Therapie nach Tagesklink???

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Ironmam
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Therapie nach Tagesklink???

Beitragvon Ironmam » Di 30. Jul 2019, 18:53

Moin,

kann Person A nachdem Sie in einer Tagesklinik war, eine Tiefentherapie direkt im Anschluss machen? Und wie wird der Aufenthalt in der Tagesklinik mit der Tiefentherapie verrechnet? Werden die Stunden für die Tiefentherapie gegengerechnet?

Mfg

mamschgerl
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Re: Therapie nach Tagesklink???

Beitragvon mamschgerl » Di 30. Jul 2019, 19:10

Hallo ironman,
meines Wissens ist der Aufenthalt in einer Tagesklinik nicht vergleichbar mit einer ambulanten Therapie und wird dementsprechend durch den jeweiligen Behandelnden mit der Krankenkasse gesondert berechnet.
Ich z.B. hatte vor, zwischen und nach den stationären Klinikaufenthalten eine ambulante Therapie, die nichts miteinander zu tun hatten, d.h. die Krankenkasse hat die Kostenübernahmebestätigung an die Klinik übersandt und rechnet mit ihr ab. Der Therapeut ( da spielt es keine Rolle, welche Therapie durchgeführt wird ) sendet an die Krankenkasse die geplante Behandlung und Therapiedauer und rechnet ebenfalls mit der Krankenkasse ab.
Der Sohn meiner Freundin hatte ebenfalls einen stationären und anschließenden ambulanten Aufenthalt in der Tagesklinik, seine Therapie beim Psychotherapeuten läuft ebenfalls nebenher, was auch getrennt voneinander abgerechnet wird.
Es wird also nichts gegengerechnet oder verrechnet und die ambulante tiefenpsychologische Therapie im Anschluß an die Tagesklinik kann natürlich in Anspruch genommen werden.
Ganz genau erfährst du es aber von der Krankenkasse selbst, die geben dir genauestens Auskunft bei diesen Fragen.
L.G. mamschgerl

Ironmam
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Re: Therapie nach Tagesklink???

Beitragvon Ironmam » Mi 31. Jul 2019, 15:59

Danke mamschgerl für deine Antwort.

Person A geht es zur Zeit sehr schlecht und möchte gerne eine Therapie machen. Da sie auf der Arbeit beinahe täglich Auseinandersetzungen hat mit Kollegen oder Vorgesetzten, kann die Person bald nicht mehr. Jetzt geht es ihr dadrum, wenn sie keinen Therapeuten findet, aber trotzdem erstmal von der Arbeit befreit werden möchte, zieht sie eine Tagesklinik vor. Oder wie würdest du/ihr das machen? Ich kann mir nicht vorstellen, das ein Hausarzt einen für mehrere Wochen krank schreibt, wenn man keinen Therapieplatz findet.

mamschgerl
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Re: Therapie nach Tagesklink???

Beitragvon mamschgerl » Mi 31. Jul 2019, 19:35

Hallo ironman,
als ich meinen Nervenzusammenbruch hatte ( üble Umstände auf meiner Arbeitsstelle waren letztlich das Tüpfelchen auf dem i ), erhielt ich von meinem Arzt ( es kann aber auch jeder Hausarzt eine entsprechende Diagnose stellen und eine Überweisung für einen Psychotherapeuten ausstellen ) eine Krankschreibung für eine Woche. In dieser Woche wandte ich mich an einen psychologischen Notdienst, der mir auch gleich einen Termin gab. In der Folgewoche hatte ich dann meinen ersten Termin bei meiner Psychotherapeutin und einen Termin bei einer Psychiaterin, die mir Medikamente verschrieb und mich gleich für mehrere Wochen krankschrieb.
In der Regel wendet man sich zuerst an den Hausarzt, der sich um die erste Krankschreibung kümmert und dann auch alles weitere mit einem bespricht.
Je nachdem, wie schlimm es ist, gibt es die Akutpsychiatrie, die einen an Therapeuten weitervermittelt und/oder sich um eine Aufnahme in einer Tagesklinik kümmert.
Ich weiß, die Wartelisten und -zeiten für solche Plätze sind lange, aber bis dahin wird der Hausarzt einen Attest ausstellen, eben weil die psychische Belastung zu hoch ist und dadurch eine Arbeitsunfähigkeit entsteht.

Wie gesagt, bei mir gab es einen Nervenzusammenbruch, weil ich zu lange damit gewartet habe...daher musste ich mich an den Notdienst wenden. Dort gibt es in der Regel Psychiater und Psychotherapeuten, die eine Erstdiagnose stellen. Da es damals ziemlich heftig war, muß ich mich jetzt ziemlich anstrengen, um den Ablauf wieder genau in Erinnerung zu rufen, aber ich glaube, daß ich mit dieser Diagnose zum Hausarzt gegangen bin, der mich daraufhin bei einer psychiatrischen Praxis anmeldete. Einen Termin habe ich trotzdem erst für ca 2 Monate später bekommen, bis dahin wurde ich vom Hausarzt krankgeschrieben, hatte aber da schon meine erste Therapiestunde bei meiner Therapeutin, die ich beim Notdienst schon kennengelernt hatte.
Die Therapeutin war für meine Behandlung zuständig, aber die Psychiaterin für meine Medikation und Krankschreibung sowie auch für die Überweisung in die Klinik. Ende 2013 war mein Zusammenbruch, Mai 2014 war mein erster Klinikaufenthalt, was ziemlich schnell ging. Auf den nächsten Aufenthalt musste ich gute zwei Jahre warten, bis wieder ein Platz frei wurde.
In dieser ganzen Zeit hatte ich fortwährend meine Therapie und natürlich andauernde Krankschreibung für 1 1/2 Jahre, solange zahlen die Kassen üblicherweise Krankengeld.
Danach muß man sich Gedanken darüber machen, ob man Arbeitslosengeld beantragt oder Erwerbsminderungsrente, doch ich hoffe für Person A, daß es nicht soweit kommt.
L.G. mamschgerl

Ironmam
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Re: Therapie nach Tagesklink???

Beitragvon Ironmam » Do 1. Aug 2019, 19:38

Also meinst du, könnte Person A eine Tagesklinik umgehen und sich für die Zeit bis Person A einen Therapeuten findet vom Hausarzt krankschreiben lassen? Was wäre wenn, Person A Montag zum Hausarzt gehen würde und sagt, das sie auf der Suche nach einem Therapeuten ist und in eventuell zwei Monaten ein Erstgespräch hat, aber nicht mehr kann arbeitsmäßig. Würde der Hausarzt Person A dann für die zwei Monate krankschreiben? Der Therapeut würde Person A dann im Anschluss weiter krank schreiben.

Was haben denn die Therapheuten zu dir bezüglich der Krankschreibung gesagt? Haben sie dich immer wieder vier Wochen weiter krank geschrieben oder haben sie schon gesagt, das sie dich solange krankschreiben, bis du der Meining bist wieder arbeiten zu können? Das wäre mal interessant.

Lg

mamschgerl
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Re: Therapie nach Tagesklink???

Beitragvon mamschgerl » Do 1. Aug 2019, 20:33

Also, ich versuche wieder, den ganzen Ablauf zu rekonstruieren.
Zusammenbruch während der Arbeit, irgendwie nachhause gekommen, Gynäkologen angerufen, ob dieser Zusammenbruch mit der OP davor zusammenhängen könnte, kein Zusammenhang, sondern Burnout vermutet und dementsprechend diagnostiziert und eine Woche krankgeschrieben.
Beim psychologischen Notdienst gemeldet, in der selben Woche Termin, dort schwere Depression vermutet, Folgetermin am Montag darauf bei Psychotherapeutin, mit Diagnose zum Hausarzt, krankgeschrieben für ca 8 Wochen bis zu dem Termin bei der Psychiaterin.
Von der Psychiaterin monateweise krankgeschrieben, von monatlichem Termin bis zum nächsten, Medikamente probiert und je nachdem gewechselt. Von der Psychiaterin Einweisung/Überweisung in die Klinik, 6 Wochen Aufenthalt, dort wurden weitere Diagnosen festgestellt. Entlassung mit Arbeitsunfähigkeit und zur weiteren Behandlung bei Psychotherapeutin. Erneute Überweisung in die Klinik 2 Jahre später, danach weiter ambulante Psychotherapie.
Nach 1 1/2 Jahren wegen Beendigung Krankengeldbezug Erwerbsunfähigkeitsrente beantragt, mittlerweile dauerhaft berentet.

Da spielt vieles zusammen und die Arbeitsunfähigkeit wird in der Regel erstmal durch den Hausarzt bestätigt, der dann zur weiteren Behandlung beim Psychiater überweist. Entweder der Psychiater beginnt mit der Therapie oder man hat einen Psychotherapeuten, die aber in der Regel keine Krankmeldungen ausstellen, sondern lediglich die Kostenübernahme für die Therapie bei der Krankenkasse regeln.

Man muß das auch unterscheiden, denn natürlich ist nicht jeder aufgrund psychischer Probleme gleichzeitig arbeitsunfähig, aber wenn diese Probleme sich gerade durch die Arbeit verschlimmern bzw wenn man keine adäquate Arbeitsleistung mehr erbringen kann, ist eine Krankschreibung die logische Konsequenz.

Also, Besuch beim Hausarzt, Schilderung der Symptome und der Arbeitsunfähigkeit mit der Bitte um Krankschreibung und Überweisung zum Psychiater.
Der Psychiater entscheidet, welche Therapie geeignet ist und führt diese dann auch durch und schreibt bei Arbeitsunfähigkeit auch weiter krank, üblicherweise im 4 Wochen Takt.
Der Psychotherapeut kam bei mir im Grunde nur ins Spiel, weil ich eben die Akutpsychiatrie aufgesucht hatte. Die Therapeutin hat sich, mit meiner Einwilligung, mit der Psychiaterin ausgetauscht.

Bei mir war leider nix mehr zu machen, mein Zusammenbruch war endgültig und umfassend.
Mittlerweile wurde mir aufgrund meiner desolaten Psyche ein Grad der Behinderung von 50 zuerkannt, ich bin austherapiert und nix geht mehr.

Grüße
mamschgerl

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Re: Therapie nach Tagesklink???

Beitragvon Ironmam » So 4. Aug 2019, 14:08

Das tut mir Leid für dich.

Wie ist der Zusammenbruch denn gewesen auf der Arbeit? Hat da einer was von mitbekommen?

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Re: Therapie nach Tagesklink???

Beitragvon Laura » Mo 5. Aug 2019, 16:08

gelöscht, da ich Ironmans' Frage erst später kapiert habe und der von mir verfasste Beitrag nicht mehr passt.

Es geht wohl darum, wie jemand glaubhaft machen kann, dass er derzeit nicht arbeitsfähig ist, die Probleme theoretisch ambulant behandelbar sind, aber noch kein Therapieplatz gefunden worden ist? In diesem Fall ist die Aussage eines niedergelassenen Psychiaters (ob gleichzeitig auch Psychotherapeut oder nicht) immer noch glaubwürdiger als die eines Hausarztes, da die Erkrankung ja am ehesten in diese ärztliche Fachrichtung fällt. Man kann es auch so sehen, dass ein Psychiater sich mit psychischen Belastungen insgesamt besser auskennt als ein Hausarzt. Eine Diagnose wird der Psychiater dann aber schon stellen, um auch nur eine Krankschreibung zu legitimieren, und sei es nur eine "ungesicherte Diagnose", bzw. "Verdacht auf...".

Es würde dann also darum gehen, dass der niedergelassene Psychiater (bei dem man eher einen Termin bekommt als bei einem Psychotherapeuten) den Patienten für krank genug hält, um ihn krankzuschreiben. Der würde den Patienten aber auch für krank genug halten müssen, um ihn an eine Tagesklinik zu überweisen.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Re: Therapie nach Tagesklink???

Beitragvon Ironmam » Fr 16. Aug 2019, 16:43

Hallo Laura, sorry für die späte Reaktion. Wie war es denn bei dir, was hast du denn als erstes gemacht?

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Re: Therapie nach Tagesklink???

Beitragvon Laura » Mo 19. Aug 2019, 11:45

Hallo Ironman!

Als ich aufgrund psychischer Probleme zum ersten Mal meinen Rückzug brauchte, war ich noch Schülerin und minderjährig. Ich habe von mir aus einen Kinder- und Jugendpsychiater aufgesucht und recht schnell einen Therapieplatz bekommen. Davor lagen aber ein paar Wochen (das waren vielleicht vier oder fünf Wochen, ich weiß das nicht mehr so genau), in denen ich nicht in die Schule hatte gehen können. Ich weiß nicht mehr, ob es damals einfach nur eine schriftliche Entschuldigung meiner Eltern war, eine Krankschreibung vom Hausarzt, die der Klassenlehrerin eingereicht wurde oder ob ich auch ohne all dieses dem Unterricht fernblieb, bis ich die Therapie anfing und der Therapeut mir offiziell ein Attest für die Schule ausstellte, das vielleicht auch rückwirkend galt. Es war also insgesamt eine andere Sache als bei der Person, von der Du gerade berichtest, da ich noch nicht arbeiten gehen musste.

Viele Grüße

Laura
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Re: Therapie nach Tagesklink???

Beitragvon Laura » Do 29. Aug 2019, 15:58

Hallo Ironmam!

Da ich neben meiner eigentlichen Erkrankung nun auch konstant erschöpft bin, kann ich nicht immer sehr konzentriert sein. Ich hatte Deinen nickname erstmal tatsächlich falsch gelesen und das -m am Ende mit einem -n verwechselt. Das tut mir leid! Bin halt nicht aus Eisen...und bügeln tue ich auch nicht gerne...

Weißt du, die Schwierigkeit, aufgrund psychischer Probleme Schonung zu erhalten, bzw. dann immer noch genug Geld zum Leben zu erhalten, ob mit oder ohne Psychotherapie oder psychiatrischer Hilfe, ergibt sich oftmals daraus, dass die Erkrankung nicht zwangsläufig an einer Leidensmiene erkennbar ist. Es wird zuviel Tamtam um "Sozialmissbrauch" gemacht und mein Eindruck ist, dass diesem Tamtam eher die Ehrlichen als die Lügner zum Opfer fallen. Mit Lügnern meine ich Leute, die sich aus ein paar wenigen frommen Lügen oder Notlügen eine Art "Gewohnheitsrecht" im schlechten Sinne ableiten wollen. Leute, denen man besser nicht mal den kleinen Finger gibt oder diesen kleinen Finger noch rechtzeitig zurückzieht, bevor sie die ganze Hand nehmen. Es gibt psychische Erkrankungen in Form von sozialverträglichem Leid, aber auch in verbrecherischer Form.

Und da ich so krank bin, habe ich im Moment zuweilen sogar Horror vor Metaphern als sprachliches Stilmittel. Deswegen konnte ich mir auch meinen vielleicht pedantischen Kommentar zu Deinem nickname nicht verkneifen (also dass meine Erkrankung ein Zeichen dafür ist, dass ich nicht aus "iron" bin, was sich z. B. schon darin zeigen kann, dass ich einzelne Buchstaben miteinander verwechseln kann, obwohl ich an sich keine Legasthenikerin bin). Ich hoffe, Du nimmst mir das nicht übel!


Liebe Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.


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