Frage- *verzweifelt*

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Artonitoni
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Frage- *verzweifelt*

Beitragvon Artonitoni » Di 5. Dez 2017, 17:37

Hallo liebe User,

Ich versuche mal meine problematik und dass, was in meinem kopf vorgeht bzw. vorging und alles drumherum ausführlich zu erklären und hätte dann im Anschluss dieses Textes ein paar fragen. Ich bedanke mich jetzt schonmal im vorraus bei denen, die sich diesen text Geduldig durchlesen und mir evtl. weiterhelfen können bzw mir etwas hoffnung geben können, möglicherweise parallelen finden und mir sagen können das dieser ganze spuk irgendwann vorbei ist.

Zu mir, ich bin 24 Jahre alt und habe so ca. mit 15 angefangen regelmäßig Cannabis und alkohol zu konsumieren. Desto älter ich wurde kamen dann auch noch härtere Drogen ins spiel ( Xtasy, Amphetamine), aber das war nicht regelmäßig. Cannabis konsumierte ich jedoch jeden tag und dies ging die letzten 9 jahre auch ganz gut. Ich war ein gepflegter typ, hatte einen anständigen Job, und war relativ bis auf leichtere Depressionen ganz glücklich und selbstbewusst.

Diesen Jahres Jedoch mitte April fing es dann an. Ich spürte, das irgendetwas nicht stimmt. Auf der Arbeit (Verkäufer) beispielsweise, dachte ich, ich könnte Menschen durch meine bewegungen so beeinflussen, dass sie zu mir kommen und mich nach etwas fragen. Oder wenn ich durch die stadt lief hatte ich einen Größenwahn und dachte ich wäre etwas höheres und dürfte den menschen nicht in die augen schauen weil ich ihnen schaden könnte. Im Zug hatte ich heftige beziehungsgedanken, die mich erstarren ließen. Beispielsweise hörte ich jemanden husten und dachte er macht das um meine aufmerksamkeit zu erregen usw. Ich war total verwirrt und durcheinander und litt eine längere zeit an Depersonalisation und Derealisation.

Es wurde immer schlimmer und ich habe mich dann in eine Psychiatrie einweisen lassen. Dort wurde ich dann auf meine medikation eingestellt. Diagnose: Drogeninduzierte Psychose. Die Positiv Symptomatik lies nach und es ging mir tag zu tag besser. Ich habe nach einiger zeit alle medikamente absetzen dürfen, nur das Venlafaxin gegen die depression habe ich eigenständig abgesetzt.

Nur ist es jetzt so dass ich einen Sehr starken Nihilismus, sprich Sinnlosigkeit in allem verspüre, einen Druck auf der linken seite des kopfes, Spracharmut, freudlosigkeit, ängste, Schlaflosigkeit, antriebslosigkeit und das schlimmste, das ich langsam nicht weis wofür ich lebe bzw was ich an einem tag tun soll.

Es ist jeden tag das selbe. Die meiste zeit verbringe ich vor dem smartphone oder laptop. Schaue den ganzen tag lang youtube, nur um mich vor diesen Negativsymptomen und gedanken abzulenken. Die kraft raus zu gehen fehlt mir irgendwie und der gedanke daran löst in mir auch leichte ängste aus. Ich nehme seit der psychose alles anders wahr. Ich grübel den ganzen tag nur und habe eine riesige Angst vor der zukunft. Der Arzt sagt zu mir, dass ich eine gute Prognose hätte, wenn ich total abstinent bleiben würde.

Jetzt meine Fragen..

Wird dieses leere gefühl und diese Niedergeschlagenheit irgendwann weggehen ?
Wird mein leben irgendwann wieder ein sinn ergeben ?
Werde ich irgendwann wieder normal einschlafen und aufwachen können und Fit sein und mich auf den tag freuen ?
Gehen die Postpsychotischen Depressionen weg und wie lange dauert es so in der regel ? ( Bzw. wie lange daurte es bei euch ? )
Werde ich wieder Glücklich ?

Danke im Vorraus.

mamschgerl
Beiträge: 1107
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Frage- *verzweifelt*

Beitragvon mamschgerl » Mi 6. Dez 2017, 00:46

Hallo artonitoni,
ich hatte mit 11 meinen ersten Vollrausch, mit 13 habe ich zum ersten Mal Gras und Shit geraucht, Koks habe ich mit 16 zum ersten Mal probiert. Ich habe all das im Übermaß und exzessiv getrieben, bis zu dem Tag, an dem ich fast daran gestorben wäre. Danach habe ich das Koks weggelassen, dann habe ich mit dem Rauchen aufgehört und seit ein paar Jahren trinke ich keinen Tropfen Alkohol mehr.
Die Medikamente habe ich auch abgesetzt, d.h., ich nehme nichts mehr ein, das meine Psyche beeinflussen könnte.
In all den Jahren des Konsums, jetzt bin ich 52, habe ich Dinge gesehen, gemacht, erlebt, von dem ich heute nur noch vielleicht ein Drittel weiß, ich hatte im Drogenrausch paranoide Vorstellungen, ich war ein Überflieger, ich konnte Gedanken lesen, vielleicht wollte ich mich damit auch nur umbringen, wer weiß?
Diese Leere, diese Sinnlosigkeit und vieles mehr, das nach dem Absetzen aller die Psyche beeinflussenden Mittel sehr, sehr stark vertreten ist, kommt einem erdrückend vor und es scheint, als würde das niemals enden, aber ich glaube, es ist nicht so.
Das Fatale an Drogen ist, daß sie die Sinneswahrnehmung extrem verstärken. Jetzt gibt es keine Verstärkung mehr, da muß einem zwangsläufig alles ziemlich fade, öde, blass und sinnentleert erscheinen.
Ich dachte eine Zeitlang, ich könnte nur unter Drogen gute Bilder malen, gute Ideen haben, leichter durchs Leben gehen können, alles totaler Quatsch.
Du musst Geduld haben, viel Geduld, das Hirn braucht viel Zeit, um sich umzustellen und sich neu zu sortieren.
Wichtig ist, daß du wirklich keinerlei Drogen mehr einnimmst. Cannabis ist nachgewiesenermaßen zweierlei: schmerzlindernd, unter Umständen heilend, aber leider auch auf Dauer verblödend.
Ich habe soviele gekannt, die an Drogen gestorben oder auf Dauer hirnmäßig so geschädigt waren, daß nichts mehr rückgängig zu machen war. Ebenso wie Alkohol schädigen bzw. vernichten Drogen Gehirnzellen und richten irreparable Schäden an.
Ich hoffe, du hälst durch und verlierst dich selbst und deine Umwelt nicht aus den Augen.
Ich kann hier nur von meinen Erfahrungen sprechen und ich denke für mich, daß ich nie mehr in meinem Leben irgendetwas mit Alkohol und Drogen jeglicher Art zu tun haben will, denn ich fange langsam an, mit meiner schweren Depression und meiner PTBS, bzw. den Symptomen und allen Begleiterscheinungen, leben zu lernen.
Wie gesagt, es dauert, bis man sich damit arrangieren kann, doch mein Gehirn erholt sich zusehends und ich lebe lieber bewusstseinsklar mit meinen psychischen Problemen als total benebelt und mit durch Drogen ausgelösten Ängsten, paranoiden Vorstellungen, Psychosen etc etc.
Ich drück dir die Daumen, daß du bald wieder anderes wahrnehmen kannst als nur deine Ängste.
Grüße
mamschgerl

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fluuu
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Re: Frage- *verzweifelt*

Beitragvon fluuu » Do 7. Dez 2017, 15:41

Hallo,
ich habe nur eine Frage, wird es jemals Sinn machen seine Jugend mit Alkohol und Drogen vollzustopfen
ohne dabei die Entwicklung der Lebensqualität zu beeinflussen und kann man das Gehirn massiv kaputt machen
ohne Schaden davon zu tragen? Den Organismus Jahre lang mit Stoffen betäuben und das Gefühl abtöten
und dann keine Symptome haben wollen wie sie die Psychose hervorbringt ist nach den Naturgesetzen unmöglich.
Deshalb ist es notwendig mit diesen Symptomen einen Umgang zu finden als Ergebnis Jahre langen Verhaltens,
bevor daran zu denken ist sie weg zu bekommen. Drogen konsumieren ist ein psychischen Problem und das
führt zu Konsequenzen im Gefühlshaushalt. Es ist möglich die Zerstörung durch den Stoff zu regenerieren aber
dafür ist Geduld nötig, ohne sie besteht keine Chance. Die Psychose ist der Gipfel der Flucht, daraufhin ist alles
anders und das ist gut so, denn nur die Veränderung mit Geduld führt auf einen Weg der das Leben bejaht.
gruß fluuu

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Motte1988
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Re: Frage- *verzweifelt*

Beitragvon Motte1988 » Di 8. Mai 2018, 18:49

Ich kann dich beruhigen - die postpsychotische Depression geht vorbei . Hab grade nach 2 Jahren meine zweite PD hinter mir (da ich nach abklingen der ersten meine Medikamente abgesetzt hatte und einen erneuten Rückfall in die Psychose hatte ). Die Depressionen besserten sich bei mir Stück für Stück und dauerten je 2-2,5 Jahre . Nun fühle ich mich wieder gut und möchte weiter studieren . Also halte durch - es lohnt sich . Auch wenn du jetzt nicht daran glaubst - es wird wieder gut . Aber lass bloß die Finger von den Drogen . Nicht ,dass du dann wieder Psychose und Depression durchmachen musst . Alles Gute dir

Blume21
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Re: Frage- *verzweifelt*

Beitragvon Blume21 » So 13. Jan 2019, 17:51

.
Zuletzt geändert von Blume21 am Mi 23. Jan 2019, 16:44, insgesamt 1-mal geändert.

bk82
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Registriert: So 7. Apr 2019, 16:23

Re: Frage- *verzweifelt*

Beitragvon bk82 » Mi 10. Apr 2019, 22:15

Hallo zusammen, speziell artonitoni,

ich fühle gerade genau so. Jeder Tag gleich trist durch diese fortwährende Negativsymptomatik. Alles trist, teilweise autistisch apathisch und ab und an aggressiv. Keine Konzentration für nichts, lediglich googlen nach Negativsymptomatik und Psychosen geht... diesen Kopfdruck habe ich auch und massive Bewegungsgefühle im Bauch, manchmal kribbeln sowie kribbelnd angespannte Beine. Kennt das noch jemand!?
Wie fühlen sich die Negativsymptome bei euch an? Angst verspüre ich nicht körperlich, gedanklich bin ich da ab und an dran...

Mich würde interessieren, ob dir irgendwas geholfen hat und wie es dir jetzt geht, solltest du das lesen...!? Zudem schreibst du, dass du viel denkst. Bei mir ist denken eher schwer und wenn, eher unnötiges und überflüssiges oder wirres, vielleicht kennt das ja auch wer!?

Bin ebenso verzweifelt so freudlos im Leben zu sein. Wer kann Hoffnung machen und hat die Symptome überwunden?

Grüße
bk


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