Wir sind mit unserem Latein am Ende

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Oktav
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Wir sind mit unserem Latein am Ende

Beitragvon Oktav » Mi 4. Jul 2007, 00:26

Hallo zusammen,

mein Stiefsohn ist 28 Jahre alt und wird seit mind. 5 Jahren von einer Psychotherapeutin betreut. Ohne jetzt jedes Detail (die Probleme hat unser Sohn schon viele Jahre) weitergeben zu können, geschweige denn zu kennen (wir erhalten eigentlich keine Auskunft), hies es als Tenor der Gespräche immer ,unser Sohn habe keine Möglichkeit die Vielfalt von Signalen einzuordnen, die auf ihn einschlagen (bin kein Profi, kann das nicht besser mit einem Satz erklären). Wir müssten ihm Zeit geben, bis er gelernt abe mit seiner "Schwäche" umzugehen.

Über die Jahre sind die Probleme aber nicht kleiner geworden, sondern immer größer. Er ist praktisch unfähig, die Verantwortung für irgend eine Aufgabe zu übernehmen. Er lebt bei meiner Frau im Haus. Er erledigt nur Dinge, wenn Sie ihm passen, ansonsten wird er aggressiv ablehnend oder verdrängt alle Aufgaben irgendwie. Aus unserer Beobachtung heraus, hat sich daran nicht wirklich viel verändert. Daher sind auch alle Versuche einen Beruf zu erlernen bisher gescheitert.

Seit zwei Jahren (von länger wissen wir nichts) kommt ein weiteres großes Problem dazu. Er ruft ständig irgenwelche Sexhotlines an, bei denen er dann für viel Geld "Befriedigung" erlangt. Diese Hotlines stellen Rechnungen, die er aus der Post abfängt und dann nicht bezahlt. So laufen immer größere Geldbeträge ein. Bereits einige Male haben wir dann auf die xte Mahnung hin bezahlt. Er hat für diese ganzen Vorgänge gar kein Problemempfinden, sondern gibt selbst auf intensivstes Nachfragen hin immer nur irgendwelche Halbwahrheiten weiter, obwohl wir natürlich immer wieder ihn ansprechen müssen, weil irgendwelche Mahnbescheide oder Inkassobüros auflaufen. Er behauptet immer, dass sei doch nicht so schlimm, er nehme schliesslich keine Drogen!?
Seine Therapeutin weiss von dieser Geschichte gar nichts. Das gehe sie nichts an. Er will mit ihr auch nicht darüber sprechen. Wir haben sie deswegen auch nicht angesprochen.

Wir sind völlig fertig und wissen nicht mehr, was wir tun können und sollten. Wenn es uns nicht irgendwie gelingt, ihn von der Telefoniererei abzubringen, glauben wir nicht mehr, dass er irgendwann einmal eigenverantwortlich leben kann.

Mehr kann ich im Moment auch nicht schreiben. Nun die Frage:

Kann uns irgendjemand helfen und was können wir noch machen? Können oder müssen wir ihn zu einer ärztlichen Behandlung zwingen?

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deepnight
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Beitragvon deepnight » Mi 4. Jul 2007, 10:18

Hallo Oktav,

seid ihr denn irgendwie verpflichtet, die Rechnungen zu bezahlen? Soweit ich weiß haftet euer Sohn selber für seine Schulden und wenn er nichts hat, kann man auch nichts holen. Ich würde mal eine Rechtsberatung in Anspruch nehmen, um auch zu erfahren, inwieweit euch die ganze Sache überhaupt angehen muss. Solange ihr - wenn auch zähneknirschend - die Rechnungen bezahlt, ergibt sich für den Sohn kein plausibler Grund, sein Verhalten zu ändern. Vielleicht begreift er, daß er sein Verhalten ändern sollte, wenn der Gerichtsvollzieher zu ihm kommt.

Grüß, Helene
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Beitragvon Oktav » Mi 4. Jul 2007, 20:56

Hallo Helene,

danke für den Hinweis und deine schnelle Antwort. Darüber haben wir schon oft nachgedacht. Rechtlich sind wir tatsächlich nicht verpflichtet, die Rechnungen zu bezahlen. Doch wenn wir nicht bezahlen, vergrößern wir seinen ohnehin schon gewaltigen Leidensdruck. Aber ist das eine dauerhafte Lösung. Handelt es sich bei seinem Verhalten um eine Krankheit? Was können wir tun? Wo bekommen wir Unterstützung? Wir wollen schließlich irgendwann einmal wieder ein friedlicheres Familienleben mit einem gegenseitigen Vertrauen. Das erreichen wir doch nicht wenn wir ihm nur mit rechtlichen Möglichkeiten und Pflichten kommen.

Was uns bewegt ist die Frage, wie wir ihn von den Telefonaten losbekommen. Wenn wir auf seine Psychotherapeutin zugehen und sie von uns aus informieren, zerstören wir dann nicht das Vertrauenverhältnis zwischen den beiden? Sie ist bisher unsere einzige Hilfe, die sich positiv mit unserem Sohn beschäftigt.

Gruß Oktav


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