Aufgaben einer Psychiatrischen Klinik?!

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seufz
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Aufgaben einer Psychiatrischen Klinik?!

Beitragvon seufz » Mi 19. Mai 2010, 10:00

Hallo,
ein guter Freund von mir befindet sich jetzt seit einigen Wochen in einer Psychiatrie.Er hat sich aufgrund seiner psychischen und häuslichen (lebt bei Eltern) Situation freiwillig in die Klinik begeben.Er ist unter 25 Jahre kann aber aufgrund seiner Situation nicht mehr zurück in den Haushalt seiner Eltern.Er wollte jetzt in der Klinik zusammen mit dem Personal die nötigen Anträge zur Kostenübernahme stellen und sich dann eine eigene Wohnung suchen.
Die Klinik teilte Ihm mit dafür nicht zuständig zu sein und Ihm dort nicht helfen wird!Nach dem er mir das beim letzten Besuch erzählte, versprach ich Ihm mich darum zu kümmern.
Ich habe bei der KK und beim Sozialpsychiatrischen Dienst nachgefragt und beide sagten mir das die Psychiatrie dafür zuständig sei und das Personal hätte!Aber warum verweigern die sich?
Könnt Ihr mir bitte erklären welche Aufgaben die Klinik hat und wie er sich am besten verhalten kann?Was soll bzw. kann er tun?
Vielen Dank und beste Grüße
seufz

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fluuu
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Re: Aufgaben einer Psychiatrischen Klinik?!

Beitragvon fluuu » Mi 19. Mai 2010, 14:34

Hallo seufz,

um da eine konkrete Antwort geben zu können wären die Hintergründe wichtig.
Es stimmt, dass die Aufgabe der Psychiatrie nicht darin besteht jungen Leuten die
nicht mehr bei den Eltern wohnen wollen die Formalitäten zu erledigen. Die
Psychiatrie ist mit Ärzten und Therapeuten für die medizinische Behandlung von
akuten psychischen Störungen zuständig.
Wohnungsfragen werden mit Sozialarbeiten geklärt und man findet bei ihnen am
ehesten Hilfe. Sie gibt es auch in jeder Psychiatrie aber sie sind zuständig für
die Betreuung von Akutpatienten bzw. bei der Entlassung.
Will Dein Kumpel das Elternhaus verlassen und dabei Hilfe bekommen ist die
Psychiatrie nicht der beste Anlauf sondern Sozialstationen bei denen Sozialpädagogen
arbeiten.
Dann ist es nicht produktiv wenn Du für ihn nachfragst, da wirst Du abgewiesen,
ihr solltet wenigstens zusammen hingehen oder noch besser er schafft es selbst.
Wer jedoch schon Patient der Psychiatrie ist bekommt in anderen Einrichtungen
nicht parallel auch noch Unterstützung, er sollte sich entscheiden was er will.
Behandlung gegen psychische Störung oder Hilfe bei der Suche einer Wohnung,
es passiert nicht unbedingt beides automatisch.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

seufz
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Re: Aufgaben einer Psychiatrischen Klinik?!

Beitragvon seufz » Mi 19. Mai 2010, 14:53

Hi fluuu,
vielen Dank für Deine Antwort.Er lebt im Haushalt seiner Mutter die allein erziehend ist.Er ist jetzt 23 Jahre und hatte mehrere schwere, organische Erkrankungen (Krebs/Nierenversagen), wo er heute unter den Psychischen Folgen (Trauma...) leidet.Er ist nie richtig zur Schule gegangen und besitzt weder eine Ausbildung noch Job!...Seine Mutter erzählt immer er wäre ein Schmarotzer usw. und er solle sich etwas anderes suchen.Diese Art des miteinander Umgehen geht jetzt schon über Jahre so.Das Verhältniss ist völlig gestört und für Ihn sehr unangenehm.Er ist nur gedultet aber nicht gewünscht...Wir kennen uns schon seit dem Kindergarten aber so schlecht und verzweifelt als er in die Klinik ging, habe ich Ihn vorher nie erlebt!...
Ich werde Ihm das so erklären und sagen er soll nocheinmal das Gespräch suchen!Er hat Ihnen gesagt das es zu Hause nicht mehr geht.Entlassen Sie Patienten ohne festen Wohnsitz wirklich ins Blaue?
Sie sagten Ihm, Sie könnten Ihm einen Platz im Betreuten Wohnen suchen, das ist aber Quatsch!Das macht er auch nicht und ist unnötig.
Mal schauen was man da noch erreichen kann...
Gruß seufz

submarine
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Re: Aufgaben einer Psychiatrischen Klinik?!

Beitragvon submarine » Mi 19. Mai 2010, 22:00

seufz hat geschrieben:Sie sagten Ihm, Sie könnten Ihm einen Platz im Betreuten Wohnen suchen, das ist aber Quatsch!Das macht er auch nicht und ist unnötig.
mit der Einstellung werden die ihm bestimmt nicht helfen, das würde mich wundern. Mir haben die auch nie was anderes angeboten. Wenn das "Quatsch" sein soll, dann muss er es selber gebacken kriegen, eine psychiatrische Klinik ist doch keine kostenlose Rundum-Service-Wohnungsvermittlung. Was die Kostenübernahme angeht, das macht die Kasse IMO sowieso wenn eine stationäre Behandlung nötig ist, weil sie dazu verpflichtet ist. Wenn dein Kumpel die Papiere nicht selber ausfüllen kann/will hat er nur 2 Möglichkeiten, entweder er bekommt einen Betreuer oder ein Freund (Du?) hilft ihm dabei. Der soll froh sein dass er so einen Kumpel wie dich überhaupt hat, das ist nämlich bei wirklich unglücklichen Menschen alles andere als eine Selbstverfreilichkeit !

retchira
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Re: Aufgaben einer Psychiatrischen Klinik?!

Beitragvon retchira » Mi 23. Mär 2011, 11:41

Mhm also ich finde schon, dass sie ihm helfen sollten. Nur weil er betreues Wohnen abschlägt, heisst das doch nicht, dass man ihm Hilfe verwehren sollte. Vielleicht möchte er einfach nicht auf die Hilfe anderer jeden einzelnen Tag angewiesen sein, sondern selbstständig sein Leben meistern. EIne meiner liebsten Freundinnen musste damals auch aus ihrem Elternhaus, weil es ihr psychisch so schlecht ging, dass sie sich hat einweisen lassen, und ihr haben sie in der Klinik damals geholfen, die Papiere an die Richtige Stelle zu senden und finanzielle Hilfe zu bekommen. Mittlerweile lebt sie in einer für sie angemessenen Wohnung in München und könnte nicht glücklicher sein - so sieht man, dass es auch anders gehen kann, wenn die Ärzte und Helfer wirklich WOLLEN!

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Remedias
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Re: Aufgaben einer Psychiatrischen Klinik?!

Beitragvon Remedias » Mi 23. Mär 2011, 12:06

Hallo seufz,
wende dich ( wendet euch) an den Sozialpsychiatrischen Dienst eures Land (Stadt,_) kreises.
Dort bekommt ihr weiterführende Adressen.
Betreutes Wohnen gibt es nicht nur in Heimen, sondern in jeder Abstufung, auch Einzelzimmer, Zweier-WGs etc. Man wird schon das Passende finden.
Das jemand in die obdchlosigkeit entlassen wird, kann durchaus vorkommen. Da gibt es keinen Schutz. Aber alles lässt sich bereden.

liebe Grüße Remedias


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