venlafaxin seroquel kombinieren

Hier hinein gehören alle Fragen und Beiträge zum Thema Psychopharmaka, medikamentöse Therapie, Dosierung, Kombinationstherapie, Unverträglichkeiten, Wechselwirkungen etc.
freedom2015
Beiträge: 1
Registriert: Mo 14. Sep 2015, 15:56

venlafaxin seroquel kombinieren

Beitragvon freedom2015 » Di 15. Sep 2015, 21:41

Hallo,

ich habe folgende frage: ich nehme 300mg quetiapin retard und bis jetzt noch 150 mg venlafaxin retard. Mein Arzt sagte, dass er das venlafaxin noch auf 225mg erhöhen möchte, weil es seiner meinung nach dann noch besser gegen ängste wirkt. Ich habe gelesen, dass das venlafaxin ab ca. 150mg auch den norardrenalin spiegel erhöht und das quetiapin auch noradrenerg wirkt. Wäre der noradrenalinspiegel, in dieser Kombination vielleicht nicht zu hoch, sodass vermehrt nebenwirkungen wie z.b. starke unruhe auftreten könnten.
venlafaxin gegen therapierefraktäre zwangsstörung/ängste. seroquel/quetiapin gegen leichte schizoaffektive störung.
danke und viele grüße

Benutzeravatar
fluuu
Beiträge: 2544
Registriert: Di 13. Sep 2005, 13:32
Kontaktdaten:

Re: venlafaxin seroquel kombinieren

Beitragvon fluuu » Do 17. Sep 2015, 11:16

Die medikamentöse Therapie lässt sich so isoliert nicht beurteilen, die chemischen Prozesse des Wirkstoffs allein geben keinen Aufschluss,
es gehört die eigene Geschichte und die Persönlichkeit des Betroffenen dazu um es richtig einzuschätzen.
Deshalb ist die Verhandlung mit dem Psychiater in der Sprechstunde die beste Methode um für sich das Optimum zu erreichen.
Sollte die Skepsis und das Hinterfragen beim Arzt nicht ausreichen in Bezug auf die Medikamente, sondern Du willst ihn mangels Vertrauen
mit wissenschaftlichen Fakten aufs Kreuz legen, dann ist die positive therapeutische Beziehung in Frage gestellt.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4096
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: venlafaxin seroquel kombinieren

Beitragvon Remedias » Sa 19. Sep 2015, 15:40

Die Frage ist , was der Psychiater sich dabei denkt:
Seroquel wird auch als add- on für Antidepressiva gegeben, das heißt, Antidepressiva wirken dann besser;
ich nehme mal an, deine schizoaffektive Störung geht momentan weniger mit Psychose, sondern eher mit depressiver Stimmung und Ängsten einher, in diesem Fall ist naheliegend, das Antidepressivum zu erhöhen.
Und bei einer psychotischen Erkrankung werden Antidepressiva überhaupt nur mit ausreichendem neuroleptischen Schutz gegeben, da diese Medikamentenklasse Psychosen auslösen kann.
300 mg Seroquel ist eine mittlere Dosis.


Wichtig bei dieser Kombi: Dein Prolaktinspiegel sollte überwacht werden, er kann sich erhöhen und dann bekommst du u. a. Milchfluss.
http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php ... n%C3%A4mie
Das ist zwar nicht gefährlich, kann aber u. a. zu Ängstlichkeit und depressiver Stimmung führen, also genau das, was du mit dieser Medikamentenkombi eigentlich bekämpfen möchtest.

Ich habe gelesen, dass das venlafaxin ab ca. 150mg auch den norardrenalin spiegel erhöht und das quetiapin auch noradrenerg wirkt. Wäre der noradrenalinspiegel, in dieser Kombination vielleicht nicht zu hoch, sodass vermehrt nebenwirkungen wie z.b. starke unruhe auftreten könnten.
Die Frage ist sachbezogen und zeigt, dass du als Patient mitdenkst , da haben nicht alle Ärzte etwas dagegen. Stell Sie beim nächsten Termin doch deinem Psychiater. :wink:

Gruß Remedias

Tom Sawyer
Beiträge: 69
Registriert: So 18. Okt 2015, 20:43

Re: venlafaxin seroquel kombinieren

Beitragvon Tom Sawyer » Mo 19. Okt 2015, 17:46

Da stimme ich zu. Mit wissenschaftlichen Fakten sollte man niemanden aufs Kreuz legen. Das ist gemein. Vor allem im Bereich der Esoterik. Was die substanzbedingten Erhöhungen oder Reduktionen bestimmter Botenstoffe innerhalb oder außerhalb der Zellen insbesondere bei kombinierten Präparaten angeht, ist guter Rat teuer. Ich fürchte, da ist der Arzt auf das Vertrauen des Patienten angewiesen.

Grüße

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4096
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: venlafaxin seroquel kombinieren

Beitragvon Remedias » Di 20. Okt 2015, 13:44

Mit wissenschaftlichen Fakten sollte man niemanden aufs Kreuz legen. Das ist gemein. Vor allem im Bereich der Esoterik
Medizin steht doch im Anspruch, evidenzbasiert zu sein, oder? https://de.wikipedia.org/wiki/Evidenzbasierte_Medizin
Und was ist bitte gemein daran, wissenschaftliche Argumente gegen Esoterik ins Feld zu führen?
Ich fürchte, da ist der Arzt auf das Vertrauen des Patienten angewiesen.
Ja, richtig.
Wenn man wirklich ständig besser informiert ist als der Arzt ( ich meine jetzt "wirklich", und nicht nur, dass ich mir das einbilde) ist der Arzt einfach schlecht in seinem Beruf und man sollte ihn wechseln.
Ab und zu kann das aber passieren. Ein Arzt hat nicht die Zeit, alle Fachartikel zu lesen, die rauskommen, sonst hätte er keine Zeit mehr für die Patenten.
Wenn ich zu meinem Arzt gehe, bringe ich für gewöhnlich den Artikel mit, auf den ich mich beziehe.
Mein Arzt reagiert dann so: "Interessant, diese Studie - darf ich mir eine Kopie machen?"

Durch seine Reaktion vertraue ich ihm aber NICHT WENIGER, sondern MEHR.
( Hat allerdings auch eine Weile gedauert, solche Ärzte zu finden.)

Wichtig ist vielleicht noch, dass es mir NICHT darum geht, recht zu behalten oder den Arzt aufs Kreuz zu legen.
Was hätte ich davon?
Ich will doch die bestmöglichste Behandlung für mein Leiden und mein Vertrauen zum Arzt sollte sein, dass er das auch will -
mein Vertrauen geht aber nicht dahin, dass ich ihn für unfehlbar halten muss.

Möchte aber dazu sagen, dass dieser sehr verstandesmäßige Zugang zur Arzt- Patientenbeziehung vielleicht nicht für jeden Patienten das Richtige ist. Das muss jeder Patient entscheiden.



Mit freundlichen Grüßen Remedias


Zurück zu „Psychopharmaka und Psychopharmakotherapie“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Google [Bot] und 2 Gäste