Psychische Erkrankungen und Schule

Hier gehört all das hinein, was sonst keinen Platz hat.
Benutzeravatar
Achtsamkeit
Beiträge: 456
Registriert: So 6. Jun 2010, 16:13

Psychische Erkrankungen und Schule

Beitragvon Achtsamkeit » Fr 25. Jun 2010, 13:11

Es kommt ja vermehrt zu psychischen Erkrankungen bei Lehrern, aber auch Schülern.
War das früher auch so und hat man das nur nicht wahrgenommen?
Warum suchen gerade sehr empfindsame Menschen soziale Berufe auf. Um sich selbst in der Ausbildung zu
therapieren ? (also die eigene Kindheit aufzuarbeiten ?)
Wo werden auch "seelische Wunden" als Entschuldigung, oder auch als Mittel zur Aufmerksamkeit genutzt?
Es wäre interessant hier eure Gedanken, Erfahrungen zu hören. Auch von denen, die Schule aus Sicht der Eltern
erlebt haben.
Gibt es hier sogar Unterschiede in den einzelnen Schulformen?
Bin auf Beiträge gespannt.

Achtsamkeit :-k
Kein Psychiater der Welt kann es mit einem Hund aufnehmen der einem das Gesicht leckt!

Benutzeravatar
Angelita
Beiträge: 305
Registriert: Di 7. Jan 2003, 10:11

Re: Psychische Erkrankungen und Schule

Beitragvon Angelita » Fr 25. Jun 2010, 15:14

Hallo Achtsamkeit

Sie haben grad so viele interessante Fragen gestellt - jede wäre ein Thread wert.;-)

Achtsamkeit hat geschrieben:Es kommt ja vermehrt zu psychischen Erkrankungen bei Lehrern, aber auch Schülern.
Ja, das ist unbestritten. Dazu gibt viele Gründe.
War das früher auch so und hat man das nur nicht wahrgenommen?
Ich denke schon, nur hatte man vor 40, 50 o. 60 Jahren noch nicht so ein grosses Wissen um die verletzliche Seele. Man war pragmatische u. handfester. Die Kinder, welche nicht gehorchten, frech, respektlos waren o. gar lügten o. stahlen, wurden vom Lehrer, Ordensleute u. den Eltern geschlagen, mussten die Ecke stehen o. auf ein Scheit knien. Ein Kind, welches nicht still sass, ständig störte, dem hielt man keinen Psychologen zu. Die Lehrer hatten die Kernaufgabe den Schülern Disziplin zu lehren u. einen ziemlich begrenzten Wissensstoff zu vermitteln. Nur wenigen wurde eine humanistische Bildung zu teil.
Wenn man ältere Menschen befragt, dann sind doch viele, die nicht gerne zur Schule gingen, traumatisiert sind selbst mit 90 Jahren u. schon damals sexuelle Übergriffe gab - und keiner sprach darüber. Beklagen sicht die Mädchen bei den Eltern, hätte man sie Lügnerinnen geschimpft, denn der Herr Lehrer u. der Herr Pfarrer machten dies nicht.

Warum suchen gerade sehr empfindsame Menschen soziale Berufe auf. Um sich selbst in der Ausbildung zu therapieren ? (also die eigene Kindheit aufzuarbeiten ?)
Vielleicht... aber ein anderer Grund könnte auch sein; Idealismus, Freude u. Liebe zu den Kindern, es besser zu machen. Warum wurden Sie Lehrerin?
Wo werden auch "seelische Wunden" als Entschuldigung, oder auch als Mittel zur Aufmerksamkeit genutzt?
Na ja, da könnte ev. ein sekundärer Krankheitsgewinn dahinter stecken. Mir gefällt zwar dieser Begriff nicht. Sicherlich hängt das mit der Persönlichkeit zusammen u. wie jemand sozial geprägt wurde. Sicherlich gibt es Lehrer u. Schüler u. Eltern, die so eine Gangart haben. Ihre Frage nach dem Wo; da kommt mir in den Sinn, dass Menschen, die in ihrer Schulzeit verletzt u. gedemütigt wurden, dann im späteren Leben nie mehr einen Kurs, Lehrgang o. Schule belegen mit der Begrüdung, dass sie halt als Kind so geschunden wurden.
Es wäre interessant hier eure Gedanken, Erfahrungen zu hören. Auch von denen, die Schule aus Sicht der Eltern erlebt haben.
Na ja, meine Kinder sind nun erwachsen. Aber ich kann mich gut erinnern, wie das in all den Jahren abgelaufen ist. Wichtig war mir immer, dass Eltern u. Lehrer sich einig waren. Wir suchten immer den Konsenz, damit die Kinder sicher waren, dass sie Lehrer u. Eltern nicht gegeneinander ausspielen konnten. Wenn die Kinder sich über Lehrer o. Lehrerin beklagten, weil sie zu streng waren, dann versuchte ich ihnen zu vermitteln, dass sie im Leben immer mal werden erleben müssen, nicht der selben Meinung zu sein, wie der Lehrer o. der Chef usw. Dass es gilt dies anzunehmen, so lange keine moralischen o. ethischen Verstösse entstehen. Kurz, alle müssen lernen sich unterzuordnen.
Einmal habe ich wirklich Partei für mein Kind ergriffen u. im Gespräch mit der Lehrerin, dann den Vorfall besprochen. Das war krass - aber eben in den vielen Jahren kam so etwas nur einmal vor.
Dann sehe ich auch, dass den Lehrern immer mehr aufgebürdet wird u. somit auch der Beruf an Attraktivität verliert. In der Schweiz herrscht akuter Lehrermangel. Die Lehrer müssen mittlerweile die Kinder erziehen, aufklären, betreuen, beobachten, ob sie seelisch abdriften, Elterngespräche führen, Sitzungen bis zum Geht nicht mehr, Fortbildungen noch u. nöcher, Domteurspielen u. v. m. Das eigentliche Kerngeschäft Wissen vermitteln rückt immer mehr in den Hintergrund.
Lehrlingsausbildner, Lehrmeister u. Gewerbe beschweren sich, dass die Schulabgänger zu wenig Deutsch können, im rechnerischen Bereich schwach sind, keine Disziplin u. Motivation hätten u. der Durchhalte willen sei nicht vorhanden!
Wo sind da die Eltern? Das sind Erziehungsaufgaben, welche zu den Eltern gehören. Aufgaben machen u. kontrollieren. Sich als Eltern für Schule u. Stoff interessieren, nachfragen, zeigen lassen,

Gibt es hier sogar Unterschiede in den einzelnen Schulformen?
Kann ich nicht beurteilen.
Gruss Angelita

“Man muss im Ganzen an jemanden glauben, um ihm im Einzelnen wahrhaft Zutrauen zu schenken.” H. v. Hofmannsthal

Benutzeravatar
Achtsamkeit
Beiträge: 456
Registriert: So 6. Jun 2010, 16:13

Re: Psychische Erkrankungen und Schule

Beitragvon Achtsamkeit » Fr 25. Jun 2010, 19:01

Hallo Angelita,
vielen Dank für Ihre intensive Betrachtung der Fragen. Ja, es strimmt, ich habe verschiedene Aspekte, die mich zum Nachdenken anregen.
Warum bin ich Lehrerin geworden: Eigentlich bin ich nur durch Zufälle als Lehrer an der Schule gestrandet. Ursprünglich bin ich Sozialpädagogin.
Am Anfang war ich sehr enthusiastisch und wohl auch naiv was das Schulwesen betrifft. Wie Sie schreiben, wollte ich es besser machen als
einige der Lehrer die ich erlebt habe. Die Arbeit mit den Schülern habe ich auch gerne gemacht.

Irgendwie habe ich mich bei meiner Frage mit den seelischen Wunden vertippt. Ich meinte nicht wo das ist, sondern, ob das nicht so ist.
Meiner Erfahrung nach wurden seelische Wunden schnell als Entschuldigung oder Abgabe der eigenen Verantwortung für das Tun hervorgeholt.

Es gab Eltern, mit denen ich sehr gut zusammen arbeiten konnte, aber der größte Teil kooperierte leider nicht.

Früher war es sicherlich so, dass wir Kinder Erwachsene zu respektieren hatten. Leider sind doch viele Werte im laufe der Zeit verloren gegangen. Zu spät kommen ist die Regel geworden, hohe Fehlquoten, ach da gibt es viele Aspekte!
Wir hatten natürlich auch Angst vor Strafen früher, und die waren sicherlich oft aus heutiger Sicht inakzeptabel.
Aber heute muss man als Lehrer schon viel einstecken, denn ganz schnell kommen Eltern mit Anwälten.
Ein Junge in einer Hauptschule hat nach dem Wochenende zu einer Kollegin gesagt: Na Frau X, schönes Wochenende gehabt. Wieder fit im Schritt.
Vielleicht finden das jetzt einige witzig, aber das ist es nicht.
Die Probleme und Aufgaben nehmen einfach zu und sind nicht mehr zu bewältigen. Und man denke mal an das Internet, wo Lehrer "benotet" werden.
Was wäre wohl los, wenn ich Schülerlisten reingeben würde mit Noten und Verhaltenskommentaren.
Jetzt muss ich aufpassen, dass ich mich da nicht hineinsteigere.
Mal sehen wer noch hier schreibt.
Viele Grüße Achtsamkeit
Kein Psychiater der Welt kann es mit einem Hund aufnehmen der einem das Gesicht leckt!

cake
Beiträge: 2235
Registriert: Mi 24. Mär 2010, 22:46

Re: Psychische Erkrankungen und Schule

Beitragvon cake » Fr 25. Jun 2010, 19:55

Großes Argument, der verloren gegangene Respekt.
Schon die Schüler untereinander kennen dieses Wort nicht mehr.
Dann verschiedene Nationalitäten, die es z,B einer Lehrerin noch zusätzlich schwer machen: Was hat Frau überhaupt zu sagen???
Trotzdem bleibt die Erziehungsaufgabe gerade dort eben in der Schule, wo die Eltern nicht mitarbeiten.( ob können oder auch nicht). Selbst wenn die Eltern nicht zur Arbeit gehen. Das macht der Staat und kosten tut es unter anderem die Nerven des Lehrers/ Erziehers- des sozial Tätigem.
Es wird vieles leicht gemacht. Integration- schlechtes Verständnis- Computerparken,
ADHS- etc gibts nun auch verstärkt- das gabs früher schon, nur keinen Namen dafür......
Heute könnte/kann man es mit Retalin behandeln- die Ursachen für diese Zunahme ist nicht wert genau zu erforschen.
Da fehlen, wie bei den Lehrern/Erziehern dem Staat die Gelder.
Mich macht es wütend, dass auch der Staat- Menschen opfert, die diesen Beruf mal gewählt haben, weil die Sozialberufausgebildeten nicht egoistisch gehandelt und gedacht haben. Sie haben diesen Beruf aus innerer Berufung gemacht.
Ja, Schulsysteme- es gibt einen entscheidenden Unterschied- die Hochschulen werden sehr gefordert, wogegen das Kind im Kindergarten Z.B schon viel weniger Anspruch auf Bildung hat.
Ich möchte mich gerade nicht um Kopf und Kragen schreiben- es wird mir aber sicher leicht fallen- weiterhin zu diesem Thema meinen Senf abzugeben. :wink:
Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. (Ludwig Erhard)

http://angstfrei.plusbb.org/forum.php
Bild

Benutzeravatar
Achtsamkeit
Beiträge: 456
Registriert: So 6. Jun 2010, 16:13

Re: Psychische Erkrankungen und Schule

Beitragvon Achtsamkeit » Sa 26. Jun 2010, 13:44

Hallo Cake, in vielem stimme ich dir zu. Und da kann man ja auch wirklich wütend werden. Wenn dann noch Sprüche kommen wie "Lehrer müsste man sein, da hat man nachmittags frei und enorm viele Ferien!"
Ich denke auch, dass einfach fast die komplette Erziehung aus der Familie rausgelagert wird. Das heißt, die Institutionen sollen es richten.
Viele Eltern sind zwar auch sehr engagiert, aber sehen dann auch nicht mehr die Schwächen ihrer Kinder oder wollen diese nicht wahr haben.
Der hohe Ausländeranteil ist auch problematisch, da auch hier ein Lehrer übervorsichtig sein muss indem was er sagt.
Gibt man eine drei, dann heißt es schnell haben sie was gegen Ausländer. Diese Methode habe ich in den letzten Jahren öfter erlebt, dass jede Kritik direkt damit in Verbindung gebracht wurde.
Für den Kindergarten gibt es Bildungsvereinbarungen, und sicherlich wird hier auch vieles gemacht, aber die Qualität ist nun einmal enorm unterschiedlich und auch hier spielt das Einzugsgebiet und der Migrantenanteil eine große Rolle, und das Personal.

Und zu deinen Beitrag kann ich nur sagen, dass er doch absolut in Ordnung ist. Deine Meinung, dein Empfinden! Also jeder sollte seine Meinung hier äußern können. Wichtig ist bei sich zu bleiben und nicht verletzend oder beleidigend zu werden.
Nicht ohne Grund habe ich ja auch meinen Nickname gewählt.
Zuletzt geändert von Achtsamkeit am Sa 26. Jun 2010, 22:02, insgesamt 1-mal geändert.
Kein Psychiater der Welt kann es mit einem Hund aufnehmen der einem das Gesicht leckt!

cake
Beiträge: 2235
Registriert: Mi 24. Mär 2010, 22:46

Re: Psychische Erkrankungen und Schule

Beitragvon cake » Sa 26. Jun 2010, 17:17

So, jetzt wirds mir schwindelig- hab 10 Minuten auf deinen Kreisel geschaut :roll: :roll: :roll: :lol: :lol: :lol:

Das sollten die Kinder am Tag tun müssen, dann wäre zuviel vor dem Compter sitzen komplett out, sondern ätzend und sie würden dann mehr raus gehen, und sich dort auspowern :wink: :wink:
Auch gesünder für das Denkvermögen. :wink:
Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. (Ludwig Erhard)

http://angstfrei.plusbb.org/forum.php
Bild

Benutzeravatar
Achtsamkeit
Beiträge: 456
Registriert: So 6. Jun 2010, 16:13

Re: Psychische Erkrankungen und Schule

Beitragvon Achtsamkeit » Sa 26. Jun 2010, 18:49

Ja du hast recht, als ich ihn eingab war es schon zu spät. Wollte einfach gerne das Zeichen, aber habe kein unbewegliches gefunden. Kann man das noch entfernen?
Kein Psychiater der Welt kann es mit einem Hund aufnehmen der einem das Gesicht leckt!

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4497
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Psychische Erkrankungen und Schule

Beitragvon Laura » Sa 26. Jun 2010, 20:45

Hallo Achtsamkeit!

Klick mal in dem besagten Beitrag unten rechts auf "Ändern". Dann kannst Du das Dingsbums im Extra-Textfeld löschen. Dann wieder auf "Absenden" klicken.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

cake
Beiträge: 2235
Registriert: Mi 24. Mär 2010, 22:46

Re: Psychische Erkrankungen und Schule

Beitragvon cake » Sa 26. Jun 2010, 20:57

Achtsamkeit- es war ein Späßchen.
Lass stehen, Du brauchst das nicht entfernen- echt jetzt. OK?
:cool: :cool: :wink: :wink: :wink:
Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. (Ludwig Erhard)

http://angstfrei.plusbb.org/forum.php
Bild

Benutzeravatar
Achtsamkeit
Beiträge: 456
Registriert: So 6. Jun 2010, 16:13

Re: Psychische Erkrankungen und Schule

Beitragvon Achtsamkeit » Sa 26. Jun 2010, 22:05

Danke Laura für den Tipp. Wieder was dazu gelernt.
Nein Cake, mich hat das auch nervös gemacht. Bin froh dass ich es wieder wegnehmen konnte. Schade, dass es das Yin und Yang nicht als "starres" Bild gibt.
Liebe Grüße Achtsamkeit
Kein Psychiater der Welt kann es mit einem Hund aufnehmen der einem das Gesicht leckt!

Benutzeravatar
moni
Beiträge: 3629
Registriert: Di 30. Nov 2004, 00:35

Re: Psychische Erkrankungen und Schule

Beitragvon moni » Sa 26. Jun 2010, 22:16

Hallo zusammen

Eigentlich bin ich vor allem über den Satz gestolpert: "Es kommt vermehrt zu psychischen Erkrankungen (...)" - übrigens nicht nur bei Lehrern und Schülern, sondern ganz allgemein. Das vermehrte Auftreten mag die eine Seite der Medaille sein - das heute viel weiter verbreitete Sichkümmern um seelische Zustände und eben auch Leiden ist wohl die andere. Menschen haben schon immer auch gelitten, und es gab auch früher Zeiten, wo sehr viele dies ganz schrecklich taten - man denke nur z.B. an die beiden Weltkriege und all die damit verbundenen Traumata. Doch da waren lange nicht so viele Profis, an die Betroffene sich wenden konnten, und so mussten viele, zu viele, alleine schauen, wie sie mit den ganzen Schrecken fertig werden sollten, und so wurde vieles auch ganz einfach nicht öffentlich bekannt.

Ich mag nicht so richtig in das Lamento einstimmen, obwohl auch ich aus dieser beruflichen Ecke komme und auch wenn alles bisher hier Gesagte irgendwo eine Richtigkeit hat. Doch zu vieles bleibt so an der Oberfläche und deswegen ungenau und plakativ. Das nützt im Einzelnen gar nichts, sondern führt zu Stehenbleiben.
Respektmangel ist m.E. z.B. nicht bloss ein zunehmendes Problem in den Schulen, sondern ein ganz allgemein gesamtgesellschaftliches. Und gesamtgesellschaftliche Wandel zeigen sich einfach immer besonders deutlich in den Schulen.
Der hohe Ausländeranteil ist auch problematisch, da auch hier ein Lehrer übervorsichtig sein muss indem was er sagt.
Gibt man eine drei, dann heißt es schnell haben sie was gegen Ausländer.
Auch das mag die eine Seite der Medaille sein. Die andere ist, dass mehrfach erwiesen ist, dass Arbeiten schlechter bewertet werden, wenn sie mit ausländischen Namen angeschrieben sind, als wenn dieselben Arbeiten namenlos/anonym korrigiert werden. Und zwar mit bis zu zwei Noten Unterschied.

Ich mag das Bild von den zwei Seiten der Medaille. Es ist oft ein erster Blick aus einer Sackgasse. Und noch lieber mag ich einen von Ruth C. Cohn oft und gerade in Workshops mit Lehrkräften gerne ausgesprochenen Satz: "Ich bin nicht allmächtig, ich bin nicht ohnmächtig - ich bin partiell mächtig, und es ist meine Verantwortung, diese partielle Macht zu übernehmen und zu nutzen; die Verantwortung zu tragen."
So viel auch zum Vorschieben seelischer Wunden als Entschuldigung für eigenes Tun (oder auch Nichttun).

Die von Ruth C. Cohn erwähnte partielle Macht kann eine ungeahnte Energiequelle sein!

Liebe Grüsse

moni

P.S.
Schade, dass es das Yin und Yang nicht als "starres" Bild gibt.
Hm? Gibts doch tausendfach - hier, guck mal: Bild
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Hermann Hesse

Benutzeravatar
Achtsamkeit
Beiträge: 456
Registriert: So 6. Jun 2010, 16:13

Re: Psychische Erkrankungen und Schule

Beitragvon Achtsamkeit » So 27. Jun 2010, 08:23

Hallo Moni,
natürlich, alles hat seine zwei Seiten und meine Sicht als Lehrer dominiert natürlich bei der Betrachtung. Dass Arbeiten unterschiedlich benotet werden ist richtig. Bei dem einen Lehrer gibt es eine zwei und der andere gibt eine vier. Wobei es dabei egal ist wer die Arbeit geschrieben hat.
Gerade diese Bewertung von Menschen in Noten finde ich ungemein schwer und eigentlich nie gerecht. Wenn jemand sich enorm anstrengt und sein bestes gibt, dann ist das doch eine anerkennenswerte Leistung und müsste entsprechend gut bewertet werden. Aber die gute Note bekommt ja derjenige, der es am besten macht, auch wenn es für ihn vielleicht ein leichtes war die Arbeit zu machen.
Naja das Noten geben ist auch wieder ein Aspekt über den man nachdenken muss.
Die Werte in der Gesellschaft haben sich sicherlich insgesamt verändert, nur in dem Tread sollte es eben speziell um die Menschen gehen, die mit Schule zu tun haben.
Ein schönes Yin Yang Zeichen! Und wo finde ich es?

Grüße Achtsamkeit
Kein Psychiater der Welt kann es mit einem Hund aufnehmen der einem das Gesicht leckt!

Benutzeravatar
moni
Beiträge: 3629
Registriert: Di 30. Nov 2004, 00:35

Re: Psychische Erkrankungen und Schule

Beitragvon moni » Mo 28. Jun 2010, 00:39

Noch mal hallo

Zwei Anmerkungen:
Bei dem einen Lehrer gibt es eine zwei und der andere gibt eine vier. Wobei es dabei egal ist wer die Arbeit geschrieben hat.
Nein, bei den von mir erwähnten Untersuchungen kam heraus, dass der Name eben nicht egal ist, sondern durchaus ein Kriterium für die Bewertung darstellt.
Ein schönes Yin Yang Zeichen! Und wo finde ich es?
Rechte Maustaste auf Bild, dann "Grafik anzeigen", und du siehst die Adresse. Oder einfach googeln ...

Und um auf eine von deinen eingangs gestellten Fragen zurückzukommen:
Es kommt ja vermehrt zu psychischen Erkrankungen bei Lehrern (...) Warum suchen gerade sehr empfindsame Menschen soziale Berufe auf. Um sich selbst in der Ausbildung zu
therapieren ? (also die eigene Kindheit aufzuarbeiten ?)
Das kann ein (mehr oder weniger bewusstes) Motiv sein. Vielleicht sind sehr empfindsame Menschen einfach auch anfälliger darauf, sich zu überfordern und unzufrieden zu sein. Beides ist auf Dauer nicht sehr gesund ...
Oft können empfindsame Menschen auch mit einer klassischen beruflichen Karriere nicht viel anfangen, weil sie andere Wertvorstellungen für ihr Leben hegen. Für manche wird der Lehrerberuf dann aus verschiedensten Gründen doch zu einer Sackgasse, was wiederum zu Unzufriedenheit führt. Das allein muss zwar noch nicht notwendigerweise zu psychischer Erkrankung führen; zeitweilige Unzufriedenheit gibt es in jedem Beruf, ohne dass daraus gleich ein Schaden entstünde. Doch wenn der Einzelne seiner individuellen Unzufriedenheit nicht wirklich begegnen kann - um auf Ruth C. Cohn zurückzukommen: im Sinne von partieller Machtübernahme -, wird es schwierig.

Wie würdest denn du deine von dir eingangs gestellten Fragen für dich persönlich und aus deiner persönlichen Sicht beantworten?

LG moni
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Hermann Hesse

Benutzeravatar
Achtsamkeit
Beiträge: 456
Registriert: So 6. Jun 2010, 16:13

Re: Psychische Erkrankungen und Schule

Beitragvon Achtsamkeit » Mo 28. Jun 2010, 09:58

Hallo Moni,

auch Lehrer sind Menschen und ganz klar hat man Schüler, die einem sympathisch sind und welche, wo es eben nicht so ist.
Von daher gebe ich dir recht, dass, wenn man den Namen kennt bei Arbeiten, das mit in die Notengebung reinspielt/reinspielen kann.
Es gibt aber auch Untersuchungen in denen Arbeiten (Deutscharbeiten) von unterschiedlichen Lehrern bewertet wurden, die die Schüler nicht kannten, bezw. namenlose Arbeiten. Hier war das Notengefälle eben sehr unterschiedlich.
Früher wurde vieles einfach als so ist es hingenommen. Da gab es ja auch nicht die breite Information über Erziehung/Pädagogik wie das heute der Fall ist.
Ich bin in den sozialen Beruf gelandet, um alles natürlich besser zu machen, als ich es in der Schule teilweise erlebt habe.
Von Eltern und Schülern werden seelische Wunden häufig als Entschuldigung für nicht erbrachte Leistungen oder unangemessenes Verhaltren genannt. (Meine Erfahrung)
Es ist finde ich heute auch eine Gefahr, dass jede Auffälligkeit direkt analysiert und oft mit Medikamenten behandelt wird. (ADS z.B.)
Oder wie war das nach dem Selbstmord von Torwart Enke. Plötzlich meinten vermehrt Menschen, dass sie Depressionen haben. Ich glaube, dass das immer schwerer wird richtige Diagnosen zu stellen. Und in jeder Zeitschrift geben sogenannte Experten ihre pädagogischen und psycholigischen Ratschläge. Aber das ist wohl schon wieder ein anderes Thema.

Grüße Achtsamkeit

PS. Danke für den technischen Hinweis
Kein Psychiater der Welt kann es mit einem Hund aufnehmen der einem das Gesicht leckt!

Benutzeravatar
Achtsamkeit
Beiträge: 456
Registriert: So 6. Jun 2010, 16:13

Re: Psychische Erkrankungen und Schule

Beitragvon Achtsamkeit » Mi 30. Jun 2010, 08:51

Hallo Smilla,
kannst du das bitte konkretisieren!
Kein Psychiater der Welt kann es mit einem Hund aufnehmen der einem das Gesicht leckt!


Zurück zu „Sonstiges“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste