ich wollte wissen, was dich im schlimmsten Fall erwartet? Sanktionen?

Lass dich virtuell drücken, wenn ich darf. Das ganze System ist total verrückt und bescheuert. Mache mir Sorgen. Du hattest mich hier immer unterstützt.

LG.


Igor.

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Re: GdB Gutachten

Beitragvon mamschgerl » So 9. Dez 2018, 20:13

Hallo Igor,
wider Erwarten wurde mir ein GdB von 50 attestiert, zwar nicht aufgrund der von allen bisher behandelnden Ärzten, Psychiatern und Therapeuten einhellig gestellten Diagnosen ( die er gnädigerweise größtenteils bestätigte ) sondern wegen einer schwerwiegenden narzisstischen Persönlichkeitsstörung...ich habe lange darüber nachgedacht, worauf er diesen Befund stützt und kann mir nur denken, daß er meine Äußerungen zu fehlenden Emotionen ( Eifersucht, Liebe, Neid etc etc etc ) völlig mißverstanden hat. Andererseits denke ich, wieso sollte ich dagegen vorgehen? Es ist mir mittlerweile völlig wurscht, welche Diagnosen mir gestellt werden, ich weiß, daß ich einen an der Klatsche hab und zwar gewaltig, daß mir vieles nicht mehr möglich ist und so weiter und so weiter, aber so ist es eben. Für mich ist nur wichtig, daß meine Selbstreflektion funktioniert und ich soweit in der Lage bin, zu registrieren, wenn ich wieder abbaue und in ein großes, schwarzes Loch zu fallen drohe, um dagegen anzukämpfen.
Und ich kann nicht mehr mitspielen, das habe ich mein ganzes Leben lang getan und am Ende hat mich diese Anpassung erst recht aus der Bahn geworfen.
Aber ich find's toll von dir und ich fühle mich gedrückt :mrgreen:
Im wirklichen Leben wäre das unmöglich, weil ich es nicht ertragen kann, angefasst zu werden, aber im Forum kannst du mich ganz lange drücken...und bitte, mach' dir keine Sorgen um mich, ich brauche nichts wegen des Gutachtens zu fürchten, ich bin so, wie ich bin und das reicht vollkommen, um zu erkennen, wie krank meine Psyche ist.
Ganz liebe Grüße
mamschgerl

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Re: GdB Gutachten

Beitragvon Ihor » Mo 4. Mär 2019, 14:30

Niemals, miemals ich hätte an den Gedsnken bekommmen, wenn ich dich lese, liebe mamschgerl, bei dir "narzisstische " Persönlichkeitstörung finden. Der Gutachter sollte selbst , verdammt, begutachtet werden. Und du kannst mir glauben, ich weiss das Fach von A bis Z, wie es die Russen sagen.

Mein Gott, in welcher bescheurten und wahnnsinnigen Gesellschaft wir doch leben!!! Nicht zu fassen!

Drücke dich selr lieb virtuell, liebe Mamschgerl.

Für dich, einfach so:

https://www.youtube.com/watch?v=unyzuc0Q1j0


Und für alle, die mich lesen:


https://www.deutschlandfunkkultur.de/su ... _id=434968

Sehr klug und wirklich professionell gemacht! Und es geht hier um die erste Reihe nicht über Suizid, sondern über die Wurzeln, die in der gesellschftlichen Struktur liegen.

LG.

Igor.

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Re: GdB Gutachten

Beitragvon mamschgerl » Mi 6. Mär 2019, 13:13

Hallo Igor,
vielen lieben Dank für den Link und natürlich auch für deine Umarmung...wie gesagt, hier im Forum kannst du mich ganz lange drücken :mrgreen:
Den anderen Beitrag habe ich nur wenige Minuten anhören können, triggert mich zu schnell, daher kann ich dazu nix sagen...
L.G. mamschgerl

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Re: GdB Gutachten

Beitragvon mamschgerl » Mi 20. Mär 2019, 13:17

Hallihallo,
ich melde mich zurück aus dem Termin beim Sozialgericht.
Im Vorfeld Ängste ausgestanden, Argumente zurechtgelegt, alle möglichen Szenarien im Kopf durchgespielt, gestern Nacht natürlich nicht geschlafen, heute Vormittag als zittriges, übernervöses Nervenbündel zum Gericht gedüst, 1 Stunde gewartet wegen Verzögerungen der anderen Verfahren vor mir und dann - endlich - mein Aufruf.
Die Anspannung nahm überhand, Tränen kullerten, ich entschuldigte mich beim Vorsitzenden nebst zweier Beisitzer und Protokollführerin und natürlich bei der Dame vom Versorgungsamt, doch allseits nur höfliches "Kein Problem, keine Angst, heute wird zu Ihren Gunsten entschieden, alles gut!"
:shock:
Ich musste kein einziges Wort zur Sache äußern, vom Versorgungsamt kam kein Einspruch, als der Richter den Beschluss vorlas, daß nach Aktenlage und -einsicht zu meinen Gunsten verfahren wurde, mir wurde ein GdB von 50 anerkannt und der Behindertenausweis zugesichert, obwohl ausdrücklich nicht das Gutachten berücksichtigt wurde, sondern die Befunde und Diagnosen der über Jahre behandelnden Ärzte.
Zudem wurde noch gerügt, daß man dieses Verfahren überhaupt auf Betreiben des Versorgungsamtes hatte durchführen müssen und die Kosten für den Gutachter hätte man sich auch sparen können.
Dann wünschte man mir einen schönen Tag und ich konnte wieder gehen, das war's.
Insgesamt eine Sache von 5 Minuten...die mich um 10 Jahre altern ließen, aber eben vorher, weil ich es so nicht erwartet hätte...
Und wieder einmal denke ich, wie schön das früher war, als ich mir wegen so eines Termins überhaupt keinen Kopf gemacht hätte und einfach nur darauf neugierig gewesen wäre, was da so auf mich zukommt...

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Re: GdB Gutachten

Beitragvon mamschgerl » Do 18. Apr 2019, 09:58

...so, heute kam der Schwerbehindertenausweis mit GdB 50 in grün, unbefristet, mit Gültigkeit ab Juli 2016.
Wenn man davon absieht, daß das ganze Verfahren inklusive Widerspruch und Gerichtstermin knappe 3 Jahre dauerte, bin ich froh darüber, daß er unbefristet ausgestellt wurde und ich nicht in 3 oder 5 Jahren einen erneuten Antrag auf Verlängerung stellen muß.
Insgesamt hatte ich bei der Beantragung auf volle Erwerbsminderungsrente, die auch problemlos nach nicht mal 2 Jahren auf unbefristet geändert wurde und dem Antrag auf diesen Ausweis, der ja auch unbefristet ist, vergleichsweise wenig Probleme, wenn man so liest und hört, wie es anderen Antragstellern ergeht...

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Re: GdB Gutachten

Beitragvon Franz Engels » Do 13. Jun 2019, 09:40

Hallo mamschgerl

Ja, es ist häufig eine Zumutung, was Betroffenen durch Behörden und Versicherungen zusätzlich zu ihrem Leiden zugemutet wird.
Glückwunsch zu Ihrem Erfolg!

Freundliche Grüsse
Franz Engels
Das Gegenteil ist nur die Rückseite derselben Medaille.

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Re: GdB Gutachten

Beitragvon mamschgerl » Do 13. Jun 2019, 20:14

Hallo Herr Engels,
danke für Ihre Worte...ja, es ist eine Zumutung und ich bin froh darüber, daß ich alleine schon aus meinem Inneren heraus, das sich nicht kleinkriegen lassen will, alle nötigen Termine wahrnehme und es mir mittlerweile wirklich total egal ist, ob ich aufgrund mangelnder Kontrolle dabei weine oder dissoziiere oder sonstige Dinge mit mir passieren...damit müssen die anderen umzugehen lernen, wenn ich denn persönlich zu allen nötigen und unnötigen Terminen zu erscheinen habe.
Wieviele das aber nicht können, habe ich am Sozialgericht erleben dürfen. Ich war wohl die einzige ohne Rechtsbeistand und aus den Gesprächen um mich herum im Warteraum war herauszuhören, wieviele Mühen und Instanzen die Betroffenen schon durchlaufen hatten und eigentlich schon völlig am Ende waren.
Wieviele gibt es, die das nicht durchhalten können und vorher aufgeben? Wer hilft denen? Wundert es da wirklich, daß man auf die Idee kommt, daß all diese Hürden absichtlich aufgestellt werden, um eben die meisten vorher schon auszubremsen?
Alleine die vielen diversen Anträge bei den jeweiligen Ämtern, der Schriftverkehr, die Diskussionen, die Art und Weise, wie mit einem umgegangen wird, die Hinhaltetaktik...nicht zuletzt das unsägliche Verhalten mancher Ärzte...all das nötigt einen entweder zum Mobilisieren aller noch vorhandenen Kräfte oder es führt zur völligen Resignation. Letzteres, denke ich, passiert all zu häufig.
Viele Grüße
mamschgerl

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Re: GdB Gutachten

Beitragvon ssri » Di 22. Okt 2019, 22:54

ich hoffe es ist ok, wenn ich etwas schreibe, obwohl der Thread schon etwas älter ist...

So was in der Art kenn ich auch, mamschgerl.
Ich wurde 2002 von einem Gutachter der Invaliditätsversicherung abgeklärt; zum Glück nur psychiatrisch, ein physische Untersuchung hätt ich wohl auch nicht durchgestanden oder abbrechen müssen.
Der hat sich zwar sehr viel Zeit genommen; glaub 3x je 5 Stunden; aber da kam auch viel blödes Gehabe, auch wegen Medis.
Da er mir zu guter Letzt eine atypische Schizophrenie attestiert hatte, meinte er, ich müsse unbedingt eine antipsychotische Pharmakotherapie beginnen. Naja, das hab ich dann gemacht, mit den Zyprexa - damit ging es mir noch schlechter als ohne...
Als Mediziner wollte er natürlich auch nicht meine ablehnende Haltung gegenüber der Medizin so stehen lassen und hat's dann soweit getrieben, dass ich nur noch geweint habe. Es war eine Katastrophe!
2015 hatte ich eine Revision meiner Rentenberechtigung. Da hat mein damaliger Hausarzt, obwohl wir erst kurz zuvor hier her umgezogen waren und er mich erst 3 Mal gesehen hat, kurzerhand als arbeitsfähig deklariert. Ich hab zu spät gemerkt, dass er bei einer einschlägig bekannten Partei engagiert ist, deren Auffassung es ist, dass alle, die invalide sind, vorallem die psychisch Kranken nur zu faul zum Arbeiten sind. Danach musste ich meine Psychiaterin am anderen Ende der Schweiz mobilisieren, dorthin reisen, damit sie ein aktuelles Gutachten verfassen kann, damit ich meinen Rentenanspruch nicht verlieren.
Ja, und das alles, obwohl ich da schon 15 Jahre lang keinen Tag mehr gearbeitet hatte und psychisch in einem desolaten Zustand war.

Ich weiss echt nicht, wo diese Leute und Institutionen leben; weltfremder kann man gar nicht mehr sein; aber eben, das ist wenn alles Soziale angeblich einfach zu viel kostet.

Lass dich nicht unterkriegen; ich versteh dich nur zu gut!

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Laura
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Re: GdB Gutachten

Beitragvon Laura » Do 24. Okt 2019, 13:28

Das ist jetzt nur eine Vermutung von mir, aber Gutachterpöstchen sind doch oftmals auch nichts anderes als ein Arbeitsplatz, an denen besonders schlechte Ärzte, die woanders schon (mehrmals) durchgefallen sind, ihr Gnadenbrot erhalten. Müssen die aber sauer sein, dass sie daran gehindert werden, weiterhin schlechte Ärzte im eigentlichen Sinn sein zu dürfen...na ja, dafür sind sie dann halt schlechte erbarmungslose Gutachter...das ist auch eine Art, das soziale Netz in Anspruch zu nehmen...
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Re: GdB Gutachten

Beitragvon ssri » Mo 28. Okt 2019, 17:39

Natürlich, zudem ist es bei Ärzten generell immer so, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt.
Dann wissen die zuständigen Stellen bei der Wahl des Gutachters ja auch schon die Tendenz, die ein zu erarbeitendes Gutachten haben wird. Wer im Interesse der Sozialwerke - also schlussendlich zu Ungunsten des Patienten - schreibt, wird sicher eher immer wieder berücksichtigt als ein Gutachter, der sich dem Wohl des Patienten verschreibt.
Das ist ja auch irgendwie schon systemimmanent.


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