Modewort „Burn-out“ ist zu unpräsize

Die Begriffe "Burnout" bzw. das "Burnout-Syndrom" sind in aller Munde und polarisieren Betroffene und Gesellschaft. Ernstes psychisches Leiden mit zweifelhafter Prognose oder überwindbare Wohlstandsneurose?
-> Basis-Infos zum Thema "Burnout
Mirjam
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Modewort „Burn-out“ ist zu unpräsize

Beitragvon Mirjam » Sa 12. Nov 2011, 10:34

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/4 ... aesize.htm

aerzteblatt Donnerstag, 3. November 2011

Modewort „Burn-out“ ist zu unpräsize

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Remedias
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Re: Modewort „Burn-out“ ist zu unpräsize

Beitragvon Remedias » Sa 12. Nov 2011, 14:59

Burn-out kommt auch im ICD- F nicht vor. Wenn die Ärzte es mit den KK abrechnen, müssen sie es ohnehin unter "Depression" verbuchen.

Mirjam
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Re: Modewort „Burn-out“ ist zu unpräsize

Beitragvon Mirjam » Sa 12. Nov 2011, 16:09

Ich denk, es geht da um den Begriff 'Burn-out' wie er mittlerweile in der Bevölkerung kursiert. Ist ja fast schon ein Manko, wenn man noch keinen hatte (alles faule Säcke...) :mrgreen: (Achtung: ist zynisch gemeint). Ich glaub, dass einige, die psychische Probleme haben, zum Beispiel auf der Arbeit 'Burn-out' angeben, weil das mehr hermacht. Also, Burnout, der hat das, weil er zu viel gearbeitet hat, das ist ja mal was Positives. Was meiner Ansicht nach aber ok ist.

Oder?

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fluuu
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Re: Modewort „Burn-out“ ist zu unpräsize

Beitragvon fluuu » Fr 25. Nov 2011, 12:38

Natürlich ist Burn-out ein Mode- bzw. Businessbegriff für eine Form von Depressionen
aber hat jemand etwas anderes behauptet?
Es geht dabei jedoch nicht nur um zu viel gearbeitet sondern um Ausbrennen.
Es sind Menschen mit starkem Ehrgeiz und zu hohen Ansprüchen an sich selbst,
sie opfern eher sich als anderen etwas zu nehmen. Um diese Menschen ist es
schade denn sie sind nicht egoistisch werden aber ausgenutzt.
Hatte mehrere Burn-out Klienten zur Behandlung und noch viel mehr für die
vorbeugende Maßnahmen wichtig waren damit es nicht zur Erkrankung kommt.
Somit ist Burn-out eine typische psychische Störung der Gegenwart in der westlichen
Welt mit großem materiellem Schwerpunkt und wenig Aufmerksamkeit auf Seele oder
Bewusstsein.
Diese psychische Störung hat einen neuen umgangssprachlichen Begriff um neu auf
das Phänomen zu schauen und passt in die konservativen Muster der psychologischen
Medizin nicht hinein, sie hält fest am Prinzip, nur der Egoist kann gewinnen.
So folgen ein paar Schulmediziner ihrer eigenen Ordnung die sie im Griff haben und
da kommt die Bezeichnung Burn-out (Depressive Episode ICD10-F32.-) nicht vor.
Wer den Begriff Burn-out anerkennt akzeptiert, dass der Siegeszug des westlichen
Egoisten der nach materiellen Werten als Besitz strebt einen Wandel erfährt.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

Mavros
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Re: Modewort „Burn-out“ ist zu unpräsize

Beitragvon Mavros » Fr 28. Jun 2013, 16:44

So, ein paar Monate sind verstrichen, man kann wieder antworten.

:)

Der Artikel ist gut. Vor allem die Gefahr der Illusion von einer Selbstüberforderung oder Überforderung durch andere. Im Grunde ist das, was krank macht, kein Objekt der Innen- oder Außenwelt, sondern die - hauseigene - Reaktionsbildung. Dieses Reaktionsschema ist kein Objekt, das ist man quasi selbst.
Es geht dabei jedoch nicht nur um zu viel gearbeitet sondern um Ausbrennen.
Es sind Menschen mit starkem Ehrgeiz und zu hohen Ansprüchen an sich selbst,
sie opfern eher sich als anderen etwas zu nehmen. Um diese Menschen ist es
schade denn sie sind nicht egoistisch werden aber ausgenutzt.
Was mir zu der Opferhaltung einfällt, ist vielleicht ein etwas extremes Beispiel - das frühere ritualisierte Leid der Regenten im Reich der Maya, oder ähnliche praktische Ausführungen anderer Kulturen, die sich dem Opferkult verschrieben haben. Der Regent führte dem eigenen Körper Wunden in dem Glauben zu, dass dadurch der Frieden seines Volkes oder gar der Welt gewährleistet wird. Außer der Verletzungen des Kriegers ist keine andere Wirkung eingetreten. Trotz dieser Umstände - der Regent hat in der damaligen Gesellschaftsordnung eine privilegierte Stellung erreicht, und daran kann man auch den wahren Sinn einer Opferhaltung erkennen; sie hat für die Gemeinschaft keine Vorteile, im Gegenteil, diese wird durch daraus resultierende Machtverhältnisse gefordert. Das alles kann man allegorisch auf jede Situation übertragen, in der jemand vorgibt, sich für einen anderen zu opfern und dabei selbst zu leiden. Die Idee nicht damit zufrieden zu sein, was man ist, sondern sich unter Druck setzen, erst jemand anders werden oder Leistungen vorweisen zu müssen um nach den eigenen oder fremden Vorgaben mithalten zu können, geht bekanntermaßen entweder aus einer narzisstischer Ideologie, oder aus der Not der neurotischen Abwehr, aus dem Minderwertigkeitsgefühls hervor.

Im Gegensatz dazu bedeutet echte Hilfe (auch Selbsthilfe) eine konkrete Hilfestellung. Die kann z. B. auf der materiellen Ebene im Extremfall vielleicht zur eigenen Verarmung führen, jedoch niemals zu einer psychischen Störung.


Liebe Grüße
Mavros
"Die Deutung des Unangenehmen als Machenschaft der Außenwelt macht aus dem Unangenommenen etwas Unannehmbares."

Dr. med. Michael Depner - seele-und-gesundheit.de

wolkenlos
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Re: Modewort „Burn-out“ ist zu unpräsize

Beitragvon wolkenlos » Mi 16. Apr 2014, 11:42

Hier ein schöner Artikel zu dem Thema: https://www.psycheplus.de/fakten/untern ... en-burnout

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Remedias
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Re: Modewort „Burn-out“ ist zu unpräsize

Beitragvon Remedias » Mi 16. Apr 2014, 11:58

Daher schlagen Experten im Kampf gegen die Zunahme des Burnout Syndroms die Möglichkeit einer 30 Stunden Woche vor. Wenn Arbeitnehmer mehr Zeit für sich in Anspruch nehmen können, könnten sie sich auch besser zum Job abgrenzen,
aus dem oben genannten Artikel.
Warum weniger Arbeitszeit? Warum nicht die Arbeitsbedingungen menschenwürdiger, verhältnismäßiger zu gestalten? Bei guter Arbeit = einer sinnvollen, in großen Maßen selbstbestimmter und selbstwirksamer Arbeit, die dazu auch noch menschenwürdig bezahlt wird, sollte es der Mensch doch 38 bis 40 Stunden durchhalten!
( Und wenn der Job und das Umfeld schon schiete sind, hält man es auch keine 30 Stunden durch! Selbst Menschen mit Halbtagsjob kommen dann in einen Burnout)

Mit freundlichen Grüßen remedias


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