schlafenden Hund geweckt...

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seelera
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schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon seelera » Do 3. Nov 2011, 22:32

Hallo, Ihr alle,

Ich entschuldige mich hier schon im ersten Satz für den langen Post... :oops: das könnte triggern...

Ich bin 1964 geboren, mit 13 missbraucht; Magersucht,Co-abhängig, Messitendenzen und noch son paar bekloppte Seiten :-"
Habe zwei Kinder von 21 und fast 18 allein erzogen. Seit fünfzehn Jahren habe ich die MS im Griff .

Der Vater meines jüngsten ist Junkie mit BPS/NPS...
Als ich ihn vor etwa 20 Jahren kennenlernte, war er in meinen Augen der liebenswerteste Mensch der Welt.
Es störte mich nicht, dass er ständig Leutte an der Backe hatten, die alles für ihn taten. ich nannte seine Truppe "die Jünger".
Nach einer Woche wurde ich eingeweiht, dass er ein Engel des Herrn sei.
ich habe mich nicht mit Ruhm bekleckert :oops: habe das geglaubt.
Schnell habe ich dem Engel mein ganzes Leben in die Hand gegeben. :oops:
Seine erste Handlung war, meinen Freunden Hausverbot zu geben. Ich war völlig von der Aussenwelt abgeschnitten . Er hielt mich immer auf Trab,Nachts ging er mit der Axt in den Wald und kämpfte gegen den " Satan" und die Jünger und ich warteten, bis der Meister verletzt nachhause kam. Die Jünger besorgten Drogen - ich hatte 30000 DM auf dem Konto...
Seine Wünsche wurden grösser, wenn er sie nicht erfüllt bekam, schlug der "Satan" härter zu und dann kaufte ich das Auto ,die Armbrust, die Drogen- Dann gab der Satan Ruhe..Ich ging auf dem Zahnfleisch, nahm dramatisch ab, aber was tut man nicht alles für die Rettung der Erde #-o
Mein Konto schmolz und trotz Gewichtsverlust wurde ich schwanger. #-o
"Um meine Familie auf das Baby vorzubereiten", fuhr er allein zu meiner Mutter und Schwester.
Er war tatsächlich bei meiner Familie - um sie anzulügen, dass ich heroinabhängig, ständig am Kotzen wäre, promisk sei, meinen Sohn misshandele-um auf dem Jugendamt zu erreichen dass mir das Kind entzogen würde. Meine Freundinnen fingen mich ab,stellten mir sachlich-logische Gedanken zur Verfügung.
Er versuchte mich loszuwerden - vom Platz der Favoritin war ich abgerutscht, ich war aber so fertig, dass es mich kaum störte, alle zitterten wöchentlich um ihren Platz in der Hackordnung, es war wie in den Charts - der Meister stufte nach Gusto ab oder hoch. :lol: Er achtete nicht auf meine langen Waldspaziergänge, wo ich verbotenen Gedanken nachhing, "Gott will nur gute Gedanken". Ich gestattete sie mir alle-auf die Gefahr vom Blitz getroffen zu werden :roll: . Logisch sachlich alle fantastischen Sachen bedenkend - das Puzzle vom lieben Gott bekam ein anderes Gesicht :-k
Er arrangierte "das Tribunal" - er hatte den Vorsitz. Gott hätte gemerkt, dass ich üble Gedanken hätte und um meine Loyalität zu beweisen, sollte ich jetzt als letzte Chance meine sexuellen Phantasien bis ins Detail ausbreiten, um zu sehen, ob ich loyal zu Gott wäre. #-o :lol: Ich fragte ihn, ob er denn den direkten Draht zu Gott hätte -Ja. Gut, sagte ich, "dann ermächtige ich hiermit Gott, der alles sieht und alles weiss,dir alle meine Gedanken und Phantasien zu enthüllen -das ist mehr als gefordert".
Damit hatte er nicht gerechnet . :evil:
Er schickte alle Jünger fort und ich bekam den heiligen Zorn -er verprügelte mich und trat mir mehrmals in den Bauch. :cry: Unser Hausmitbewohner aus dem OG kam runtergerannt, aber da war T. schon mit seinen Jüngern und etlichen Wertgegenständen geflohen.
ich startete eine Anzeige gegen ihn wegen Körperverletzung, aber das hatte er auch getan - er hätte sich gegen mich wehren müssen.
Freunde grüssten mich nicht mehr - ich hakte nach, er hatte sie informiert, dass ich sie wegen (bitte einfügen) angezeigt hätte und untereinander kontakteten sie auch nicht mehr -er hatte jeden gegen jeden ausgespielt.
Ich erfuhr von Anzeigen gegen mich (hatte einen Freund bei den Cops, der seinen Job riskierte, um mich zu informieren) und konnte so mein Kind auf Misshandlung untersuchen lassen und einen Bluttest auf illegale Drogen machen lassen etc. Ich ging zur Anwältin und besorgte eine Verfügung gegen ihn, ich liess ihn glauben, ich hätte "Jesus" abgetrieben.

Der Kontakt brach ab und ich verhielt mich still. machte Therapie. Ich war erschüttert von mir- Ich beobachtete , denn er war immer in meiner Nähe. Die Junger wurden im Halbjahrestakt ausgetauscht und sein Verhalten änderte sich nicht im geringsten.
Ich lebte in Ruhe mit meinen Kindern.
Vor sechs Wochen hat mein Sohn Kontakt zu seinem Vater aufgenommen und seitdem ist die Kuh am Fliegen. Das Kind war drei Wochen am Stück dort; über die Post konnte ich ihn da raus locken und er war mir dankbar, weil er genau solche Sachen erlebt hat wie ich vor zwanzig Jahren. Er hat sich sofort in seinen Papa verguckt, der in einer Sektenstruktur lebt als Meister und der wollte ihn gleich dort behalten, ummelden und all das. In den letzten Tagen waren wir nur am Reden.
Er will seinen Vater retten und wenn ich versuche, ihm zu erklären, dass T. seit über 20 Jahren unbehandelt ist und diese Strukturen bereits verhärtet sind, hält er mich für lieblos.
Mein Sohn vertraut T. viel an und der hat jetzt Kontakt zu meinen Freunden aufgenommen und intrigiert bei meinen Leuten gegen mich.
Mein Sohn ist auch schon gegen mich eingenommen.
ich bin verzweifelt.
Zum einen ist es besser, sich rauszuhalten -aber ich sehe weiter: Er versucht aus Rache meine Kontakte zu zerstören und auch unser Kind.
Ich weiss nicht, was ich tun kann, um Schaden zu begrenzen und meinem Sohn zu helfen.
ich könnte die Cops holen, weil er ein Waffenlager im Keller hat, ich könnte ihm eine Haussuchung schicken -aber das ist nicht mein Niveau und verbessert nix....
Ich hab entsetzlich Schiss und bin kurz vor einem Rückfall - und genau das will er - mich als die Verrückte darstellen und da ich offen mit meiner Störung umgehe, ist das recht einfach.
Ich weiss nicht wie ich mich verhalten soll, ich weiss nur er ist hochintelligent und nicht zu unterschätzen...

Danke fürs Lesen...

Grüsse
Liebe Grüße, seelera
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Klaus W
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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon Klaus W » Fr 4. Nov 2011, 09:55

Hallo Seelera,

das ist erschütternd, unglaublich, eine Geschichte wie aus einem Film.

So wie ich Dich verstehe, stehst Du vor dem Dilemma die Sache zwar schnell beenden zu können, aber dadurch Deinen Sohn eventuell weiter gegen Dich aufzubringen. Ich wüßte hier nicht wie ich mich verhalte, ich kann aber zumindest einen Aspekt beisteuern:

Ich kenne den Fall eines jungen Mädchens, die, auch in der Orientierungsphase, sich in einen Muslim verliebte, daraufhin von ihren Eltern und ihrem gesamten Umfeld nur noch dauergewarnt wurde, und am Ende, praktisch weil ihr das Recht auf die Beziehung so abgesprochen wurde, zum Islam konvertiert ist und ihren Freund geheiratet hat. Ich will damit sagen, extremes Warnen und Protest führt zuverlässig immer genau zum beabsichtigten Gegenteil. Gewähren lassen, den Sohn zu seiner eigenen Meinung finden lassen, auf seine Intelligenz vertrauen, reale Fehler die man selbst hat konsequent zugeben. Das könnte der ganzen Sache schlagartig die Kraft nehmen.

Inwieweit das im Gesamtzusammenhang relevant ist, ist eine andere Frage.
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

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Remedias
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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon Remedias » Fr 4. Nov 2011, 11:07

Hallo Seelera,
echt krass diese Geschichte;
dein Exfreund mit seiner Dauerpsychose ist ja so was wie das Oberhaupt einer Sekte; bestimmt sehr charismatisch und intelligent;
und wenn dein Sohn da drin ist, ist es schwierig ihn rauszuholen, wie aus einer Sekte eben.
Ich weiß, dass beide Amtskirchen Sektenbeauftragte haben und Beratung anbieten. Hättest du schon mal daran gedacht, dich beraten zu lassen, welche Schritte du unternehmen kannst?

liebe Grüße Remedias

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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon seelera » Sa 5. Nov 2011, 11:08

Hallo, Remedias, Hallo, Klaus,

Schwere Kost, hm?
Liest sich wie ein Film?
Ich dachte, das wäre immer so... :-k
Ja, meine Hauptangst ist tatsächlich, meinen Sohn aus den Augen zu verlieren und dass er sich in Folge auch selbst verliert. Er ist nicht stabil in sich. Guckt nur noch so: :shock:
Und, ja, je mehr ich auspacke, desto mehr rückt er auf Papis Seite... was ja nich falsch ist, in dem Sinn...Aber er fragt mich immer wieder ...
Und ich sage, was ich fühle, was ich gefühlt habe...ich konnte in dem Post längst nicht alles schreiben...Das war ein echter Horror- Alptraum und ich war nicht in der Lage, die Krankheit mitzutragen...
Ja, stellenweise bin ich zornig und möchte imeinen Ex schütteln und ihm vor Augen führen, wie sehr er die menschen um sich rum leiden lässt, damit er seinen Grössenwahn leben kann - ich geh sogar soweit, dass ich meine, jedr in seinem Umfeld befindet sich in grosser Gefahr für Leib und Leben...
T. hat sich da einen Rückzugsort geschaffen, wo er sich hemmungslos auslebt (Hut ab vor den Leute, die das über Jahre mittragen!!!),
aber mein Sohn ist dem wirklich nicht gewachsen...
Einerseits gönne ich T. diesen Rückzugsort (vielleicht ist das ja seine "Therapie"?) - aber er kommt mir vor wie eine Krake, die ihre Arme überallhin ausstreckt - ich werde ja selber noch paranoid.
Weiss aber, das er in keinster Weise zu unterschätzen ist...
Seit mittwoch ist mein jüngster wieder dort.
ich weigere mich, "mit der Mischpoke" zu telefonieren, mit irgendeinem dort zu reden -rhetorisch komme ich da nicht mehr mit,
plus, dass dir jedes Wort interpretiert wird und da Dinge rein projiziert werden, dass ich mich nicht mal wage, "Guten Morgen" zu sagen... :sad:

Habe mir auch schon überlegt, die Polizei einzuschalten...
ich mache mich ja mitschuldig, wenn der mit seinen illegalen Waffen jemanden verletzt und ich weiss nicht, ob er seine impulskontrolle zumindest soweit im Griff hat, dass er die anderen weitgehend verschont und sich zurückzieht, wenn der Druck steigt...
aber solche Brachialeinsätze verletzen nur noch mehr meine Beziehung zu meinem jüngsten Sohn...
Und ich denke, der braucht eine offenen Tür, wenn der Spuk hoffentlich irgendwann vorbei ist...
Das sehe ich aber grad garnicht.... :roll:

Egal, wen ich damals mit T. zusammenbrachte -er war immer in der lage, die Person umzukrempeln und gegen mich zu stellen.
Ich komme mir vor wie ein Spielstein auf dem Mühlebrett... #-o

Er zwingt mich zum Krieg, damit unterstütze ich dann seine Krankheit, indem ich ihn bestätige.
Bleibe ich allerdings "ruhig" nach aussen, beweist er damit meinem Sohn, dass mich mein Sohn nicht die Bohne interessiert... :-k

Nur mal am Rande - ich liebe mein "langweiliges" Leben...

Grüsse, eine sehr ratlose seelera
Liebe Grüße, seelera
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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon Klaus W » Mo 7. Nov 2011, 14:29

Hallo Seelera,

es macht mich insgesamt betroffen, wenn ich das lese, aber ich finde nicht daß es hier fehl am Platz ist, ich finde gut daß Du das alles so schreibst. Und wenn es jemanden triggern würde, es wäre demjenigen sein Problem, nicht Deins.

Und diejenigen, die das so mittragen, die Leute sind selbst schwerst gestört. Das ist auch keine Therapie die sich Dein Mann dort sucht, der versteigt sich weiter in seinem Wahn. Das ist alles nicht Dein Problem. Bezeichnend finde ich daß Du sagst Du willst ihn schütteln, ihm seinen Irrtum begreiflich machen. Das ist der Punkt an dem Du selbst verletzlich wirst, Du solltest akzeptieren daß Du ihn nicht ändern kannst. Du bist nicht mitschuldig. Du unterstützt auch nicht seine Krankheit, indem Du irgendetwas tust oder läßt. Das ist alles allein sein Problem. Er fasst die Dinge sowieso so auf wie er will. Du willst ihm trotz allem noch helfen, das ist nicht gut für Dich. Hilf Dir selbst.

Egal was Du tust, Du wirst Deinen Mann, oder irgendjemand anderem aus der Runde keine Erkenntnis bescheren. Das wäre der falsche Handlungsgrund. Und ob Dir eine Anzeige, etwas bringt, das ist allein Deine Sache. Ich halte es für ausgeschlossen daß jemand durch so eine Anzeige seine Meinung ändert und vom Vater ferngehalten wird. Es wird die Gefühle für den Vater wohl eher anstacheln. Auf Waffenbesitz gibt es keine so wahnsinnig großen Strafen. Dir wäre vielleicht auch Rache gewiss.

Andererseits würde ich mich auch durch die Haltung des Sohnes nicht in an sich notwendigen Schritten einschränken lassen, sofern sie DICH betreffen. Wenn ich z.B. gestalkt werden würde wie es bei Dir anklingt würde ich mich wehren. Und das würde ich vor dem Sohn dann auch begründen: Du kannst mit Deinem Vater gern machen was Du willst, aber ich werde hier unter Druck gesetzt, ich muß mich wehren. Rache und Kampf um das Kind wäre falsch, Verteidigung gegen Angriffe wäre richtig.

Dein Sohn ist volljährig, Du bist für ihn nicht mehr verantwortlich. Du kannst Deinen Sohn nicht umstimmen, er muß selbst seinen Weg finden. Das Gleiche gilt auch für Deinen Mann. Du bist in der Pflicht Dir Dein eigenes Leben gut einzurichten, und natürlich sorgt man sich um die Leute die einem wichtig sind.

Zu sehen wie jemand vielleicht zu etwas wird, was man um jeden Preis verhindern wollte, das gehört sicherlich mit zum Bittersten, was man erleben kann. Aber ist es wirklich schon so weit. Ist es vielleicht zuallererst nicht erstmal die Angst, daß es so kommt. Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird. Vielleicht begeht mancher aus Angst genau die Fehler, die dann die Weichen stellen genau zu der Entwicklung, die man nicht gewollt hat.

Der Vorteil auf die Rache zu verzichten liegt trotz der scheinbaren Machtlosigkeit darin, daß man moralische Immunität besitzt. Die muß nicht von außen gewürdigt werden, nur für einen selbst, als Selbstschutz, als Ich-Erhaltung.

Wie kann es sein daß Du, obwohl schwerst mißhandelt, dennoch noch den Wunsch hegst, Verständnis zu erzeugen, schlechtes Gewissen hast seine Krankheit zu unterstützen. Davon solltest Du Dich vielleicht lösen. Du stündest zuerst in der Pflicht, Dir selbst zu helfen, für Deine Belange zu sorgen, und dann als nächstes gut für Dein Kind zu sorgen, soweit es in Deiner Macht liegt. Alles die Dinge (für Dich, Deinen Sohn) genau so, wie Du es gemäß den Umständen eben hinbekommst. Und Dir auch nicht die Schuld zu geben daß Du es nicht perfekt hinbekommst. Und Deinem Kind die Verantwortung für seine Belange zu lassen auch wenn es schmerzt.

Man muß den Irrtum voll durchleben, um ihn zu erkennen, um sich selbst zu finden. Begib Dich nicht in Opposition dazu, laß Dein Kind gewähren. Du hast anscheinend sowieso keine echte (erfolgversprechende) andere Wahl.
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon Mirjam » Mo 7. Nov 2011, 14:51

Hallo Seelera !

Ich kann mich da gar nicht groß äußern. Wenn ich das les, was du schreibst, da kann ich keinen Gedanken fassen, geschweige denn eine Vorstellung von dem, was du durchlebst. Aber ich hör schon auf, wenns zu viel ist. Dein Sohn ist vielleicht erwachsen auf dem Papier, aber mit 18 sind die noch nicht so weit, dass sie solch heftige und psychisch schwer belastenden Sachen auch erwachsen behandeln und verarbeiten. Welcher wirklich Erwachsener tut das? Das was mir so als erstes einfällt, ist: Reden, reden und nochmals reden. Vielleicht deinen Sohn dazu zu bewegen, sich bei einem Psychologen beraten zu lassen. In seinem Hirn geht viel vor und da verliert man schnell mal die Richtung. Das mit den illegalen Waffen, find ich, geht nicht. Gar nicht. Ich kannte einen Jungen, der mit achtzehn sein Leben gelassen hat, durch Blödsinn. War ein anständiger Kerl. Irgendwie scheint der Vater Einfluss auf ihn zu haben, sonst wäre er gar nicht an ihn interessiert (dein Sohn an dem Vater). Ich würde da jemand hinzuziehen wollen. Jemand, der sich psychologisch und gesetzlich auskennt. Aber wen?
LG
Mirjam

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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon seelera » Mo 7. Nov 2011, 16:38

Danke, Christian, :-k für diese grosse Antwort.

So ungefähr fühlt sich das auch an... das ich da garnichts machen kann.
Mir tut das einfach so weh, dass mein grosses Kind da so reinrennt...

Ich möchte keinen dort "retten", das hatte ich vor 20 jahren versucht und begriffen, dass "die das so wünschen" - der eine lernt schneller, der andere langsamer und jeder muss seinen Weg da durch finden. Ich möchte keiner sein, der gegen Windmühlen kämpft - meine Kraft ist mir dafür zu kostbar.
(Das habe ich aber, wenn ich ehrlich bin, nicht bei T.gelernt. Solange ich eine 100m²-Wohnung in einem abgelegenen haus im Wald hatte, habe ich Teile der Wohnung aus "Gutmenschheit" Frauen und ihren Kindern zur Verfügung gestellt, die sich vom gewalttätigen Partner trennen wollten.Ich habe es dreimal mitgemacht -das aufatmen, ach, du bist ja so eine Gute, der Mann ist ja so Böse, Nächte voller Beichten und Weinen, die Frau kam wieder zu Kräften, die Kinder wurden locker und entspannt...und alle dreimal ging es so aus, das die Lady ihre Kinder gepackt hat und wieder zum Mann zurück ist (wo es dann wieder Dresche frei haus für alle gab :cry: )Die dritte wollte ich garnicht mehr zu mir nehmen, habe mich aber breitschlagen lassen. - Das passiert mir nicht mehr, ich habe es den Mädels zu leicht gemacht, sie mussten sich nicht freistrampeln, von daher war meine "Hilfe" so nützlich, wie einen sterbenden Spatzen nachhause mitnehmen. Selbsthilfe muss aus einem selbst kommen, der allererste Schritt nach draussen muss von der Person selbst gelaufen werden -ganz ohne bereits gemachtes Nest, erst dann kann dieser Mensch sich als Überlebender fühlen...und dann kann man ne Hand hinstrecken, die wirklich hilfreich ist! Heute helfe ich nur noch ,wenn die Frau mir sagt, dass sie jemanden braucht, der ihr die Möbel aus der Wohnung trägt -da weiss ich nämlich, dass sie es sich reiflich überlegt hat und auf dem Weg der Heilung ist :D
Von daher, Guter, gibts keinen Panikgrund, ich hasse diesen blinden Aktionismus mittlerweile regelrecht.
ich muss mir nicht beweisen, dass ich ein gutartiger mensch bin . Ich bin es einfach, das ist meine Natur. O:) :lol:

Mein Söhnchen ist ohnehin einer von der Sorte "Learning by pain",es ist nicht das erste Mal, dass ich da stehe und irgendwie die "Reste" zusammenkehren muss.
Früher hätte man das "ein schwererziehbares Kind" genannt.
Das er seelisch nicht der stabilste ist,befürchte ich schon einige jahre und habe schon ein paarmal versucht, auch mit ihm zusammen eine Familientherapie zu machen, aber das lehnt er vollkommen ab.
Er hat ja auch meine Hilflosigkeit und Ohnmacht mitbekommen, als ich in der Psych gearbeitet habe - es hat die Jungs arg erschreckt, dass die Mutter sich oft eingeigelt und erst mal ordentlich einen abgeflennt hat zuhause.
Vielleicht hat ihm das so eine Abwehrhaltung verursacht.. ich weiss es nicht.

Ob die Leute da schwergestört sind, hm, mittlerweile bestimmt.
Er hat ja so ein Händchen, bei den anderen die neuralgischen Punkte zu erkennen, der riecht das Gutmenschentum förmlich...
Und arbeitet dann mit der Rohmasse, bis sie seinen Bedürfnissen gerecht ist :sad:

Wie kann es sein daß Du, obwohl schwerst mißhandelt, dennoch noch den Wunsch hegst, Verständnis zu erzeugen, schlechtes Gewissen hast seine Krankheit zu unterstützen.

fragst du mich. Hm :-k
Kein Wesen ist im Grunde schlecht, das gibt es einfach nicht.
Irgendwo ist in der schwärzesten Seele was Gutes, das hatte nur keine Zeit sich zu entwickeln...
Das muss man einfach sehen. Und wenn ich liebe, tu ich das nie ohne Grund, dann habe ich das gesehen. :fadein:
Deshalb muss ich jetzt nicht Mutter Teresa sein oder jeden retten wollen müssen. das wäre pure Dummheit.
In diesem Fall die Sache professioneller Kräfte -falls dem T. nach so langer Zeit ohne Behandlung zu helfen ist...
Ich habe kein schlechtes Gewissen, aber du kennst diese fruchtlosen "Wenn-dann"-Gedanken?

Hätte der Hund nicht gesch*, hätte er den hasen gekriegt -sacht de Pälzer trocken.

Ich will einfach in aller Ruhe mein Kind vor diesem Zugriff schützen -
aber ich glaube, meine ganze Texterei ist einfach nur noch das Unvermögen, einsehen zu können, das es dafür tatsächlich zu spät ist
und das ich begreifen muss, dass mein Kind das so haben will.
das ich den Kontakt zu meinem Kind vielleicht schon verloren habe...
Das ich jetzt nur noch gucke, wie ich mich da am geschicktesten aus der Frontlinie ziehe und hinter mir verbrannte Erde... #-o

Ich danke dir sehr, das war die Sachlichkeit, die ich gebraucht hab :cry:
Sorry für den langen Post (hab fast den Verdacht, das habe ich eigentlich mir erzählt :wink: )
Tashi deleg,

Kirsten
Liebe Grüße, seelera
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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon seelera » Mo 7. Nov 2011, 17:10

Genau, Miriam,

aber wen?
Ich weiss ja selbst nicht, wie ich mich da so fühle - durcheinander, traurig , ohnmächtig, ängstlich...
Also ich hab das Gefühl, ich kann das Damoklesschwert fast greifen... aber halt nur fast.

Reden ist alles was ich run kann, aber glaub mir, der Bub wird schon bei T. zugetexted.
Wenn er mal wieder hier ist, dann muss ich ihm Ruhe schenken, damit die grauen Zellen wiedr zur Ruhe kommen können.

ich war heute fast auf der Polizei...aber der Zufall wollte es, das was dazwischen kam...
Weisste, Problem ist, dass ich Supertrottel meinem Sohn in die Hand versprochen habe, nichts gegen seinen Vater zu unternehmen.
Um nicht das letzte Restchen an Glaubwürdigkeit zu verlieren, muss ich mich daran halten...

was nicht heisst, dass ich nicht auch so bissle a*lochmässig rumdenke, dass ich eine Person da hin schicke,
die stark, autark, respekteinflössend und psychologisch-juristisch geschult ist :-k
Da fallen mir grade nur die Jedis ein...und die haben in Hollywood viel zu tun... :lol:

Ansonsten habe ich iwie heftige Ängste vor T,. auch wenn ich ihm diese Macht über mich nicht gönne -
sein Mobbing ist vom feinsten :sad: und solche Intrigenspinnereien finde ich im Roman spannend,
aber nicht im wirklichen Leben.

Und ich weiss einfach nicht, ob ich das Echo vertrage, wenn ich ihn anzeigen würde...
Weil - er gibt immer siebenmal soviel zurück, wie er bekommen hat
(aber nur bei den Negativen Sachen, fällt mir auf)
Nur eins ist mir definitv ganz klar:
"Ich will diesen Teppich nicht kaufen!!!"(Monthy Python Flying Circus)

Bin noch nicht ganz durch mit der Cop-geschichte...
vielleicht fahre ich heut noch mal zu meiner Freundin, die hat das ja damals auch mit erlebt,
und ist auch die Patentante von meinem "wilden" Kind...

Hab auch schon überlegt, hier ganz wegzuziehen,
damit ich aus dem Dunstkreis komme...
Die Jungs sind faktisch aus dem Haus,
unser Hund im Juli gestorben,
meine Freunde alle motorisiert...
Bin ja noch nicht zu alt um neu anzufangen - aber du ahnst es -auch davor habe ich Schiss. :lol:

Ihr seid richtig klasse; danke Miri!!!
Liebe Grüße, seelera
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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon Klaus W » Mo 7. Nov 2011, 17:57

Hallo Kirsten,

verstehe. Da hast Du ja schon längst den Durchblick, was Sinn von Rettungsversuchen angeht. Ja, ich kenne es auch, daß ich gern Einsicht erzeugen will, ich kann das verstehen. Aber man bekommt mit, es geht eben doch nicht, und man weiß auch, man sollte sich lieber um die eigenen Dinge kümmern.

Und ich kann eigentlich nur versichern, aus eigener Erfahrung, das Beste ist wirklich wenn Dein Sohn seinen Irrtum voll durchlebt. Das war mit 21 meine zentrale Erkenntnis, jeder muß seine Wahrheit selbst erfahren, seine Fehler selbst machen. Klar als Mutter ist das verflucht schwer, dem Sohn das zuzugestehen, und es ist ganz klar daß Du damit große Probleme hast, aber darauf läuft es dann wohl hinaus. Und das wird er Dir danken, daß Du ihn machen läßt, da bin ich optimistisch. Und wie Du ihn so beschreibst, ganz ehrlich, da kannst Du wohl eh nichts mehr ausrichten.

Naja, und wenn Deine Texterei nur dafür war, Dich rückzuversichern, dann ist es doch dafür auch gut und ok.

Ich muß sagen ich habe eine ganz Weile überlegt was ich am besten schreibe, angesichts der Situation die Du schilderst. Letztendlich läuft es für mich wohl darauf hinaus, daß gerade in dieser besonders schwierigen Situation in der Du bist, das Grundprinzip "Jeder ist für sich selbst verantwortlich", bzw. jegliche gesunde Grundprinzipien ganz besonders ernst genommen werden sollten.
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon seelera » Mo 7. Nov 2011, 18:30

Danke Christian.
Nee, ich hab schon dir geantwortet,
aber beim Korrekturlesen kam mir der Satz eines meiner Lehrer in den Sinn:

"Alles was du "sagst" kommt aus dir und egal, wem du es sagst - du erzählst es dir..." :-k

Es gibt zwei Situationen, in denen ich mein Hirn aufräumen kann -
beim Laufen
und beim Schreiben

ich lass das jetzt mal alles sacken...


Dir noch einen angenehmen Abend ^ ^
Liebe Grüße, seelera
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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon fluuu » Do 10. Nov 2011, 18:01

"Alles was du "sagst" kommt aus dir und egal, wem du es sagst - du erzählst es dir..."
Gute Lehrer, erlebe es auch so...
gruß fluuu

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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon seelera » So 13. Nov 2011, 11:10

*sic* :)
Liebe Grüße, seelera
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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon seelera » Mi 16. Nov 2011, 16:42

Musste am Freitag meinen Sohn in die Psych einliefern,
weil er nicht mehr schlief und sein Hirn heissgelaufen ist.
Soll jetzt zyprexa nehmen.
Liebe Grüße, seelera
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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon Remedias » Mi 16. Nov 2011, 16:52

Soll jetzt zyprexa nehmen.
Schau drauf, dass er es so schnell wie möglich wieder absetzt - sonst wiegt er plötzlich das Doppelte und ist depressiv.
Ihm gute Besserung.

lG Remedias

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Re: schlafenden Hund geweckt...

Beitragvon seelera » Mi 16. Nov 2011, 17:02

Hallo, Remedias,

habe alles vergessen, was du mir gesagt hast.
Fühle mich so willenlos wie meine Patienten seinerzeit.
Morgen früh kriegt er die erste Dosis, denke ich mal, aber ich muss das absegnen.
Lese jetzt schon überall rum
und hätte gern ne Zauberfee für alle psychisch Kranken.
Husch und weg die Mist.
Aber depressiv ist er schon.

gglg seelera
Liebe Grüße, seelera
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