Eigene Erfahrung

"Mobbing" selber ist natürlich keine psychische Krankheit ist, verursacht aber häufig psychische Folgeschäden bis hin zu manifesten psychischen Krankheiten. Hier ist Platz für Ihre persönlichen Erfahrungen sowie Hinweise auf Hilfsangebote.
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PsychoTante
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Re: Eigene Erfahrung

Beitragvon PsychoTante » Mo 3. Okt 2011, 00:24

So meine Lieben :D Jetzt setze ich mich wie versprochen mal hin und beantworte die ganzen Antworten, auf meinen letzten Beitrag.

Angelita: Vielen Dank auch für Ihre Antwort. Ich möchte mich auch sehr für das Mitgefühl und die netten Worte bedanken.
Es war fast erschreckend, wie viel Anteil Sie genommen haben und wie viel Anteil alle genommen haben - also ich meine, niemand zuvor hat sich so für meine Geschichte interessiert, hat mir so "zugehört" und es auch mal als das angesehen, was es für mich war: grausam.
Allerdings möchte ich auch sagen, dass es genug Kinder gibt, die noch viel schlimmere Sachen aushalten mussten - sie wurden von ihren Eltern geschlagen, wuchsen bei Alkoholikern auf, werden vom eigenen Vater oder Verwandten vergewaltigt, über Jahre, wie man es in letzter Zeit so häufig hört. DAS ist noch viel viel schlimmer!
Ich danke Ihnen natürlich wie gesagt sehr für die Antwort und freu mich immer wenn Sie Ihre Meinung zu meinen Beiträgen abgeben!


Remedias: Wie wahr sind deine Worte. Und es fällt mir so schwer zu akzeptieren - zu akzeptieren was war, wer sie sind, zu akzeptieren dass ich wohl nie erfahren werde, warum sie das getan haben und vor allem, was für mich einen sehr großen Punkt darstellt: zu akzeptieren, dass alle diese Personen nicht mal einsehen was sie mir angetan haben (Mitschüler) oder dass sie überhaupt etwas schlimmes getan haben, etwas unrechtes (Eltern).
Das mit der Schwester, das du beschreibst, stelle ich mir auch furchtbar vor. Ich würde es als einen Verrat ansehen, wenn sich jemand mit denen abgibt, die mich verletzen - jemand der mir so wichtig ist. Wie hast du das gesehen?


Klaus: Es ist wahnsinn wie du es schaffst, die Sache in 1 Satz zusammen zu fassen (dein allererster Satz vom Absatz)! Es ist etwas, das ich nie geschafft habe.
Die Sache mit der Rolle der Mutter, ist auch etwas, das mich beschäftigt. Sie hatte keinesfalls eine Opferrolle, im Zusammenhang mit ihm gesehen. Nur hält sie einfach so oft den Mund. Auch heute noch. Und wenn sie ihn dann mal aufmacht, ist sie inzwischen von dem geprägt, was er ihr eingetrichter hat - ohne dass sie es bemerkt.
Ich weiß es mag klingen als ob ich nicht mehr alle Tassen im Schrank hätte. Niemand, der das nicht über die Jahre mitbekommen hat, kann sich das vorstellen oder es glauben. Aber es verhält sich wirklich folgendermaßen: Über die Jahre hinweg, hat er es geschafft, meine Mutter auf seine Seite zu ziehen. Früher hat mir meine Mutter oftmals geholfen. Auch mal zu ihm gesagt das war nicht richtig (es geht jetzt um kleine Dinge) - auch wenn ihn das nicht interessiert hat.
Ihm hat es nicht gepasst, dass meine Mutter "auf meiner Seite" war, mir geholfen und beigestanden hat. So hat er sie sich zurechtgebastelt, sie sozusagen hintenrum ohne dass sie es merkt so "gemacht", dass sie auf seiner Seite ist. Sie sozusagen aufgehetzt. Ich weiß nicht wie er das geschafft hat - aber er war ein Meister darin.
Bei Ungerechtigkeiten gegen mich, hält meine Mutter heute den Mund. Wenn sie ihn einmal aufmacht, dann nur, um ihm beizupflichten (natürlich schön vor ihm, damit er sich noch freuen kann - aber auch wenn er nicht dabei ist) und auch noch verbal auf mich einzuschlagen, mir zu sagen dass das scheiße war was ich gemacht habe, dass ich es falsch gemacht habe, dass ICH die Schuldige bin. Und er lehnt sich nur noch entspannt und lächelnd zurück und hat genau erreicht was er wollte.
Mehrfach habe ich versucht, dies meiner Mutter anhand von Beispielen aufzuzeigen. Aber sie glaubt mir nicht. Sie sieht es nicht oder will es nicht sehen. Sie sieht nicht wie er sie manipuliert hat und es immernoch tut. Sie steht jetzt auf seiner Seite. Ich fühle mich nicht mehr wohl, ich fühle mich nicht mehr daheim, ich fühle mich nicht mehr wie die Tochter und ein Teil einer Familie, sondern wie ein dummes, lästiges Anhängsel. Wann immer ich versuche ihr das klar zu machen, ihr meine Gefühle zu zeigen, sagt sie nur was das für ein Quatsch wäre, verdreht genervt die Augen, geht weg oder wechselt das Thema.
Und der Punkt, den du von der Mutter hattest, die tatenlos zusieht was der Vater der Tochter antut, ist ja genau das, was ich auch gesagt habe. Anscheinend stehe ich nicht allein mit dieser Meinung da. Wie gesagt, solch ein Mann würde von mir was zu hören kriegen. Und wenn er es nicht unterlassen würde, würde er ganz schnell vor der Tür sitzen. Für mich persönlich (es ist nicht schlimm wenn meine Mutter das nicht so sieht, dieser Satz bezieht sich nur auf mich, auf mein zukünftiges Familienleben) ist ein Kind wichtiger als der Mann, im Notfall. Soll heißen: Wenn du dich entscheiden musst (wie z.B. in solch einer Situation wie bei mir) so entscheide dich für dein Kind. Mit dem Kind ist man verwandt, es trägt einen Teil deiner Gene, der Mann nicht. Natürlich ist auch mir ein intaktes Familienleben am wichtigsten - aber wohl auf einer anderen Ebene als "normal" (was jetzt nicht heißt dass ich nicht normal wäre :wink: ). Für mich ist es wichtig, dass Kinder zwar ihre Grenzen kennen, das heißt gut erzogen werden und sich auch so benehmen, dass aber alle auf einer Ebene stehen. Kein "Ich bin der Mann im Haus, außer mir hat niemand was zu sagen!" oder ein "Die Eltern kriegen alle ein großes Sofa zum ausstrecken...für die Kinder reicht ja der unbequeme Sessel" (dabei geht es natürlich nicht um den Sessel, sondern mehr um das was dahinter steht, dieses "die Eltern sind mehr wert, danach kommen erst die Kinder). Und für mich ist es auch wichtig, dass sich jeglicher Ehestreit nur unter den Partnern abspielt. Das heißt, gibt es ein Thema über das man in Streit geraten würde und man ist z.B. gerade bei Freunden, trägt man das Ganze zuhause aus - nach außen hin hat das niemanden zu interessieren. Es gehört sich nicht. Das hat nichts mit "nach außen hin schön tun" zu tun, sondern damit, dass man dem Partner nicht in den Rücken fällt, ihn nicht vor den Mitmenschen schlecht hinstellt, denn: bin ICH sauer auf meinen Partner, heißt das nicht dass er ein "beschissener" Mensch ist. Es gibt einfach Ungereimtheiten die geklärt werden müssen und das geht nur die Eheleute etwas an. Nach außen hin ist man ein Paar, nicht nur daheim. Das heißt auch, dass ich auch draußen und vor anderen als Paar auftrete und nicht als Einzelkämpferin auftrete, die bei Freunden über ihren Partner ablästert.

Ja Klaus, einen Erfahrungsaustausch möchte ich schon. Mir ging es aber auch darum, über dieses Thema sprechen zu können. An Menschen zu geraten, die sich auch mal dafür interessieren. Und nicht ständig auf Leute zu treffen, denen es sonstwo vorbei geht. Die "jaja" sagen, wie man es ständig erlebt.
Und es gefällt mir sehr, dass Andere ihre Meinung und ihre Gedanken dazu abgeben. Vielleicht auch von ähnlichen Situationen erzählen. Oder durch das, was sie selbst aus einer Therapie mitgenommen haben, entsprechend etwas sagen können. Es ist für mich eine neue und interessante Erfahrung, was andere Menschen zu meiner Geschichte sagen. Und es tut einfach unheimlich gut! In mir sind, entgegen dem was du denkst, tausende Fragen. Es sind Fragen die ich einfach nicht in klare Worte fassen kann - aber viele von ihnen sind durch euch alle hier, durch eure Beiträge und euer Feingefühl, Mitgefühl schon beantwortet worden. Ihr habt mir schon so viel geholfen und so viele Punkte zum Nachdenken gegeben!
Der Satz der dir ins Auge gestochen ist, mit der akzeptierten Person, ist dir zurecht aufgefallen. DAS ist das Thema, das mich heute beschäftigt - das ist das verwandelte Damals...wie soll man sagen. Es ist das, was die Vorfälle damals an Einfluss auf heute nehmen. Ich will es erklären. Wann immer ich heute irgendwohin komme, wo ich neu bin oder wo ich zumindest ein paar neue Leute kennenlerne, fühle ich mich zwar nicht unwohl, aber ich denke automatisch in mir (es geht automatisch), dass diese Leute mich nicht mögen oder vielleicht nicht mögen. Dass sie mich vielleicht hässlich finden. Dass sie vielleicht dumm finden was ich sage usw. Man kann also ganz klar die Punkte von damals darin erkennen. Und es hat noch etwas mit mir gemacht: Es ist mir enorm wichtig, dass Menschen mich mögen, sympathisch finden, gern mit mir zusammen sind und mich hübsch finden. Frauen wie Männer - bei Männern ist es aber noch stärker. Dabei ist es egal wie alt die Person ist (außer es ist Oma oder Opa) oder wie hübsch oder "hässlich" (das Wort war jetzt nur zu erklärungszwecken, nicht um jemanden zu beleidigen) die Person ist.
Außerdem entschuldige ich mich häufig, möchte Situationen aufklären, die bei meinem Gegenüber vielleicht falsch angekommen sind - wodurch er sauer sein könnte, beleidigt oder verletzt. Wodurch er schlecht über mich denken könnte und/oder diese schlechten Gedanken als Lästern an Andere weitergeben könnte.
Ich sage nicht dass das normal ist oder dass es gut ist. Mir ist klar dass das übertrieben und nicht gerade förderlich ist, um neue Menschen kennen zu lernen. Und mir ist auch klar, dass das anderen Menschen oftmals gehörig auf die Nerven geht. Aber ich kann es einfach nicht ändern. Was immer ich auch versuche oder extra nicht mache, es wird immer noch schlimmer!
Und jetzt, wo ich das hier so erkläre, aufzähle, wird mir im Moment erst bewusst, wie sehr jeder Punkt zu dem Mobbing in Schule und Elternhaus von früher passt (siehe entschuldigen, findet er/sie mich hässlich usw.)! Schon allein dafür müsste ich euch wieder danken...!
Ja Klaus, Selbstmitleid mag nicht gut sein. Ich würde es aber auch nicht als Selbstmitleid einstufen, was ich da habe/mache. Nur leide ich noch immer unter dem was war. Ich habe es nicht verarbeitet und ich habe das Gefühl, dass es mich mein ganzes Leben lang begleiten wird. Und ich kann es meinem Vater niemals verzeihen. Ich möchte sowas auch gar nicht verzeihen!
Ich bin kein nachtragender Mensch. Mit mir kann man über alles reden und ich kann nicht lange böse sein - das ist alles kein Problem. Aber DAS ist für mich etwas, das kann und möchte ich nicht verzeihen! Niemals. Es ist nicht zu entschuldigen. Und ich weiß, dass ich diesen Menschen nicht mehr als Teil meines Lebens haben möchte. Ich weiß auch, dass er definitiv nicht dabei sein wird, wenn ich heirate. Er hat an meinem Leben nicht mehr Teil zu haben.
Jetzt würde mich dieser von dir erwähnte Fluuu wirklich mal interessieren, du hast mich neugierig gemacht :mrgreen:
Ich verstehe was du über die Rolle der Mutter sagen willst. Sie hat mir auch sehr wehgetan, indem sie nichts getan hat (besonders der Vorfall mit dem Heim!) und sie hat mich sehr enttäuscht. Trotz allem hat sie mich nicht so verletzt wie mein Vater (den ich lieber als meinen Erzeuger bezeichne, inzwischen - seltsamer Weise, das passt ja sehr interessant zusammen, als würde mein Inneres aus mir sprechen, habe ich es nie geschafft ihn "Papa" oder "Papi" zu nennen, ihn also so anzusprechen). Und trotz allem haben wir eine besondere Beziehung, die ich um nichts in der Welt hergeben würde. Niemals würde ich sie im Stich lassen und sie ist für mich neben dem Mann den ich liebe der wichtigste Mensch auf dieser Welt. Sozusagen hat alles das was sie "nicht getan hat" unserem Verhältnis nichts nichts angetan.

Wegen den Strickpullis hast du irgendwie was falsch verstanden :-s (Und das hat jetzt nichts mit dem Protest zu tun, mit dem du schon gerechnet hast :wink: )
Ich hatte ganz normale Kleidung, in der ich mich auch wohl gefühlt habe. Die sich auch nicht von der der Anderen unterschieden hat. Nur hat meine Mutter auch gerne gestrickt und hat mir so einige sehr hübsche Pullover gestrickt. Mit schönen Mustern, aufgenähten großen Knöpfen, Glitzer usw.
Und das war keineswegs was Schlechtes. Mir haben diese Pullis sehr gefallen. Ich habe mich immer über neue gefreut. War immer ganz verrückt drauf, wenn wir zusammen in der Stadt waren und ich mir neue Wolle aussuchen durfte.
Der Punkt mit den "hässlichen Kleidern" war so: Es gab also in dieser 3. Klasse eine Schülerin, die ziemlich "arm" angezogen war. Sie lief wirlich in den letzten Fetzen rum (worüber ich niemals etwas gesagt hätte, es ist schließlich die Sache jedes Einzelnen, wie er herumlaufen möchte). Die meinte dann zu mir, dass ich immer so hässliche Pullover tragen würde. Man sieht ganz klar: sie war einfach neidisch. Sie wusste dass meine Mutter sie selbst strickt. Etwas das ihre Mutter für sie nicht tat. Nein, sie musste alte abgetragene Kleidung anziehen. Es war der blanke Neid. Auch mir ist es damals schwer gefallen das zu merken, aber heute ist es mir klar. Also nichts gegen die Strickpullis :mrgreen:


Und zum Abschluss meines Buches :lol: möchte ich euch so zwischendrin mal allen danken! Ihr helft mir wirklich sehr mit euren Beiträgen und ich lese sie gerne. Klaus, du unterschätzt das hier: ihr habt schon eine Menge für mich getan, auch wenn es keine Therapie ist.
VIELEN LIEBEN DANK AN EUCH ALLE! Bitte macht immer so weiter, ihr seid super. (ich werde mich im Forum bei den anderen Themen auch mal unters Volk mischen und meinen Senf dazu abgeben).

Liebe Grüße an alle

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Re: Eigene Erfahrung

Beitragvon Remedias » Mo 3. Okt 2011, 14:16

Das mit der Schwester, das du beschreibst, stelle ich mir auch furchtbar vor. Ich würde es als einen Verrat ansehen, wenn sich jemand mit denen abgibt, die mich verletzen - jemand der mir so wichtig ist. Wie hast du das gesehen?

Hallo, PsychoTante,
es hat dazu geführt, dass ich meiner Schwester nicht mehr vertraut habe. Unser Verhältnis wurde ziemlich schlecht. Und auch das zu meinen Eltern, die mir ständig vorgeworfen haben, "ich wäre halt so komisch, und deshalb wolle niemand mit dir befreundet sein." Ich hatte immer das Gefühl, mit mir stimmt was nicht, weil sich alle von mir abwandten.
Noch eine Frage: Wie haben eigentlich deine Eltern auf das Mobbing in der Schule reagiert? Haben sie es mitgekriegt?

liebe Grüße Remedias

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Re: Eigene Erfahrung

Beitragvon PsychoTante » Mo 3. Okt 2011, 14:43

Also hast du die gleiche Meinung über das Thema mit der Schwester. Ich dachte nur ich denke wieder so. Blut ist eben doch nicht immer dicker als Wasser :???: Richtig so, man muss sich nicht alles gefallen lassen und alles verzeihen können, nur weil es jemand aus der Familie war.
Und dass die eigenen Eltern soetwas sagen, wie du geschrieben hast, das finde ich unverschämt. Echt unglaublich. Die Eltern müssen zum Kind halten! Und so kann man das gleich mal überhaupt nicht formulieren.
Ja natürlich haben das meine Eltern mitbekommen. Wie gesagt waren sie dann sogar mal in der Schule, aber als es nicht funktioniert hat, haben sie es auch gelassen. Sie wussten alles, ich habe ja immer alles erzählt und geweint.

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Re: Eigene Erfahrung

Beitragvon Remedias » Mo 3. Okt 2011, 18:01

Wenn meinem Kind so etwas passieren würde, würde ich es von der schule nehmen. Und in eine andere schicken. Oder ins Ausland. Auf jeden Fall irgendwohin, wo sie nicht auf seinem Selbstwertgefühl herumtrampeln und es zu einem unglücklichen Menschen machen.

liebe Grüße Remedias

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Re: Eigene Erfahrung

Beitragvon PsychoTante » Mo 3. Okt 2011, 21:49

Das hätte ich sowieso nicht mitgemacht. Ich war da immer etwas...wie soll man sagen...eigen, komisch, ängstlich, bequem :-k :

Die Schule war ein paar hundert Meter von unserer Wohnung weg. In keinem Fall hätte ich in eine andere Schule gewollt, trotz allem (gut, irgendwann war ich so weit, da hätte ich auch das getan).
Genauso wie ich trotzdem (mit meinen 22 Jahren!) noch hier an daheim gefesselt bin und nicht so wirklich ausziehen will, obwohl ich hier so "gequält" wurde und eigentlich froh sein müsste, endlich weg zu kommen.

Ich habe nie verstanden warum das so ist.

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Re: Eigene Erfahrung

Beitragvon Klaus W » Mo 3. Okt 2011, 23:11

Hallo Psychotante,

ich laß das einfach mal so stehen und werde nur auf ein paar Dinge eingehen. Zu den Pullovern, ok, das lief dann bei Dir offensichtlich nicht über häßliche Sachen wie ich annahm. Ich teile Deine Schlußfolgerungen in Bezug auf Erziehung, für das Kind dazusein.

Ich finde gut daß Du beschreibst daß Du denkst daß Du nicht gemocht wirst, und die Verbindung zu Deiner Vergangenheit herstellst - die Leute sind alle ganz normal, man selbst ist es, der die Angst, das Minderwertigkeitsgefühl, den Haß, etc., in sich trägt. Das ist ganz wichtig.

Entschuldigen würde ich mich übrigens für gar nichts. Entschuldigen ist eine Unsitte. Man übernimmt dadurch Verantwortung für Dinge die gar nicht in der eigenen Verantwortung liegen, und das kehrt sich gegen einen selbst. Indem Du Dich entschuldigst weil vielleicht etwas falsch angekommen ist, bekundest Du, daß Du Deine Aussage als falsch siehst. Möglicherweise mißversteht Dich der Andere erst nach der Entschuldigung, übernimmt damit Deine Meinung. Entschuldigen ist ganz schlecht.
Entscheidend ist alleine, wie Du es meinst. Und Du hast einen Grund etwas zu sagen. Ob der andere Dich mißversteht ist sein Problem. Im Wortsinne kann sich ohnehin niemand von etwas ent-schuldigen, was bereits passiert ist. Es gilt: Nicht entschuldigen sondern beim nächsten Mal anders machen. Und jeder kann mal Fehler machen. Wenn das passiert, keine Gedanken machen, kein schlechtes Gewissen aufkommen lassen, einfach weitermachen. Wenn sich jemand beschwert, sich vor dem anderen stattdessen Selbstabsolution geben: Kann doch jedem mal passieren, Du machst doch auch Fehler. Auf der Schiene.

Und zum übereinander reden, mir ist sowas egal was die Leute von mir reden, das kann ich eh nicht verhindern. Sollen sie sich die Mäuler zerreißen, ist mir alles egal. Mein Verhalten gilt. Entscheidend ist allein, was jemand im direkten Gespräch zu einem sagt, ausschließlich das gilt.

Als Abschluß: Für Dich wäre wichtig nicht nur den Vater sondern sogar noch intensiver die Mutter zu hinterfragen. Es geht bei beiden einerseits um das "Was", also was ist passiert, da weißt Du beim Vater schon recht gut Bescheid, allerdings, als notwendiger Abschluß auch das "Warum". Ich habe es schon einmal gesagt und wiederhole die Frage: "Warum haben sich Deine Eltern verhalten wie sie es taten. Was war ihre Motivation, und wieso sind sie selbst so geworden wie sie sind." Das wäre Therapieinhalt, das können wir nicht erschöpfend hier abhandeln.
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

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Re: Eigene Erfahrung

Beitragvon Remedias » Di 4. Okt 2011, 12:49

Das hätte ich sowieso nicht mitgemacht. Ich war da immer etwas...wie soll man sagen...eigen, komisch, ängstlich, bequem :-k :

Die Schule war ein paar hundert Meter von unserer Wohnung weg. In keinem Fall hätte ich in eine andere Schule gewollt, trotz allem (gut, irgendwann war ich so weit, da hätte ich auch das getan).
Genauso wie ich trotzdem (mit meinen 22 Jahren!) noch hier an daheim gefesselt bin und nicht so wirklich ausziehen will, obwohl ich hier so "gequält" wurde und eigentlich froh sein müsste, endlich weg zu kommen.

Ich habe nie verstanden warum das so ist.
Bei mir ist gerade das Gegenteil passiert; ich wollte früh nix wie weg in die weite Welt und mich neu erfinden; einfach eine Andere werden und das ist mir zum Teil gelungen. In einer Disco traf ich einen der Haupt-Mobber wieder; er machte mir Komplimente über mein neues Aussehen; wir unterhielten uns leichthin; später erfuhr ich, dass er ins Gefängnis gekommen war wegen einer Drogensache - und ich happy , yepp, das hatte er verdient. Meine Eltern, meine Umwelt verstanden meinen starken Freiheitsdrang nicht. Ich fing zwei Ausbildungen an, brach sie ab und ging letzendlich studieren. Über meine Vergangenheit erzählte ich die tollsten Geschichten und ich wurde magersüchtig; jetzt war ich eine Weile die Dünnste, die Tollste; ich jobbte in Spanien und genoß es, dass so viele Männer hinter mir her waren. Ich war Aschenputtel gewesen und jetzt endlich wurde ich die Prinzessin.

liebe Grüße Remedias

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Re: Eigene Erfahrung

Beitragvon PsychoTante » Di 4. Okt 2011, 13:02

Hallo Klaus,

was du über das Entschuldigen und darüber schreibst, was Andere denken, wenn ich etwas sage - du hast Recht. Und ich weiß auch dass das so ist wie du schreibst. Das ist auch meine Meinung. Aber das lässt sich leider nicht so einfach umsetzen.
Einige Male habe ich mich jetzt schon dazu gezwungen das mal nicht aufzuklären. Die Situation dafür als Beruhigung für mich (irgendeinen Ersatz brauche ich ja, wenn ich schon nichts zu dieser Person sagen darf :mrgreen: ) noch einmal durchzugehen à la "Was genau habe ich gesagt? Wie würde ich es auffassen, wenn es jemand zu mir sagen würde? Ok und jetzt nochmal in ehrlich :mrgreen: Und wie hat es diese Person jetzt anscheinend aufgenommen?" Mimik usw..
Aber immer klappt das nicht. Sogar eher seltener. Da muss ich wohl nochmal ran :roll:

Irgendwie gibt es so viele Baustellen in meinem Leben, momentan. Ich weiß gar nicht so recht was jetzt am wichtigsten ist und wo ich überhaupt anfangen soll.

Die Rolle der Mutter zu bedenken, ist schon richtig. Aber ich glaube trotzdem, dass du in meinem Fall die Mutter viel zu wichtig nimmst.
Sie hat damals nichts getan (also mir nichts angetan). Natürlich hat sie auch in wichtigen Momenten nichts getan (mir nicht geholfen) und mich damit verletzt. Aber sie war größtenteils die "beste Person", die Person die ich am meisten liebte und immernoch liebe. Ich habe ihr das Wenige verziehen. So schlimm fand ich das nicht.
Sie ist meine Mutter und nichts kann uns trennen - das ist doch das Wichtigste, so soll es doch sein! :)
Eher JETZT verletzt sie mich, indem sie auf seiner Seite steht und sich seine "Unarten" aneignet, mir gegenüber. Und es verletzt mich, dass sie, wann immer ich ihr meine Gefühle darüber sage und wie es mir in dieser und jener Situation geht, wie das was sie tut bei mir ankomt, sagt das wäre Quatsch (also "so ist das nicht"-mäßig).
Dabei will sie nicht sehen, dass ich davon spreche WIE ES BEI MIR ANKOMMT - und damit zwar das verurteile was sie tut, aber nicht sage "Du bist so schlecht und machst das falsch", sondern "immer wenn...fühle ich mich...und finde das...und dann denke ich immer (du).../(ich)...". Sie ändert nichts daran.
Sie kommt mir immer nur mit "Du bist jetzt 22 Jahre alt". Aber bin ich deswegen nicht mehr ihre Tochter? Das ist die große Frage die ich immer stelle. Denn auch wenn ich 22 Jahre alt bin, ist sie noch meine Mutter und ich bin für sie da und behandle sie anständig und ich bin immernoch ihre Tochter und erwarte das Gleiche das ich ihr gebe.
Ich frage dich als unbeteiligten Dritten: Ist das wirklich zu viel verlangt?

Ich habe in einem deiner Beiträge gelesen dass du dich für Psychologie interessierst, seit du 18 bist. Gut, so viele Jahre wie da bei dir zusammen gekommen sind :mrgreen: bringe ich nicht zusammen. Aber auch ich interessiere mich schon seit einigen Jahren für Psychologie und Psychiatrie (noch mehr). Es freut mich, dass ich jemand gleichgesinnten gefunden habe :) Das Spannende daran ist auch, dass es auch mich selbst betrifft und ich so ein bisschen an mir selbst "rumdoktern" kann, indem ich mich in die Thematik einlese und mich wiedererkenne. Ausprobiere wie die Seele auf bestimmte Vorgehensweisen reagiert. Es hat mir total Spaß gemacht, mich z.B. mit meiner Angst vor Aufzügen "selbst zu therapieren" und zu sehen dass es funktioniert :)

Liebe Grüße, PsychoTante


Remedias: Respekt dass du dich getraut hast raus und weg zu gehen! So weit. Wow. Und ich glaube es dir gerne, dass du es genossen hast, mit den Männern. Auch für mich war es eine ganz neue Erfahrung, zu sehen und zu spüren, dass es tatsächlich Männer gibt, die mich gut finden, interessant finden, mit mir flirten, sich in mich verlieben und sich eine Beziehung mit mir vorstellen können. Ich genieße es immernoch, wann immer mich ein Mann auch nur ansieht. Es hat für mich eine viel größere Bedeutung, als es für andere Menschen jemals haben könnte.
Was du mit der abgebrochenen Ausbildung und den Eltern die das alles nicht verstanden haben erzählst, verwundert mich jetzt. Schon wieder haben wir was gemeinsam :mrgreen: Ich dachte bisher das hängt einfach so mit mir zusammen, denn auch ich breche gerade meine Ausbildung ab, um eine andere zu beginnen, möchte aber eigentlich mein Abitur nachholen und studieren :D Aber vielleicht hängt das weniger mit uns als Menschen zusammen, sondern viel mehr mit uns und unserer Vergangenheit? Vielleicht sind wir sowas wie "rastlos" geworden dadurch?

Klaus W
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Re: Eigene Erfahrung

Beitragvon Klaus W » Di 4. Okt 2011, 13:09

Genauso wie ich trotzdem (mit meinen 22 Jahren!) noch hier an daheim gefesselt bin und nicht so wirklich ausziehen will, obwohl ich hier so "gequält" wurde und eigentlich froh sein müsste, endlich weg zu kommen.

Ich habe nie verstanden warum das so ist.
Weil es trotzdem immernoch "Hotel Mutti" ist, mit allen Annehmlichkeiten, trotz aller Probleme. Trotz allen Ärgers wirst Du versorgt. Du protestierst und genießt gleichzeitig die Vorzüge. Du mußt raus, mußt ausziehen, Dein Ding alleine machen, auf eigenen Füßen stehen.
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

Klaus W
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Re: Eigene Erfahrung

Beitragvon Klaus W » Di 4. Okt 2011, 13:14

Psychotante,

zum Entschuldigen, das Wissen ist die eine, das Umsetzen die nächste Sache. Für den Anfang genügt daß man es weis und sich bemüht. Man schafft es eben so gut man kann, manchmal auch nicht. Ist alles ok.

Die Rolle der Mutter wird oft unterschätzt. Deine Mutter spricht aber ein wahres Wort wenn sie sagt "Du bist jetzt 22". Sie will wahrscheinlich auch daß Du rausziehst in die Welt, Dein Ding machst. Das wäre ein Geschenk an Dich wenn sie selbst in diese Richtung interveniert, Dich ziehen lässt, das fällt vielen Müttern schwer. Lieben tut sie Dich trotzdem. Irgendwann muß man sich einmal von der Mutter trennen und sein eigenes Ding machen. Sie kann nicht ewig für Dich dasein. Sie hat Ihr Bestes gegeben.
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

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Re: Eigene Erfahrung

Beitragvon PsychoTante » Do 6. Okt 2011, 02:36

Ich bin ja dabei auszuziehen. Und mit "Hotel Mama" hat das nichts zu tun. Ich leiste hier daheim mehr als die Beiden zusammen =;
Nur will mein Vater das jetzt irgendwie nicht einsehen. Also nicht dass er mich nicht gehen lassen würde, das denke ich nicht. Aber er war sehr verwundert, als er das so nebenbei erfahren hat. Und jedes Mal wenn das Thema wieder zur Sprache kommt, tut er wieder genauso als hätte er nichts davon gewusst und ist ziemlich verwundert. Ich verstehe das gar nicht. Er ist dann aber beleidigt, wenn ich ihm die gleiche Geschichte nicht zum 10. Mal erzählen will.
Und irgendwie werde ich auch immer wieder weich, wenn ich an meine Mama denke. Ich bin einfach ein Mama-Kind :roll: ich weiß es.
Das ist aber eigentlich gar nicht das Problem, das regelt sich schon - und wenn es mir mal zu viel wird, dann packe ich schon meine Sachen.

Das Problem ist immernoch das früher in der Schule, das daheim das teilweise immernoch anhält und die Auswirkungen auf heute - und dabei ist das Problem, dass ich keine Therapie machen werde, so lange sich nicht rausstellt, dass es nicht stimmt, dass sich drüber informiert wird, ob man selbst in Therapie war, wenn man als Psychiaterin arbeiten möchte. Und dabei bin ich - wie schon im anderen Beitrag erwähnt - in einer Zwickmühle, denn ich glaube sowieso keinem mehr, der jetzt das Gegenteil behauptet. Also eigentlich auswegslos :-k

Klaus W
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Re: Eigene Erfahrung

Beitragvon Klaus W » Fr 7. Okt 2011, 11:12

Gut, das jetzt im Einzelnen auseinanderzunehmen warum es Dich bei Deinen Eltern hält, es sei dahingestellt.

Wegen den Voraussetzungen für eine Therapeutenausbildung, es muß irgendeinen offiziellen Verband oder eine Stelle geben die für Ausbildung zuständig ist. Da würde ich direkt fragen.
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

PsychoTante
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Re: Eigene Erfahrung

Beitragvon PsychoTante » Fr 7. Okt 2011, 12:53

Danke Klaus, da werd ich mich mal auf die Suche machen :-k


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