"Psychose" - meine Ansichten

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yaar
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"Psychose" - meine Ansichten

Beitragvon yaar » Mi 14. Nov 2007, 11:03

Liebe Leser,

ich möchte gerne meine Ansichten zum Thema "Psychose" aufschreiben.

Als ich damals in die Klinik kam, sagte man mir ich sei "chronisch" erkrankt an einer "sehr
schweren seelisch- und geistigen Krankheit". Man diagnostizierte mir "paranoide
Schizophrenie". Diesen Stempel machte mir natürlich schwer zu schaffen, aber ich
distanzierte mich sehr schnell davon wieder.

Diese Distanz resultierte daraus, dass ich die tiefen Erfahrungen die ich erlebte nicht als
völlig krank oder pathologisch ansah. Ich war eins mit allem, sah ein helles Licht wie in
einer Nahtodeserfahrung, sah Engel habe für mich Gott entdeckt. Hatte nach einer
Erleuchtungserfahrung, wie sie auch im ZEN-Buddhismus, aber auch bei den Sufis
beschrieben wird dann einen Zustand erreicht, wo ich mir das ganze nicht erklären
konnte, und es förmlich meinen Verstand und alles andere gesprengt, es war aber ein
Zustand der immer wieder tiefe, interessante Erfahrungen mir brachte.

Sie versuchten mich, und diese Erfahrung und mein Erlebnis eben zu vernichten, mich
wieder in die Realität zu bringen. Dabei frage ich mich, was Realität bedeutet, es ist eben
eine Definitionssache, und jeder Mensch nimmt die Welt anders wahr - und eben nicht
rational, sondern eher auf magische Weise. Ich wäre in der Psychiatrie mit ca. 15
Medikamenten, die sie mir täglich gaben fast gestorben und war oft in einem koma-
artigen Zustand. Heute geht es mir wieder aber wieder gut, versuche gerade die
Medikamente auszuschleichen über einen langen Zeitraum.

Ich möchte gerne einige Thesen zu den Zustand Psychose hier stichpunktartig
aufschreiben:

- Psychose ist ein Prozess, ein Weg, und nicht etwas krankes wo man als ganze Person
krank ist. Es ist eine Neustrukturierung der Persönlichkeit, die das alte Ich mit seinen
psychischen Probleme sterben lässt.

- Psychose ist etwas, was in Folge von Erfahrungen und Situationen zu tun hat, es kann
auch eine Sinnkrise sein, in der man nach einem Sinn im Leben sucht. Es kann auch etwas
sein, in dem man Gott findet.

- Psychose beginnt oft mit einer tiefen (spirituellen auch) Erfahrung an, die man sich nicht
erklären kann. Es ist ein Prozess sich neu-zu-gestalten.

- Psychose als Reifungsprozess, in dem man in einem Kleinkindlichen Zustand fällt
(Kleinkinder lernen am Tag z.b. hunderte neue Wörter)

- Psychose als Abbau von Spannung und unterdrückten Gefühlen, die sich in Beziehungen
aufgebaut haben

- Psychose als Ausbruch aus einer pathologischen Beziehung, in dem derjenige sich
gefügt hat

- Psychose geht immer (auch wenn es länger dauert) vorbei, vielleicht ist die
Unterdrückung der Psychose nicht richtig, da es ein Prozess ist, der nötig ist.

- Psychose ist ähnlich wie Fieber, es bringt die Seele zur Gesundung

- Psychose ist das "pure Menschsein" - man erlebt sich, so wie selten, als Mensch, und
geht über eigene Grenzen hinaus. Das hat zur Folge, dass man daran sehr stark wird, man
verliert nicht seine Person, sondern sie gebirt sich neu.

Ich sehe die Psychose als Geschenk an, denn ich habe wirklich viel gelernt, habe Gott
gesehen, habe meine Seele gesehen, die ein Ozean oft ist - warum sollte ich dies alles als
Krankheit ansehen. Ich würde mir sehr wünschen, wenn es Menschen geben würde, die mit
Menschen die solche oder ähnliche Erfahrungen wie ich hatten liebevoll, unterstützend
und ohne Gewalt dadurch gehen. Ich hätte mir sehr gewünscht, mich hätte jemand ernst
genommen, und meinen Geist nicht töten wollen, denn ich bin doch Mensch und warum
darf ich diese Erfahrungen nicht haben? Warum darf ich nicht ich-sein, warum nicht Gott
sehen, und warum darf ich mich nicht in eine andere Realität, die es vielleicht wirklich gibt
eine Weile geben, um für mich etwas zu lernen. Ich schaue im Grundgesetz, und dort
steht in anderen Worten: "Die Würde des Menschen ist unantastbar", "Jeder Mensch ist
gleich", "Es gibt Religionsfreiheit", ...

Nach der Psychose war der Prozess des Lernens und Entwickeln noch nicht vorbei. Ich bin
psychisch sehr stabil (ausser zur Zeit schlafstörungen... die immer mal wieder
vorkommen), und bin oft glücklich dank DIESER Erfahrung, die lasse ich mir nicht
absprechen. Und ich lasse mich nicht als Schizophren diagnostizieren - das alleine ist
schon Menschenunwürdig, hat auch etwas mit der Vergangenheit hier zu tun...

Ich hoffe, ich konnte einige Gedankenanstöße rüberbringen.

Liebe Grüße,

Philip
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antipsychiatrie!
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Bitte behalte Deine Sichtweise

Beitragvon antipsychiatrie! » Mi 14. Nov 2007, 11:22

und versuche sie Fragenden zu vermitteln.
Ich habe Angst gehabt etwas anderes unter diesem Thread zu lesen.
Das übliche arrogante Gedöns der Psychiater.
Gott sei Dank finde ich endlich jemand der es auch so sieht.
Da sich das Ganze hier "Psychiatriegespräch" nennt klicke ich mich nun hier wieder raus und wünsche Dir das Beste für
Deinen Weg.
Bestimmt hast Du gelernt Deine Verrücktheiten ohne Psychiater zu steuern ( was unter medikamentösen Einfluß schwierig sein dürfte).

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moni
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Beitragvon moni » Mi 14. Nov 2007, 13:16

Hallo zusammen

Ja ... aber wie kann man von aussen, z.B. als Angehöriger, merken, ob der/die Betroffene gerade unsäglich leidet, bis hin zu Suizidgedanken, weil ihm/ihr die Kontrolle über dieses "Fieber" entgleitet oder schon entglitten ist - oder ob er/sie den Prozess, von dem du sprichst, Philip, noch unter Kontrolle hat? Wie soll man von aussen beurteilen können, ob die psychotischen Erfahrungen für den Betroffenen nicht doch schädlich sind oder sein könnten - wenn er z.B. Stimmen hört, die ihm einen Auftrag erteilen und ihm mit schlimmen Konsequenzen drohen, wenn er diesen nicht erfüllt? Stimmen, die u.U. noch aus frühen und traumatischen Kindheitserfahrungen herrühren, wo verboten wurde, "darüber" zu sprechen, und die dies jetzt, wo die Täter physisch tot sind, noch immer verbieten?

WAS DANN??? Was soll ich dann unter ernst nehmen und liebevoll sowie ohne Gewalt unterstützen verstehen?

moni
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yaar
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Beitragvon yaar » Mi 14. Nov 2007, 15:10

Hallo Moni,

ich spreche von mir, und wie ich das ganze sehe, man kann es natürlich nicht auf jeden übertragen. Wenn jemand gefährdet ist dann braucht er sicherlich unterstützung und Schutz, aber so wie es in der Psychiatrie eben aussieht, wird Gewalt oft viel zu schnell angewendet,... zumindest ist das meine eigene Erfahrung. Ich will die Psychiatrie auch nicht völlig todreden, aber ich habe eben einen anderen Weg gefunden, damit umzugehen, und bitte Dich dies zu akzeptieren. Ich bin auch davon überzeugt, und will es nicht absprechen dass es seelische Zustände gibt, in dem der Betroffene Hilfe bzw. Schutz braucht.

Aber wie gesagt, ich hätte mir gerne jemanden unter den Angestellten gewünscht, der mit mir redet, mir zuhört, mich auch mal in den Arm nimmt. Und nicht meine Kunst in der Ergothrapie wegschmeisst, weil ich mich nicht nach dem Muster auf der Schablone hielt, sondern einen Baum im Haus zeichnete. Und ich möchte auch nicht mit 15 Medikamenten gleichzeitig zugeknallt werden, so dass ich kein Bewusstsein mehr habe, und auch nicht zusehen wie jemand verprügelt wird, weil ihm die Teetasse runterfällt, ausversehen.

Aber wie die "bessere Psychiatrie" aussehen soll, das will ich hier nicht aufführen. Ich würde mir wünschen - wie geschrieben - dass man menschlichler und liebevoller mit dem Menschen der in einer Krise ist umgeht.
Carpe Diem - nutze den Tag

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moni
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Beitragvon moni » Mi 14. Nov 2007, 17:17

Hallo Philip
Ich will die Psychiatrie auch nicht völlig todreden, aber ich habe eben einen anderen Weg gefunden, damit umzugehen, und bitte Dich dies zu akzeptieren.
Es ist nicht nötig, mich darum zu bitten - du kannst davon ausgehen, dass ich deinen Weg akzeptiere. Deine Sätze zum Thema Psychose haben mich - als nicht direkt Psychosebetroffene - übrigens beeindruckt und zum Nachdenken - und eben Nachfragen - gebracht.

Darüber, was du über die Klinikangestellten schreibst, die du erlebt hast, muss wohl nicht diskutiert werden, und deine Wünsche sind nur zu verständlich und berechtigt.

Mein Post ging jedoch nicht in die Richtung "Behandlung von Krisensituationen in der Klinik/Psychiatrie durch Professionelle", sondern war aus der Sicht eines angehörigen Laien geschrieben. Eines grade ziemlich intensiv antwortsuchenden Laien.

LG moni
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soria
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Beitragvon soria » Fr 16. Nov 2007, 17:57

Hallo yaar, mein Freund leidet auch an einer Psychose und war auch in einer Klinik. Und ich muss sagen, mir hat dort auch das Menschliche gefehlt....dass man mit den Leuten redet, ihnen zuhört. Es hieß nur, wenn jemand psychotisch sei, könne man darüber nicht diskutieren. Ich sehe das anders. Ich habe schon stundenlang mit meinem Partner darüber gesprochen. Denn er spricht dann ja nicht nur vom Wahn, sondern äußert auch Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen. Ich weiß noch genau, als er das erste Mal eingeliefert worden ist, saß er zwei Tage da und hatte keinen Ansprechpartner, weil Wochenende war. Er aber befand sich in einer Ausnahmesituation und hätte jemanden gebraucht, der mit ihm redet. Ich habe versucht, das abzufangen, indem ich bei ihm war. Aber auch ich hätte mir in der Klinik einen Ansprechnpartner gewünscht.
Außerdem hat es mir nicht gepasst, dass gleich mit der Spritze und Festhalten gedroht wird, wenn das Medikament nicht geschluckt wird.
Und der Kommandoton in der Klinik war daneben. Man traute sich schon gar nicht mehr, irgendwas zu fragen. Auch wurden die persönlichen Wünsche nicht wirklich ernst genommen. Ich hatte immer das Gefühl, man wird dort als Mensch komplett als Blödi dargestellt. Auch wenn man Wahnvorstellungen hat, bleibt man ein Mensch mit Wünschen und Bedürfnissen. Und da wurde meiner Meinung nach oft nur "ja, ja" gesagt - ohne dass der Mensch als Ganzes wahrgenommen wurde.
Soria

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Feuerchen
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Beitragvon Feuerchen » Fr 16. Nov 2007, 22:26

Hallo Yaar,
Dein Beitrag, hat mich sehr beeindruckt. Auch ich sehe Psychose nicht nur pathologisch an. Auch ich glaube, dass man durch die Erfahrung der Psychose zu Erkenntnissen kommen kann, die einen weiter bringen. Allerdings fand ich Monis Beitrag auch berechtigt, indem sie fragt, wann weiß der Angehörige Bescheid, wann er eingreifen muß.--- Ich persönlich glaube, dass man selbst in der Psychose Gefühle und Wahrnehmunge äußern kann. (vorrausgesetzt es wird nicht durch innere Stimmen unterbunden). Aber ich glaube es wird in der Psychose viel zu wenig darüber gesprochen, aus Angst die Symptome zu verstärken. Meine Meinung ist, dass man nicht alles medikamentös bis zur "Bewußtlosigkeit" Therapieren muß. Allerdings hab ich auch kein Patentrezept, denn es gibt sicherlich auch Menschen die Schutz brauchen.Es gibt auch Bücher zu dem Thema, indem Menschen berichten was sie in der Psychose erlebt hatten. Von vielen wird eben berichtet, dass sie es eher als besondere Erfahrung, tröstlich, und unvergeßlich empfunden haben.
Jeden Falls bin ich über Deinen Beitrag froh. Ich finde er regt zum Nachdenken an.

Liebe Grüße
Feuerchen

Paula Strassmann
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Beitragvon Paula Strassmann » So 18. Nov 2007, 09:30

Hallo Yaar

Es gibt Menschen bei uns, die erleben Dinge und sehen Dinge, die andere Menschen nicht wahrnehmen. Vielleicht gehörst Du auch zu solchen. Ich persönlich nehme, seit ich die Medikamente abgesetzt habe (vor 1.5 Jahre) einige meiner Meridiane und die Chakras wahr, ich spüre sie, es ist wie ein kühler, heller Strom über den Körper und sehr angenehm. Du nimmst wieder anderes wahr.
In einer "richtigen" Psychose kommen auch solche Erlebnisse wie Du sie hattest vor. Ich selber habe auch dieses helle Licht erlebt. Daneben hatte ich aber sehr schräge Ideen und viel Aengste, die wirklich behandelt werden mussten. Im ganzen war ich 6 Mal in der Psychiatrischen Klinik, z.T. aber nur sehr kurz, eine Woche. Ich habe dort diverses gelernt. Bei uns in der Schweiz darf man keinenfalls von seinen spirituellen Erfahrungen berichten, ansonsten riskiert man eine Erhöhung der Medikation. Auch in der ambulanten Behandlung hat es keinen Platz für soetwas, sonst bekommen es die Therapeuten mit der Angst zu tun und erhöhen die Medikation. Hier habe ich dir eine Internettyp: Jakob Bösch, Basel, CH, ehemaliger Klinikleiter der Psychiatrischen Klinik Basel, als Pfarrerssohn sehr verbunden mit Spirituellem und kennt gut die Unterschiede zwischen Spiritualität und Psychose. Oftmals überschneidet sich dies. Ich selber lebe nun ohne Medikamente, möchte Dir aber raten, sehr langsam zu reduzieren. Ich habe daran 2 Jahre gemacht, hatte aber zuvor schon 10 Jahre dauernd genommen, allerdings sehr wenig. Je kürzer die Einnahme der Medikamente war, je schneller kannst Du absetzten.
Gruess Paula
pst

Eigenwach
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Beitragvon Eigenwach » Do 3. Jan 2008, 01:26

Hallo yaar,
hallo paula.

ich weiß nicht, ob ihr hier noch mal reinschaut, aber für den fall mal eine Gegenmeinung.

Mag ja gut sein, dass ihr religiös, buddhistisch oder sonstwie euren Frieden mit eurer Krankheit gefunden habt - schön, glaub was ihr wollt, ist mir egal.

Aber fangt bitte nicht an, jemanden bekehren zu wollen, der das vorher nicht auch schon so gesehen hat oder von sich aus danach fragt.

Ich selbst hab die gräßliche Erfahrung gemacht zu Beginn der Psychose mir einen rücksichtslosen Besserwisser, dem sich das nun alles als Erleutung dargestellt hat, als "Tripsitter" zu suchen - naja, unter klaren gedanken hätt ich das nicht getan. Jedenfalls - mich als überzeugte Atheisten da WÄHREND der Psychose, als ich extrem verschreckt und manipulierbar war, damit zuzutexten war in etwa wie eine mentale Vergewaltigung und hat mich da erst richtigt tief hineingeritten.

Wie gesagt, glaubt was ihr wollt, aber nutzt so einen Zustand bei anderen niemals niemals niemals dazu aus, eure eigenen persönlichen Weltsichten irgendjemanden aufschwatzen zu wollen - das ist unterste schublade und in etwa so verachtenswert wie das was alberne Sekten veranstalten - redet mit klaren Köpfen, wenn überhaupt, im grunde: Finger weg vom Glauben anderer.
Was meinen "erleuchteten" Psychosebegleiter angeht - der gute Herr hat einfach nicht gerafft, das das Gedankengut, das ihm vielleicht geholfen hat damit klar zu kommen mich zum Suizid hätte treiben können, mir übelste Probleme bereitet hat.

Klar ist die Psychatrie vor diesem Zustand hilflos. IHR ABER AUCH. Also Finger weg.

karmadorje
Beiträge: 8
Registriert: So 13. Jan 2008, 21:27

Beitragvon karmadorje » Mo 14. Jan 2008, 21:51

Hallo ihr Lieben,

Als ich die Thesen von yeah gelesen habe, kamen mir Dir Gedanken sehr vetraut vor.Aber auch die Erlebnisse von Eigenwach kenne ich.
Ich denke zum einen ist es legitim kritisch zu hinterfragen ob es eine Art Sinn gibt in der Psychose. Allerdings ist dabei wie Eigenwach deutlich beschrieben hat sehr davor abzuraten dem ganzen einen religiösen Überbau überzustülpen. Die Gefahr sehe ich auch besonders in der Manipulation von Menschen, die sich in diesem Augenblick nur schwer gegen Worte wehren können.
Wenn man über Weltanschauung redet, sollten dabei alle eine gewisse Ebene haben, so dass es ein fairer Dialog wird keine Missionierung. Ein extrem religiöses Verhalten kann denke ich auch ein Symptom für ein Fluchtverhalten vor der Realität sein.

Um mich klar Auszudrücken möchte ich kurz mal meine eigenen Erfahrungen und Meinungen im konkreten beschreiben.
Vor während und nach der Psychose überkamen mich religiöse Hochgefühle und dann wieder religiöse Niedergeschlagenheit. Von dem Gefühl "eins mit Gott" bis zu "Gott bestraft mich" war alles dabei. Vier Jahre nach der Psychose und nach dem Absetzen der Medikamente habe ich dann wieder angefangen mich spirituell mit der Welt auseinanderzusetzen. Ein Freund von mir hatte mir eher nebenbei erzählt das er Buddhist ist. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte auch von verschiedenen Lebenskrisen. Ich war etwas erstaunt, da er auf mich immer einen sehr ausgeglichen und Lebensfrohen Eindruck machte.
Also hatte ich angefangen ein paar Bücher zu lesen , mal in ein Meditationszentrum zu gehen und zwischendrin mich auch wieder fast gar nicht dafür zu interessieren.
Aber das wichtigste was ich dabei gelernt habe, ist dass mich keiner "missioniert" hat oder kontroliert wie oft ich meditiere. Aber ich denke jeder sollte frei wählen können ob er sich zu einer spirituellen Richtung hingezogen fühlt oder nicht. Auch Atheismus ist für mich eine wichtige Richtung die ernst genommen werden sollte. Schließlich würde ich mich auch als Atheist bezeichnen. Ich versuche auch nicht irgendein Glaubenskonstrukt zu übernehme sondern kritisch mit gesundem Menschenverstand zu prüfen, was mir hilft mich weiterzuentwickeln und was nicht. Ich denke generell auch das eine Therapie oder Medikamente einen nur bis zu einer gewissen Ebene bringen können, die einen in die Lage versetzen am Leben teilzunehmen. Letzlich einen Sinn zu finden und glücklich werden das liegt in jedem seiner eigenen Verantwortung. Ob mit oder ohne Religion oder Philosophie dass sollte jeder selber frei entscheiden. Ich hatte auch jemanden in der Psychiatrie kennengelernt der Krank wurde weil er bei Scientology aussteigen wollte....

Aber ich finde es im allgeimeinen ein interessantes und wichtiges Thema und denke das auch der Glaube an den Materialismus Menschen krank machen kann. Beispiel dafür ist dass Depression praktisch nur in Industrieländern vorkommt.


Oder was denkt ihr?


Mögen alle Wesen glücklich sein

Karmadorje

LuckyLucke
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Re: "Psychose" - meine Ansichten

Beitragvon LuckyLucke » Sa 26. Jan 2008, 05:10

Hallo Zusammen,
Erfahrungsgemäss helfen spirituelle Ansätze sehr oft, z. B. einen Leidensdruck zu mindern, Ordnung zu schaffen etc. Ist jedoch nicht meine Sache. Behandlungen in der Psychiatrie finden dazu aus anderen Gründen Statt: z.B. können sie wegen einem gewissen hohen erlebten und unerwünschten Leidensdruck der Klienten, wegen Disfunktionen in der eigenen biografien Entwicklung und oder wegen Bizzarrem Verhalten durchgeführt werden. Leider auch wegen Fremd- und Selbstgefährdung oder Verwahrlosung. Wir alle haben einen Schizophrenen Teil in uns. Dies gehört zur Natur eines "ganzen, ganzen" Menschen.

Eine Meinung was eine Psychose sein kann: Auftreten von mehreren Symptomen wie u. a. Wahnvorstellungen oder Derealisation oder Depersonalisation, oft auch über einen längeren Zeitraum.

Eine andere Meinung was "Psychose" sein kann: In der Praxis eine menschenrechtsverleztende Idee mit dem Folgeschweren Anspruch über Jemanden ein Wissen zu besitzen.javascript:emoticon(':wink:')
Wink

Diese beiden Ansichten wiedersprechen sich leider. Da haben wir den Salat. Ich sehe einen Interessenkonflikt, überlasse die getreue Auswertung anderen und mache mich von dannen.


:wink:

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monk
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hallo antipsychiatrie hallo yaar...

Beitragvon monk » Di 15. Jul 2008, 04:25

ihr sprecht mir aus der seele...

in sechs jahren zwangseinweisung und medis(ich habe sie oft verweigert und ihnen nur vorgemacht, sie zu nehmen) habe ich all die erfahrungen gemacht die ihr beschreibt.
"psychose" war für mich ein weg der gesundung und erkenntniss
ich bin nur stärker geworden und habe liebe zu mir selber gefunden und meinen eigenen gott.
strafe und gesetz geben uns die möglichkeit, das paradies in dieser welt zu finden >man darf nur nicht angst vor sich selber haben...

dankeschön

Goj
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Beitragvon Goj » Mi 16. Jul 2008, 11:50

1. es gibt durchaus gesunden "wahn". *eigentlich* muss man jede form von religion als wahn bezeichnen, denn sie erfüllt alle nötigen symptome (objektiv nicht beweissbar aber die person lässt sich durch logische argumente in keinster form überzeugen). deswegen gibt es auch den begriff von gesellschaftlich verträglichen wahn.
oder anders ausgedrückt: man kann ein ganz normales glückliches leben führen, selbst wenn man an dinge glaubt, die nicht unbedingt sind.

2. die zustände in vielen psychatrien sind nach wie vor unter aller sau, auch wenn sich da in den letzten jahren sehr viel getan hat.
z.b. dass zwangsmedikation eben zwang und ein schwerer eingriff in die persönlichkeitsrechte ist, wird von den meisten psychiatern einfach ignoriert, weil die medis eben oft doch helfen. die langzeitfolgen davon (patient will verständlicherweise nie mehr in die psychiatrie oder sich sonstwie behandeln lassen o.ä.) werden dann auf den patienten geschoben ala keine krankheitseinsicht.
da muss sich noch viel tun in den nächsten jahren.

3. psychosen umfassen sehr viel mehr als paranoide schizophrenie. also verwendet für eure vorstellungen doch bitte den entsprechenden fachbegriff, denn bei den anderen formen tritt wahn selten bist garnicht auf und somit auch nicht eure spirituellen erfahrungen.
zur info: andere psychoseformen wären katatone/hebephrene/simplex schizophrenie und affektive psychosen wie endogene depressionen oder bipolare störungen (manisch-depressiv).
und die wenigsten davon würden sagen, dass ihre krankheit sie erleuchtet hätte ..

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Remedias
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Beitragvon Remedias » Mi 16. Jul 2008, 16:52

Goj hat geschrieben: 3. psychosen umfassen sehr viel mehr als paranoide schizophrenie. also verwendet für eure vorstellungen doch bitte den entsprechenden fachbegriff, denn bei den anderen formen tritt wahn selten bist garnicht auf und somit auch nicht eure spirituellen erfahrungen.
zur info: andere psychoseformen wären katatone/hebephrene/simplex schizophrenie und affektive psychosen wie endogene depressionen oder bipolare störungen (manisch-depressiv).
und die wenigsten davon würden sagen, dass ihre krankheit sie erleuchtet hätte ..
Bei den anderen Schizophrenieformen gibt es soweit ich weiß wirklich keinen Wahn; bei schizoaffektiver Störung kann er aber auftreten und bei den affektiven Psychosen, beispielsweise bei Manie oder schwerer Depression auch;
liebe Grüße Remedias

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also ich soll hebephrene und schizzoaffektive psychose haben

Beitragvon monk » Mi 16. Jul 2008, 20:29

gute argumente...

ich lehne grundsätzlich die schulmedizin ab(es sei denn man hat einen armbruch)
krankheit ist immer als hilfe zur eigenen endwicklung gedacht, bei der aber nicht jeder davon kommt. evolution nenne ich das.

meine ärzte haben immer ein problem wenn ich von meinen visionen und von der stimme spreche, die ich habe. ich empfinde dieses aber nicht als krank > sondern als hilfe zur eigenen endwicklung.
krankhaft wird es dann, wenn ich dieses nicht mehr steuern kann. ärzte und wissendschaftlern habe dazu ICD 10 erschaffen zur klassifizierung.

haufen scheiße, in 1000 jahren ist das vergammeltes papier. alles was zählt sind taten, menschlichkeit und wille zur endwicklung.

ich kenne auch keinen der freiwillig in die psychiartrie geganngen ist, aber medis und doktortitel sind halt ein klasse geschäft.

viele grüße, hermann
nach se6 jahren wieder auf dem weg in die freiheit... und nun bekommen sie ihr fett.

I´m renitend and resistand


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