Diagnosestellung meiner Mutter (sehr geringe Sprachkenntnis)

Hier können Sie sich austauschen zu allen speziellen Fragen und Unklarheiten in Diagnostik und Differentialdiagnostik, über ICD-10, DSM-IV, Tests, Interviews, Fragebögen etc.
Schwarzhaarig
Beiträge: 1
Registriert: Do 21. Jan 2016, 17:41

Diagnosestellung meiner Mutter (sehr geringe Sprachkenntnis)

Beitragvon Schwarzhaarig » Do 21. Jan 2016, 18:30

Sehr geehrte Forumsmitglieder,

meine Mutter leidet nach persönlicher Einschätzung an einer Schizophrenie.
Folgende Symptome:
- Beginn seit der Geburt, des ersten Kindes bzw. mit Einreise nach Deutschland (damalig keine Sprachkenntnisse)
- lebhafte Alpträume
- Unregelmäßiger Schlafrhythmus (manchmal <3 h, dann wieder >10h) leichter Schlaf + z. T. schläft sie auch tagsüber
- an manchen Tagen bis zur Erschöpfung sich beschäftigen (Hobby/Garten) und nicht aufhören können und dann wieder über Tage nur im Bett liegen können und das Gefühl zu haben, zu sterben
- Wahn/Halluzination: Stimmen (abwertende Kommentare) (mit denen sie sich dann ständig auf Thai unterhält bzw. wenn es ihr zuviel wird, schreit sie auch)/Geister/Hexen/ Unterstellung gegen unseren Vater der Vergewaltigung (aller Töchter) und dass dieser ständig irgendwelche Gegenstände/Anziehsachen dreckig machen würde + ein Dämon sei/ Das Gefühl, dass die Polizei allmächtig sei und sie, wenn sie ein Handy oder Computer ohne Aufsicht bedient, ins Gefängnis kommt (kann ich evtl. noch verstehen, da Thais schon Angst vor der Polizei haben) und noch viele mehr an fixen Ideen, welche man ihr nicht ausreden kann, egal wieviele logische Beweise man ihr aufführt.
- regelmäßige Tätigkeiten nicht durchführen können (aufräumen/putzen usw.), aber auch nicht flexibel sein
- wenig Konzentrationsfähigkeit (z.B. eine eigene Zehn-Punkte-Liste konnte nicht einmal bis 3. abgearbeitet werden)
- Angst vor der Öffentlichkeit und nun auch ganz akut keine Lust mehr, ihre anderen Töchter + Enkel zu besuchen (höchstens eine einstündige Autofahrt entfernt, sie sagt am Tag davor, dasss sie sich freut mitzukommen, am nächsten Tag hat sie spätestens eine Stunde vorher Kopfschmerzen, oder ein Pickel wird dann als "Krebs" abgestempelt und sie hält sich für infektiös)
- Zahnarztbesuch ging letztes Jahr noch, weiß leider nicht, ob das dieses Jahr klappt, aber nach den Besuchen ist sie auch erstmal kaputt und erleichtert
- In der Öffentlichkeit kann sie sich noch zurückhalten mit den Selbstgesprächen, klammert sich aber dann an ihre Kinder und beantwortet keine einzige Frage, nickt nur freundlich
- am besten geht es ihr, wenn sie stundenlang Musik hören kann
Mein Problem ist nun:
Wie bekomm ich eine Diagnose für sie und die passende Therapie?
Meine Mutter spricht nur wenig und eingeschränkt Deutsch (ich glaube, sie hat einfach aufgrund der Schizophrenie keine Ressourcen dafür übrig gehabt (und nebenher noch 4 Kinder großzuziehen)) und keiner ihrer Töchter spricht Thai. Gegenüber einer Übersetzerin würde sie ihre Symptome nie zugeben und gegenüber einer Psychaterin auch nicht. Aber dann kann doch auch keine Diagnose stattfinden? Eine Psychiaterin kann sich ja nicht nur auf das Wort der Töchter verlassen. Sollte ich sie filmen oder Tonaufnahmen anfertigen lassen, diese übersetzen lassen, an eine Psychiaterin schicken und dann später mit meiner Mutter einen Termin wahrnehmen? Würde einem Psychiater das ausreichen? Es gibt in München eine Thai-Psychaterin, aber dass ist viel zu weit weg für meine Mutter. Ich versuche noch Thai zu lernen, aber für mich ist es echt schwer.. Zwangseinweisung kommt nicht in Frage, da wäre das Vertrauensverhältnis völlig gestört. Mit der regelmäßign Tabletteneinnahme hätte meine Mutter keine Probleme. Und egal bei welchen Arzt: Meine Mutter sagt immer, es ist alles in Ordnung. Was ist, wenn es über die Jahre aber eine somatische Ursache hätte? Meine Mutter kann sich seit ein paar Jahren auch die Geburtstage ihrer Kinder nicht merken. (Bei Schizophrenie ist eine Abnahme der Gehirnmasse ja erwiesen, aber kann dass die einzige Ursache sein?) Eine Krankenhaustour wollte ich ihr gerne ersparen. Meine älteste Schwester ist zwar fertig mit dem Medizinstudium, will aber nicht wahrhaben, dass es bei unserer Mutter über eine Depression hinausgeht. Dazu muss ich sagen, dass ich im Rahmen meiner Krankenschwesterausbildung fast 2 Monate in der Psychiatrie war und dort mit Schizophrenen Patienten gearbeitet habe. Und ich dort meine Mutter stark wieder gefunden habe. Außerdem sieht meine Schwester meine Mutter seit > 10 Jahren vlt. nur 2x im Jahr. Eine meiner Schwestern lebt noch zu Hause und versucht meine Mutter zu unterstützen. Die meiste Zeit ist meine Mutter aber relativ fröhlich, wenn sie den ganzen Tag machen kann, was sie möchte.Deswegen wäre vlt. auch nur eine Akutmedikation nötig, oder?

Ich freue mich über qualifizierte und kreative Antworten zu meinen Problem. Zögert bitte nicht, Fragen zu stellen.

LG

Benutzeravatar
Su Wang
Beiträge: 64
Registriert: Mi 11. Nov 2015, 01:16

Re: Diagnosestellung meiner Mutter (sehr geringe Sprachkenntnis)

Beitragvon Su Wang » Sa 23. Jan 2016, 03:20

Schwarzhaarig hat geschrieben:Sollte ich sie filmen oder Tonaufnahmen anfertigen lassen, diese übersetzen lassen, an eine Psychiaterin schicken und dann später mit meiner Mutter einen Termin wahrnehmen? Würde einem Psychiater das ausreichen? Es gibt in München eine Thai-Psychaterin, aber dass ist viel zu weit weg für meine Mutter.
Hallo Schwarzhaarige,

Ich denke, kein verantwortungsvoller Psychiater wird sich darauf einlassen, Deine Mutter ambulant zu behandeln. Wenn, kann dieses Defizit der Sprachbarriere einzig bei stationärer Aufnahme halt notdürftig abgefangen werden, wo sie dann durch Fachpersonal rund um die Uhr beobachtet werden könnte, nachdem man ja wissen muß, wie eine Medikation wirkt. Hieße also, daß ein niedergelassener Psychiater, den Ihr aufsuchen würdet, sie gerade nur in ein Spital einweisen würde.

Wie das auf Deine Mutter wirkt, wirst Du Dir ausmalen können. Und sogar ich kann es, nachdem ich in einem normalen Spital Patienten erlebt habe, die sich dort wie wilde Tiere fühlten, die man in einen Käfig gesperrt hatte. Dagegen hilft alle Zuwendung des Personals nichts. Noch weit schlimmer dann sicherlich, wenn sie an der Psyche erkrankt sind.

Genau nicht viel anders würde die Wirkung sein - falls sich überhaupt ein Psychiater drauf einlassen würde -, wenn Deine Mutter mitbekäme, daß da Film- oder Tonaufnahmen von ihr gemacht werden, die der Arzt später zu seiner Verfügung hat. So sehr man daraus erkennen kann, wie besorgt Du um Deine Mutter bist, es würde sehr wahrscheinlich wohl nach hinten losgehen.

Bei der Behandlung der Seele ist nun mal die Sprache unabdingbar; mindestens, daß man sie schreiben können müßte dann.

Wenn Du das recherchiert hast mit dieser aus Thailand stammenden Psychiaterin in München, dann wird Dir nichts anderes bleiben, als dort zu fragen, ob sie's dann machen würde.

Für Hinreise und Unterkunft für diese Tage, wenn Ihr eben auf ambulanter Behandlung besteht, wird nachher halt die Familie aufkommen müssen. Ich glaube nicht, daß eine Kasse da etwas zuschießt, weil der Fall diese Besonderheit hat. Denn mit diesen Kriegsflüchtlingen da jetzt werden solche Fälle wahrscheinlich en masse vorkommen, nachdem etliche auch traumatisiert sein werden, und da ist Spitalsbehandlung schon das Höchste, was überhaupt nur vorstellbar ist.

Llllleona 5x.2
Beiträge: 114
Registriert: Mi 27. Jun 2012, 10:59

Re: Diagnosestellung meiner Mutter (sehr geringe Sprachkenntnis)

Beitragvon Llllleona 5x.2 » So 10. Sep 2017, 21:10

gelöscht
Zuletzt geändert von Llllleona 5x.2 am Di 12. Sep 2017, 20:54, insgesamt 1-mal geändert.
Manchmal ist mein Glas halbvoll,
manchmal ist mein Glas halbleer,
manchmal ist das Leben toll,
manchmal ist das Leben so besch*** wie ein verschissenes Katzenkisterl...

Llllleona 5x.2
Beiträge: 114
Registriert: Mi 27. Jun 2012, 10:59

Re: Diagnosestellung meiner Mutter (sehr geringe Sprachkenntnis)

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Di 12. Sep 2017, 21:14

Wie verständigst du dich eigentlich mit mit deiner Mutter?
Du hast geschrieben, dass sie die meiste Zeit fröhlich ist. Gibt es auch Zeiten, in denen ihr die Krankheit zu schaffen macht? Da könnte man ansetzen, sich mit ihr auseinanderzusetzen, ihr sagen, dass Hilfe möglich ist. Oder in Zeiten, wenn es ihr offensichtlich schlecht geht, sie darauf ansprechen (für denn Fall, dass sie wahrnehmen kann, dass es ihr schlecht geht).
Gibt es in eurer Umgebung eine_n Allgemeinmediziner_in, der/die thai spricht? (für den Fall, wenn eine erste Auseinandersetzung gelungen ist)
Wenn deine Schwester zumindest eine Depression anerkennt, hätte sie einen Lösungsansatz, wie man deiner Mutter helfen könnte?
Manchmal ist mein Glas halbvoll,
manchmal ist mein Glas halbleer,
manchmal ist das Leben toll,
manchmal ist das Leben so besch*** wie ein verschissenes Katzenkisterl...


Zurück zu „Diagnostik und Differentialdiagnostik“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste