Dissoziation beim Kleinkind?

Hier hinein gehören Beiträge, die sich spezifisch auf die oben genannten und andere Entwicklungsstörungen im Kindes- und Jugendalter sowie den sich daraus ergebenden Schwierigkeiten z. B. in der Schule und bei der Erziehung ergeben
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Mozkita
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Dissoziation beim Kleinkind?

Beitragvon Mozkita » Di 2. Nov 2010, 04:05

Ich bin nach langer Zeit mal wieder hier, weil ich mir Sorgen um den Sohn meines Freundes mache.

Zur Vorgeschichte: mein Freund hat einen 3 Jahre alten Sohn mit seiner Ex-Freundin, welche ihn wiederum während der Schwangerschaft finanziell und emotional ausgenommen und kaum war das Kind da, betrogen hat. Sie kommt aus schwierigen Familienverhältnissen, scheint schwer traumatisiert zu sein und für mich schreit alles nach Persönlichkeitsstörung.
Sie hat 5 Ausbildungen angefangen und alle nach wenigen Wochen abgebrochen, weil "ist nix für sie". Die Kerle gingen dann bestimmt 2 Jahre ein und aus bei ihr. Mittlerweile lebt sie von Hartz4 und hat null Einsicht und auch keinen Bock, was zu machen.
Sie ist mit einem Typen zusammen, von dem sie psychisch total abhängig zu sein scheint. Er ignoriert ihr Kind eiskalt und wann immer es geht und lässt ihn deutich spüren, dass er nict willkommen ist (psychische Misshandlung?), die beiden streiten 24/7 und haben eine on-off-Beziehung wie aus dem Bilderbuch. Am Ende des Monats reicht ihr Geld nichtmal, um ihren Sohn mit den Öffentlichen aus der Nachbarstadt abzuholen (beim Vater). Da werden dann sämtliche Familienmitglieder meines Freundes mobilisiert, damit er irgendwie nach Hause kommt (beide ohne Auto/Führerschein). Ich persönlich VERSUCHE mich aus dem Theater rauszuhalten, damit ich der Mutter nicht an die Gurgel springe. Darum hab ich von vorn herein gesagt, Fahrdienst zu Mama is nich, sorry.

Letztes Wochenende war der Kleine bei seinem Vater und ich war eben auch da. Jedenfalls fiel mir plötzlich auf, dass seine Augen am eitern und er total quängelig war. Mein Freund hat dann Fieber gemessen und er hatte fast 40°C. Haben dann versucht, die Mutter zu erreichen, HANDY AUS!!! SInd dann mit dem Kleinen in die Kinderambulanz vom KH gefahren, wo er auch Medikamente gegen Fieber und die Bindehautentzündung bekommen hat. Die Mutter hatte ihr Handy im Endeffekt das ganze Wochenende aus und als mein Freund das Kind zurückgebracht hat sagte sie nur "achja, mein Handy is kaputt. Sorry."

So, jetzt habe ich einige Verhaltensauffälligkeiten bei dem Kleinen festgestellt. Bin mir nicht sicher, ob ich mir die nicht irgendwie einbilde.
Muss dazu sagen, ich hab lange Zeit mit gesunden Kleinkindern und Kindergartenkindern gearbeitet und glaube, ich kann Vergleiche ziehen. Da ich allerding keine Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen oder Auffälligkeit im Kindesalter habe, erhoffe ich mir Hilfe von hier.

Ein Beispiel: ich habe das Gefühl, dass er dissoziiert. Er fängt an, etwas zu erzählen, verheddert sich in seinen Sätzen und zwar so lange, bis sie keinen Sinn mehr ergeben. Fängt dann an, in Babysprache weiterzureden, ört plötzlich auf, dreht sich um und geht weg. Auf die Frage "was wolltest du sagen?" kommt dann ein "wann?" oder "weiß nicht mehr". So in der Art kam es schon öfter vor, mich irritiert das total. Teilweise gleitet sein Blick einfach ins Leere und es ist schwer, ihn zurückzuholen. Ich habe dann den Eindruck, dass sein Gehirn "abschaltet". Überreizung?

Außerdem nässt er noch ein. Und zwar (laut Aussage meines Freundes), weil er "vergisst, dass er eigentlich trocken ist". Ich weiß aus meiner Zeit als Patientin in der KiJuPsychiatrie noch, dass das oft als Symptom einer PTBS gewertet wurde. (Instabile Familienverhältnisse? Keine Tagesstruktur? Wechselnde Bezugspersonen? Viele Umzüge in seinem kurzen Leben?)


Er reagiert auch oft für sein Alter sehr seltsam. Als mein Freund ihm sagte, er müsse zum Arzt, eine Spritze bekommen sagte das Kind "Ja, aber nur eine". Als ich ihm sagte, dass wenn er sein Bett auf dem Wohnzimmertisch mache und dort schliefe, Rückenschmerzen bekäme satge er "das ist nicht schön" und räumte sofort alles an seinen Platz. Vielleicht liegt es an mir, ich war ein Sturkopf, aber ich kann mir nicht erklären, warum ein Kind in dem Alter nichtmal die Ambition hat, trotzig zu reagieren? Schon allein aus dem Grund, weil er seine eigenen Entwicklungspsychologischen Erfahrungen machen und "ausprobieren" muss.

Vieleicht bin ich auch nur so extrem besorgt, weil ich selbst die Belastung kenne, die eine traumatisierte Mutter mit sich trägt.

Mein Freund sagt dazu nur "sie kümmert sich gut um ihn". Damit ist der Fall geklärt.


Reagiere ich über? Ist eine PTBS bei einem so kleinen Kind unter diesen Umständen vorstellbar?

Bunte Grüße
Moz
Jede Kunst ist zu Anfang Oberfläche und Symbol. Wer unter die Oberfläche geht, tut dies auf eigene Gefahr. Wer das Symbol deutet, tut dies auf eigene Gefahr.
(Oscar Wilde)

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