Managed Care

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Franz Engels
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Managed Care

Beitragvon Franz Engels » Mi 2. Mai 2007, 09:41

Managed Care und Integrierte Versorgung - Neue Paradigmen im Gesundheitswesen

Begriffe wie "Managed Care", "Budgetverantwortung", "Evidenzbasierte Medizin (EBM)", "Qualitätssicherung", "medizinische Versorgungsqualität", "Effizienz" u.v.m. prägen zunehmend die gesundheitspolitischen Debatten.

Die verschiedenen Begriffe bezeichnen unterschiedliche Inhalte, zielen aber im gesundheitspolitischen Kontext im Kern auf dasselbe: auf die Steuerung der praktischen Medizin von aussen mit der Vorgabe, die Kosten zu senken und dem Versprechen, gleichzeitig die medizinische Qualität zu verbessern.

Die Konzepte sind tiefgreifend, es ist die Zeit der Weichenstellung! Der jetzige, hervorragende internationale Ruf sowohl des schweizerischen als auch des deutschen Gesundheitssystems gründet auf der Verpflichtung jedes Arztes, nach Massgabe seines Fachwissens und gemäss dem Wohl des Patienten zu handeln, auf dem freien Zugang jdes Patienten zum Arzt seines Vertrauens sowie auf dem uneingeschränkten Schutz des Arztgeheimnisses.

Unter Managed Care richtet sich Art und Umfang der ärztlichen Tätigkeit neu nach einem von aussen vorgegebenen "Budget". Der Arzt ist somit unter Managed Care-Bedingungen nicht mehr uneingeschränkt dem Wohl des einzelnen, konkreten Patienten verpflichtet, sondern dem Gesamtbudget aller Versicherten. Er übernimmt sozusagen einen Teil des "Versicherungsrisikos"! Für die Kalkulierung des Ausgangsbudgets und die Aushandlung von Budget-Überschreitungen wird es zudem notwendig sein, persönliche Daten des Patienten in weit grösserem Umfang als bisher an die Versicherer zu liefern. Die den Ärzte damit auferlegte schwierige Gratwanderung zwischen ökonomischen Zielvorgaben und Wohl des Patienten wird naturgemäs zum Balanceakt für die eigentlichen Betroffenen, die Patienten.

Die Initiative für diese tiefgreifende Umstellung des Gesundheitssystems auf Managed Care oder Integrierte Versorgung kommt vorwiegend von medizinfremden Interessegruppen (Politik, Wirtschaft u. a.), also von medizinischen Laien. In deren Mund erscheinen die Konzepte als der Schlüssel zu einer besseren Medizin: kostengünstig, für jeden Bedürftigen verfügbar und zugleich auf dem höchsten medizinischen Niveau.

Was aber sagen Sie als betroffene Patienten, Angehörige oder Professionelle dazu? Wie erleben Sie die zunehmenden Eingriffe und Vorgaben in die therapeutische Arbeit? Gibt es spürbare Verbesserungen der medizinischen Qualität? Gibt es spürbare negative Auswirkungen? Versprechen, dabei gleichzeitig die medizinische Qualität zu verbessern.

Ich hoffe auf eine spannende Diskussion zu diesem brisanten gesundheitspolitischen Thema.

Franz Engels
Das Gegenteil ist nur die Rückseite derselben Medaille.

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fluuu
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Re: Managed Care

Beitragvon fluuu » Mo 20. Jun 2011, 12:53

Hallo,
nach ungefähr einem Jahr ein neuer Beitrag.
Und sind schon mal Psychos auf die Straße gegeangen, um für ihre Rechte zu kämpfen?
Doch, der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener veranstaltet Demos gegen die aktuelle Politik.
Meine Erfahrung ist jedoch bei psychischen Störungen, dass das Problem im Inneren,
in der Persönlichkeit selbst zu finden ist, da sind äußere Umstände eher Begleiterscheinungen.
Das Wesentliche ist der Kern und der wird weder von Krankenkassen noch von der Politik allgemein
berücksichtigt, kann im Einzelnen auch nicht und deshalb behält jeder für sich die Verantwortung.

Managed care ist ein Steuerungsmodell innerhalb des Gesundheitswesens, es gibt noch andere.
Sie alle haben eins gemeinsam, die Beachtung der ökonomischen Verhältnisse in der Medizin.
Da vermute ich einen grundlegenden Konflikt, gesundes Leben gekoppelt an materielle Werte.
Besteht Heilen darin dem Defizit einen großen finanziellen Aufwand gegenüber zu stellen?
Auf dem Gesundheitsmarkt ist es das gängige Modell, wer am meisten investiert bekommt die
beste Qualität, auch durch das Kassenmodell abgesichert.
Aber worin besteht die Qualität?
Im Luxus des Krankenhauszimmers?
In der Zahl der angeschlossenen elektronischen Apparate?
Dass der alte Chefarzt persönlich ans Bett kommt und nicht nur die junge Krankenschwester?
usw.

Wenn es um die Qualität im Bereich Gesundheit geht kommt man um die philosophische
Frage nach dem Sinn des Lebens nicht herum.
Ist es für die Gesundheit förderlich wenn das Skalpell des Chirurgen vergoldet ist?
Wahrscheinlich nicht, das kann man sparen denn eins aus Stahl erfüllt den selben Zweck.
Es ist doch in den Köpfen, vergoldet, teuer, materieller Aufwand ist gut für die Gesundheit
und weniger die Gefühle des Chirurgen der sie über seine Hand ausdrückt während er den Schnitt macht.

So werden die Rechenmodelle hin und her geschoben im Gesundheitswesen und immer neue erfunden
um den Geldfluss zwischen krank und gesund aufrecht zu halten.

Eine Alternative zu den materiellen Heilungsversuchen bei denen immer mehr nachgeschoben werden
muss um Erfolg zu haben sind die geistigen Heilungsverfahren die direkt auf das Gehirn wirken ohne
Umweg der materiellen Belohnung.
Auf geistiger Ebene ist es möglich den Stoffwechsel im Gehirn so anzusprechen, dass es selbstständig
Stoffe ausschüttet die zu Wohlbefinden führen und somit eine heilende Wirkung haben.
Es sind die Endorphine die immer dann aktiv werden wenn etwas passiert besser als erwartet.
Wenn man nun krank ist und negative Gefühle hat, was ist dann besser als erwartet?
Dass der Arzt ein CT verschreibt?
gruß fluuu

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