schizoid wegen schutzwillen

struppi
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schizoid wegen schutzwillen

Beitragvon struppi » Do 14. Okt 2010, 15:34

Hallo,
Newcomerin hat noch eine Frage aus einem mehrere Jahre zurückliegenden Reha-Klinikaufenthalt:
Ich habe im Abstand von ca. 20 Jahren zwei Gewalterfahrungen in meinem Leben gemacht, beide Zufallssituationen mit Fremdtäter, die erste noch in der Jugend. Daraufhin warfen mir 2 ambulante Therapeutinnen vor, dass ich mich nicht schützen könne. Wie ich das tun soll, haben sie mir nicht verraten. Frau A meinte, weil sie eben Frau A sei und ich Frau X, Frau B meinte, ich solle einen Selbstverteidigungskurs belegen (habe ich schon längst, nützt nur nicht viel, wenn man gerade frisch operiert ist) und eben im Dunkeln nicht rausgehen (Fall 1 war im Hellen, Fall 2 in meinem Haus).
Wie auch immer, aufgrunddessen gab ich bei der Aufnahme in die Rehaklinik selbstkritisch an, ich wolle lernen, mich zu schützen. Daraufhin erhielt ich die Diagnose "schizoide Persönlichkeitsstörung" mit der Begründung, dass ich das Bedürfnis habe, mich zu schützen. :-k Wie jetzt? Weil ich das befolge, was Therapeutin A mir sagt, bin ich laut Therapeutin B persönlichkeitsgestört? Heisst das, ein gesunder Mensch meditiert z.B. bei einem tätlichen Angriff völlig ungerührt weiter? Zombie als Behandlungsziel? Was ist dann mit unterlassener Hilfeleistung? Oder dem Grundgesetz ("Jeder Mensch hat das Recht auf Leben und körperl. Unversehrtheit?")
Ich bin Christ, wir haben sozusagen die Pflicht, Geschöpfe (uns eingeschlossen) zu bewahren! Und die "warum ich"-Frage hat mir mein Pfarrer bisher konstruktiver beantwortet als die "für alles selbst verantwortlich" - Theorie der Therapeuten.
Ach so, dann hiess es in der Klinik noch, ich hätte gar keine Übergriffe erlebt, wolle mich nur in eine Opferrolle begeben bzw. meine Wahrnehmung stimme nicht. Aber es gibt Zeugen, Gerichtsakten #-o , auch stand es in meinem Fragebogen, in meinem Lebensbericht und wurde von mir im Telefoninterview angegeben. Und da die Therapeuten doch sicher regelmässig ihre Achtsamkeitsübungen machen, haben sie die Angaben doch sicher bemerkt?!

P.S. Bin erst mal ne Woche weg, aber ich melde mich!

struppi
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Re: schizoid wegen schutzwillen

Beitragvon struppi » Fr 15. Okt 2010, 17:05

Na, dann "passen Sie gut auf sich auf"
:lol: Meine Frage bezog sich auf schizoid, nicht auf paranoid! Nein, es geht nicht nach Italien,
struppi (noch nicht abgereist)

struppi
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Re: schizoid wegen schutzwillen

Beitragvon struppi » Mo 25. Okt 2010, 13:30

Hmm, hatte die Urlaubswarnung reingestellt, weil man in einem anderen Forums innerhalb weniger Stunden mit bis zu 200 Antworten zugespamt wird, was eine Diskusssion unmöglich macht. Und manche erwarten ja Reaktionen im Handumdrehen. Hier scheint es ja verhaltener zuzugehen.
Bin also wieder da (Dank des Fernsehraums in der Pension weiß ich nun auch, wer oder was Fliege ist :lol: ) und auf gehts.
Nach wie vor finde ich das Behandlungsziel "Schutzwillen abtrainieren" suspekt, zumal mir meine mangelnde Schutzfähigkeit von 2 Therapeutinnen vorgeworfen wurde. Hat das was mit dem in der Therapie heute so verbreiteten buddhistischen Leitlinien zu tun? Laut Psychologie Heute darf demnach eine vergewaltigte Frau nicht mal Wut auf ihren Täter empfinden.
Also, nach meiner Erfahrung gibt es Opfer häuslicher Gewalt, die wirklich was an sich haben, so etwas Täter anziehendes, Unterwürfiges, aber bei Zufallsbegegnungen? Wie soll man da Verantwortung für sich übernehmen? Bin doch nicht allmächtig!
Musste an den Vorwurf, dass ich mich schützen will, neulich denken, als eine Blutspur zur Tür meiner Nachbarin führte bzw. wenig später eine Frau auf der Strasse mit dem Fahrrad stürzte. Laut Therapeutin hätte ich völlig unbeteiligt weitermeditieren und meine Gefühle nichtbewertend beobachten sollen. Meine 90jährige Nachbarin ist doch selbst schuld, wenn sie sich nicht schützen kann. Aber 1.) erfüllt das den Straftatbestand der unterlassenen Hilfeleistung und 2.) verletzt es meine persönlichen Wertvorstellungen. Aber warum sollte für andere etwas gelten, was für mich nicht gilt, das wäre dann ein depressiogener Gedanke.
Now what?

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Re: schizoid wegen schutzwillen

Beitragvon Angelita » Fr 29. Okt 2010, 23:42

Hallo Struppi

Vielleicht bin ich begriffsstutzig... Was ist Ihre Frage? Was beschäftigt Sie wirklich? Ist es der Satz im Austrittsbericht
Daraufhin erhielt ich die Diagnose "schizoide Persönlichkeitsstörung" mit der Begründung, dass ich das Bedürfnis habe, mich zu schützen.
Oder geht es darum wie, wann, wo u. in welcher Situation Sie sich wehren sollen? Was hat Ihnen der Pfarrer geantwortet?

Oder geht es darum, dass Sie in der Klinik als "Lügnerin" / "Opfer" dargestellt wurden?
Gruss Angelita

“Man muss im Ganzen an jemanden glauben, um ihm im Einzelnen wahrhaft Zutrauen zu schenken.” H. v. Hofmannsthal

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Re: schizoid wegen schutzwillen

Beitragvon struppi » Mo 1. Nov 2010, 16:05

Hallo Angelita,
noch mal im Klatext:
Meine Hauptfrage: Wieso ist es pathologisch (i.e.S. schizoid), wenn man sein Leben und seine körperliche Unversehrtheit schützen will?
Dass ich Dinge, die mir von Therapeutin 1 vorgeworfen wurden, laut Klinik gar nicht wirklich erlebt haben soll, trägt zur weiteren Verwirrung bei.
Was der Pfarrer gesagt hat: Dass es auch Demut und Würde des Leids gibt. Man kann den Menschen nicht außerhalb einer Welt des Leids denken, es wären Allmachtsphantasien, wenn sich der Mensch durch gute Taten selbst erlösen wollen würde, dann wäre er ja Gott.

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Re: schizoid wegen schutzwillen

Beitragvon Calendula » Mo 8. Nov 2010, 08:36

Hallo struppi,

oh je, das hört sich aber noch einer menge Missverständnissen auf beiden Seiten an.

Natürlich kann man "schizoid" doch nicht auf den Schutzwillen reduzieren. Zumindest ist das ja sehr vereinfacht.
Ich habe mal gelesen in diesem Buch:
Riemann, Grundformen der Angst
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at ... mann.shtml ,lies mal, was da steht zu "schizoid"
Vielleicht kann man eher sagen, jedes Störungsbild ist eine andere Verarbeitung von Angst. Am besten lies auch die Beschreibung zu den anderen Störungsbildern.

Klar ist das gut, einen Selbstversteidigungskurs zu besuchen! Ich denke, wenn man das tut, tritt man hinterher auch anders auf, so dass man nicht so schnell zum Opfer wird. Vielleicht hat sich die Thera schräg ausgedrückt und gemeint, du seist ein Typ, der so wirkt, als würde er sich nicht verteidigen können.

Stark sind allerdings die Annahmen, du hättest alles gar nicht erlebt. Da wirds dann schon schwierig, das kann man auch einfach nicht so hinnehmen. Und es steht auch keinen Therapeuten zu, das zu behaupten.

LG
Calendula

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Re: schizoid wegen schutzwillen

Beitragvon struppi » Di 16. Nov 2010, 12:00

Danke,
Riemann habe ich gelesen und unter "schizoid" kann ich mich nicht wiedererkennen, eher unter zwanghaft.
Der Vorwurf, ich hätte das alles gar nicht erlebt, zog allerdings noch heftige Konsequenzen:
Habe gerade erfahren, dass der Typ, der mich (angeblich nicht) angegriffen hat, zwei Kinder missbraucht hat. Wenigstens hat man den Kindern geglaubt und er ist jetzt im Knast. Das hätte verhindert werden können, wenn man mir geglaubt hätte!
Ich wirke wie eine, die sich nicht schützen kann? Jeder Mensch wird mal krank und ist dann schwach. In DEM Zustand wurde ich angegriffen, kommt aber lt. Therapeutin gar nicht vor.

Was mir Probleme bereitet, ist die Forderung, alles wegzumeditieren und die Gedanken nichtbewertend zu beobachten. Soll ich meditieren, wenn in der Wohnung neben mir ein Kind missbraucht wird und die Schreie nichtbewertend beobachten????

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Re: schizoid wegen schutzwillen

Beitragvon struppi » Do 18. Nov 2010, 12:37

Männer, die in einer Beziehung leben, sind strafrechtlich weniger auffällig, sagt die Statistik. Darüber sollten wir nachdenken.
Verstehe jetzt den Zusammenhang nicht. Er lebte nicht in einer Beziehung und war wohl auch zu gestört, eine zu führen. Sein Privatleben beschränkte sich auf Saufgelage in der 1-R-Whg. neben mir. Ist ja auch nicht meine Aufgabe, ihm eine zu verschaffen.
Das Plädoyer für Zivilcourage unterschreibe ich, aber wohin, wenn ich bereits vom Betreuungsverein des Täters als behindertenfeindliche Lügnerin und auch von der Klinik als wahrnehmungsgestörtes Möchtegern-Opfer abgestempelt wurde? Das war der Punkt, als ich einknickte, zumal meine Gürtelrose immer wieder aufflammt, sobald ich mich mit dem Thema auseinandersetze.
Affekte: Hatte schon den Eindruck, dass wir in der Klinik auch Affekte wegmeditieren sollten, geht m.E. nicht, ebensowenig wie Flashbacks. Im Gegenteil, durch das Rede- und Denkverbot an diese Ereignisse bin ich erst recht depressiv geworden.
Was mich jedoch total irritiert, ist, dass dieses Wegmeditieren unseren Rechtsnormen (Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit) widerspricht.
Eben durch den Vorwurf, schizoid zu sein, habe ich selbst 2 Jahre in einer Gewaltbeziehung mit jmd. manisch-depressivem ausgehalten, bis die Grenze des körperlich Erträglichen weit überschriten war, aber ich habe mir immer wieder gesagt: "Ich muss das jetzt aushalten, will ja nicht länger schizoid sein, muss also bleiben und nicht weglaufen."

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Re: schizoid wegen schutzwillen

Beitragvon snow » Do 18. Nov 2010, 14:54

Hallo Struppi

Ich muss zugeben, das Rehakliniken für mich zu einem roten Tuch geworden sind. Ich bin deutlich schlechter wieder raus, als ich reingegangen bin. Mein Eindruck war, das mit Gewalt versucht wurde mich möglichst schnell zu „heilen“. Zeit ist Geld und eine Reha soll die Leute möglichst schnell wieder arbeitsfähig machen. Klappt das nicht, dann stellt man sich selbst zu zimperlich an, macht nicht genug mit oder es wird einem unterstellt das man nur nicht wieder arbeiten gehen möchte.
Deine Erlebnisse passen in mein negatives Bild über Rehakliniken. Ich weiß das ich da voreingenommen bin. Mag vielleicht sein das es auch gute gibt. Ich persönlich glaube nicht so recht daran und mache deshalb einen Riesen Bogen um solche Einrichtungen. Lieber Geschlossene, als noch einmal Reha. Meine Meinung.
Mit Psychiatrischen Kliniken und ambulanter Psychotherapie habe ich dagegen sehr gute Erfahrungen gemacht.

Was TVTore mit seinem Beitrag vermitteln möchte, kann ich dir leider auch nicht sagen. Verstehe ich auch nicht. Allerdings verstehe ich seine Beiträge ganz häufig nicht. Kann also auch an mir liegen.

Hast du dir mal überlegt ob du nicht vielleicht ambulante Psychotherapie machen möchtest? Oder machst du es vielleicht schon? Deine Reha war ja nun voll daneben, aber es gibt ja noch andere Hilfsangebote.
LG, snow
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Re: schizoid wegen schutzwillen

Beitragvon struppi » Do 25. Nov 2010, 18:56

Danke für die klaren Worte, snow.
Hat mir auch gerade die Opferhilfe bestätigt, Kliniken sind dazu da, schnell Geld zu machen und Patienten durchzuschleusen. Die können erst mal angeblich alles, aber wenn man hinter die Fassade schaut. (z.B: http://www.klinikbewertungen.de)
Das Problem war, dass ich die Reha bekommen habe, weil es ambulant keine Termine gab und meine Jobsituation zu wacklig war und ich die Jahre Ortsanwesenheit nicht garantieren konnte. Hinterher hatte ich ne ambulante, aber ne TP, weil ich ja so schizoid bin (wenn ich Züge von nem Nerd haben sollte, dann ist das im Moment okay und nicht das Thema).
Aber ich brauche ne TRAUMAtherapie. Habe jetzt endlich Adressen, aber ob die KK da noch mal mitmacht? Kriege jetzt erst mal Antidepressiva fürs erste.
Vielen Dank!
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Re: schizoid wegen schutzwillen

Beitragvon snow » Fr 26. Nov 2010, 08:43

Hallo Struppi

Für einen Klinikaufenthalt brauchst du z.B. keine Einwilligung deiner Krankenkasse. Da reicht ein Einweisungsschein von deinem Arzt. Gibt ja auch Kliniken, welche auf Trauma spezialisiert sind.
Und bei einer ambulanten Therapie kümmert sich der Therapeut um die Bewilligung. Da musst du dir also auch keinen Kopf drum machen.
Also nur Mut, bewerbe dich einfach.
LG, snow
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