Rückfallgedanken? Tipps & Tricks

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empyror
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Rückfallgedanken? Tipps & Tricks

Beitragvon empyror » So 10. Jul 2016, 10:44

Guten Tag die Damen und Herren!

Ich bin 30 Jahre alt und neu hier im Forum.

Uuuund natürlich liegt mir auch schon ein interessantes Thema auf dem Herzen!

Ich hatte 2012 eine Psychose, die laut meinem Neurologen sehr sehr schwach war, aber die hat mir schon gereicht ;)

Ich konnte im Endeffekt immer schlechter ein- und durchschlafen. Meine Gedanken kreisten umher und man hat sich über jeden Scheiss Gedanken gemacht. Bevor ich dann endlich den Termin beim Neurologen bekam, konnte ich fast vier Tage am stück höchstens mal eine Stunde oder wenn überhaupt zwei schlafen. Das hat mich quasi wahnsinnig gemacht ;)

Der Neurologe hat mich für 3 Wochen zuerst krank geschrieben und meinte ich soll mir eine Auszeit gönnen. Dazu verschrieb er mir noch Amisulprid-Tabletten, welches ich zuerst in einer höheren Dosis nehmen sollte und mit der Zeit halt immer weniger. Diese haben super gewirkt und ich konnte wieder schlafen, aber wie ihr sicher wisst, war man am Anfang gut neben der Spur! Ich dachte auch am Anfang, dass ich es jetzt geschafft habe und wohl mein Leben lang so "behindert" bleibe. Aber alles normalisierte sich nach einer sehr kurzen Zeit wieder.

Auf jeden Fall hatte ich, als ich die Tabletten ganz abgesetzt habe, natürlich in Absprache mit meinem Neurologen, einen kleinen Rückfall. Habe dann wieder die Tabletten genommen und alles war gut. Habe auch keine Nebenwirkungen, außer das ich etwas zu genommen habe, was mir aber relativ egal ist, da es mir viel wichtiger ist, dass ich klar im Kopf bin und nicht ob ich mal eine Zeit lang paar Kilo mehr auf den Rippen habe.

Auf jeden Fall denke ich, dass ich den Grund für den Rückfall kenne und es so nicht wieder passieren wird, aber leider ist dieser kleine Funken an Prozent-Möglichkeit, dass es doch passieren kann in meinem Hinterkopf und irgendwie finde ich, dass mich dieser Gedanke in meinem freien Sein hemmt. Ich finde, dass ich in manchen Situationen zu passiv bin, da ich mich lieber schonen will in Sachen Stress in zwischenmenschlichen Beziehungen. Früher bin ich keiner Auseinandersetzung aus dem Weg gegangen und habe meinen Standpunkt immer vertreten. Jetzt sind mir die Mühen für diverse Auseinandersetzungen, sei es auf der Arbeit oder im Privaten, viel zu lästig und ich tendier einfach meine Klappe zu halten, aber das ist nicht richtig. Was gesagt werden muss, muss auch gesagt werden, auch wenn es zu verbalen Auseinandersetzungen kommt! Sehr ihr das auch so?
Oder meint ihr, diese diese Passivität auch einfach mit dem "Alter" und "Reife" kommt? Ich denk mir manchmal halt einfach, dass ich mich jetzt nicht aufregen sollte, da es sonst eskaliert, aber manchmal sollte man sich doch auch aufregen und Tacheles reden! Ich finde in solchen Situationen verleugne ich mich selber und quasi alles aus der Angst, dass mich dieser zwischenmenschliche Streit so mitnimmt und ich quasi einen Rückfall erleiden könnte, weil mich das so abfuckt!

Wie seht ihr das ganze?

Und noch wichtiger,

wie haltet ihr das mit der Angst vor einem Rückfall? Habt ihr Tipps und Tricks für mich?



Alles klar,

Vielen Dank für eure Zeit!

LG

Empy

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fluuu
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Re: Rückfallgedanken? Tipps & Tricks

Beitragvon fluuu » Do 14. Jul 2016, 19:30

Hier antworte ich etwas als Therapeut. Jede Psychose, auch eine kleine hat Ursachen im Alltag, es ist eine Flucht aus der Realität und
wenn man die Gründe weiß, warum man vor der Realität flüchten möchte, dann weiß man auch wann die Gefahr für einen Rückfall aufkommt.
Sich aufregen weil einem etwas nicht passt ist auch schon eine Flucht denn die Realität ist nicht Schuld, sie ist für alle Menschen gleich und unabänderlich, demnach liegt es nicht an der Realität wenn man selbst Probleme bekommt sondern an der eigenen Haltung zu dieser Realität.
Diese Haltung lässt sich gestalten und so lässt sich auch bewusst beeinflussen ob ein Rückfall, die Flucht, notwendig ist oder nicht.
Sich nicht aufregen sondern es so gestalten, dass man damit leben kann könnte eine Lösung sein um Psychosen zu verhindern.
Um diese Fähigkeiten zu erlangen ist jedoch Übung, Lernen und Training notwendig, kurz gesagt das Wachstum im Leben.
Wer sich darauf konzentriert und somit positiv beschäftigt ist verschwendet kaum noch Gedanken auf Flucht, Rückfall oder andere
destruktive Ereignisse im Leben, er tut es jetzt, trauert nicht der Vergangenheit nach oder ersehnt sich die Zukunft der Erfüllung wegen.
Das Entscheidende im Leben passiert im Moment und wenn dort darauf geachtet wird das alles gesund ist, es ist vor allem der Atem,
dann gibt es keinen Grund zur Flucht und somit auch nicht für einen Rückfall.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

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Laura
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Re: Rückfallgedanken? Tipps & Tricks

Beitragvon Laura » Sa 16. Jul 2016, 13:21

Hallo empyror!

Auf "politischer" Ebene nennt sich das Auf- oder Abrüsten oder auch Wettrüsten. In der Schwäche muss man halt viel vorher ungekannte Schmach ertragen.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.


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