schlafenden Hund geweckt...

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seelera
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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon seelera » Di 29. Nov 2011, 14:06

Hallo, ihr Guten,

Kleines Resumee von 2 1/2 Wochen Psychiatrie meines Sohnes.

Zyprexa hat er nicht vertragen,( wirkte nach der 2. Dosis wie ein Schlaganfallpatient) also Solian bekommen.
Bislang fast nebenwirkungsfrei, keine Motorikstörungen, allerdings eine gewisse Unruhe.
gegen die hat er sich begonnen zu beschäftigen mit "Bastelarbeiten", die er sich selbst gewählt hat:
Aus Müll etwas praktisch verwendbares machen, Dinge säubern und reparieren,
soweit ohne grösseres Werkzeug möglich...Die Ärztin hat das beobachtet (obwohl sie total überlastet ist,
hat sie dennoch ein Aug auf ihre patienten =D> ) und jetzt darf er zur Ergotherapie und Haushaltsgegenstände
reparieren. Weil man begriffen hat, dass das seine Art ist, den Geist zu strukturieren.
Ganz zu Anfang war er einmal fixiert,
bleibt aber dabei, das das sein Wunsch war
und er es durchaus in dem Moment als beruhigend empfunden hat. :-k
ich darf ihm nach Absprache mit ihm und natürlich mit dem Arzt ein leberunterstützendes ayurvedisches Medikament mitbringen.

Sehr langsam taucht er aus der ich-nenn-das-mal "Babyphase" wieder auf
und steckt die Nase in die Realität,
spricht Dinge an, taucht aber blitzschnell wieder ab, wenn es ihm zuviel wird.
Um ihn zu unterstützen, bin ich tgl. 1-2 Stündchen da, immer zur selben Uhrzeit,
weil er nach Struktur lechzt.
Wir sitzen gemütlich zusammen, Smalltalk und er überprüft mich auf meine Ehrlichkeit ihm gegenüber,
gibt und holt Streicheleinheiten.
Er kann die Station als Zufluchtsort geniessen, wo er frei ist vom Alltag...
Versucht sich auf die Schliche zu kommen, sieht sich differenziert,
baut ein positives aber nicht übertriebenes Selbstwertgefühl auf.
Akzeptiert die Psychose als Chance, eigene Grenzen neu zu stecken,
Empfindsamkeit zuzulassen.

Ich für meinen Teil merke, wie sehr ich ihn liebe.
Merke auch, das mir mehr wehtut, als ich zugeben möchte.
Sehe die anderen Patienten
- soo viele liebevolle Menschen gefangen in ihrer Traurigkeit und auch Angst -
kann aber halt nur nach einem gucken und auch da nur kleine Hilfe anbieten...
Kostet auch viel Kraft und ich hoffe, das ich nicht nachlasse und anfange zu schwächeln...

So, das nur als "Ticker".

Liebe Grüsse.
Liebe Grüße, seelera
  • ? ???????? ???,

Mirjam
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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon Mirjam » Di 29. Nov 2011, 14:19

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Remedias
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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon Remedias » Di 29. Nov 2011, 14:42

Hallo liebe Seelera,
:B-fly:
ich bin mir sicher, du bist eine liebevolle und zugewandte mutter;
deinem Sohn geht es bestimmt bald besser,
gerade Psychosen, die heftig und turbulent verlaufen und auch so anfangen,
haben die besten Aussichten
Ich wünsche euch viel Kraft!
Aber sorge dafür dass dein Sohn nicht allzulange Solian bekommt.
Ich habe es 2 Jahre lang genommen und es dann abgesetzt und kam in eine schlimme Absetzpsychose. Die Ärzte haben mich geradezu gegen die Wand fahren lassen.

liebe Grüße Remedias

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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon seelera » Di 29. Nov 2011, 14:57

Danke, ihr Lieben,

ich guck und horch schon rum -überall mit Elefantenohren und Chamäleonaugen :wink:
Das Ausschleichen scheint immer superheftig zu sein, egal was...
Erstmal muss er in den Apfel beissen... :roll:

ich ticker weiter
(immer mit dem Ding im Hinterkopf, das es vielleicht irgendwann auch jemandem anderen mal was nützt...)


*drücke Euch zwei mal fest*
Liebe Grüße, seelera
  • ? ???????? ???,

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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon seelera » Mi 30. Nov 2011, 03:57

Hallo,

Da hatte ich mich mal "gefreut" - ich lass es zukünftig wieder :roll:
Schon früher hat es mich in der offenen gestört, dass so viele Krankheitsbilder miteinander untergebracht sind,
die sich nicht unbedingt miteinander vertragen - für die die Ruhe brauchen sind viele andere Patienten,
die rund um die Uhr aktiv sind, nicht heilsam usw.
Gestern ist einer aggressiv ausgetickt
und bis ich kam, hatte sich die aggressivität wie ein Brandsatz über der Station verteilt.
Das ist so eine Dynamik, die greift automatisch wo viele Menschen zusammen sind,
sei es in einer Kneipe, auf einer Demo oder in der Psychiatrie -
einer fällt aus der Rolle und alle folgen ungewollt automatisch nach...

Mein Sohn hat das aufgesogen wie ein Schwamm und bis ich kam war er total aufgewühlt.
Habe faktisch ein gebrochenes Nasenbein riskiert.
Er hat mich angebettelt, mit nach hause zu kommen und ich kann doch nicht drauf eingehen... :sad:
Bin dann länger geblieben (irgendwann hatte ich den letzten Bus verpasst, aber war egal)
und auf dem Weg in Gespräch mit zwei Ärzten (für was bekommen die eigentlich geld #-o )
habe ich erfahren, das ohne Absprache zusätzliche Medis angesetzt worden sind,
das mein Bub rumläuft wie ein totaler Autist.
(Sagt der eine Arzt zu mir:"Ich bin jetzt 58 Jahre alt, aber schauen sie mal, ist der Geist nicht ein faszinierendes Ding?
Der andere meinte ,er wäre eigentlich nur Bereitschaft und nicht wirklich für die Psych zuständig , mache das aber seit 23 Jahren, blablala.Labert gefühlte halbe Stunde über gequirlten Schafscheiss und ich entschuldige mich hinterher noch, das ich seine Zeit in Anspruch genommen habe,ich ärgere mich über mich selbst!
Während mein Sohn neben mir voller Not zappelt und zittert, weil er "zuviel Energie" hat ---> arrythmie oder wie das heisst?)
Ich brauch jetzt bald garnicht mehr ins bett zu gehen, stehe eh um sechs Uhr auf, damit ich um acht auf der Matte steh bei der Ärztin.
(Ich seh schon, wie remedias mit dem Kopf nickt und sagt: das habe ich doch geahnt. - Mann ich war jeden beschissenen Tag oben auf Station, wo ist das Problem mir einen Zettel hinzulegen - ich nehme mir alle zeit der Welt - habe mir sogar eine Auszeit bei meiner besch... Seminar genommen und krieg deshalb Stress, scheissegal, geht um mein Kind. Was der braucht ist Gesprächstherapie und nicht noch mehr Tabs; mit mir kann er nicht drüber reden, schon vom Thema, weil ich seinen Vater am liebsten ordentlich verdreschen würde.
Soll ich der Ärztin mal ihre vielen bunten Smarties reinstopfen, damit die mal spürt, wie es ist? Den Schmerz kann man greifen, der hat Substanz, merkt sie das nicht mehr?
verdammt, ich kann ihn nicht mit heim nehmen, ich schaff das allein nicht und meine freunde haben jede Menge mitfühlender Kommentare -aber die kann ich mir hier abholen, dafür brauche ich meine Freunde nicht - die haben doch Angst sich am galoppierenden Wahnsinn anzustecken..."Wie kann ich helfen?" Die Frage fällt natürlich überhaupt nicht.Klar, habe über 20 jahre meine Kinder grossgezogen, da ist man ja mit allen wassern gewaschen und sooooo stark, da braucht man keinen mehr: und besuchen brauchen die ihn auch nicht, da könnten sie ja Schaden an ihren zarten Seelen nehmen - als ich in der Psych gearbeitet habe und regelmässig geheult habe, da war ich hysterisch und "ein job im Krankenhaus, da braucht man kein Drama draus machen, wie du dich da aufführst, das sind sicher die Vorboten der Wechseljahre" , aber sie selber mal 30 Minuten hingehen, ganz ohne Drama - wahrscheinlich ist der Nagellack noch nicht trocken oder sie müssen dringend GZSZ gucken...

Habe ich einen zorn.... :agrue: Hoffentlich bis morgen neun Uhr!!!


Liebe Grüsse
Liebe Grüße, seelera
  • ? ???????? ???,

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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon Remedias » Mi 30. Nov 2011, 15:31

hallo Seelera,
habe heute mit einer ganz netten Soziotherapeutin geredet, und die sagte mir auch, dass ein Klinikaufenthalt Neuroleptika und noch mehr Neuroleptika bedeutet; ich hoffe, dass sie bei deinem Sohn bald wieder rausgenommen werden; das was ich noch akzeptieren würde, ist kurzzeitig Tavor (macht zwar süchtig, aber es verändert die Persönlichkeit nicht; und ich schreibe auch kurzfristig) Tavor hilft einem auch wunderbar beim Schlafen.
Da ich viel Ruhe brauchte. durfte ich auch mal das Zimmer wechseln, weil meine manische Bettnachbarin keine Ruhe gab.
Was der braucht ist Gesprächstherapie und nicht noch mehr Tabs; mit mir kann er nicht drüber reden, schon vom Thema, weil ich seinen Vater am liebsten ordentlich verdreschen würde.

Das ist in der Klinik faktisch nicht zu kriegen. Mit mir hat fast nie einer gesprochen, höchstens mal ein netter Pfleger, wenn der Zeit hatte und natürlich all die netten Mitpatienten, die sich total um mich gekümmert haben. Die Gesprächstherapie kommt nach der Klinik. Auch in der Tagesklinik gibt es zumindest zweimal die Woche Gespräch.
besuche ist so eine Sache. Den meisten Leuten extrem unangenehm - nicht weil sie Angst vor dem einzelnen Patienten haben - sondern weil sie Angst vor dem "Irrenhaus" haben.
Soll ich der Ärztin mal ihre vielen bunten Smarties reinstopfen, damit die mal spürt, wie es ist?
ja, das wäre gut, tus lieber nicht. Sonst behalten sie dich auch noch da.

liebe Grüße Remedias

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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon Mirjam » Mi 30. Nov 2011, 19:46

Hallo Seelera !
Schon früher hat es mich in der offenen gestört, dass so viele Krankheitsbilder miteinander untergebracht sind
Wie nennt sich denn die Abteilung ?
(Sagt der eine Arzt zu mir:"Ich bin jetzt 58 Jahre alt, aber schauen sie mal, ist der Geist nicht ein faszinierendes Ding?
Da hättest ihn vielleicht :shock: mit großen Augen anschauen können und sagen: Ich seh nix...!

brauche ich meine Freunde nicht - die haben doch Angst sich am galoppierenden Wahnsinn anzustecken..."Wie kann ich helfen?" ...... selber mal 30 Minuten hingehen, ganz ohne Drama - wahrscheinlich ist der Nagellack noch nicht trocken oder sie müssen dringend GZSZ gucken...
Habe ich einen zorn....
Dein Zorn ist nachvollziehbar. Aber, kann es sein, dass die um sich greifende Aggression au der Abteilung noch dermaßen in der Luft lag, dass du dich auch ein Stück weit hast anstecken lassen? Und dann die Wirkung deines Sohnes, der im Gegensatz zur Aggression vollgedröhnt und platt rumläuft... Das schafft Verwirrung in Gefühlen. Und dann noch die Seite deiner Freunde.. Aber wissen sie von dir, dass du es gut finden würdest, wenn sie ihn besuchen würden? Vielleicht denken sie ganz anders. Vielleicht denken sie, dass es dir oder deinem Sohn unangenehm wäre, wenn sie ihn besuchen würden. Nur so ein Gedanke. Wenn's so ist, dass sie vorm galoppierenden Wahnsinn (schöner Begriff trotz seiner Tragik) Angst haben, könnten sie diese vielleicht überwinden, indem ihnen klar wird, dass man da schneller landen kann als man denkt, auch sie! Tja, so sind's sie. Die Leuts, die Menschen, die Freunde, sogar Verwandte.
LG
Mirjam

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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon Remedias » Mi 30. Nov 2011, 19:58

Hallo Seelera !
Schon früher hat es mich in der offenen gestört, dass so viele Krankheitsbilder miteinander untergebracht sind
Wie nennt sich denn die Abteilung ?
Ich kenne es auch so; von der akutpsychiatrischen Geschlossenen Station. Dann gab es noch Psychosestation, Depressionstation, Psychotherapiestation und Geriatrie.

Ich wollte immer auf die Psychotherapiestation; da kamen die Psychologen, um Aufnahmegespräche zu führen; aber mich haben sie nie interviewt. =;

Am schlimmsten fand ich persönlich die Depressionsstation. Da kamen die ganzen Fast - Suizidalen hin und haben mir in Einzelheiten von ihrem Selbstmordversuch erzählt - gruselig.

liebe Grüße Remedias

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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon seelera » Do 1. Dez 2011, 15:38

Hallo, Ihr zwei,

das ist eine offene Psychiatrie mit angeschlossener Tagesklinik.
Vielleicht eherAuffang und Weiterreichstation.
Alle möglichen Krankheitsbilder auf einem Platz.
Neuroligischer und Psychiatrischer Art.

Sicher lernt man Herzensbildung dort.
es ist eine harte Schule...


Aber ohne Gespräche nützt die ganze Behandlung nichts.
Da sitzt inrgendwo in dem Kerle eine schwere Erschütterung und Enttäuschung,
und- was-weiss-ich-noch und da muss man ran und mit arbeiten.
Das muss im Laufe der Zeit bewusst werden,
damit er daran und damit arbeiten kann.
Ohne das ist eine Genesung nicht möglich.
Meine feste Meinung.
Das kann umgewandelt werden in was konstruktives.
das muss umgewandelt werden in was konstruktives,
sonst war das alles für die Katz....


LG


seelera
Liebe Grüße, seelera
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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon Remedias » Do 1. Dez 2011, 15:54

Aber ohne Gespräche nützt die ganze Behandlung nichts.
Für mich ist das immer zweierlei :
Entweder Psychiatrie; da gibt es Tabletten und keiner redet mit einem
ODER
Psychotherapie - da darf man dann reden und es gibt keine oder wenig Medikamente.

Vielleicht darf dein Sohn bald in die Tagesklinik. Dort finden wesentlich mehr Gespräche und auch Therapien, in denen man seine Gefühle ausdrucken kann - also Kunsttherapie beispielsweise oder um wieder runter zu kommen, Ergotherapie statt.
Tagesklinik ist wesentlich hilfreicher als vollstationär.

liebe Grüße Remedias

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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon seelera » Do 1. Dez 2011, 18:59

Liebe Remedias,

in unserer Teagesklinik wird auf Eigenverantwortung gesetzt.
Manche Leute werden davon total demotiviert, weil sie den ganzen Tag rum sitzen und nix tun...

So, ich muss dann man paar Tage weg....
Bleibt alle gar gesund,
man liest sich, wenn sich mein Sturm im Waserglas wieder beruhigt hat. :cool:


Glg
Liebe Grüße, seelera
  • ? ???????? ???,


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