SSRI bedingte sexuelle Dysfunktion

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Witsch
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SSRI bedingte sexuelle Dysfunktion

Beitragvon Witsch » Di 8. Mär 2011, 13:24

Hallo,

darüber ist leider wenig bekannt geworden, dass unter SSRI-Medikationen mit Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin, Fluvoxamin, Sertralin und andere, auch unter Trazodon (Thombran) es zu bleibenden sexuellen Dysfunktionen kommen kann. In der forensischen Medizin erhalten Sexualstraftäter, zwecks "chemischer Kastration", bezeichnenderweise das SSRI Medikament Cipralex. In den USA ist die ehemalige "Glückspille" Fluctin bei Millionen impotenter Männer mittlerweile zu einem Fluch geworden. Auch ältere trizyklische Medikamente forcieren den Testosteronmangel durch eine erhöhte Prolaktinausschüttung ins But und erzeugen somit Impotenz und erektile Dysfunktion. Nun kann man sich oft zwischen den Nebenwirkungen Adipositas/Fettsucht und Heißhungerattacken oder Libido- und Sexualstörungen entscheiden um auf eine ausreichende Wirksamkeit bei Depressionen und Angstzuständen zu hoffen. Manche schaffen es, ihre Symptome mit Elontril (Bupropion) erfolgreich ohne diese beschriebenen NW behandeln zu können. Ansonsten bleibt nicht viel übrig, vielleicht mal ein Medikament, welches einem bei den Nebenwirkungen nicht gleich die Tränen in die Augen treibt.

Zur Person:
Aus einer langlebigen Misere heraus, dass bei chronischen Depressionen (Dysthymie) mit Angstzuständen Medikamente kaum wirken, hatte ich Anfang Januar 2010 mein perforiertes Trommelfell operieren lassen und wegen einer Tubenventilationsstörung Mitte letzten Jahres einen Tinnitus und dazu natürlich spätere Panikattacken entwickelt. Das hat dann vollends ausgereicht, den sehr labilen Zustand wieder weiter anzufachen. Alles wurde medikamentös durchprobiert mit Schädel-MRT neurologisch und HNO-ärztlich untersucht und behandelt. Schlaftraining, Meditation, Affirmation, Sport, geblieben sind ein Ohrgeräusch, Schlafstörungen, die üblichen Angstbauchschmerzen und vermutlich eine Benzodiazepinabhängikeit über 17 Monate durch Alprazolam. Nun gibt es gegen diese Symptome das Antiepileptikum Gabapentin verschrieben, welches aus der Gruppe der antikonvulsiven Medikamente einen anderen Wirkansatz im Gehirn antriggert, welcher nicht abhängig macht und gleichsam gegen Ängste, Schmerzsymptome (Phantomschmerz = Tinnitus) und Depressionen wirksam sein kann.

Schau'n mer mal!

Witsch

cake
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Re: SSRI bedingte sexuelle Dysfunktion

Beitragvon cake » Di 8. Mär 2011, 13:55

Schau'n mer mal!
Ja, hoffen wir mal, dass gut wird. :wink:
Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. (Ludwig Erhard)

http://angstfrei.plusbb.org/forum.php
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Remedias
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Re: SSRI bedingte sexuelle Dysfunktion

Beitragvon Remedias » Di 8. Mär 2011, 14:03

Hallo, witsch,
dieser Mechanismus mit dem prolaktin haben sehr viele Medikamente; ich nehme Medikamente aus der Gruppe der Neuroleptika und mein Prolaktinspiegel ist 17 fach erhöht. ich bin eine Frau und leide sehr unter meinem mangelnden Sexualverlangen, schon weil ich in einer festen Partnerschaft lebe. das ist auch für den Partner nicht einfach.
Wie lange sollst du deine Medikamente nehmen? Ist angedacht, sie auch wieder auszuschleichen?

liebe Grüße Remedias

Witsch
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Re: SSRI bedingte sexuelle Dysfunktion

Beitragvon Witsch » Di 8. Mär 2011, 14:32

Hallo Remedias,

ich versuche aus mehreren Richtungen durch Medikamente und entsprechende Psychotherapie meine Symptome anzugehen. Da gab es dann zwischenzeitlich Testosterondepotspritzen und Levitra verordnet. Aktuell habe ich nun das SSRI Medikament Cipralex und das Alprazolam abgesetzt und stattdessen das neue Medikament Gabapentin eingenommen. Zeitweise bin ich im "freien Flug", da ich gegen diese Medikamente verständlicherweise eine Aversion entwickelt habe. Ich glaube daran, eines Tages durch die langjährige Psychotherapie meiner frühen Störungen völlig ohne Medikamente angstfrei und stabil leben zu können.
Wichtig ist es in einer Beziehung den jeweiligen Partner zu informieren, dass durch die einzunehmenden Medikamente/Neuroleptika Hormonausschüttungen erfolgen, die eine sexuelle Unlust erklärbar machen und mit der anderen Beziehungsperson weniger zu tun haben.

Liebe Grüße

Witsch

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Remedias
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Re: SSRI bedingte sexuelle Dysfunktion

Beitragvon Remedias » Di 8. Mär 2011, 15:03

Ich glaube daran, eines Tages durch die langjährige Psychotherapie meiner frühen Störungen völlig ohne Medikamente angstfrei und stabil leben zu können.


Liebe Grüße

Witsch
Das wünsche ich dir!

lieben Gruß Remedias

Witsch
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Re: SSRI bedingte sexuelle Dysfunktion

Beitragvon Witsch » Mi 9. Mär 2011, 02:13

Hallo,

herzlichen Dank an die beiden User für die lieben Rückmeldungen.

Doch hätte ich früher niemals zu glauben gewagt, dass ich eines Tages aus der geschilderten Not heraus, dass Psychopharmaka, wenn überhaupt, nur ca. zu 20 % wirksam sind, mir dadurch auch noch einen Langzeitschaden der neuronalen Zustände im Hirn zuziehen könne. Sicherlich wäre es vermessen gewesen einfach zu glauben, dass diese hirnverändernden SSRI/SNRI Substanzen keine derartigen Nach- und Nebenwirkungen hätten, zu denen wohl wenige Langzeitstudien vorliegen, da Hirnveränderungen oft den ursächlichen Grunderkrankungen zugerechnet werden und nicht ausschließlich als von diesen Medikamenten ausgelöst betrachtet werden können.
Mein behandelnder Neurologe sagte letztens wieder so schön, "Wir Ärzte bzw. Neurologen tappen nach wie vor doch alle im Dunkeln was Depressionen, Ängste, Alzheimer Demenz, Epilepsie, ADHS, MS, Tinnitus und vieles andere anbelangt".
Ich weiß garnicht, wo die ganzen Forschungsmilliarden versickern, wenn man sich wirklich mal damit auseinandersetzt, was wirklich effektiv behandelt und nicht weggeschnippelt oder mit Strahlen bombadiert werden muss und das sich ein eingefangener Krankenhauskeim in Deutschland eher zu einem größeren Problem herausstellen wird, wenn man nicht an ersterem bereits verstorben ist.

Liebe Grüße

Witsch


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