zu empfindlich?

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Paulinchen
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zu empfindlich?

Beitragvon Paulinchen » Mi 28. Jan 2015, 09:44

Guten Morgen,

auf der Suche nach Antworten bin ich auf dieses Forum gestoßen und freue mich, dass es so eine Seite gibt. Falls ich in dieser Rubrik falsch bin, dann bitte verschieben.

Ich fang gleich mal an. Über meine körperlichen Beschwerden zu berichten wird lang – ich versuch mal eine Kurzversion. Es begann vor etwas über einem Jahr mit Schmerzen in der li. Gesäßhälfte, die in den Oberschenkel ausstrahlten. Der Arzt diagnostizierte eine LWK 1 Blockade, renkte mich ein und gab mir Spritzen. Das half nicht. Auch die üblichen Schmerzmittel wie Diclofenac, Ibuprofen und Paracetamol zeigen keinerlei Wirkung, auch Akupunktur war erfolglos. Spritzen unter Bildwandler und ein einwöchiger stationäre Aufenthalt zur Schmerztherapie waren erfolglos. Mittlerweile war ich im letzten Jahr fünfmal im MRT. Derzeit nehme ich Tilidin und Saroten. Dann eine Überweisung zur Neurologin, die den Nerv maß und erklärte, dass dieser definitiv beschädigt sei und mich zu den Orthopäden zurückschickte, das sei nicht ihr Gebiet. Der neue Orthopäde, den ich aufsuchte, um eine zweite Meinung zu hören, sah sich alle Befunde und Aufnahmen an und meinte, an meiner WS wäre nichts Aufregendes und an dem beschädigten Nerv könne man eh nichts ändern. Wobei ich bis heute nicht weiß, warum dieser Nerv überhaupt beschädigt ist.

So weit zur Vorgeschichte, nun hat meine Hausärztin mir empfohlen, ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten zu versuchen. Das hab ich dann auch wahrgenommen. In der ersten Stunde wiederholte er mehrfach, dass er soo viele Menschen im Jahr behandele und soundso viele Jahre Berufserfahrung hat. In der nächsten Stunde wusste er, dass ich dominant, ignorant, arrogant, manipulativ und ein (OT) Klugscheißer bin.
Vielleicht stimmt das alles oder einiges, aber mein Leben liegt derzeit ziemlich in Scherben. Seit mehr als einem Jahr Schmerzen, private Probleme und im Job fühle ich mich derzeit auch überfordert. Da brauche ich wirklich niemanden, der mich auch noch niedermacht, das mache ich schließlich selbst täglich.
Was meint ihr? Ist das üblich? Bin ich einfach zu empfindlich?
Jedenfalls bin ich seit Montag (da war die zweite Stunde) vollkommen daneben.

Vielen Dank fürs Lesen

Liebe Grüße
Paulinchen

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Laura
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Re: zu empfindlich?

Beitragvon Laura » Mi 28. Jan 2015, 13:01

Hallo Paulinchen!

Die Chemie zwischen diesem Therapeuten und Dir stimmt nicht, und dann bringt auch eine Therapie nichts.

Formal sollte ein Therapeut aber sowieso mehr auf dem Kasten haben als Polemik, wie man sie an jeder Ecke abbekommen kann. Er kennt Dich noch nicht gut genug, um Dich einschätzen zu können und wenn er - eher im random-Verfahren - schon gleich solche Verurteilungen gegen Dich ablässt, nun, selbst im Sinne einer "Erziehung von Schwererziehbaren" wäre das billig und lediglich eine zusätzliche Schwächung, anstatt das Gute im Klienten zu stärken.

Eigentlich ist es auch unerheblich, ob Du "zu empfindlich" bist oder nicht, denn selbst wenn Du überdurchschnittlich empfindlich sein solltest, dann hast Du immer noch Anspruch darauf, dass dieser Empfindlichkeit Rechnung getragen wird und dass Du dann jemanden mit Fingerspitzengefühl und viel Geduld brauchst und nicht jemanden, der Dich gleich in die Assi-Ecke manövriert, nur damit er sich als Richter aufspielen kann.

Solange Du irgendwo einen kompetenteren Therapeuten finden kannst, lass diesen lieber aus. Denn wenn die Therapie erstmal offiziell losgegangen ist (also nach den fünf probatorischen Sitzungen ganz am Anfang), dann wird es umso schwieriger sein zu wechseln, wenn die Therapie von der Kasse bezahlt wird.

Dass ein Therapeut auch mal streng auftreten muss, heißt ja nicht, dass er darin in völliger Respektlosigkeit die Sau rauslassen darf. Helfen soll er ja immer noch seinen Klienten und nicht sich selbst in seinem schwachen Ego.

Übrigens ist es ungewöhnlich, dass ein Therapeut gleich solche Eigenwerbung für sich macht und überhaupt so schnell einen freien Therapieplatz hat. Möglich wäre es, dass seine Praxis - entgegen seiner Behauptung - miserabel läuft, weil noch andere Patienten nur für ein paar Erstgespräche kamen und dann nie wieder.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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HarleyQuinn
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Re: zu empfindlich?

Beitragvon HarleyQuinn » Mi 28. Jan 2015, 15:00

Hey,

Ich kann Laura nur zustimmen.
Darüberhinaus hätte ich einen weiteren Vorschlag zur Verbesserung deiner Lage.
Wenn du der alternativen Medizin nicht völlig ablehnend gegenüberstehst (in dem Fall ist eher davon abzuraten) könntest du einen Heilpraktiker zu Rate ziehen. Mediziner sind oft schnell mit der Aussage psychosomatisch, nehmen sich aber kaum die Zeit den Patienten im Ganzen zu betrachten. Heilpraktiker haben eine ähnlich fundierte Ausbildung wie Ärzte in Anatomie und Krankheiten, darüberhinaus sehen sie sich auch die Person an, ihre Geschichte und je nach Heilpraktiker auch Sachen wie die Aura. Es ist auf jeden Fall nicht schädlich es auszuprobieren. Schlimmstenfalls bringt es nichts und man hat sein Geld für die Lehre gezahlt. Oder man gewinnt etwas dazu.

Lieben Gruß
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Paulinchen
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Re: zu empfindlich?

Beitragvon Paulinchen » Do 29. Jan 2015, 08:00

Hallo Laura,

vielen Dank für deine Antwort, die mir hilft. Du hast sicher recht und ich werde zu diesem Therapeuten nicht mehr gehen. Es gibt bestimmt auch noch andere, auch wenn es dann mit dem Termin länger dauert. Aber dieser macht mich wirklich fertig.

Liebe Grüße und einen schönen Tag
Paulinchen

Paulinchen
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Re: zu empfindlich?

Beitragvon Paulinchen » Do 29. Jan 2015, 08:02

Hallo HarleyQuinn,

auch dir ein Danke für die Antwort. Ich werde mal sehen, ob es hier eine/n Heilpraktiker/in gibt, der sich mit Nerven gut auskennt. Ein Versuch ist auf jeden Fall wert.

Liebe Grüße
Paulinchen

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fluuu
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Re: zu empfindlich?

Beitragvon fluuu » Di 3. Feb 2015, 11:12

Hallo,
hätte nur einer Ihrer vielen Behandler genauer hingeschaut was Schmerzen im Gesäß bedeuten,
Sie hätten sich die Torturen ersparen können, denn es bedeutet meine Macht ist beeinträchtigt,
es geht um die innere Autorität, mein Gefühl des Stolzes.
So ist Autoritätspersonen aufsuchen Öl ins Feuer für Ihr Problem und es wird stärker.
Der Gipfel ist der Psychotherapeut, er hat die meiste Macht über seelische Strukturen,
damit kommen Sie am wenigsten zurecht.
Sie sollten Ihre innere Autorität stärken und sich weniger abhängig machen,
dann verschwinden die Schmerzen und die Autoritäten können Ihnen nicht irgendetwas erzählen
was Sie glauben, sondern Sie horchen selber nach Ihrer inneren Stimme und den Gefühlen.
Der Therapeut hat es versucht mit Provokation, dass Sie bei sich und Ihrem emotionalen
Problem bleiben, Ihre innere Autorität bekräftigen, es hat nicht geklappt, Sie machen sein Verhalten
für Ihre schlechten Gefühle verantwortlich.
Mit der Methode werden Sie sich bald vor Schmerzen an allen Körperstellen kaum retten können.
Wenn die Seele schreit durch körperliche Schmerzen ist es zum Streicheln und Tätscheln zu spät,
das hätte vorher passieren müssen, nun sind konsequente Maßnahmen erforderlich.
In Ihrem Fall bei Schmerzen im Gesäß das Stärken der inneren Autorität. Das heißt im Klartext,
nein sagen können wenn Papa seine Lösung anbietet und selber drauf kommen wollen.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

Paulinchen
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Re: zu empfindlich?

Beitragvon Paulinchen » Di 3. Feb 2015, 17:14

Hallo fluuu,

vielen Dank für die ausführliche Antwort. Es mag schon sein, dass meine Macht beschädigt ist – ich fühle mich in der Tat machtlos. Dennoch halte ich es nicht für gelungen, wenn ein Psychotherapeut in der zweiten Stunde dermaßen auf Konfrontationskurs geht. Bei allem Respekt gegenüber der Qualifikation und der Berufserfahrung, meine ich doch, dass es nicht unwesentlich ist, erst mal herausfinden, wie der Patient tickt – bevor man draufhaut.

Nein sagen, ist sicher nicht immer verkehrt – leider hab ich keinen Papa, der mir Lösungen aufzeigt. Da muss ich schon seit einigen Jahren selbst draufkommen.
Dennoch vielen Dank für Ihre Ratschläge, ich werde sehen, inwieweit ich etwas umsetzen kann.

Mit freundlichen Grüßen
Paulinchen

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fluuu
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Re: zu empfindlich?

Beitragvon fluuu » Do 12. Feb 2015, 12:05

Wenn Sie so wunderbar darlegen können wie ein Therapeut seine Arbeit machen müsste, er es aber nicht tut,
warum gehen Sie dann überhaupt hin und machen es nicht im Vorfeld tausend mal besser?
Ist doch idiotisch wegen seelischer Probleme zum Psychotherapeuten zu gehen und sich anschließend
lautstark über sein Verhalten zu beschweren anstatt mal darüber nachzudenken warum es so ist.
Ich würde es nicht therapierbare psychische Krankheit nennen, auf wiedersehen, der Nächste bitte.
gruß fluuu

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