Histrioniker, Verhalten in der Partnerschaft

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claudio
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Histrioniker, Verhalten in der Partnerschaft

Beitragvon claudio » Di 1. Jun 2010, 19:15

Liebe Forumsbenutzer, liebe Experten!
Habe mich soeben angemeldet, um Antworten auf die Fragen zu bekommen, die mich und meine Frau seit ca. einem Jahr bewegen:
1. Unsere 25jährige Tochter lebt in einer "festen" Partnerschaft mit einem Mann, der nach meinere (laienhaften) Beurteilung alle Merkmale eines typischen Histrionikers aufweist.
Frage : Kann das auf Dauer gut gehen?
2. Unsere Tochter zeigt mitunter auch ein Verhalten, das mir als (mildere) Form einer histrionischen PS erscheint.
Frage : Ist es möglich, dass sich zwei Histrioniker gut verstehen (ohne sich ihrer Störung bewußt zu sein)?
3. Die Mutter meiner Frau scheint die genetische Quelle der PS unserer Tochter zu sein.
Frage : Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Kind zweier Histrioniker die PS erbt ?

Wir haben natürlich noch viele Detailfragen, möchten aber vorerst Eure Hilfsbereitschaft nicht über Gebühr beanspuchen.
m.l.G.

cake
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Re: Histrioniker, Verhalten in der Partnerschaft

Beitragvon cake » Di 1. Jun 2010, 20:38

Hallo und Willkommen!
Habt Ihr das schon gelesen?


http://de.wikipedia.org/wiki/Histrionis ... %C3%B6rung

Liebe Grüße
Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. (Ludwig Erhard)

http://angstfrei.plusbb.org/forum.php
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claudio
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Re: Histrioniker, Verhalten in der Partnerschaft

Beitragvon claudio » Di 1. Jun 2010, 21:02

Ja, haben wir und noch einige etwas ausführlichere Erläuterungen.
Leider blieben bisher viele Fragen offen.
Wir bräuchten Jemanden, der sich wirklich auskennt; als Therapeut, Patient oder Angehöriger.
Eventuell könnte auch ein Literaturhinweis nützlich sein.
lG

claudio
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Re: Histrioniker, Verhalten in der Partnerschaft

Beitragvon claudio » Mi 2. Jun 2010, 12:07

Zur "Gegenfrage" :
Unsere Tochter neigt dazu Anderen etwas vorzuspielen, steht gern im Mittelpunkt und lügt uns fallweise an (mitunter ziemlich unverschämt, speziell wenn sie glaubt, dass wir es nicht merken könnten). Auch liebt sie "extreme" Sportarten (Klettern, Tieftauchen). Ansonsten ist sie ziemlich "normal" und lebenstüchtig (in Bestzeit studiert, guter Job...). Alles kein Vergleich zum "Schwiegersohnanwärter".

Zu dessen Symptomen (nur das "Auffälligste"):
-Er spricht ein seltsames Hochdeutsch, obwohl er seit ca. 18 Jahren in Wien lebt (polnische Zuwanderfamilie, die anderen sprechen wie wir).
- Er gestikuliert beim Sprechen heftig, obwohl er kaum jemals etwas Ernsthaftes zu sagen hat.
- Er scheint unfähig zu einer echten Diskussion, hat immer eine festgefahrene Meinung und akzeptiert keine anderen Ansichten.
- Er kann nicht differenzieren und sieht alles schwarz - weiß (mit polnisch - nationalistisch/faschistoider Grundhaltung).
- Wenn man ihm widerspricht wird er zornig und respektlos (obwohl er fast 40 Jahre jünger ist als ich)
- Wenn sich Andere in seiner Umgebung unterhalten, mischt er sich sofort ein und versucht das Gespräch an sich zu ziehen.
- Er hat ein ausgesprochen schlechtes Allgemeinwissen und Schwierigkeiten, logisch (kausal) zu denken und sich zu konzentrieren.
- Er hat einen Tick : wenn er sich freut, hat er unkontrollierte Schüttelbewegungen der Hände und Schultern.
- Er erfindet ständig glorreiche Geschichten über sich und seine Familie, die alle unwahr oder zumindest äußerst übertrieben sind.
- Er hat stets Ausreden für eigene Fehler und ist immer der Gute und das Opfer.
- Er studiert schon sehr lange, ohne dass ein Ende in Sicht wäre und läßt es sich zu Lasten unserer Tochter gut gehen.
- Er stellt seine "Liebe" zu unserer Tochter in extremer (peinlicher) Weise zur Schau (z.B. öffentliches Lecken ihrer nackten Füße).
- Bei Kritik reagiert er entweder mit Betonung seiner Opferrolle (mitleidheischend) oder sehr aggressiv.
- Er behandelt sein Eigentum mit großer Sorgfalt während er mit fremden Sachen sehr rücksichtslos umgeht.
- Seine vorangegangene Ehe (die er anfangs bestritt) ist vermutlich wegen seiner Untreue in Brüche gegangen.
- Als wir ihn vor ca. eineinhalb Jahren kennen lernten, kam er uns etwas seltsam, aber durchaus sympatisch vor. Erst nach Monaten bemerkten wir seine "negative Seite".

claudio
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Re: Histrioniker, Verhalten in der Partnerschaft

Beitragvon claudio » Do 3. Jun 2010, 18:41

Liebe Eisbärin!
Du hast das Wesentliche des Problems genau erkannt :
Er hält sich für völlig normal, halt nur besser als die Anderen (Kellermeistersyndrom?). Leider scheint unsere Tochter ihn auch so zu sehen, zumindest behauptet sie das.
Wir glauben auch, dass die Beziehung nicht gut gehen kann und suchen unserer Tochter eine andere Problemlösung zu bieten, als "durch Schaden klug zu werden".
Nur : Wie sollen wir das angehen? Zu ihm haben wir jeden Kontakt abgebrochen (wir halten ihn einfach nicht mehr aus), er würde sich aber ohnehin nicht freiwillig in ärzliche Behandlung begeben. Unserer Tochter können wir ihn nicht ausreden; im Gegenteil: wenn wir ihr seine Störung klar machen wollen, reagiert sie trotzig und klammert noch mehr.
Was sollen wir tun, um unserer Tochter die Augen zu öffnen?
Gibt es so etwas wie eine "friedliche Lösung"?
Wir wären Dir oder anderen Lesern für jeden Ratschlag sehr dankbar.
l.G.

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Laura
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Re: Histrioniker, Verhalten in der Partnerschaft

Beitragvon Laura » Fr 4. Jun 2010, 00:09

Hallo claudio!

Auch wenn für Euch das Unglück Eurer Tochter noch so klar vorprogrammiert erscheint: Ihr könnt Sie warnen und beraten, aber wenn sie wirklich in diesen Mann verliebt ist, werdet Ihr sie selbst als Eltern oder gerade als Eltern nicht davon abhalten können, sich auf diesen Mann einzulassen. Je mehr Ihr Euch einmischt, desto mehr kann Eure Tochter das Gefühl bekommen, dass Ihr sie als Euer Eigentum anseht und Ihr nicht wollt, dass sie sich abnabelt. Ihr müsstet wahrscheinlich schon eine sehr fette und gerissene Intrige in Gang setzen, um ihr die große Liebe auszureden und am Ende bekämt Ihr den schwarzen Peter zugeschoben. Klar, objektiv kann man sagen, wenn zwei "Gestörte" zusammenkommen, dann schaukeln sie sich in ihrer Störung nur gegenseitig hoch und werden gemeinsam unausstehlich. In der eigenen Familie und beim eigenen Kind umso schwerer auszuhalten als es vom Hörensagen bei "den anderen" mitzubekommen (genau wie ich hier). Aber vielleicht ist dieser Mann trotz allem im Moment gerade der, der am besten zu Eurer Tochter passt, gerade wegen der vielen Gemeinsamkeiten, auch wenn sie negativ behaftet sind?

Zwischen dem Dingens, dass man weiß oder meint zu wissen, was gut für das eigene Kind ist und dem Output, dass man es gerne sieht, dass das Kind tut, was man sagt, liegt natürlich erstmal ein theoretischer Unterschied. Praktisch läuft es aber auf dasselbe hinaus.

Eigentlich sollte ich mich als Nichtmutter ganz aus solchen Fragen raushalten, aber ich bekomme ja, abgesehen von meinen Erfahrungen mit meinen eigenen Eltern auch mit, wie das bei den Kindern ankommen kann, wenn die Eltern sich zu sehr in das Leben der Kinder reinhängen, sobald diese flügge werden und dann eben auch ihre ersten richtigen Stolperschritte machen. Nur mal ein harmloseres Beispiel: Mir erzählte mal eine Pädagogikstudentin, sie habe sich eigentlich nicht von Anfang zur Pädagogin berufen gefühlt, sondern sich erstmal vom Businessmileu angezogen gefühlt und daher BWL studiert. Während dieses Studiums ging ihr dann doch auf, dass das eigentlich doch nicht ihre Welt war und sie doch zu sozial eingestellt war, um es unter (angehenden) Geschäftsleuten auszuhalten. Als sie dann beschloss, von BWL auf Pädagogik zu wechseln, meinte die Mutter, sie habe sich gleich gedacht, dass sie in der BWL falsch aufgehoben sei und ihr was Soziales eher liegen würde. Die Tochter fragte: "Ja, warum hast Du das denn nicht gleich gesagt????". Die Mutter cool: "Wenn ich das schon am Anfang gesagt hätte, hättest Du es doch nicht gemacht!" Die Tochter: "Stimmt!"

Eigentlich finde ich es eine größere Leistung von Eltern, die Kinder trotz gemachter Fehler wieder aufzufangen als sie erst gar keine Fehler machen lassen zu dürfen. Sicher, Ihr wollt Eure Tochter nicht unglücklich sehen, aber wollt Ihr sie andererseits als hilfloses Würmchen sehen, das ohne Euch nicht mal 'nen Eimer Wasser umtreten könnte? Wärt Ihr nicht mit einer Tochter zufriedener, die genügend Coolness besitzt, sich nicht ständig Vorschriften machen zu lassen? Das fängt doch mit der "Rebellion" gegen die Eltern an, oder? Wenn Ihr diese Phase aushaltet, wird es Euch Eure Tochter später sicher mal danken.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Re: Histrioniker, Verhalten in der Partnerschaft

Beitragvon claudio » Sa 5. Jun 2010, 21:40

Ja liebe Laura, Du hast leider völlig recht!
Wir werden also vorerst gar nichts tun und uns heraushalten.
Damit es uns leichter fällt, fahren wir morgen für ein paar Tage nach Italien, Freunde besuchen.
l.G.

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Re: Histrioniker, Verhalten in der Partnerschaft

Beitragvon Laura » Sa 5. Jun 2010, 23:31

Hallo claudio!

Angenehme Erholung!

LG

Laura
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Re: Histrioniker, Verhalten in der Partnerschaft

Beitragvon fluuu » Mi 9. Jun 2010, 00:18

Hallo,
was hältst Du davon Deiner Tochter alles Gute und viel Freude mit ihrem auserwählten Freund zu wünschen,
sie verliebt sich eh in Männer ihrer Wahl, als in Symptomen zu stochern die Bewusst nicht vorhanden sind.
Der Freund Deiner Tochter braucht Dich nicht zu interessieren, Du hast da nichts mehr zu melden, es ist
ihre Wahl und sie muss damit fertig werden(Punkt).
gruß fluuu

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Re: Histrioniker, Verhalten in der Partnerschaft

Beitragvon fluuu » Mi 9. Jun 2010, 21:51

hi Eisbärin, wieder mal leichter Zynismus, wie schön.
Wenn der liebe Papa seine erwachsene Tochter loslassen und nicht
seinem Schwiegersohn per Diagnose hinterher schnüffeln würde gäbe es keine
Probleme die gelöst werden müssen, zumindest nicht für den Papa.
Die Kinder sind erwachsen und lösen ihre Probleme selbst, auch mit Hilfe
aber sicherlich nicht mehr von den Eltern.
Wir leben am Anfang des 21. Jahrhunderts und nicht im Feudalismus als
die Kinder zum Besitz der Eltern oder des Fürsten gehörten.
gruß fluuu

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Re: Histrioniker, Verhalten in der Partnerschaft

Beitragvon fluuu » Do 10. Jun 2010, 22:13

...natürlich hat das was, sie üben den selben Zwang den sie zu spüren bekommen haben
als Rache an den eigenen Kindern aus und so lebt der Feudalismus unterschwellig ewig weiter...
Die widerliche geheuchelte Macht die sie von den schwachen Eltern zu spüren bekamen
leben sie wenn sie erwachsen sind an den eigenen Kindern aus und so geht es immer weiter.
Der Psychologe freut sich, ihm gehen nie die Klienten aus, man ist das übel...
gruß fluuu

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Re: Histrioniker, Verhalten in der Partnerschaft

Beitragvon claudio » Mo 14. Jun 2010, 20:10

Liebe Leute!!!!
Eine Grundsatzdiskussion über die Beziehung zwischen Eltern und Kindern in Relation zur historischen Entwicklung der Gesellschaft heraufzubeschwören war wirklich nicht unsere Absicht, wir haben einfach nur Antworten zu konkreten Fragen gesucht.
Dabei hat uns Eisbärin geholfen, weil sie unser Anliegen als wahr und ernst akzeptiert und uns Informationen zur Problemlösung geboten hat und nicht die Fragestellung an sich (also das Problem) bekämpft hat.
Dafür bedanken wir uns hiermit herzlich bei ihr.
An kleinlichem Gezänke werden wir uns hingegen nicht beteiligen.
l.G.

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Re: Histrioniker, Verhalten in der Partnerschaft

Beitragvon fluuu » Do 17. Jun 2010, 10:52

Hallo claudio,

natürlich sind viele Reaktionen unangenehm, wer sich als Elternteil in das Leben der
erwachsenen Tochter und deren Mann einmischt und das öffentlich in einem Forum
kund tut, muss mit Gegenwind rechnen. Man kann es drehen und wenden wie man
will, wenn die Eltern für ihr erwachsenes Kind anfragen läuft etwas verkehrt.
Es ist naheliegend, dass die Eltern das Problem sind und Unterstützung brauchen.
gruß fluuu

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