Psychische Belastung durch chronische Symptome / Schmerzen

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Skygirl77
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Psychische Belastung durch chronische Symptome / Schmerzen

Beitragvon Skygirl77 » Mo 16. Aug 2021, 09:16

Guten Tag,

Ich leide seit ca. 2,5 Jahren unter chronischen Schmerzen. Angefangen hat alles in der Psychiatrie, als ich auf Antidepressiva eingestellt wurde. Darunter bekam ich heftige Augenschmerzen. Später als Sicca-Syndrom diagnostiziert. Ich habe sehr unter den chronischen Augenschmerzen gelitten und sehr viel therapeutisch unternommen. Bis ich nach 13 Monaten schmerzfrei war.

In der psychosomatischen Klinik wurde mir eine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert. Die Augenärzte reden von neuropathischen Schmerzen.

Zwischenzeitlich nahm ich Medikamente zur Behandlung einer anderen Erkrankung und die Augensymptome gingen wieder los. Es macht mir unheimlich Angst. Die Erkrankung ist schwierig zu behandeln und die chronischen Schmerzen gehen mir so auf die Psyche.

Noch dazu bin ich schwanger und kann keine Schmerzmedikation nehmen. Mein ganzes Leben ist aus den Fugen geraten. Von Lebensfreude ganz zu schweigen. Ich möchte demnächst EMDR versuchen. Was kann ich gegen die Angststörung unternehmen? Ich kämpfe immer mit der Akzeptanz dieser Erkrankung.

Liebe Grüße
Skygirl

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Angelita
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Re: Psychische Belastung durch chronische Symptome / Schmerzen

Beitragvon Angelita » Mo 16. Aug 2021, 20:50

Hallo Skygirl77

Das tut mir leid, dass Sie von Depression, Angst und Schmerzen gebeutelt sind.

Sind Sie bei einem Therapeuten in Behandlung? Was sagt die Gynäkologin?

Haben Ihre Ärzte keine Möglichkeit aufgezeigt?

Es ist wichtig, dass Sie Ihr Ungeborenes schützen. Trotzdem gibt es eventuell Wege Ihnen das Leben etwas zu erleichtern bezüglich Schmerzen und den psychischen Leiden.

Ich wünsche Ihnen einen möglichst schmerzarmen Abend.
Gruss Angelita

“Man muss im Ganzen an jemanden glauben, um ihm im Einzelnen wahrhaft Zutrauen zu schenken.” H. v. Hofmannsthal

Skygirl77
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Re: Psychische Belastung durch chronische Symptome / Schmerzen

Beitragvon Skygirl77 » Di 17. Aug 2021, 09:47

Hallo Angelita,

Danke für Ihre liebe Nachricht! Meine Psychotherapie beginnt morgen.

Mein größtes Problem ist, dass ich die Erkrankung nicht annehmen kann, vor ihr flüchte... Dabei bedeutet chronisch ein Auf und Ab und keine Heilungsgarantie. Indem ich immer dagegen ankämpfe, mache ich es mir noch schwerer und bereite den Boden für die Depression. Ich möchte meine Lebensfreude nicht verlieren.

Zur Zeit gehe ich auch keiner Berufstätigkeit nach, was mir auch sehr fehlt.

Ich empfinde die Erkrankung als großen Schicksallsschlag, obwohl ich weiß, dass es viel schwerwiegendere gibt. Symptomatisch helfen nur Augentropfen kurzfristig und "heilende" Behandlungen sind keine Kassenleistung.

Was kann ich nur tun, um das seelische Leid zu mindern. Das Baby sollte komplett im Vordergrund stehen.

Liebe Grüße
Skygirl

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Laura
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Re: Psychische Belastung durch chronische Symptome / Schmerzen

Beitragvon Laura » Do 19. Aug 2021, 14:01

Hallo Skygirl!

Was ich mal von einem Krankenpfleger als "Tipp aus der Hausapotheke" gegen Angstzustände erhalten habe, war viel Mineralwasser zu trinken. Ob vieles Wassertrinken während einer Schwangerschaft bedenklich ist, bzw. ob es da eine Obergrenze für die Wassermenge gibt, müsste Dir Deine Gynäkologin sagen können (Normalerweise sagt einem das ja schon der eigene Schlund, dass man nun wirklich nichts Flüssiges mehr runterschlucken kann). Was meine eigenen Augenschmerzen, die ich bisher noch nicht von einem Augenarzt habe abchecken lassen, angeht, so stelle ich auch fest, dass sie besser werden, sobald ich ein oder zwei Gläser an stillem Mineralwasser getrunken habe. Ich habe mich noch wegen anderer Symptome von meiner Hausärztin auf einiges abchecken lassen, aber da deutet bislang auch alles am ehesten auf Angstsymptome hin und weniger auf eine organische Ursache.

Die Situation für Schwangere muss in der Corona-Krise desolat sein. Als größter Schutz gilt für Schwangere, dass sie sich möglichst nur in den eigenen vier Wänden aufhalten sollen, bzw. eine verschärfte Kontaktbeschränkung. Jedenfalls war das letztes Jahr noch so. Da ist an Lebensfreude nicht viel zu erwarten. Covid-19- Impfungen während der Schwangerschaft werden nicht vorgenommen und selbst wenn die Impfung noch vor der Empfängnis vorgenommen wurde, so wird da jetzt verstärkt vom Restrisiko trotz Impfung berichtet.

Wie sieht es bei Dir mit telefonischen Kontakten aus?

Viele Grüße

Laura

P. S.: Der indischen Küche wird zugeschrieben, dass sie Heilnahrung sei oder auch (ayurvedische) Ernährung sei, die manchen Erkrankungen oder Verschlimmerungen wenigstens vorbeugen könne. Soll nicht als Allheilmittel gelten, auch Inder würden Indian Cooking nicht als "Mittel gegen alles Mögliche" empfehlen. Wenn ich mal indisch koche, dann vor allem deswegen, weil ich verschiedene indische Gerichte lecker finde. Falls Du es damit noch nicht versucht hast, könnte es ja einen Versuch wert sein. Sich nach und nach ein Arsenal an Gewürzen anzuschaffen, lohnt sich, wenn man regelmäßig indisch kocht. In meinem Fall erfolgte dies aufgrund einer Freundschaft zu einer Indien-Kennerin, mit der ich häufig zusammen kochte. Zu diesem Zweck kann ich die Kochbücher von Meera Sodha empfehlen, in denen sich auch Rezepte für einfache Tees (ohne Schwarztee-Blätter) und Soft Drinks, bzw. Smoothies befinden, die ein bisschen Linderung verschaffen können. Ist alles auf den europäischen Markt und Geschmack zugeschnitten.

Bei psychischen Störungen sind natürlich Gespräche das A und O. Hausmittelchen aus gesunden Zutaten können ein bisschen Linderung verschaffen oder zumindest nicht schaden, es sei denn man hat da eine spezifische Lebensmittelunverträglichkeit. Meine eigenen jetzigen Beschwerden hängen eng mit meinen vor wenigen Jahren entstandenen Schlafstörungen zusammen. Da musste ich selber einiges durchprobieren, damit letztere sich bessern konnten.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Skygirl77
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Re: Psychische Belastung durch chronische Symptome / Schmerzen

Beitragvon Skygirl77 » Sa 21. Aug 2021, 15:57

Liebe Laura,

Ich danke dir für deine lieben Worte! Ich mag indisches Essen tatsächlich sehr gerne und habe das auch schon oft selbst gemacht.
Es tut der Seele auch so gut!

Was mich wirklich sehr belastet und was ich trotz monatelanger Therapie nicht gut hinbekomme, ist, mit den Augensymptomen umzugehen. Es lässt sich kaum ausblenden und oft endet es mit Verzweiflung und Tränen, wenn von den Tropfen nichts wirkt. Ich mache so viel mit den Augen.

Dann kommen die sinnlosen Fragen danach, warum erwischt mich so eine Krankheit usw.

Ich muss psychisch stabiler werden. Ich weiß nicht, wie lange es so bleibt. Ich wünsche mir so sehr wieder Freude und Sorglosigkeit.

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Laura
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Re: Psychische Belastung durch chronische Symptome / Schmerzen

Beitragvon Laura » Mo 23. Aug 2021, 15:32

Hallo skygirl!

Du brauchst Dir selbst keinen Druck zu machen, es wäre auch kontraproduktiv, was die verschiedenen Symptome angeht. Allerdings kann man sich in der Bredouille sehen, dass man sein "nicht-mehr-so-ganz-funktionieren-können" vor anderen rechtfertigen zu müssen. Wenn Du bereits Dein Möglichstes tust, um mit diesen Augenschmerzen fertig zu werden, dann könnte eine weitere Steigerung Deiner Bemühungen ein Schuss in den Ofen sein.

Es braucht ja auch schon Geduld mit sich selber, um geduldig mit sich selber sein zu können!

Übrigens habe ich nach Deiner Schilderung mal ein bisschen Dr. Google nach dem Sicca-Syndrom befragt, bzw. dass es da noch ein ähnliches Syndrom gibt, das auf eine rheumatische Erkrankung zurückgeht. Einen Termin bei einem Augenarzt habe ich noch immer nicht ausgemacht. Wenn ich jetzt allerdings darauf achte, mich mehr als gewohnt an der frischen Luft aufzuhalten, was ich schon allein auf meinem Balkon bewerkstelligen kann, dann hat mir Dr. Google auf die Schnelle sicherlich keinen komplett falschen Ratschlag gegeben . Und irgendwann werde ich mich dann wohl auch zu einem Augenarzt aufraffen. Vor irgendwelchen Bildschirmen zu sitzen habe ich bereits vor zwei Jahren stark reduziert. Tut meinen Augen nun wirklich nicht gut, dieses Geflimmer. Und mein früheres Lese-Hobby (das Lesen von Büchern aus Papier) ist schon lange vor Auftreten meiner Augensymptome so ziemlich eingeschlafen.

Was jetzt das Dingens angeht, dass Du Deine Lebensfreude gerne wieder hättest. Man kommt nicht umhin, sich auf die Wetterbedingungen einstellen zu müssen, metaphorisch gesprochen. Niemand will krank werden und sich davon die Lebensfreude verderben lassen, und trotzdem passiert es jedem irgendwann, den einen früher im Leben, den anderen erst später. Du kannst mit Deinen Bemühungen um Heilung in absehbarer Zeit eine Heilung oder zumindest eine spürbare Linderung erzielen oder aber irgendwann mit diesen Bemühungen an den Rand der Erschöpfung kommen und sie dann reduzieren oder gänzlich aufgeben müssen. Da kann keiner eine zuverlässige Prognose abgeben, wie sich Deine Krankheit noch entwickeln wird und welche Maßnahmen jetzt schon die besten für Dich wären. Es kann sich ja auch keiner hinstellen und Dir zubrüllen "So, jetzt akzeptier doch mal Deine Krankheit, aber hopp!". Bzw. würde da nicht viel Akzeptanz bei rumkommen!

Ganz wichtig ist es, nicht immer mehr in die Vereinsamung abzudriften. Wenn Du nur ein paar Leute hast, die Dich mit Deiner Krankheit akzeptieren, dann wird es auch für Dich einfacher sein, Dich mit der Krankheit im Schlepptau zu akzeptieren.

Wie sieht es eigentlich mit dem zu werdenden Kindsvater aus? Ist der in Deiner Nähe und kümmert sich oder bewegst Du Dich in Richtung einer alleinerziehenden Mutter? Und wie sieht es mit Geburtsvorbereitungs-Kursen aus? Gibt es die in der Corona-Krise überhaupt noch oder werden diese beispielsweise auf Videokonferenzen reduziert?

Liebe Grüße und gute Besserung!

Laura
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Re: Psychische Belastung durch chronische Symptome / Schmerzen

Beitragvon Skygirl77 » Di 24. Aug 2021, 19:19

Hallo Laura,

Danke für Deine lieben, mitfühlenden Zeilen. Ich mag die Art, wie Du schreibst!

Ich denke auch, dass ein Augenarztbesuch bei anhaltender Symptomatik unumgehbar ist. Das Auge an sich ist so unfassbar komplex und kompliziert aufgebaut. Heute habe ich mir einen Termin bei einer psychosomatischen Augenärztin besorgt.

Ich weiß, Akzeptanz wäre sicherlich hilfreich, aber ich komme einfach nicht richtig an den Punkt. Stattdessen verpufft die Energie darin, es weghaben oder manipulieren zu wollen. Es belastet mich sehr,nicht die genaue Ursache zu wissen. Heute habe ich gelesen, Antidepressiva verschlechtern das Ganze.

Du hast vollkommen Recht, niemand kann etwas zum Krankheitsverlauf vorhersagen. Und doch wünscht man sich so sehr die Aussicht auf Heikung. Vereinzelt finden sich Fallbeispiele, von denen, die es nicht mehr belastet.

Das mit dem wenig lesen können ist sehr bitter für mich. Ich habe Germanistik studiert.

Es geht in die Richtung alleinerziehend. Das macht mir aber keine Angst.

Liebe
Skygirl07

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Re: Psychische Belastung durch chronische Symptome / Schmerzen

Beitragvon Skygirl77 » Mi 25. Aug 2021, 15:18

Ich habe mich durch diese Sache so negaziv verändert. Bin ängstlich und depressiv geworden.

Ja, natürlich kann einen jederzeit im Leben eine Erkrankung treffen. Aber ich habe es nie in Betracht gezogen bzw für möglich gehalten, was es mit mir macht.

Ich kann jetzt nur weiter behandeln und psychisch an mir arbeiten und die Bausteine meines Lebens wieder zusammensetzen.

Skygirl77
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Re: Psychische Belastung durch chronische Symptome / Schmerzen

Beitragvon Skygirl77 » Do 26. Aug 2021, 14:01

Hilfe, ich habe so massive Augenschmerzen und Beschwerden, die Behandlung hilft mir überhaupt nicht. Ich habe richtig große Angst, dass mein Leben von dieser Krankheit bestimmt wird.

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Laura
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Re: Psychische Belastung durch chronische Symptome / Schmerzen

Beitragvon Laura » Di 31. Aug 2021, 14:39

Hallo skygirl!

Hast Du Dich selber, bzw. die Umstände (damit meine ich nicht unbedingt Deine Schwangerschaft) schon mal beobachtet, um vielleicht Rückschlüsse ziehen zu können auf Dinge, die Deine Schmerzen verstärken oder Dinge, die die Schmerzen abschwächen? Spielen da z. b. die verschiedenen Tageszeiten eine Rolle oder Zimmer- und Außentemperatur und Witterungsbedingungen, Qualität des Schlafes, zu viel Elektrosmog in der Wohnung, die Luftqualität in der Wohnung, also all diese nichtpsychischen Faktoren?

Und was macht das Organisieren für das Baby? Hast Du schon die Baby-Ausstattung mit allem Notwendigen besorgt und Vorsorge dafür getroffen, wer sich um Dein Kind kümmert, falls Du direkt nach der Entbindung noch zu schwach sein solltest? Ebenso, wer sich um Deinen Haushalt kümmert? Stehen Dir Deine Eltern und andere aus der Ursprungsfamilie sowie Freunde bei, auch was die Vorbereitungen für die Niederkunft angeht (z. B. die Fahrt in die Klinik, wenn Du keine Hausgeburt geplant hast).

Das war jetzt ein bisschen Konversation per Fragekatalog, sorry. Ich weiß nicht, welche Worte man am besten wählt, wenn jemand unter chronischen Schmerzen leidet, ob diese nun was Psychosomatisches sind oder doch eher die organische Komponente überwiegt.

Wenn ich wüsste, wie man seine Probleme loswerden kann, würde ich es Dir verraten. Leider kann ich meine verschiedenen Malaisen auch nicht einfach so ins Weltall oder wenigstens bis in den nächsten Wald kicken, um sie los zu sein. Hab aber noch nicht aufgehört, auf eine "wundersame Heilung" (in Bezug auf meine psychische Erkrankung) zu hoffen, da vieles andere schon vergeblich abgelatscht worden ist.

Liebe Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.


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