Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Mavros
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon Mavros » Mo 14. Okt 2013, 20:17

Verantwortung heißt nicht Streicheleinheiten verteilen und Mitleid haben sondern 'Zuckerbrot und Peitsche' im guten gesunden Verhältnis einsetzen.
Das führt hier im Forum zu ein wenig Skepsis obwohl es schon mehrere User gab die diesen Prozess vom Betroffenen zum Profi erlebt haben.
Da im anderen Bereich des Forums die Rede von früher diagnostizierten Bipolaren Störung gewesen ist, erklärt sich dieser ambivalente Umgang mit dem Phänomen Psychotherapie von allein. Und selbst wenn das Erlernen des Stoffs im Rahmen der HP-Richtlinie geprüft worden wäre und man sich bei einer einmaligen Untersuchung durch einen Psychologen nichts anmerken lassen hätte, stellt eine solche Einstellung jegliche therapeutische Kompetenz in Frage. Von der Beteiligung eines Patienten an Therapie-Versuchen durch selbst Betroffene im Bereich egal welcher psychischen Störungen ist grundsätzlich abzuraten.

Dieser fragwürdiger Umgang mit dem "Dienst am Menschen" als Kompensieren der eigenen Not ist es eben, was Menschen gegenüber den Therapieverfahren misstrauisch macht und den Ruf eines kompetenten HP-Psychotherapeuten schädigt, und das ist einfach schade.
"Die Deutung des Unangenehmen als Machenschaft der Außenwelt macht aus dem Unangenommenen etwas Unannehmbares."

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5D-Cube
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon 5D-Cube » Mo 14. Okt 2013, 23:16

Von der Beteiligung eines Patienten an Therapie-Versuchen durch selbst Betroffene im Bereich egal welcher psychischen Störungen ist grundsätzlich abzuraten.

Dieser fragwürdiger Umgang mit dem "Dienst am Menschen" als Kompensieren der eigenen Not ist es eben, was Menschen gegenüber den Therapieverfahren misstrauisch macht und den Ruf eines kompetenten HP-Psychotherapeuten schädigt, und das ist einfach schade.
selber ein psychisches Problem zu haben disqualifiziert einen als Psychotherapeuten ????

Und wer hat eigentlich eine psychische Störung und wer nicht ? Der Begriff ist hochgradig subjektiv und letztlich nicht zu definieren.

Und wer keine psychiatrische Diagnose hat, hat sicher keine psychischen Probleme ?? Das glaubt Mavros doch selber nicht.

Und was ist mit Selbsthilfegruppen ?? Die wären ja dann eine blanke Katastrophe, aber viele Studien zeigen dass eine Selbsthilfegruppe zu besuchen im Durchschnitt genauso effektiv ist wie die Dienste eines ausgebildeten Psychotherapeuten.

Mein Psychotherapeut hat zwar keine psychiatrische Diagnose und mir fällt auch keine ein, die zu ihm passen würde. Aber er ist z.B. auf vielen Gebieten eindeutig komplexbeladener als ich, macht sich Sorgen um Dinge, wo ich mir kein Kopp deswegen mache, usw.


die "Zuckerbrot und Peitsche"-Meinung von fluuu kann ich allerdings nicht teilen. Da scheint eher die Lust am Regieren und Drillen eines anderen Menschen durch.
Die eigenen Machtgelüste ausleben und das auch noch für "Hilfe" halten. Hoffentlich merken da betroffenen Patienten von ihr rechtzeitig, was da läuft und lassen sowas nicht zu.

Natürlich sollen Psychotherapie-Patienten nicht mit Samthandschuhen angefasst und verhätschelt werden. Aber fluuu scheint ja von ihren Patienten Kadavergehorsam zu erwarten. Ein ehrliches Gespräch zwischen erwachsenen Menschen sollte der Fall sein, nicht Führer und Geführter.

Ob sie selber eine psychiatrische Diagnose hat oder hatte, ist da nicht von Bedeutung. Das ist nicht wichtig.
Ich betreibe eine Gruppe zum Thema Patientenverfügung auf facebook:http://www.facebook.com/pages/Vorlagen- ... 76?fref=ts
Dazugehöriger accounthttp://www.facebook.com/schutzvor.zwang

Mavros
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon Mavros » Di 15. Okt 2013, 01:10

selber ein psychisches Problem zu haben disqualifiziert einen als Psychotherapeuten ????
So ist es. Und zwar darum:
Ein ehrliches Gespräch zwischen erwachsenen Menschen sollte der Fall sein, nicht Führer und Geführter.
Wo Menschen agieren, dort gibt es Fehler, Nachteile, die sind zwar unvermeidbar, aber jeder hat die Möglichkeiten sich zu informieren, sich nach seinen eigenen Kriterien zu entscheiden. Es gibt abweichende Verhaltensweisen, die diagnostizierbar sind. Wer nicht an Diagnostik glaubt und alle Menschen in einen Topf wirft, ob sie denn beim Guten-Morgen-Gruß den Blick abwenden und rot werden oder nicht, ob sie von Omnipotenzträumen beeinflusst grob zu ihren Patienten sind oder nicht, wird das vermutlich nicht verstehen können.
Ob sie selber eine psychiatrische Diagnose hat oder hatte, ist da nicht von Bedeutung. Das ist nicht wichtig.
Wie du auch selbst schreibst, ein Führer, oder, wie ich sage, auch umgekehrt ein Mensch, der aus seiner eigenen gefühlten Minderwertigkeit heraus agiert, kann kein Gespräch oder Interaktion auf der Augenhöhe führen. Er kann, selbst wenn er wollte, über seinen Schatten nicht springen, er kann nicht anders als zu kompensieren. Wie die Realität tatsächlich aussieht, ist eine andere Frage. Die Tatsache aber, dass es im System Fehler gibt, bedeutet nicht, dass das ganze System unbrauchbar wäre. Im Rahmen der Ausbildung muss eine psychische Störung ausgeschlossen werden. Es gibt nur eine Ebene, auf der etwas zu bewirken ist, einfach ein Mensch zu sein, ein hilfsbereiter Mensch, der zu einem anderen Menschen Kontakt aufnimmt um ihm einen anderen Blick auf seine Situation und innere Vorgänge zu präsentieren, die er dann selbst zu regeln und zu bewältigen lernt. Die Fähigkeit eine andere Perspektive zu erkennen, für sich selbst und für andere, erwirbt man durch psychische Reife, die frei ist von von der Norm abweichenden, selbst schädigenden oder andere benachteiligenden Verhaltensweisen.

Gruß
Mavros
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5D-Cube
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon 5D-Cube » Di 15. Okt 2013, 03:10

selber ein psychisches Problem zu haben disqualifiziert einen als Psychotherapeuten ????
So ist es. Und zwar darum:
Ein ehrliches Gespräch zwischen erwachsenen Menschen sollte der Fall sein, nicht Führer und Geführter.
Dankeschön, dass Du mir bescheinigst, dass ich kein ehrliches Gespräch auf Augenhöhe mit anderen Menschen führen kann, weil ich eine psychiatrische Diagnose habe. Und angeblich kann ich keine andere Perspektive einnehmen als die eigene. Ich persönlich kriege da andere Rückmeldungen von Mitmenschen.
eine andere Perspektive zu erkennen, für sich selbst und für andere, erwirbt man durch psychische Reife, die frei ist von von der Norm abweichenden, selbst schädigenden oder andere benachteiligenden Verhaltensweisen.
weiß nicht, was Du mit von der Norm abweichenden Verhaltensweisen meinst. Ich hoffe mal nicht, dass Du meinst, dass ein Psychotherapeut nicht allzuweit von irgendeiner Norm abweichen sollte. Oder doch ?

Falls doch, wenn es eine Bedingung für einen Psychotherapeuten zu sein scheint, dass er sich durch pathologische Normalität - innerhalb seines (Sub-)Kulturkreises wohlgemerkt - auszeichnet, dann erklärt sich das ja, dass mir viele Psychotherapeuten so farblos vorkommen irgendwie.

Und was eine selbst schädigende Verhaltensweise ist, das ist auch Ansichtssache. Zum Beispiel kann man sich durch Zivilcourage in Schwierigkeiten bringen. Da sagt dann der eine "wegen sowas handelst Du Dir so einen Ärger ein, das ist doch die Sache nicht wert, dafür ist das zu unwichtig", jemand anderes findet das Engagement absolut richtig und wichtig. Wer hat jetzt recht ? (sry, fällt mir jetzt kein besseres Beispiel ein)

Was das Rauchen und zu wenig Sport treiben betrifft, da ist es schon eindeutiger, dass das eine selbstschädigende Verhaltensweise ist. Da gibt es jede Menge Psychotherapeuten, die jeden Meter mit dem Auto fahren. (Ich verachte solche Verhaltensweisen übrigens NICHT. Ich bin da nicht überheblich, auch wenn ich es anders mache.)

Aber ich bin sowieso jemand, der psychische Störung für nicht diagnostizierbar hält. Ich halte psychiatrische Diagnostik für konzeptionell falsch. Der Meinung sind übrigens auch viele Psychologen. Breit ausgeführt z.B. in diesem Buch:
http://www.amazon.de/Madness-Explained- ... +explained

Wie das Ganze noch neu für mich war, habe ich an psychiatrische Diagnostik geglaubt, einfach wegen einem Vertrauensvorschuß in die Medizin. Das hat mir selbst sehr im Weg gestanden.

Anstatt zu meinem Psychotherapeuten zu gehen, wäre es besser gewesen, mich jede Woche mit z.B. einem netten Handwerker zum Kaffeetrinken zu treffen. Das hätte mir mehr gebracht. Seitdem ich das zweitere mache und das erstere bleibenlasse, geht es mir auch besser.
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon fluuu » Di 15. Okt 2013, 10:59

Hallo Mavros kleiner Stänkerer,

so simpel schwarz/weiß ist es nicht, alle Menschen die im sozialen Bereich arbeiten haben einen besonderen Umgang mit seelischen Dingen.
Meine Erfahrung ist, wer offen mit dem Konflikt eigener Gefühle umgehen kann und sie nicht verdrängen muss ist für den menschlichen Kontakt
gut geeignet, nur wer nicht zu Empathie und Toleranz in der Lage ist geht in die Wirtschaft oder das Finanzwesen.
Weiterhin hat sich gezeigt, dass Mitarbeiter die selber eine psychische Krise überwunden haben mehr Verständnis und Einfühlungsvermögen
für betroffene Menschen mit ihren emotionalen Nöten aufbringen können als nur theoretisch ausgebildete Kräfte.
Das Wesen der zwischenmenschlichen Beziehung liegt in der Praxis, im Tun, im sich verhalten und nur zum Teil in theoretischer Bewältigung.
Ein gesunder Sachverstand ist produktiv im Umgang mit Menschen aber ohne empathisches Verhalten vertrocknet die Seele.
Ich stehe zu meiner bipolaren Vergangenheit, sie hat mir die Augen für menschliches Gefühlsleben geöffnet und mir den Antrieb gegeben
im psychologischen Bereich alles zu lernen was für ein gesundes und ausgeglichenes Leben trotz Krisen und Experimenten nötig ist.
Heute blicke ich auf viele Jahre Arbeit mit Menschen zurück und das gibt mir ein gutes Selbstvertrauen was auch immer kommen mag.
Die künstlerische Arbeit ist ein wunderbar befriedigender Bereich der vor allem emotionalen Ausgleich schafft, alles in allem eine Entwicklung
die Stabilität schafft voller Geduld und Hoffnung.
Wer soll also entscheiden ob ich Beziehungen mit Mitmenschen eingehe oder nicht, wer verteilt therapeutische Beziehungen?
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon cake » Di 15. Okt 2013, 11:44

Im Rahmen der Ausbildung muss eine psychische Störung ausgeschlossen werden. Es gibt nur eine Ebene, auf der etwas zu bewirken ist, einfach ein Mensch zu sein, ein hilfsbereiter Mensch, der zu einem anderen Menschen Kontakt aufnimmt um ihm einen anderen Blick auf seine Situation und innere Vorgänge zu präsentieren, die er dann selbst zu regeln und zu bewältigen lernt. Die Fähigkeit eine andere Perspektive zu erkennen, für sich selbst und für andere, erwirbt man durch psychische Reife, die frei ist von von der Norm abweichenden, selbst schädigenden oder andere benachteiligenden Verhaltensweisen.
Wer schliesst eine psychische Störung einwandfrei aus????
Ja einfach ein liebevoller und hilfsbereiter Mensch zu sein wäre von klarem Vorteil.
Meine Erfahrung ist, wer offen mit dem Konflikt eigener Gefühle umgehen kann und sie nicht verdrängen muss ist für den menschlichen Kontakt
gut geeignet, nur wer nicht zu Empathie und Toleranz in der Lage ist geht in die Wirtschaft oder das Finanzwesen.Weiterhin hat sich gezeigt, dass Mitarbeiter die selber eine psychische Krise überwunden haben mehr Verständnis und Einfühlungsvermögen
für betroffene Menschen mit ihren emotionalen Nöten aufbringen können als nur theoretisch ausgebildete Kräfte.
Das Wesen der zwischenmenschlichen Beziehung liegt in der Praxis, im Tun, im sich verhalten und nur zum Teil in theoretischer Bewältigung.
Ein gesunder Sachverstand ist produktiv im Umgang mit Menschen aber ohne empathisches Verhalten vertrocknet die Seele.
Seh ich genauso wie fluu.

Ich möchte zum Beispiel keinen Therapeuten, der mich mehr " technisch" von oben herab anschaut. Und mir dann auch noch eine Diagnose verpasst. :roll:
Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. (Ludwig Erhard)

http://angstfrei.plusbb.org/forum.php
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon Laura » Di 15. Okt 2013, 15:38

@Mavros:

Was sagt denn Dein Therapeut zu Deiner Doziereritis? Wir dürfen uns hier ja keine Meinung über Dich anmaßen, das darfst ja nur Du über uns!

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon 5D-Cube » Mi 16. Okt 2013, 00:38

Danke für die letzten 3 Beiträge. Das kann ich nur unterschreiben.


Bis auf eine Kleinigkeit.....
nur wer nicht zu Empathie und Toleranz in der Lage ist geht in die Wirtschaft oder das Finanzwesen.
Da muss ich eine Bankkauffrau verteidigen, mit der ich befreundet bin. Ein wunderbar netter Mensch....
Ich betreibe eine Gruppe zum Thema Patientenverfügung auf facebook:http://www.facebook.com/pages/Vorlagen- ... 76?fref=ts
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Re: Psychiatrische Diagnose oder Werturteil

Beitragvon fluuu » Mi 16. Okt 2013, 11:00

Wie immer 5D-Cube, Ausnahmen bestätigen die Regel.
Es kann das nüchtern rationale Zahlenverständnis von Finanzleuten ein überschäumendes Gemüt besänftigen.
Alles hat zwei Seiten aber manchmal kommt man nicht drumherum sich für eine Seite zu entscheiden.
gruß fluuu

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