Krankheitseinsicht?

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spaceball
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Krankheitseinsicht?

Beitragvon spaceball » Do 12. Jun 2008, 17:49

Hallo,

meine Schwester hat offensichtlich Wahnvorstellungen, ist aber der Meinung keine Hilfe zu benötigen..

Wie lange dauert das, bis man selbst merkt, dass man ein Problem hat, das man besser mit einer/einem Psychiater/in bespricht?
und woran bemerkt man das dann?



viele grüße,
spaceball

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Reh
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Beitragvon Reh » Do 12. Jun 2008, 17:54

Hallo Spaceball,

das kann lange dauern, oder auch nie eintreten.

Ich bin nach 5 Monaten in der Klink gelandet, habe immer noch nicht geglaubt das ich krank bin. Nach insgesamt 7 Monaten bin ich dann freiwillig zu einem Psychiater gegangen, weil ich total fertig war.

LG Reh

soria
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Beitragvon soria » Mo 16. Jun 2008, 20:08

Hallo,
mein Freund ist seit nunmehr zwei Jahren krankheitsuneinsichtig. Irgendwo habe ich mal gelesen: wenn der Betroffene den Wahn als Wahn erkennen würde, wäre es ja kein Wahn mehr. Der Wahn ist für den Betroffenen die Realität.
Grüße
Soria

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Strawberryfairy
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Beitragvon Strawberryfairy » Di 19. Aug 2008, 13:36

also am anfang in der psychatrie war ich auch total krankheitsuneinsichtig habe die leute da fertiggemacht mit sachen beworfen und angeschrien halt so und mich immer geweigert und immer extrawünsche gehabt naja irgentwann hab ich dann mitgemacht(eigt nur um entlassen zu werden) wurde erst nach 7monaten entlassen hab auch eine psychose

aber keine ahnung eine richtige krankheitseinsicht habe ich immer noch nicht :roll: ich weis es nicht

annchris
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Beitragvon annchris » Do 21. Aug 2008, 11:14

Bei meinem Mann kam die Einsicht uber die Krankheit gute 4 Monate nach dem Psychose ausbruch. Das kam dann recht schnell. Wir hatten zwar schon oft darueber gesprochen, aber er hat immer gesagt, nein so war das nicht. Ich habe viel nachgeschlagen und gelesen und habe ihm dann einige Sachen ausgedruckt, damit er versteht wie sowas passieren kann (paranoide psychose) und damit habe ich veruscht ihm zu zeigen das viele seiner Wahrnemungen nur eine abwehr waren.

Aber das alles hat er erst spaeter verstanden, wie gesagt gut nach 4 Monaten. Als er dann zu mir sagt: "Sag mal was habe ich eigentlich fuer eine Sch***se im Kopf gehabt?" Wusste ich, der erste Schritt war gemacht. :)

heute sieht er das so: er meint das schlimmste an der Sache war, das er es einfach nicht kontrollieren konnte. Das aergert ihn manchmal. Und sein Kommentar darueber ist heute (Zitat) "Ich war ja total behaemmert das alles so zu sehen".

Er versteht aber auch, das sein Gehirn einfach zu ueberfordert war. Und das finde ich am besten.

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Xcat
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Beitragvon Xcat » Do 21. Aug 2008, 11:20

Hallo anncriss,

da hast du aber verdammt Glück gehabt. Mein Bruder hat seit 20 Jahre eine paranoide Psychose und hat immer noch keine Krankheitseinsicht. :shock:

LG Tom
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annchris
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Beitragvon annchris » Do 21. Aug 2008, 11:35

Hi Xcat - ja, das weiss ich und ich weiss echt auch zu schaetzen. Es war auch echt schwierig, aber ich habe es auch gelassen zu sagen das alles nur Quatsch war, sondern habe mir muehe gegeben fuer jede "fehl- warnehmung" einen medizinischen Grund zu erlaeuert. Immer wieder haben wir uber die paranoiden Sachen gereden (nachdem er entlassen war) und ich habe dann versucht das er durch's reden selber auch drauf kommt das alles zu verdreht war. Das hat dann auch geklappt.

Ein beispiel: Er hatte mal "Belastungesurlaub" relative kurz vor seiner Entlassung. Auf dem Weg nach Hause meinte er ein Auto vor uns waere nur da wegen ihm, die wollten ihn vor der Mafia beschuetzen. Im Auto ahbe ich nix dazu gesagt, ausser" Ich versteh das du das so siehst, aber ich sehe das anders. Fuer mich ist das nur ein Auto das vor uns her faehrt - bringt ja auch nix, das anders zu machen.

Einen Monat spaeter habe Ich ihn danach gefragt, erst wusste er das schon gar nicht mehr, dann hat er sich dran erinnert. Sein Kommentar dazu war "Oh gott wie peinlich ist das denn. Schon bloed wenn meine birne nicht funktioniert, eine richtige fehlschaltung!"

So schnell ging das. Ich habe eben drauf wert gelegt bei ihm das er weiss warum diese Sachen bei ihm so waren wie sie waren. Ich wollte nie das er das Gefuehl hat "verrueckt" zu sein. Daher habe ich wert darauf gelegt der er versteht was z.b. Rezeptoren sind, Dopamine etc. Auch wenn er es manchmal nicht hoeren wollte.

Aber ja.. da war viel, viel Glueck dabei... :)

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Beitragvon Xcat » Do 21. Aug 2008, 11:44

Hallo crissann,

also das mag eine gute Methode mit deinem Mann gewesen zu sein.

Bei meinem Bruder würdest du damit jedoch auf Granit beißen, denn er ist von seinem Wahn nicht mehr zu retten. Ganz egal wie unlogisch seine Vorstellungen sind, für ihn sind sie richtig.

Für ihn ist es z.B. normal dass der Nachrichtensprecher nur für ihn spricht. Wenn ich dann sage, für mich spricht er doch auch, ich kann es doch hören. Dann verneint er es, und sagt das diese Handbewegung des Sprechers da war um es ihm zu bestätigen.

Er ist in seine Wahnvorstellungen gefangen, seit 20 Jahren ohne Unterbrechung.

Zum Glück war es bei dir/euch anders. :)

LG Tom
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Beitragvon annchris » Do 21. Aug 2008, 12:13

Xcat hat geschrieben:Hallo crissann,

also das mag eine gute Methode mit deinem Mann gewesen zu sein.

Bei meinem Bruder würdest du damit jedoch auf Granit beißen, denn er ist von seinem Wahn nicht mehr zu retten. Ganz egal wie unlogisch seine Vorstellungen sind, für ihn sind sie richtig.

Für ihn ist es z.B. normal dass der Nachrichtensprecher nur für ihn spricht. Wenn ich dann sage, für mich spricht er doch auch, ich kann es doch hören. Dann verneint er es, und sagt das diese Handbewegung des Sprechers da war um es ihm zu bestätigen.

Er ist in seine Wahnvorstellungen gefangen, seit 20 Jahren ohne Unterbrechung.

Zum Glück war es bei dir/euch anders. :)

LG Tom
Stimmt ganz genau, das war nur fuer ihn richtig, aber sicher war es natuerlich auch nicht, das sowas ueberhaupt klappt. Einen Versuch war es wert fuer mich. Es war ja auch die erste Psychose ueberhaupt. ich glaube da kann man auch mehr Glueck haben.

Nachrichtenbezogene Wahnvorstellungen gabs bei Ihm auch - anscheinend ist sowas recht haeufig. Mein Mann war fest davon ueberzeugt in der Psychose das Zeitungen bestimmte Artikel nur fuer ihn gedruckt haben und das es Botschaften sind.

Es tut mir richtig leid das dein Bruder so lange schon damit leben muss, und Ihr auch. Ich bin zwar schon ein starker Mensch aber so lange so intensiv damit umzugehen wuerde mich sehr belasten. :(

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Beitragvon Xcat » Do 21. Aug 2008, 12:31

annchris hat geschrieben:Es tut mir richtig leid das dein Bruder so lange schon damit leben muss, und Ihr auch. Ich bin zwar schon ein starker Mensch aber so lange so intensiv damit umzugehen wuerde mich sehr belasten. :(
Tja, warum denkst du denn dass ich inzwischen selbst mehrfach erkrankt bin? Ich war gerade mal 14 als es bei ihm ausgebrochen ist, und war dann jahrelang direkt damit konfrontiert, Tag und Nacht.

LG Tom
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Beitragvon annchris » Do 21. Aug 2008, 12:42

Xcat hat geschrieben: Tja, warum denkst du denn dass ich inzwischen selbst mehrfach erkrankt bin? Ich war gerade mal 14 als es bei ihm ausgebrochen ist, und war dann jahrelang direkt damit konfrontiert, Tag und Nacht.

LG Tom
Das kann ich mir gut vorstellen. Ich weiss selber nicht warum es mir "so gut geht". Ich bin ja auch damit augewachsen, obwohl ja meine Mutter nicht meine leibliche Mutter ist, muss ich ja dazu sagen. Aber leicht war es wirklich nicht, denn schon als Kind bin ich mit Szenen aufgewachsen die wirklich kein kind sehen/erleben sollte. Die situationen mit meiner Mutetr waren damals viel stress fuer mich. Ich frage mich oft was mich so anders macht, weiss aber auch was ich fuer ein riesen Glueck habe das ich sehr belastbar bin - anscheinend. Aber auch aus der Situation aheb ich viel gelernt. Z.b habe ich nie drogen genommen, oder habe mich nie derbe besoffen, weil ich immer in Kontrolle ueber "mich selbst" sein wollte.

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Beitragvon Xcat » Do 21. Aug 2008, 12:53

Naja, ich wäre vielleicht auch ohne diese Konstellation erkrankt. Oder zumindest hatte ich eine Prädisposition dazu, und das hat es dann ausgelöst. Meine jüngere Schwester z.B. ist nicht erkrankt. Vielleicht liegt es auch daran dass ich sie immer beschützt habe, und dadurch ständig in der Ziellinie stand.

LG Tom
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Psychonaut
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Beitragvon Psychonaut » Fr 26. Sep 2008, 19:07

Bei meiner Freundin ist das auch so eine Sache mit der Krankheitseinsicht. Wir sind seit einem halben Jahr zusammen und sie versteht schon ihre Diagnose "paranoide Schizophrenie". Wenn sie sich dann aber akut bedroht( die Polizei stecke sie wieder in die Klappse etc) oder ausgenutzt (ausgerechnet von mir) fühlt, dann ist das in dem Moment so und ich muss es vorerst respektieren. Später wird ihr jedoch immer bewusst, dass es ihr bizarrer Wahn war. Mir gehen manchmal echt ein wenig die Nerven durch! Das schlimmste ist, dass die meisten Probleme durch ihr gelegtliches Haschrauchen entstehen - meiner Meinung nach! Und das sieht sie überhaupt nicht ein, obwohl unsere Beziehung neulich ernsthaft bedroht war, da sie mich reden gehört
hat ich wolle sie nur ausnutzen in sexueller Hinsicht, dabei habe ich mich lediglich mit einem Kumpel amüsiert unterhalten und ER hat von Sex gesprochen, nichteinmal ich. Das tut mir dann manchmal echt weh und ich bin überfordert, weil ich ihr nicht helfen kann. Zudem redet sie in bekifftem Zustand häufig sehr schlecht über mich und versucht mich richtig fertig zu machen, was dann bei mir eine echte Wut auslöst, so dass ich richtig laut werde. Dabei kann sie in dem Moment gar nichts dafür. Wenn sie bloss einsehen würde, dass das Kiffen trotz der Medis regelrecht psychotische Schübe auslöst. Ich glaube, wäre meine Liebe zu ihr nicht so dermassen gross, ich hätte die Beziehung längst beendet aus Selbstschutz. Dabei braucht sie mich und ihr Vertrauen zu mir wird auch immer grösser, das merke ich. Sie kann auch so verdammt lieb und zärtlich sein, so dass sich meine Depressionen seit unserer gegenseitigen Liebe immer mehr gewichen sind. Das finde ich natürlich wahnsinnig schön an unserer Beziehung und gibt mir Kraft für so manche Krise!


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