Depression bei Sohn

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mamschgerl
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Re: Depression bei Sohn

Beitragvon mamschgerl » Fr 19. Jul 2019, 21:32

Hallo Laura,
ja, solche Gedanken sind mir auch schon gekommen und ich habe tatsächlich schon mit ihm ein solches Gespräch geführt. Er neigt stark zu übertriebenen Ängsten. Mein letzter harmloser Bluttest beim Arzt rief eine kleine Panikattacke hervor und er wollte mir nicht recht glauben, daß alles in Ordnung sei. Meine damalige Diagnose wegen Gebärmutterhalskrebs und die zwei OPs hat er nur schwer ertragen, genauso die OP wegen Stimmlippenkrebs hat ihn fast verrückt werden lassen. Ich brauche nur ein bißchen kränklich zu wirken, schon rauft er sich aus Angst die Haare.
Mir fallen da immer die letzten Tage des Sterbens seines Vaters und die Beerdigung ein, besonders jedoch die Zeit danach, in der er immer und überall, wenn er Väter mit Kindern gesehen hat, hingelaufen ist und sich einfach die Hand des Vaters geschnappt hat. Er war ein Vaterkind und ich glaube, nichts hat ihn so aus der Bahn geworfen wie dieser Verlust. Verständlich, daß er große Ängste hat, mich auch noch zu verlieren, aber dieses Wissen darum bringt nichts, denn irgendwann gibt's mich nicht mehr und er muß lernen, alleine klarzukommen.
Ich habe ihn oft gebeten, sich meinetwegen keine Sorgen zu machen, weil ich schließlich schon groß wäre und es nicht um mich ginge, sondern um ihn. Ganz abgesehen davon kann ich es nicht ausstehen, wenn sich jemand um mich sorgt, ich kann damit nicht umgehen und verstehe es auch nicht, wenn sich jemand meinetwegen Gedanken macht, aber das hat wieder mit mir persönlich zu tun.
Ja, ich glaube schon, daß er sich irgendwie als meinen Beschützer sieht, der mich auch vor Rückfällen aller Art bewahren will, was mich überhaupt nicht stolz macht, denn das ist nicht seine Aufgabe und ich habe ihn nie darum gebeten, sondern genau das getan, was du schreibst, ich habe all meine Sorgen und Probleme vor ihm zu verbergen versucht, weil ich wollte, daß er auch ohne Vater einigermaßen unbeschwert aufwachsen kann.

Was das angeht, weiß ich heute mit Sicherheit, was ich früher schon immer ahnte und was der Grund dafür war, weswegen ich nie Kinder wollte.
Mir war, bewusst oder unbewusst, schon immer klar, daß ich dieser Mammutaufgabe, ein Kind großzuziehen, nicht gewachsen bin. Dazu fehlen mir essentielle Basisgefühle, die ich hätte weitergeben können und müssen.
Wie kann ich einem Kind Sicherheit, Geborgenheit, Liebe geben, wenn ich so etwas selbst nie erfahren habe?
Ich habe nur eine Vorstellung von diesen Dingen und hätte sie gerne vermittelt, aber irgendwie ist das gründlich in die Hose gegangen...wie gesagt, ich wusste schon, warum ich keine Kinder haben wollte.

Nun haben wir den Salat, er fühlt sich ständig von irgendwas bedroht, hat Ängste und Panikattacken, schläft nicht, isst kaum und befindet sich momentan wieder in einem sehr, sehr tiefen Loch.
Daß er nicht mit mir darüber sprechen kann, ist für mich verständlich, aber er muß mit jemandem darüber reden, sonst geht er völlig kaputt.
Er muß verstehen lernen, warum er solche Ängste hat und versuchen, sich mit Hilfe von außen davon weitestgehend zu befreien, vor allem muß er sich von mir befreien, diesbezüglich egoistischer werden und begreifen, daß ich schon dreißig Jahre lang auf der Welt war, bevor es ihn gab und ich auch ohne ihn leben kann.

Ist es nicht fürchterlich, wie sich die Psyche immer wieder gegen einen selbst richtet?

L.G. mamschgerl


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