Kinder mit narzisstischen Eltern

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FrankaZiss
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Kinder mit narzisstischen Eltern

Beitragvon FrankaZiss » Di 8. Jan 2013, 11:50

Hallo Zusammen,

ich melde mich nach fast 2 Jahren zurück. Kurz zur Info: Bei mir wurde eine Persönlichkeitsstörung mit abgängigen und selbstunsicheren Anteilen diagnostiziert. Dadurch entwickelten sich Ängste bis hin zum Burnout.

Mittlerweile geht es mir recht gut und ich hatte viel Zeit den Dingen auf den Grund zu gehen.

Ich habe lange gebraucht, aber durch Hilfe anderer erkannt, dass viele Probleme sich entwickelten, weil ich eine narzisstische Mutter habe, was ich lange überhaupt nicht gesehen habe (ich war meiner Mutter regelrecht hörig).

Vielleicht gibt es jemanden, mit dem ich mich austauschen kann und der von seinen Erfahrungen berichten kann.

Es gibt leider nicht viele Leute, die mir glauben oder mich verstehen (außer mein Mann, er ist ein Goldschatz). Meine Mutter spielt nach außen immer die perfekte Mutter. Desweiteren möchte ich auch niemanden in der Familie da mit rein ziehen, sodass sie nicht noch in der Schusslinie ihrer Machtspielchen stehen.

Also habe ich so nicht viele Personen mit denen ich mich austauschen kann.

Freue mich über eure Berichte.

Lieben Dank

Eure Franka

cake
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Re: Kinder mit narzisstischen Eltern

Beitragvon cake » Di 8. Jan 2013, 13:25

Hallo Franka!

Es muss schlimm sein, wenn man sich durch die eigene Mutter- wie fremdgesteuert entwickelt.

Vermutlich hast Du Deine Bedürfnisse gar nie erkennen oder leben dürfen.

Das ist sehr schade.

Hast Du denn noch Kontakt zu Ihr?

Schön, dass Du einen " Goldschatz" gefunden hast- das freut mich sehr :wink: :wink: :wink:
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FrankaZiss
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Re: Kinder mit narzisstischen Eltern

Beitragvon FrankaZiss » Di 8. Jan 2013, 15:24

Hallo Cake,

Vielen Dank für deine Antwort. Ich habe zu ihr keinen Kontakt. Sie versucht aber immer wieder in mein Leben zu treten und mich emotional unter Druck zu setzen.

Ich bin gerade dabei mich komplett abzunabeln, weil sie mir immer wieder das Leben schwer macht.

Leider werden jetzt andere für ihre Machtspielchen missbraucht. Mir tut meine kleine Schwester Leid (sie ist 10 Jahre jünger als ich). Meine Mutter will sich bei mir rächen und tut das auf ihrem Rücken.

Das Thema ist ganz schön komplex. Meine Mutter ist sehr raffiniert, was ihre Strategien angeht. Leider habe ich das bis vor kurzem nicht gemerkt. Ich war meiner Mutter hörig bzw. hat sie mich Jahre lang manipuliert und immer die Kontrolle über mich gehabt (obwohl ich mittlerweile knapp 600 km weit weg wohne).

Ja, ich einen Mann gefunden, der mir zeigt, dass das Leben schön sein kann. Vorher habe ich mir leider immer wieder Narzissten als Partner gesucht oder jemanden, um den ich mich kümmern musste/wollte. Mein Mann fing mich vor 2,5 Jahren auf, als es mir wegen der Burnout und Angststörungs-Geschichte sehr sehr schlecht ging und was soll ich sagen... Er ist bei mir geblieben :). Ich hatte wirklich sehr viel Glück.

Er hat das alles mit mir durch gestanden und wir sind jetzt glücklicher als je zuvor. Da kann man dann auch mal heiraten :)

Sicher bin ich auch durch ihn selbstbewusster und stark geworden, sodass ich endlich die Kraft habe mich zu wehren.

Ich will ihn aber nicht immer wieder mit dem Thema "meine Mutter" zumüllen. Für ihn gibt es nur eine Antwort "Reagier da nicht drauf".

Er hat aber keine narzisstischen Eltern. Die haben zwar andere Probleme, aber wie es mit diesem Thema kann er nichts sagen.

Deshalb möchte ich mich gerne mit anderen austauschen. Wie sie es geschafft haben. Und gibt es eine Hoffnung, dass das narzisstische Elternteil je eine Krankheitseinsicht hat und sich behandeln lässt? Kann es mal besser werden oder muss ich meine Mutter wirklich komplett abhaken?

Ich kann irgendwie noch nicht richtig loslassen. Sie ist ja meine Mutter. Aber wahrscheinlich bleibt mir nichts anderes übrig, oder?

Wie schaffe ich es loszulassen?

Fragen über Fragen.

Vielleicht meldet sich ja jemand dazu. Wenn nicht, melde ich mich parallel bei einem spezifischeren Forum an.

Ganz liebe Grüße

cake
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Re: Kinder mit narzisstischen Eltern

Beitragvon cake » Di 8. Jan 2013, 16:22

Wenn du merkst, dass es dir gut tut, dich zu lösen, dann mach es :wink:

Am besten schaust du erstmal nach dir und Deinem Glück.

Nun weiß ich nicht, wie alt deine kleine Schwester ist, und ob Ihr noch guten Kontakt habt. sonst könntest du ihr nur sagen, dass immer für Sie da bist.

Ob deine Mutter noch zu ner Änderung fähig ist, weiß ich nicht.

Ohne Therapie wird Sie wohl nicht auskommen.

Ich denke aber, dass sie gar nicht merkt, wie Sie sich verhält.
Narzissten haben ja immer wohl Recht.
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FrankaZiss
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Re: Kinder mit narzisstischen Eltern

Beitragvon FrankaZiss » Di 8. Jan 2013, 17:08

Meine Schwester ist gerade 18 geworden.

Mein Kontakt ist leider nicht mehr so gut. Meine Schwester steht unter dem Druck, dass meine Mutter sie wohl mit Demütigungen strafen wird, wenn sie Kontakt hat. D.h. meine Schwester tut alles um sie "unten" zu halten.

Wenn sie das tut, was sie möchte und ihr die Wünsche von den Augen abliest, wird sie die meiste Ruhe haben und muss ihren Zorn nicht spüren.

Meine Mutter ist auch immer so: "Zuckerbrot und Peitsche", d.h. auf einer Seite sagt sie:" Ruf deine Schwester an, sie ist doch deine Schwester", damit sie nach außen sagen kann, dass sie sich IMMER korrekt verhält und die perfekte Mutter spielt, aber auf der anderen Seite zählt sie meiner Schwester immer wieder Dinge auf (teils gelogen oder zu Ihren Gunsten verändert), die zwischen mir und meiner Schwester nicht so gut liefen: "Vergiss nicht, sie hat das und das getan"...
Oder sie erfindet was und trifft dann so Aussagen "die will dich nicht haben" oder "die interessiert sich nicht für dich".

Ich kenne sie da zu gut. Meine Schwester hat Angst, einfach nur Angst.

Wenn sie mit mir einen guten Kontakt hat, kann es sein, dass meine Mutter richtig ausrastet und sie so runterputzt, dass sie nicht weiß wohin. Immer wieder nachtreten und nachtreten, auch wenn man schon am Boden liegt.

Wenn man weint heißt es, man wäre empfindlich oder es wäre eine Masche. Sie verdreht alles. Am Ende fühlt glaubt man dann wirklich, man ist selber das Problem.

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Lilith
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Re: Kinder mit narzisstischen Eltern

Beitragvon Lilith » Di 8. Jan 2013, 17:56

Guten Tag FrankeZiss,
das hört sich nach ganz viel schlimmen an,
und es tat mir sehr leid deine Zeilen zu lesen.
Ich kann den Punkt wie schwer es ist sich zu lösen
durchaus nachvollziehen,
doch wie cake auch schon schrieb
was dir gut tut ist wichtig,
das solltest du im Auge behalten,
und auch tun.

Deine Mutter zieht dich immer wieder in eine emotionale Spirale,
und da kannst du ansetzten und
quasi einfach nicht mehr mitspielen.
(Einfacher gesagt als getan)
Aber ich denke wenn du dich da nicht mehr drauf einlässt,
kann sie dich auch weniger erreichen.

Was deine Schwester angeht,
das ist schwierig
weil du willst ihr ja nicht schaden.
Merkt deine Schwester wie deine Mutter ist?
Oder ist sie da noch vollkommen "naiv"?
Glaubt sie an die gute Mutter und vor allem
glaubt sie ihr alles was sie sagt?
Ich denke es ist wichtig das du deine Schwester zeigst
dass du noch für sie da bist,
so das deine Schwester irgendwann merken kann,
dass deine Mutter da einen Keil zwischen euch treibt und
nicht du!
Deine Schwester kann das leider nur selbst erkennen.
Ich verstehe aber auch das du das Leid deiner Schwester
nicht vergrößern willst,
so komm ich auch zu meiner Frage:
Habt ihr denn Möglichkeiten in Kontakt zu treten,
ohne das die Mutter davon erfährt?
Über Internet, hat sie ein eigenständiges Handy?
Briefe denk ich gehen nicht
weil die könnte die Mutter ja lesen.
Ich denke es ist wichtig das du ihr zeigst das
du da bist.

Ich finde es auch schön das du einen Goldschatz hast,
denn Goldschätze sind selten,
und der Satz:
Da kann man dann auch mal heiraten :)

denn find ich besonders schön,
darf man da gratulieren :wink: :D

Man merkt an dem was du geschrieben hast,
dass du deine Mutter durchschaust und
dich weniger von ihrem Machtspielchen beirren lässt.
Vielleicht hilft es
alte Sätze die vielleicht im hier und heute noch belastend sind,
für dich umzuschreiben.
So das du merkst das du eine Wertvoller und Liebenswerter Mensch bist
und das deine Mutter die ist,
die (Entschuldigung die Ausdrucksweise)
scheinbar "nicht mehr alle Tassen im Schrank hat".
Du kannst dein Leben gestalten,
und das ohne sie.
Sicher das weinende und das lachende Auge,
aber wenn man keinen Kontakt mehr hat
ist es manchmal besser.
Denn das schlimme an den Problemen mit den Eltern ist ja auch
dass man immer irgendwo die Hoffnung hat,
wie eine Sehnsucht,
dass die Mutter eine liebende Mutter ist.
Aber das wird immer wieder kaputt gemacht,
man wird immer wieder enttäuscht und in emotionale Erpressung
rein gezogen,
immer wieder zieht man sich da raus,
das kostet Kraft und die brauchst du evtl..
für dein eigenes unabhängiges Leben.

Ich denke auch nicht das deine Mutter sich ändern wird.
Leider.

Wichtig ist
das du für dich gut sorgst,
dass du Dinge tust die dir gut tun,
und das du mit erhobenem Kopf sagen kannst
Du (deine Mutter) hast nicht recht.
Denn du weißt es heute, so hoffe ich, besser.

Ich schreib wiedermal ums Thema ohne auf
irgendeinen Punkt zu kommen.
Daher lasse ich die Gedanken mal so stehen
und schick sie ab.

Grüße
Bin nur sporadisch hier, schau aber etwa zwei mal im Monat rein- geht aus Zeitgründen leider nicht anders.

"Coming back to where you started is not the same as never leaving."
A Hat Full of Sky- Terry Pratchett

FrankaZiss
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Re: Kinder mit narzisstischen Eltern

Beitragvon FrankaZiss » Mi 9. Jan 2013, 11:03

Finde ich sehr schön, was du geschrieben hast. Ich bin wirklich berührt.

Ja, ich bin an meine Schwester ran getreten. Per SMS und Anruf.

Antwort auf SMS bekam ich leider nicht von meiner Schwester und sie geht auch nichts ans Telefon.

Aber von meiner Mutter bekam ich Antwort. Also hat sie das auch unter Kontrolle.

Nein, meine Schwester ist da noch zu naiv. Ich mache ihr da auch keinen Vorwurf. Ich habe es ja selber bis vor kurzem nicht gemerkt was los ist.

Sie weiß, dass ich immer für sie da bin.

Ich werde es jetzt Ruhen lassen und an meiner Verarbeitung arbeiten.

Danke für eure Lieben Mails und der Beistand.

Hat mir wirklich geholfen.

Liebe Grüße

cake
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Re: Kinder mit narzisstischen Eltern

Beitragvon cake » Mi 9. Jan 2013, 17:21

Nein, meine Schwester ist da noch zu naiv. Ich mache ihr da auch keinen Vorwurf. Ich habe es ja selber bis vor kurzem nicht gemerkt was los ist.

Sie weiß, dass ich immer für sie da bin.

Ich werde es jetzt Ruhen lassen und an meiner Verarbeitung arbeiten.
Das finde ich richtig :wink:

Und glaub mir, Deine schwester macht Ihre Erfahrungen selber, und das ist gut so.

Und ganz wichtig- Sie hat dich im Hintergrund :)
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iris
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Re: Kinder mit narzisstischen Eltern

Beitragvon iris » Mi 19. Jun 2013, 17:52

Liebe Franka,

auch ich habe eine Mutter mit narzisstischer Störung (und zu allem Überfluss auch noch einen narzisstischen Vater: Wenn Sie nicht gegen mich agieren, machen sie sich gegenseitig das Leben schwer, auch sehr spannend...).
Mit Interesse habe ich deshalb Eure Beiträge gelesen!
Du sagst, dass Du nicht so wirklich loslassen kannst. Das kann ich sehr gut verstehen, denn momentan befinde ich mich in
einer ähnlichen Situation.

Wichtig ist, innerlich loslassen zu können. Ich habe das inzwischen recht gut geschafft, weil ich eine richtige innere Wut entwickeln konnte (dank sehr empfehlenswerter Lektüre, siehe weiter unten).
Davor habe ich dreissig Jahre lang versucht, die Probleme mit meinen Eltern zu klären, aufzuarbeiten und ein gutes Verhältnis zu bekommen. Alles vergebens. Deshalb empfehle ich dir, wirklich hart zu bleiben und die Mutter nicht mehr in Dein Leben zu lassen. Es ist sehr schwer, denn sie ist die Mutter, und letztendlich sehnen wir uns nach Harmonie und dass es endlich zu einer Versöhnung kommt.
Dies ist aber mit einem Menschen, der eine massive narzisstische Störung hat, nicht möglich (bestenfalls kurzfristig). Unsereins wird sich immer Mühe geben, und alles für ein gutes Verhältnis tun, nur um dafür einen Tiefschlag nach dem Anderen einzustecken...
Diese permanenten Tiefschläge, Seitenhiebe, verbale Herabsetzungen, Intrigen haben mich krank gemacht. Als kleines Kind war ich suuperbrav, habe nie widersprochen, habe jede Regung meiner Mutter genau zu deuten gewusst, war sozusagen ständig in Hab-Acht-Stellung, auch superschüchtern, vor allem auch anderen Erwachsenen gegenüber (denn ich hatte ja von meiner Mutter gelernt, dass Erwachsene unberechenbar sein können, wenn man nicht "pariert").
Als erwachsener Mensch möchte man aber das Leben führen, das man für sich selbst als richtig und angemessen erachtet.
Seitdem bin ich der Sündenbock der Familie.

Erst letztes Jahr habe ich angefangen (auch nach Burnout etc. etc.), mich intensiv mit dem Thema "narzisstische Störung" auseinander zu setzen und habe recht gute Lektüre in dieser Sache gefunden. Mit Therapien hatte ich leider keine so guten Erfahrungen. Es wurde meiner Meinung nach nur an der Oberfläche gekratzt. Sicher ist das aber sehr abhängig davon, ob man einen guten Therapeuten "erwischt".
Folgende Lektüre zu diesem Thema hat mir persönlich sehr geholfen, da fällt es einem sozusagen wir Schuppen von den Augen:

a) Nina W. Brown: Kinder egozentrischer Eltern
b) Christine Ann Lawson: Borderline-Mütter und ihre Kinder (bitte nicht durch den Begriff Borderline abschrecken lassen, es geht um unser Thema!)
c) Alice Miller: das Drama des begabten Kindes (ein Klassiker, wurde mir gesagt / hat nicht unbedingt nur mit Narzissmus zu tun, aber wenn Du Deiner Mutter schon fast hörig warst, findest Du hier sicher viel Interessantes!)
d) Sehr gut und unbedingt empfehlenswert auch die Homepage: "Töchter narzisstischer Mütter"

Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns ein bisschen austauschen könnten, auch ich habe kaum jemanden, mit dem ich so ernsthafte Themen besprechen kann.

Liebe Grüße,
Iris

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Re: Kinder mit narzisstischen Eltern

Beitragvon iris » Fr 23. Aug 2013, 19:40

Hmmm, das Thema interessiert hier wohl niemanden mehr :-( Schade...

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fluuu
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Re: Kinder mit narzisstischen Eltern

Beitragvon fluuu » Sa 24. Aug 2013, 13:29

Ja, Töchter haben komplexere Verstrickungen mit ihren Müttern als es Söhne haben.
Wenn Jungs es schaffen von der 'mütterlichen Brust' loszukommen spielt die Mutter
keine so große Rolle mehr, meist wird eh gegen die 'Brust' der Freundin eingetauscht.
Die Bindung der Tochter zur Mutter bleibt jedoch intensiv bestehen vor allem wenn
die Tochter selber Kinder bekommt. Da ist Loslassen gut aber nur sehr schwer praktisch
in der Konsequenz durchzuhalten und ein Hin und Her ist sehr anstrengend.
Eine gewisse narzisstische Neigung haben alle gesunden Menschen aber vor allem
welche die selbstständig arbeiten, im künstlerischen Bereich tätig sind oder
Chefpositionen einnehmen, da ist eine gewisse Überzeugung von sich selbst
für den Beruf erforderlich. Natürlich haben die Kinder das Nachsehen denn
solche Eltern sind keine Glucken die sich über Aufzucht allein definieren.
Der Vorteil für die Kinder ist meistens, dass sie auch eine Selbständigkeit lernen
und die Fähigkeit haben den Alltag zu bewältigen ohne ständige Streicheleinheit
von außen zu brauchen und sich der Zuwendung wegen anpassen müssen.
Sie haben es nicht leicht, fallen womöglich zunächst auf die Schnauze aber
wenn sie sich dann aufraffen können sie gut selbstbestimmt bewältigen.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

Mavros
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Re: Kinder mit narzisstischen Eltern

Beitragvon Mavros » So 25. Aug 2013, 21:09

Liebe Franka,
[...]
Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns ein bisschen austauschen könnten, auch ich habe kaum jemanden, mit dem ich so ernsthafte Themen besprechen kann.
Hmmm, das Thema interessiert hier wohl niemanden mehr :-( Schade...
Hallo Iris,
falls mit "niemand" "wir" (Forumsgemeinschaft) gemeint sind, kann ich als Betroffene zum Thema gerne ein paar Zeilen schreiben. Es lohnt sich allemal, sich vordergründig mit der Störung selbst zu beschäftigen und das schmerzhafte, kindliche Emotionelle beiseite zu lassen, sonst schafft man es womöglich nie, aus der Rolle des Geschädigten zu schlüpfen.

Die Eltern haben sich ihre Störung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht freiwillig zugezogen, und nur die wenigsten von ihnen schädigen ihre Kinder absichtlich, aber klar gibt es das auch. Allgemein bekannt ist, dass der Narzisst aus Angst selbst zu untergehen handelt. Wenn er das Gefühl andere nicht "klein zu machen" vermisst, leidet er stark unter Selbstzweifeln, die er dann nur noch schwer hinter seiner Maske verbergen kann. Seine Strategien finden so gut wie bei allen Menschen anhand ihrer Unkenntnis der Perversität einen fruchtbaren Boden, und ein Kind ist gegen so ein Spiel ganz klar vollkommen schutzlos.

Eine persönliche Tragik sieht man oft darin, dass man meistens erst dann anfängt, sich mit dem Problem auf der sachlichen Ebene zu beschäftigen, wenn das eigene Leben bereits gründlich aus der Bahn geraten ist. Da gilt aber dann sicher sich vor allem zu sagen, besser jetzt als nie. Die Eltern haben eine gewisse Normalität vorgelebt, ein Vorbild erschaffen, das nun mal sehr tief im Menschen sitzt und der Weg dazu, sich von diesem Bild zu trennen ist sehr schmerzhaft, u. U. weil eine solche Situation vollkommen widernatürlich ist.

Man hat nur schwer lernen können Autonomie aufzubauen und zu bewahren, also haben narzisstische Eltern keine Mühe das Leben ihrer "Kinder" bis zum hohen Alter oft auch mithilfe intriganter Handlungsweisen so zu beeinflussen, dass sie dann zusätzlich als ursächlich auch für ihre eigene Misere zu sein scheinen. Als ein übliches Argument gilt, dass die Lebensführung der Kinder auf ihr persönliches Versagen und ihren mangelnden menschlichen Wert hindeuten. Perversität bedeutet ja auch das Umdrehen, Umpolen, also wird aus dem Geschädigten ein Täter gemacht, damit ist ja auch die ehemalige oder weiter bestehende psychische Gewalt gegen das Kind "legitimiert".

Das Leben ist ein einziger Neuanfang, zu jedem Zeitpunkt kann sich das Erleben eines Einzelnen grundsätzlich verändern - eben durch anderes Denken, u. a. dadurch, dass man sich nicht nur vor dem elterlichen Narzissmus, sondern auch vor dem anderer Leute schützt. Als gebranntes Kind neigt man unbewusst dazu, das Kindheitsmuster zu wiederholen und sich im privaten Umfeld für die definitiv falschen Leute zu interessieren. Der Narzisst versteht es aber auch so andere zu blenden, und man kann nie genug Sachliteratur darüber lesen um Klarheit darüber zu bekommen, was und man in seinem Leben unbedingt meiden sollte, und zu welchen Menschen man Distanz statt Nähe aufbauen muss um sich selbst nicht zu belasten.

Liebe Grüße
Mavros
"Die Deutung des Unangenehmen als Machenschaft der Außenwelt macht aus dem Unangenommenen etwas Unannehmbares."

Dr. med. Michael Depner - seele-und-gesundheit.de

lordi
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Re: Kinder mit narzisstischen Eltern

Beitragvon lordi » So 25. Aug 2013, 22:23

Es kann sein, dass meine Mutter auch nazistisch ist.
Sie gehört zur Kriegsgeneration, d.h. sie und mein Vater waren Teenager als Krieg war - und mussten für die Front arbeiten und wurden so nie richtig erwachsen.
Wie steht es mit deinem Vater? Wie ist er so?

Da meine Eltern eine sehr schlechte Ehe führten - mein Vater ging dauernd fremd und war Alkoholiker und brüllte rum - appellierte meine Mutter vor allem an mich, ihr nicht zu widersprechen und alles für sie zu tun.
Als meine Eltern geschieden waren habe ich ihr später das Nutzungsrecht fürs Haus übertragen und damit hatte sie mich noch mehr in der Hand.

Nein, solche Mütter ändern sich nicht, man kann nur die Ohren auf Durchzug stellen.

In Wikipedia steht:
" Sie zeigen ausbeutendes Verhalten und einen Mangel an Empathie. " - das stimmt
http://de.wikipedia.org/wiki/Pers%C3%B6 ... %C3%B6rung

Liebe ist das jedenfalls nicht und darum ist man auch nicht zur Gegenliebe verpflichtet. Gut, man kann das Nötigste tun - aber sich ansonsten nicht aufopfern, weil das ja das eigentliche Ziel dieser Mütter ist. Sie wollen Ansehen, Wichtigkeit, Aufopferung usw.

Mavros
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Re: Kinder mit narzisstischen Eltern

Beitragvon Mavros » Mo 26. Aug 2013, 13:27

Hallo lordi,
genau wie du schreibst, Liebe ist vermutlich etwas anderes als das, worauf der von dir geschilderte Umgang deiner Eltern miteinander schließen lässt. Oft werden Kinder dazu angehalten oder benutzt, Probleme Erwachsener zu kompensieren, und das ist auch eine Art des missbräuchlichen Umgang mit Kindern.

Nicht jedes unfreundliches oder manipulatives Verhalten geht auf das Konto des Narzissmus oder einer PS. Auch neurotische, soziophobische Hintergründe können eine Rolle spielen - wenn Menschen sich aus Angst, selbst verletzt zu werden, einen Schutzwal aus Aggression errichten, oder wenn sie sich in Pedanterie stürzen und anfangen zwanghaft andere zu kontrollieren, meistens um ihr eigenes Leiden zu überspielen.

Zum Thema Narzissmus und auch Psychopathie, weil diese zwei Typen das gleiche Vorgehen nur bei unterschiedlichen Motivationen aufweisen, kann der Text von Steve Becker hilfreich sein:

http://erkennepsychopathie.wordpress.co ... sychopath/

Das Problem dieses Verkehrt-Seins, des Verkehrt-Denkens bzw. Anders- bis gar nicht Fühlens, beschäftigt enorm viele Wissenschaftler und Laien, ich habe nun meine Forscherjahre hinter mir, denn - was in diesem Bericht steht, kenne ich aus meinem Privatleben -

http://erkennepsychopathie.wordpress.co ... uber-sich/

Man kann sich davor schützen, definitiv, nur muss man es vorher kennen, und dann wieder erkennen können, das Klischee des Guten Kerns in allen Menschen aufgeben.

Als Kind eines Narzissten, das fähig ist, sich abzugrenzen und ggf. in Foren über die eigene Situation zu reflektieren, stellt man jemanden dar, der als benachteiligtes Kind die Kompetenz erworben hat, Destruktives zu erkennen und die Fähigkeit besitzt, es in sein Leben nicht zu integrieren. Das ist nicht immer selbstverständlich. Der Rest wird sich sicher im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung von selbst ergeben. Menschen haben unterschiedliche Päckchen los zu lassen, aber der Mut, es zu tun, bleibt immer der selbe, und eigentlich kommt es allein auf ihn an, weil er vielseitig anwendbar ist.

Grüße
Mavros
"Die Deutung des Unangenehmen als Machenschaft der Außenwelt macht aus dem Unangenommenen etwas Unannehmbares."

Dr. med. Michael Depner - seele-und-gesundheit.de

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Re: Kinder mit narzisstischen Eltern

Beitragvon lordi » Mo 26. Aug 2013, 22:34

Hi Mavros,
danke für deine Erläuterungen und den interessanten Link, darüber habe ich mich sehr gefreut.
Liebe Grüße
Lordi


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