wirklich nicht verständlich?

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wirklich nicht verständlich?

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Mi 27. Sep 2017, 18:49

Nehme leider Psychopharmaka. Stammt noch aus dem Jahre 2009, in dem es mir sehr schlecht ging

Heute geht es mir besser, besuche eine Tagesstruktur, werde stundenweise betreut (teilbetreutes Wohnen). Wünschte mir, dass ich bereits 2009 das gemacht hätte, dann hätte ich vielleicht gar nicht mit den Tabletten begonnen. Verstärkt hat sich diese Überzeugung, als ich gestern diesen Artikel gelesen habe: https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/ ... on210.html

Irgendwann im Laufe des letzten Jahres bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich in den nächsten Jahren meine Tabletten (Edronax, Mirtel, Quetiapin) absetzen möchte. Nervt nämlich ordentlich, jeden Tag ohne Unterbrechung 4 mal in die Medikamentenbox greifen zu müssen. Und dem Körper geht's vielleicht ein bisschen besser ohne Medikamente, von denen manche Stoffe wahrscheinlich in der Leber abgebaut werden müssen. Die angeführten Nebenwirkungen besänftigen mich auch nicht unbedingt.

Nun hab ich darüber schon mit mehreren Leuten gesprochen:

Mit meiner Psychotherapeutin. Sie versteht mich gar nicht, meint, wenn man gut eingestellt ist, wieso sollte man die absetzen? Manche brauchen auch Herzmedikamente oder Insulin, die können sie auch nicht eines Tages absetzen.

Mit jemanden aus meiner Selbsthilfegruppe. Der versteht das auch nicht, wenn sie helfen, wieso nicht ein Leben lang nehmen, meint er.

etc. etc. (außer meiner früheren Psychiaterin und einem Freund, der radikal das Gegenteil denkt, seh ich mich unter lauter Leuten, die voll dafür sind, Psychopharmaka ein Leben lang zu nehmen.

Irgendwie komm ich mir vor wie ein Marsmännchen bzw. ein Mensch mit komischen Ansichten. Natürlich will ich nicht jetzt sofort alles absetzen, auch noch nicht schrittweise (außer vielleicht das Quetiapin), denn so weit bin ich nicht. Aber irgendwann möchte ich schon die Psychopharmokatherapie beenden. Einerseits bin ich auf diese Weise voll abhängig von den Tabletten, was nervt, und manchmal denk ich auch daran, dass möglicherweise in den nächsten 5 Jahren politisch instabile Zeiten folgen könnten und wenn da plötzlich keine Medikamente verfügbar sind, steh ich da wie das Kalb vorm neuen Tor und bin nach dem plötzlichen Absetzen von allen Medikamenten kaum in der Lage etwas zu tun. Aber wenn ich schon vorher schrittweise die Tabs absetze und mich langsam daran gewöhne und es mir auch ohne Medikamenten mindestens so gut geht wie heute, ist das viel erstrebenswerter. Außerdem, wenn es mir schlecht geht und ich bewältige diese Zeit ohne Medikamente, kann ich irgendwie auch stolz auf mich sein, das kann einen möglicherweise auch Stäkre geben in Situationen, in denen man stark sein muss.

Habe manchmal doch radikale Ansichten. Aber in diesem Bereich... Ist es tatsächlich so unverständlich, dass ich eines Tages aufhören will mit den Tabs?
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Re: wirklich nicht verständlich?

Beitragvon mamschgerl » Mi 27. Sep 2017, 20:54

Es ist verständlich, daß man ohne Medis leben können möchte, sogar sehr verständlich.
Bei mir waren es zwar andere Gründe, weswegen ich die Medis abgesetzt habe, doch das spielt eigentlich keine so große Rolle.
Für den einen gibt es Argumente gegen die Tabletten, für den anderen dafür.
Meine Psychiaterin, die für die Medikamentation zuständig war, war absolut nicht begeistert davon, als sie Monate später erfuhr, daß ich kalt entzogen habe, meine Therapeutin wollte auch nicht so recht verstehen, warum ich sie abgesetzt habe, doch es geht hier wirklich um die realistische Einschätzung, ob es wirklich ohne sie geht?
Mir wurde diagnostiziert, daß ich nie wieder so sein könnte wie früher, daß ich bis zum Lebensende mit der Symptomatik zu kämpfen habe und, um überhaupt noch zurechtzukommen, auch bis zum Lebensende ADs schlucken müsse.
Sicher, für mich galten die Aussichten, entweder für immer abhängig zu sein und niemals wissen zu können, ob all mein Verhalten medikamentenbedingt ist oder wirklich mein eigenes Ich, oder eben nicht mehr gesellschaftsfähig zu sein, wenn ich die Medis absetze, aber dafür wenigstens genau weiß, daß mein Verhalten echt und nicht fremdgesteuert ist.
Letzteres war für mich wichtiger, nur so kann ich überleben.
Für dich zählen andere Argumente, das muß keiner verstehen, denn es ist nicht wichtig, ob das jemand nachvollziehen kann, du und dein Gefühl zählt hier und du musst, wenn es dir so wichtig ist, herausfinden, ob du es ohne schaffst. Dafür brauchst du jemanden, der dich beim Ausschleichen begleitet, denn alleine ist es bei der Medikamentenmenge zu gefährlich.
Und wenn du feststellen musst, daß es doch nicht ohne Medis geht, brauchst du auch jemanden an deiner Seite, denn dann musst du versuchen, damit klarzukommen.
Egal, was du machst, mach es nicht alleine.
L.G.
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Re: wirklich nicht verständlich?

Beitragvon fluuu » Do 28. Sep 2017, 18:42

Warum ist es verständlich, dass man ohne Medikamente leben möchte wenn man doch eindeutig eine Störung hat?
Eine der effektivsten Antworten auf eine Krankheit ist Medizin, warum soll es im psychosozialen Bereich nicht so sein?
Mich würde eher das Verhalten eines Menschen verwundern der eine chronische Krankheit hat und alle
Medikamente ablehnt, ist vielleicht dieses Selbst Verletzende Verhalten Teil der Krankheit?
Etwas ablehnen ist ja gut, Konsum z.B. oder übermäßiger Gebrauch des Handys aber doch nicht die Medizin,
die das ergänzt was fehlt und somit für den Heilungsprozess unerlässlich ist. Na ja, rede mir schon lange den
Mund fusslig aber der Glaube, keine Medikamente gleich normal, sitzt tief und fest. Stets ist ein Rückfall
das Ergebnis. Das Aushandeln beim Arzt über die Dosis der Medikamente ist eine Bürgerpflicht eines jeden
Patienten und wer das nicht kann sollte es üben sonst ist ein psychisch kranker Mensch erledigt und kommt
in die Betreuung.
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Re: wirklich nicht verständlich?

Beitragvon mamschgerl » Do 28. Sep 2017, 19:49

Ach fluu,
daß sogenannte Rückfälle beim Absetzen der Medizin in der Regel Entzugserscheinungen sind, aber gerne von Ärzten als ein Wiederaufflackern der Krankheit fehlinterpretiert wird, die dann erneut mit Medis therapiert werden müsste, ist mittlerweile allen bekannt.
Entzugserscheinungen lassen einen immer erstmal in ein tiefes Loch fallen, das ist bei allen Substanzen so, die sich auf das Gehirn auswirken. Hat man sich daran gewöhnt, ist es vollkommen normal, daß dieses Hirn nach diesen Substanzen lechzt. Alkohol, Drogen, Zigaretten etc etc etc und nicht zuletzt eben AD, NR etc etc etc rufen alle Absetzungserscheinungen hervor, das solltest du mittlerweile eigentlich auch wissen...
Daß es nicht verlockend ist, sein Leben lang Medis schlucken zu müssen und das immer mit dem Wissen, fremdbeeinflusst zu sein, müsste sogar dir einleuchten. Wege, die aus dieser Abhängigkeit herausführen, sind immer erstrebenswerter als alles andere.
Es ist auch zu unterscheiden, welche psychischen Störungen behandelt werden und längst nicht alle rechtfertigen eine lebenslange Einnahme von Psychopharmaka.

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Re: wirklich nicht verständlich?

Beitragvon fluuu » Fr 29. Sep 2017, 14:00

Man oh man, Du schreibst wirklich wie so eine kleine dumme Zicke die bockig ihren Willen, der völlig verdreht ist,
durchsetzen will. O.K. in einem Psychoforum kommt so etwas vor, auch wenn diese Zicke wie eine liebe Omi die heile Welt
propagiert. Es gibt zwei Möglichkeiten im Umgang mit Medikamenten, entweder ich bin krank, habe eine psychische
Störung und brauche die Medizin, manchmal ein Leben lang oder ich bin gesund und geheilt und brauche keine
Medizin, das bedeutet ich kann vollständig und absolut selbstständig die Verantwortung für mein Dasein übernehmen.
Entzugserscheinungen gibt es bei gewissen süchtig machenden Substanzen wozu die meisten Psychopharmaka nicht
gehören, einige schon aber das hat mit der Entscheidung, bin ich krank und brauche Hilfe oder bin ich gesund und
völlig selbstständig, nichts zu tun. Täuschen lassen sollte man sich nicht von den psychisch Kranken die vorgeben
gesund zu sein und mit sogenannter 'fehlender Krankheitseinsicht' die Symptomatik noch verschlimmern.
Wenn diese Menschen die Medikamente weglassen wird der akute Zustand heftiger als vorher und das hat nichts
mit Entzugserscheinungen zu tun. Es sind die Ambivalenzen der psychischen Erkrankungen die sich mit plumper
Hausfrauen-Methodik nicht lösen lassen. Manchmal muss man als Therapeut das Risiko eingehen und den völlig
geistig abtriftenden Klienten in eine Zwangslage bringen um knallhart klar zu machen wo die Alternativen sind.
Ein Klient der wegen Nichteinnahme der Medikamente in eine Psychose fällt ist für einen behandelnden Therapeuten
ein schwerer Schlag und ein großer Rückschritt in der Therapie. Deshalb ist in erster Linie Überzeugungskraft
nötig und nicht das lapidare Ausweichen um als Lieber zu gelten und so bequem Pluspunkte beim Patienten
einzuheimsen. Wie gesagt, oft muss man sich beim Klienten unbeliebt machen will man etwas erreichen und zwar,
dass er den beschwerlicheren Weg wählt, den der zur Heilung führt.
Beim NLP gibt es schnelle Methoden um auf psychische Effekte zu reagieren, habe auch das gelernt und habe dort
einen Master. Diese Methoden sind gut und effektiv bei psychischen Zuständen aber völlig ungeeignet für die
Behandlung von psychischen Störungen als Krankheitsbild und den chronischen Formen davon.
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Re: wirklich nicht verständlich?

Beitragvon mamschgerl » Fr 29. Sep 2017, 17:30

Tja, der liebe, alte Geltungsdrang mal wieder. Wenn NLP hier unwichtig ist, warum betonst du dann, daß du darin den Master hast? Im übrigen passt NLP zu dir, manipulativ sein bis zum Äußersten.
Ich steh drauf, Zicke genannt zu werden von Männern, die keine sind. Es sind immer dieselben, die ausfällig werden, es sind immer diejenigen, die feststellen müssen, mal wieder blöd dazustehen und sich nicht anders mehr zu helfen wissen, als mit Schimpfwörtern um sich zu werfen.
Ich weiß nicht, in was du wirklich den Master gemacht hast, aber die Dummdreistigkeit ist dir wirklich in die Wiege gelegt worden im Gegensatz zu dem Interesse am Menschen, wie du in deiner Homepage heuchelst.
Dein Musterschreiben passt ebenfalls zu dir, ein Kummerkasten, in dem du Antworten formulierst, die man in jedem Glückskeks finden könnte.
Sachlichkeit liegt dir fern und so muß ich wieder einmal auf deinem Niveau antworten, weil du es anders nicht verstehst: du kannst nix, du bist nix, du kapierst nix.
Aber was soll's? Jemand, der sich für besonders hält, weil er im selben Jahr wie Katharina Witt geboren wurde, ist nicht mehr zu helfen. Ich bin froh, daß ich deine Komplexe nicht habe... :silly:

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Re: wirklich nicht verständlich?

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Sa 30. Sep 2017, 15:06

Okay, hoffe, ich finde jemanden! Na, da bin ich ja froh, dass es doch auch Menschen gibt, die das auch als verständlich sehen. Finde es auch interessant zu lesen, dass diese "Rückschritte", die eigentlich keine sind, Entzugserscheinungen sind. Sowas muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen... puh!

Habe auch gemerkt, dass ich nach der Reduktion von Mirtel (nach Absprache mit einer Ärztin, bei der ich leider nicht bleiben konnte) zwar irgendwo gelandet bin in einem Zustand, der zwar nicht ganz ein Rückschritt ist, aber doch ein niedrigeres Niveau ist als der jetzige. Ein bisschen zerstreuter bin ich. Aber abgesehen davon spür ich mich mehr. Ist zwar nicht immer lustig, aber es ist etwas, das mich ausmacht! Und mit Psychotherapie ist das möglicherweise auch veränderbar.

Ja, hoffe, dass es hier in Wien auch Psychiater gibt, die sich gut auskennen mit Absetzen, hier macht sich langsam ein Fachärztemangel, die gewillt sind, mit der Krankenkasse Verträge einzugehen, bemerkbar. (bspw. letztes Jahr laut Ärzteverzeichnis Wien 109 Hausärzte in meinem Bezirk, davon 4 oder 5, die von der Wiener Gebietskrankenkassa einen Vertrag hatten; naja, andere Verträge gibt es auch. Oder möglicherweise liegt es auch daran, dass es in diesem Bezirk so einige reiche Menschen gibt - es gibt auch jene, die aus wenig auskommen müssen, aber nicht dafür ist der 9. Bezirk berühmt). Aus Deutschland und aus der Schweiz hört man so "coole" Sachen: Soteria und Psychiater, die mit Drogen arbeiten, etc. Nagut, Drogen muss ich jetzt nicht unbedingt ausprobieren, aber hier in Österreich sind die Leute anscheinend weniger experimentierfreudig

@fluu: das hat doch nichts mit einer Erkrankung zu tun, ob man sich das "antun will" oder nicht. Ich denke, es gehört viel dazu, zu sagen: "Nein, so will ich das nicht!", auch wenn dir 1000 Leute einreden, es wäre nur zu deinem Besten und es unverständlich ist, dass du es dir so schwer machen willst. Bin leider noch nicht so stark, aber manche können das. Auf Krankheit ist Medizin oft eine Antwort, aber bei organisch bedingten Krankheiten wie Husten oder so etwas nimmt man Medikamente auch nicht ewig, es gibt auch da "schnelle Lösungen" oder aber auch natürlichere Mittel. Und im psychosozialen Bereich so eine Aussage aufzustellen ("Medizin ist die Lösung") finde ich sehr gewagt, weil das Gehirn bis zum letzten Atemzug formbar ist, sich viel ändern kann, auch abhängig vom Alter, auch abhängig, wie ausgeprägt ein Symptom/eine Eigenschaft ist und wie stabil die Person mit ihrem Symptom ist oder wie groß der "Ressourcen-Pool" einer von krankheit betroffenen Person ist (bspw. gibt es auch Menschen, die in ihrem 1. Lebensjahr und auch weiter alles bekommen haben, was sie brauchten, sprich emotionale Wärme, persönliche Grenzen, Freude über das Kind) und die sind schon als Kind so selbstbewusst - ich meine, nicht ein herumlärmendes, sich überall behaupten wollendes, aufgeblähtes Selbst, das nicht mit echtem Selbstbewusstsein zu tun hat - dass es eine Freude ist zu sehen, dass es auch so etwas gibt). Außerdem gibt es Psychotherapie, manche mehr, manche weniger effektiv, kommt sicher auch aufs Ausmaß einer Krankheit an. Und während der Therapie kann man vielleicht immer mehr Ressourcen aufbauen. Außerdem gibt es auch im organisch-bedingten-Krankheitsbereich z.B. Krebskranke, die eine Therapie möchten und andere, z.B. im künstlerischen Bereich, die ihre Fähigkeiten auf der Bühne ausloten möchten, auch wenn sie auf der Bühne tot umfallen. Ich finde solche Menschen bemerkenswert, das hat für mich sehr viel mit starkem Willen zu tun und damit, den eigenen Weg gehen zu wollen.

Ich finde, keine Medikamente nehmen zu wollen, hat nichts mit Heiler Welt zu tun, es ist harte Arbeit, aushalten zu müssen, wo du psychisch "jetzt schon wieder gelandet bist". Ich finde Krankheit und Störung im psychologischen Bereich kein sehr schönes Wort, muss aber anscheinend sein, um Menschen zu überzeugen, dass es wirklich Menschen gibt, die krank sind und deshalb nicht so belastbar sind. Ich nehme lieber die Gaussche Kurve her (ich nenn sie Diskriminierungskurve), bei der viele in der Mitte liegen (also mit gewisser Ausprägung mancher Eigenschaften oder auch Symptome oder auch Belastbarkeit), bei weniger Menschen sind diese und jene Eigenschaften viel mehr ausgeprägt, bei anderen auch weniger Menschen viel weniger ausgeprägt. Und dann gibt es ganz-ganz wenige, bei denen etwas so gut wie gar nicht ausgeprägt ist und ganz-ganz wenige, bei denen etwas sehr-sehr stark ausgeprägt ist. Und je nachdem, ob man diese Ausprägung von etwas gut oder weniger gut aushält, versucht man, damit zu leben, "bloß" mit Job & Freundeskreis & Hobbys, mit Therapie, mit Spitalsaufenthalten, mit Abschottung, mit Medizin, etc. Und manche verstehen gar nicht, dass es Menschen gibt, die nicht können, denen muss man dann "übersetzen", dass diese u. jene Menschen krank sind, Hilfe brauchen, nicht so belastbar sind am 1. Arbeitsmarkt, etc. Naja, aber das geht schon zu weit und eigentlich bin ich sehr abgeschweift...

noch etwas @fluu: finde deinen Ton unangemessen, deine Sichtweise wurde auf sachlicher Ebene kritisiert und du greifst in die unterste Schublade und wirfst mit Beschimpfungen herum...

naja, hoffentlich find ich jemanden.
Danke!
Gr. L
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Re: wirklich nicht verständlich?

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Sa 30. Sep 2017, 16:09

Habe nun ein wenig herum gegoogelt und bin wirklich erstaunt, dass es viele Menschen gibt, die ihre Psychopharmaka absetzen wollen und es hier und da doch das Bewusstsein gibt, dass Psychopharmaka nicht auf die leichte Schulter zu nehmen sind. Interessant finde ich auch, dass mir niemand erklären konnte, warum ich in letzter Zeit noch vermehrter krank bin und ich vielleicht jetzt die Antwort auf die Frage kenne. Worüber ich entsetzt bin, dass Ärzte oft so verantwortungslos handeln und sehr leicht Psychopharmaka verschreiben, als Betroffener denkt man sich, man hat keine Alternative und man wird ja nicht explizit darauf aufmerksam gemacht (blöd wären die Pharmakonzerne und die Zahnrädchen, die beim Funktionieren unseres Systems mitspielen), dass es da viele problematische Erfahrungswerte gibt. Wenn man dann doch ein wenig herumgoogelt, stößt man doch auf Menschen, die das gleiche oder ähnliche Problem haben. Aber trotzdem fragt man sich: Wo gibt es diese vielen Menschen mit Erfahrungen, die sich gegen Psychiatrie und Medikamentengabe stellen? Psychiatriekritik schön und gut, aber wo findet man sie außerhalb der Schweiz und Deutschland? Deutschsprachig, weil als doch Betroffene Konzentrationsmangel und wenig durchhaltevermögen und wenn dann noch Literatur auf englisch... :?:
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Re: wirklich nicht verständlich?

Beitragvon fluuu » Mo 2. Okt 2017, 15:38

Das Thema Psychopharmaka spukt skandalös durch die Gesellschaft obwohl viele mit der Haltung Pille einwerfen und gut
versuchen an der Oberfläche der bürgerlichen Anerkennung zu bleiben. Ich habe meine Ansichten dazu, arbeite regelmäßig
mit psychisch betroffenen Menschen aber ich werde sie nicht äußern da die Klischees einfach stärker sind. Ich verhalte
mich nach diesen meinen Regeln, sie haben mich die Krankheit überwinden lassen und ein Leben beschert mit dem ich viel
Leid bei anderen Menschen wandeln kann. Hier im Forum geht es um Psychiatrie und Psychotherapie, da dominiert die
psychische Störung gewaltig und es ist eine Herausforderung dabei die guten Gefühle nicht zu verlieren und in den
Tenor der Masse nicht einzustimmen die irgendjemand für schuldig erklärt. Ich halte Rausreden aus der Krise wie es hier
immer wieder praktiziert wird ein für die Seele zerstörerischen Versuch ohne Konsequenzen davon zu kommen.
Es braucht Wandlung im Fluss des Leben, bei den Medikamenten genauso wie bei der Nahrung oder den Gedanken,
wenn man das ignoriert fängt es an zu faulen, erst ganz wenig und versteckt aber dann werden die Symptome deutlich.
Ist die akute schwere Krise ausgebrochen ist es zu spät für heilsame und verbeugende Maßnahmen. Die meisten meiner
Klienten sind in so einer akuten Phase und auch hier im Forum spielt die Verdrängung bei einigen Usern eine große Rolle.
Viele psychisch kranke Menschen sin in ihrer akuten Phase ausfallend, gut bei ihnen ist es unbewusst, ich bin ganz bewusst
ausfallend, stehe dazu und man kann mich dafür kritisieren. Es öffnet auf jeden Fall beim Gegenüber das Buch seiner
seelischen Abgründe und man kann aufschlussreich darin lesen um klüger zu werden und um zu spüren was los ist.
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Re: wirklich nicht verständlich?

Beitragvon mamschgerl » Mo 2. Okt 2017, 16:11

Hallo Llllleona,
auf deine Frage hin, wo man die Gegner der schnell verschriebenen Psychopharmaka findet, kann ich wieder auf Google verweisen, da finden sich auf you Tube ebenso wie unter den Stichworten auch andere Beiträge, in denen Ärzte, Psychologen, Neurologen, Psychiater, Therapeuten etc etc etc und nicht zuletzt Patienten, die leidvolle Erfahrungen hinter sich gebracht haben, aus aller Herren Länder mit Untertiteln oder Synchronisation.
Gerade in Amerika und Großbritannien sind einige Mittel böse in den Mittelpunkt gerückt, weil sie unter anderem das Wesen der Patienten so elementar veränderten, daß sie auch für Suizide und andere Gewalttaten verantwortlich gemacht werden.
Es ist nicht einfach zu entscheiden, wenn man als Arzt wirklich helfen will. Oft sind die Mittel notwendig, um erstmal eine Akutsituation in den Griff zu bekommen, doch ich persönlich finde, daß nach Abklingen wieder reduziert werden sollte, bevor eine dauerhafte und eventuell nicht mehr rückgängig zu machende Veränderung im Hirn auftritt.
Es ist vollkommen unlogisch, einen unter Medikamenten stehenden Menschen therapieren zu wollen. Wen therapiert man denn, den eigentlichen Menschen oder den unter Medikamenteneinfluß veränderten Patienten?
Ich gehe hier von eigenen Erfahrungswerten aus und von den Schilderungen anderer bei meinem Klinikaufenthalt.
Am beliebtesten ( ironisch gemeint ) war bei anderen das Mittel Tavor. Diejenigen, die es einnahmen, hatten für gar nichts mehr Interesse, fühlten sich förmlich weggebeamt. Da soll man therapieempfänglich sein?
Selbst bei Venlafaxin fühlte ich mich schon desinteressiert, gedämpft, unlustig. Mir war schon fast egal, was die Therapeutin mir erzählen wollte, soll das hilfreich sein?
Wenn man erstmal abhängig ist und diese Sucht nach heiler Welt vermittelnden Medis eingesetzt hat, die zu allem übel auch noch von Ärzten unterstützt wird, fällt es immer schwerer, wieder zu sich selbst zu finden.
Man lebt nicht mit den Symptomen, wenn sie mit Medizin unterdrückt werden, tatsächlich ist das eine Flucht vor der Realität.
Wenn jemand nur mit Medikamenten überleben kann, ist das seine Entscheidung und ich bin die letzte, die dem widersprechen würde, ich habe mein ganzes Leben lang Realitätsflucht betrieben und weiß genau, daß es sich manchmal nur so leben lässt.
Man muss sich jedoch auch klar darüber sein, welche irreparablen Schäden man damit in Kauf nimmt.
Es ist und bleibt sehr verständlich, wenn jemand keine Medikamente mehr nehmen will und natürlich ist es genauso verständlich, wenn jemand nicht auf sie verzichten möchte oder kann.
Es bleibt die Entscheidung des einzelnen, gegen die niemand etwas vorzubringen das Recht hat.
Gruß
mamschgerl

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Re: wirklich nicht verständlich?

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Mo 2. Okt 2017, 22:21

Hallo!

Ja Psychiatriekritik gibt es auf jeden Fall zuhauf im Internet, wahrscheinlich auch in Bibliotheken. Wenn man aber dann versucht (zumindest mir geht es so), auch konkrete Leute zu finden, mit denen man sich zusammentun könnte oder Ärzte zu finden, die kritisch den Pharmakonzernen gegenüberstehen, verlieren sich die Spuren im Sand. Psychiatriekritik gibt es auch in Wien, nur ist eine gefährliche Sekte auf den Zug aufgesprungen und mit der will ich (wahrscheinlich auch andere) nicht zusammenarbeiten, denn irgendwann könnte man schnell in die Fänge dieser geraten und die wird man dann nicht mehr los (zumindest nicht lebend). Aber ich habe jetzt etwas gefunden, geschrieben von einem Psychiater in München, der gibt konkrete Vorschläge vor (z.B. Antidepressiva um 10 % reduzieren in einer gewissen Zeit, wie viel Zeit, weiß ich jetzt nicht mhr; zu Neuroleptika gibt er auch Vorschläge und geht auch auf Schwierigkeiten bei verschiedenen Antidepressiva und Neuroleptika ein). Dieses Schriftstück wurde von einem Arzt irgendwo in Österreich ins Netz gestellt, der ist allerdings nur Hausarzt. Dann hab ich auch eine Seite gefunden, auf der die Verfasserin von einem Psychopharmakaabsetzsyndrom spricht, verweist auf irgendeinen englischsprachigen Arzt, der sich offenbar mit dieser Problematik auseinandergesetzt hat (und der die wiederauftretende Symptome nicht als eine Wiederverschlechterung sieht sondern als ein Syndrom, das nach Monaten bis Jahren wieder verschwinden soll). Und dann gibt es auch haufenweise Kommentare von Betroffenen, die sich als sehr glücklich über die Seite outen und über ihre unterschiedlichen Schwierigkeiten beim Absetzen schreiben.

Also, ich finde, die Ärzte sollten wenigstens aufklären bzw. bei Beginn mit einer Psychopharmakontherapie erklären, dass es schwierig werden kann, die Medikamente wieder abzusetzen. Wem es sehr-sehr schlecht geht, dem wird das vielleicht egal sein, Hauptsache, es hilft irgendetwas. Habe mal gelesen in einem Buch von Carl Rogers, dass es da jemanden gegeben hat (seinen Namen weiß ich nicht mehr, P-irgendetwas) in der Vergangenheit, der so etwas ähnliches wie eine psychiatrische Station initiiert hat, wo er möglichst keine Medikamente geben wollte und im Laufe von 10 Jahren wurden nur 2 mal Beruhigungsmittel gegeben. Habe auch von Psychotherapeuten gehört, die ihre Patienten ohne Medikamente therapieren wollen.

Ja, da hast du Recht, was soll man da noch therapieren bei einer Person, bei der das Medikament schon alles (oder viel) von den Symptomen (oder auch Persönlichkeit) verschwinden haben lassen... Allerdings ist es vielleicht so, dass da die schwersten Symptome verschwinden und ein bisschen Verbesserung gegeben ist, was man in der Psychotherapie noch steigern will und dann, bei einem bestimmten Niveau an Verbesserung kann man dann versuchen abzusetzen, weil man z.B. selbst auch gelernt hat, wie man selbst auch dazu beitragen kann, dass im Gehirn Serotonin ausgeschüttet wird bzw. man hat gelernt, sich selbst mehr glücklich machende Zustände zu geben. Das war/ist bzw. wird bei mir so sein. Verantwortungslos und hirnrissig finde ich, wenn Patienten nur noch zugedröhnt werden. Das ist, glaube ich, für die Therapie nicht hilfreich, und für den Patienten schädlich. Man kann ein so komplexes Problem wie große psychische Schwierigkeiten nicht so einfach lösen! Jedes Gehirn ist anders, jede Person hat unterschiedliches erlebt und ist individuell, da braucht es doch individuelle Unterstützung! Auch nicht von heut auf morgen (wie das Medikamente "herbeizaubern" für einen großen Preis), denn psychische Probleme entstehen auch nicht von heut auf Morgen. Dem Staat kostet das zu viel, aber um es Konzernen und Reichen und Banken zu schenken, hat er genug Geld. Aber dann soll er wenigstens für Strukturen in der Gesellschaft bürgen, die nicht auf Ausbeutung von Mensch u. Natur aufbauen, sodass die Ressourcen nicht mehr aufgebracht werden können dafür, dass Menschen sich so entwickeln können, wie sie es brauchen, um für das eigene Wohlergehen sorgen zu können, und das fängt schon bei der Unterstützung von Müttern an, für ihr Baby, aber auch für sich selbst zu sorgen, damit sie das Baby gut nähren kann, auch mit emtionalem Rückhalt u.Ä., sich fortsetzt im Kindergarten und Schule, die nicht auf Gehorsam und Hörigkeit aufgebaut werden sollte, sodass man sich ohne Kritik ausbeuten lässt. Etc. etc. (gut, manche haben wirklich keine Wahl, denn dann wird das Existenzminimum vom Jobcenter gestrichen, aber ein Bewusstsein zu schaffen und zu haben, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zu geht, wäre ja auch schon viel!) Und das ist für mich so unverständlich! Ich meine, erklären kann ich es mir schon mit Machthunger u.dgl., aber ich will es einfach nicht verstehen!

Nagut, kurz und gut, finde ich es immer wieder schön, auf Menschen zu stoßen, die finden, dass ist ohne Wenn und Aber voll in Ordnung und verständlich, wenn man keine Medikamente nehmen will und man selbst noch nicht so weit ist, zu diesem >nein< auch stehen zu können, auch wenn rund um einen viele Menschen einfach... hm, auf englisch lässt sich das einfacher formulieren: they want to keep themselves and others functioning, kritiklos alles oder viel hinnehmen und problemlos argumentieren können, warum Kritik nicht angebracht ist.

Grüße
L.
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Re: wirklich nicht verständlich?

Beitragvon fluuu » Mi 4. Okt 2017, 13:48

Ich finde es fast schon lustig zu beobachten wie es viele psychisch betroffene Menschen gibt die die Ursache ihres aktuellen
Zustandes nicht in der Entwicklung der Persönlichkeit sehen ein Leben lang, sondern in der Psychiatrie schlechthin.
Die Psychiatrie ist Schuld an ihrem seelischen Leid obwohl sie wegen dem Leid in die Psychiatrie gekommen sind.
Wie auch immer, Psychiatrie weg und das Leid ist weg klinkt doch auf jeden Fall vielversprechend, geauso
vielversprechend wie das bedingungslose Grundeinkommen oder das ewige Leben im Himmel.
gruß fluuu

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Re: wirklich nicht verständlich?

Beitragvon mamschgerl » Mi 4. Okt 2017, 17:49

Ich finde es fast schon lustig, wie jemand hier alle anderen als total verblödet darstellen will, nur weil er selbst nichts von dem begreift, was hier geschrieben steht, weil er entweder nicht lesen oder den Sinn nicht erfassen kann, also drehen wir den Spieß einfach um und behaupten frech mal irgendwas, Hauptsache, man hat sich wieder mal wichtig gemacht und munter dahergeblubbert... :roll:


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