(Welche) Persönlichkeitsstörung bei einer Ärztin?

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theo.irgendwo
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(Welche) Persönlichkeitsstörung bei einer Ärztin?

Beitragvon theo.irgendwo » Fr 12. Aug 2011, 05:05

Hallo ihr Lieben,

möchte Euch gerne eine Geschichte erzählen, die sich in 02.-04.2011 ereignete und um Eure Meinung bitten.

Arbeite freiberuflich als Notarzt, die Rettungswache ist einem Krankenhaus angegliedert. Anfang Februar begegnete ich auf dem Krankenhausflur einer 30jährigen attraktiven Kollegin, welche mich mit hochrotem Kopf und weit aufgerissenen Augen scheinbar endlos anstarrte. Diese Kollegin war mir, obschon seit einem Jahr dort beschäftigt, zuvor nie aufgefallen. Ich habe mich spontan verliebt und meinte zu ihr, dass wir unbedingt mal essen gehen müssten, dem sie zustimmte. Ich gab ihr meine Email Adresse, sie mir ihre Handynummer.

Am gleichen Abend erhielt ich eine Email. Ich würde sie immer so nervös machen, sie wüsste nicht wo ihr der Kopf steht, es täte ihr leid, dass sie sich komisch verhält, sie wäre nunmal ein gefühlsmensch und würde sich gerne mit mir zum Kaffee verabreden wollen. Kuss XXX

Zwei Tage später traf ich sie dann wieder, wir waren alleine im Aufenthaltsraum der Ambulanz. Sie bekam wieder einen hochroten Kopf. :oops: Nachdem wir uns für den kommenden Samstag zum Kaffee verabredet hatten teilte ich ihr mit, dass ich in sie verliebt sei. Sie erwiderte, dass ich ihr bereits seit einem Jahr aufgefallen sei, sie aber Angst gehabt hätte, dass ich sie ansprechen würde. Sie wäre seit 6 Jahren mit ihrem Freund zusammen, sie würden zusammen wohnen. Als ich dann bemerkte, dass dann ja irgendwann eine Entscheidung anstehen würde starrte die Kollegin mit verbissenem Gesichtsausdruck auf dem Stuhl sitzend zu Boden und erstarrte zur Salzsäule. Sie reagierte über Minuten weder auf Ansprache noch rütteln an der Schulter. Nach einer Weile blickte sie dann auf, wusste aber auf Nachfrage gar nicht, dass sie weggetreten war. Ich wollte mich mit einem Kuss auf den Mund von ihr verabschieden, sie stiess mich aber vorher zurück und bemerkte verärgert, dass dies nur ihr Freund dürfe und rannte aus dem Raum. :sad:

OK, dachte ich, das wird nur Kampf und Krampf. Am nächsten Tag sagte ich die Verabredung per SMS und Email ab und bemerkte, dass unsere Gefühle wohl unterschiedlicher Qualität seien und wir den Kontakt besser abbrechen sollten um uns nicht unnötig zu belasten. Ich hoffte auf ihre Unterstützung, dem war aber nicht so. Sie beschwerte sich sofort per SMS, ob dies meine Reaktion darauf wäre, dass ich sie überrumpelt hätte und warum ich mich nicht mehr für ihre Person interessieren würde und wir nicht einmal mehr einen Kaffee trinken könnten. Ich revidierte dann meine Entscheidung, heute bereue ich dies.

Am Samstag stand sie dann traurig und zweifarbig gekleidet in schwarz-weiss kariertem Mantel vor mir. In viertelstündigem Abstand rief ihr Freund sie auf dem Handy an. Unsere Gespräche im Bistro verliefen sehr einseitig, oft bekam ich keine Antwort, manchmal ein ja/nein, wenn ich ihr die Antworten vorgab. Als die Frage dann wieder darauf kam, wie es zwischen uns weitergeht dissoziierte (?) sie erneut. Selbst eine Nackenmassage liess sie nicht wieder lebendig werden. Letztendlich meinte sie dann, sie würde bei ihrem Freund in der Beziehung bleiben wollen. Sie möchte aber, dass wir Freunde werden. Als ich dann sehr traurig darauf reagierte verstand sie meine Reaktion gar nicht. Niemand hätte verloren und wir hätten uns beide als Freunde gewonnen, entgegnete sie. Dies sagte sie mit einem mir bis dahin sehr ungewohnten, aufgeheiterten Gesicht.

Als ich sie zum Bahnhof brachte, stand ihr Zug schon im Gleis. Nach der Verabschiedung setzte sie sich in den Zug, gleich neben die Tür und mit dem Rücken zu mir. Ich wartete noch 4 Minuten auf dem Bahnsteig bis der Zug abfuhr und winkte ihr hinterher. Mehr als ihren Rücken bekam ich jedoch nicht mehr zu Gesicht.

Es folgten dann Telefonate, SMS, Emails hin und her und regelmässige Treffen zum Kaffee trinken und Spazieren gehen. Die Treffen verliefen meist ähnlich. Eine Umarmung zur Begrüssung, eine Umarmung zum Abschied, weiterer körperlicher Kontakt fand nicht statt, wurde sogar ausdrücklich zurück gewiesen. Ich hatte die Gesprächsinitiative, oft hatte ich anhand ihrer Antworten den Eindruck, sie würde die Fragen gar nicht verstehen, ihr Verhalten liess erahnen, dass Romantik und Flirten für die Kollegin Fremdworte zu sein schienen, obschon wir über die intimsten Dinge sprechen konnten. Ihr entgegen gebrachte positive Zuwendungen wurden mit Verärgerung quittiert, ebenso gab es natürlich auch keine positiven Zuwendungen, die ich von ihrer Seite erhielt. Zum Abschied fühlte ich mich dann regelmässig wie eine leere Batterie. Der Versuch, sie in meinen Freundeskreis einzuführen scheiterte, sie wollte sich lediglich mit mir alleine treffen. Einen Kontakt zu ihrem Freund/ihrer besten Freundin oder anderen ihr nahestehenden Menschen hatte sie sich für mich ausdrücklich verbeten.

Als Dank erhielt ich dann Emails in denen sie mir schrieb, dass sie nicht wüsste, warum sie ständig an mich denken müsse, dass ich doch bemerkt haben müsse, dass ihre Gefühle für mich weit mehr als platonischer Natur seien, dass sie mich schon vermissen würde, wenn sie sich von mir verabschiedet hätte, dass ich ihr unheimlich wichtig bin, dass wir uns doch so gut verstehen würden, dass sie sich nur bei mir und ihrem Freund so wohl fühlen würde, dass sie Vertrauen fassen könnte. Das kulminierte dann in der Aussage, dass ich ihr im Moment sogar wichtiger wäre als ihr Freund und dass sie ihm dieses schliesslich auch zu verstehen gegeben hätte. Zu keinem Zeitpunkt jedoch liess sie einen Zweifel daran aufkommen, dass sie ihren Freund nicht verlassen würde und sie sicher sei, dass er ihre Zukunft wäre. Dass es sich hier um Hinhaltetaktiken handeln würde war mir zwar schon damals klar, die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis konnte ich jedoch aufgrund der gegenseitig bestehenden Idealisierung nicht ziehen. Irgendetwas konnte mit ihr nicht stimmen. Ich wollte nun auch wissen, warum sie sich so verhält.

Freiwillig gab sie selten die entscheidenden Informationen preis, es gestaltete sich eher wie Detektivarbeit. So erfuhr ich Schritt für Schritt, dass sie seit je her unter Ängsten litt, vornehmlich Verlust- und Trennungsängsten, ein deutlich vermindertes Selbstwertgefühl habe, immer das Gefühl hätte unsicher zu sein und nicht zu wissen was das Richtige sei, früher überhaupt keine Gefühle gehabt hätte, bei 173cm Körperlänge und 51kg Körpergewicht unter sichtbarer Anorexie leide und deshalb früher schon stationär im Krankenhaus behandelt worden sei, sich früher selbst verletzt hätte aber sich heute "nur noch" die Halsschlagadern bis zur Bewusstlosigkeit abdrücken würde, unter psychosomatischem Tinnitus leide und über 2 Jahre Drogen konsumiert hätte. Die Frage, ob sie aktuell noch Drogen nehmen würde, beantwortete sie mir jedoch nicht.

Desweiteren liessen sich bei der Kollegin Ticks beobachten wie das stereotype Verrenken des Kopfes und der Fingergelenke sowie eine aus ihrem Gesicht deutlich ablesbare ängstlich-verärgerte Grundstimmung. Sie berichtete, dass sie gerne bereit sei, anderen Hilfe zukommen zu lassen, sie würde regelmässig Blut spenden und sei in der Knochenmarkspenderdatei erfasst, für sich selber aber Hilfe und andere positive Zuwendungen nur schwer annehmen könne. Dazu fällt mir ein, dass sie immer die Gesamtrechnung nach unseren Besuchen im Kaffee zahlen wollte. Ich habe das dann immer so drehen müssen, dass ich vorher die Rechnung beglichen habe :wink: Während der Arbeit im Krankenhaus liess sie dann schon mal alles stehen und liegen und rannte weg, wenn mehrere Aufgaben zur gleichen Zeit an sie herangetragen wurden, sodass man sie zurückholen musste. Sie entschuldigte sich dann anschliessend für ihr Verhalten. Mit ihren Vorgesetzten geriet sie hin und wieder in Auseinandersetzungen wenn sie etwas nicht so machen konnte, wie sie es sich vorgestellt hatte. Das würde ich schon als Stress- und Frustrationsintoleranz interpretieren wollen.

Wenn man die Kollegin auf ihre Erfahrungen in Freundschaften vor ihrer aktuellen Beziehung ansprach so sagte sie, dass diese jeweils nur von kurzer Dauer gewesen wären. Sie hätte nur negative Erfahrungen gemacht und wäre dadurch geschädigt worden. Liebeskummer hätte sie dabei eigentlich nicht gehabt. Freundschaften würden eben auch wieder auseinander gehen. Sie wirkte dabei emotional seltsam unberührt.

Während eines Notarztdienstes hatte ich plötzlich Brechdurchfall bekommen. Mir ging es ziemlich schlecht. Frau Kollegin hatte Dienst in der Ambulanz. Ich begab mich in Behandlung und eine sehr nette Ambulanzschwester ergriff die Initiative, mir eine Infusion zu legen. Das hätte ich eher von der Kollegin erwartet. Später gesellte sich diese Kollegin dann zu mir in den Behandlungsraum und verabreichte mir Medikamente. Irgendwie hatte ich gehofft, ein paar tröstende Worte zu hören, dass sie vielleicht meine Hand ergriffen oder mich in den Arm genommen hätte. Nichts dergleichen passierte jedoch. Später entschuldigte sie sich auf Nachfrage damit, dass sie nicht so erzogen worden sei und sich immer selber gemassregelt hätte, dass sie sich zusammenreissen müsse. Empathie und soziale Kompetenz?

Als wir einmal auf Schmerzen zu sprechen kamen sagte sie, dass sie diese sehr gut ertragen könne. Sie zeigte mir bei unserem nächsten Treffen ihren handschriftlich verfassten Gedichtband. Darin beschrieb sie in allen Einzelheiten, wie sie es sich wünschen würde, dass ihr Schmerzen zugefügt werden sollten und auf welche Weise sie dann anschliessend zu Tode gebracht werden möchte. Ich war so schockiert, dass ich in den folgenden Nächten mehrfach Albträume hatte. :shock:
Dabei gestand sie mir auch, dass nicht einmal ihr jetziger Freund Kenntnis von diesem Gedichtband haben würde.

Auf der Suche nach der Ursache ihrer Probleme fragte ich sie, ob sie vielleicht Missbrauch oder Gewalt in ihrer Kindheit/Jugend erfahren hätte. Sie sagte, sie hätte noch nie darüber nachgedacht und sie wäre ja froh, dass ich sie diesbzgl. zum Nachdenken anregen würde. In der Schulzeit hätte man sie nicht besonders gemocht und sie sei oft alleine gewesen. Sie hätte sich früher mit der "schwarzen Szene" identifiziert, sie mochte auch die Wave & Gothic Musik ganz gerne. Mit ihren Problemen hätte sie sich meist alleine auseinander gesetzt und glaube in den letzten Jahren dadurch eine erfolgreiche Weiterentwicklung erfahren zu haben. Sie erwähnte auch eine wissenschaftliche MRT-Studie an der sie und ihr Freund in der Vergangenheit teilgenommen hätten. Zu welchem Zweck diese Studie durchgeführt wurde, konnte/wollte sie jedoch nicht mehr erinnern. So weit ich dies eruieren konnte, fand eine grundlegende Diagnostik/Therapie ihrer Probleme somit nicht statt.

Ihre Angabe zum ursächlich auslösenden und fortgesetzt stattfindenden Trauma in der gesamten Kindheit und Jugend bezog sich auf ihre ältere Schwester und mittelbar auch ihre Eltern. Sie sei von ihrer Schwester fortgesetzt grausam schikaniert worden weil sie sich verbal den Angriffen ihrer Schwester nicht gewachsen fühlte und da irgendwie wehrlos gewesen wäre. Dabei hatte sie sich Hilfe durch ihre Eltern erhofft, diese aber nur als ungenügend empfunden erhalten, da die Schwester die Schikanen trotzdem fortsetzte. Die Eltern griffen nur ein, wenn es zu körperlichen Auseinandersetzungen mit der Schwester kam oder wenn sie wegen ihrer Schikanen den Tisch ohne etwas zu essen verliess, weil sie sonst wieder "geheult" hätte.

Da kommen mir schon ein paar Gedanken an Autismus/Asperger-Syndrom in der Kindheit. Ihre aktuellen Probleme, Hilfe anzunehmen, könnten in den schlechten Erfahrungen mit den Eltern begründet sein, aktuell angebotene Hilfe wird ggf. als verletzende bzw. insuffiziente Massnahme empfunden. Die Kontrolle der Nahrungsaufnahme bei Anorexie hilft bei Stressbewältigung, erst wenn sie früher die Nahrungsaufnahme verweigerte, erfolgte wirksame Hilfe durch die Eltern. Schliesslich die Vermutung, dass ihre Eltern damals das Zeigen von Gefühlen wie hier das Weinen negativ sanktioniert haben. Dies könnte vielleicht auch begründen, dass die Kollegin früher keine Gefühle hatte und bis heute Probleme, bestimmte Gefühle zu zeigen und körperlich auszudrücken.

Nur um dies deutlich zu sagen, es ist mir als fachfremder und meistens der Behandlung nicht beiwohnender Kollege nicht möglich, die Arbeit dieser Kollegin am Patienten zu beurteilen. Ich möchte daher diesbzgl. auch keine Aussage tätigen. Desweiteren liegt mir in keinster Weise etwas an der Stigmatisierung einer Person oder einer psychischen Erkrankung.

Ich hielt es trotzdem für dringend erforderlich, dass sich die Kollegin fachkundige Hilfe sucht, die ich auf keinen Fall selber leisten kann und konnte. Es war ein hartes Stück Arbeit, ihr dies nahe zu bringen. Das Problem war nur, sie erfasst die Komplexizität ihrer Symptome nicht. Ihr eigener Leidensdruck ist gering. Sie erkennt mal das eine, dann das andere Symptom, jedoch nicht das eigene komplette psychische Krankheitsbild. Sagt man ihr, sie sei psychisch krank, rollen sofort grosse Krokodilstränen ihre Wangen herunter. Nein, sie sei auf keinen Fall krank und Hilfe benötige sie auch nicht. Es kostet dann schon einige Mühe, sie wieder zu beschwichtigen.

Letztendlich war es nur möglich, indem ich meine Freundschaft zu ihr zur Disposition stellte und mich damit ihrer Verlustängste bediente, um ihr das Versprechen abzuringen, einen Termin mit einem Psychiater/Therapeuten ihrer Wahl zur Ersteinschätzung zu machen. Sie war dann auch für kurze Zeit motiviert und suchte nach geeigneten fachkundigen Kollegen. Diese Motivation hielt leider nicht sehr lange an. Sie empfand sich dann plötzlich wieder als völlig gesund und ihr Versprechen für überflüssig. Eine Entschuldigung für ihr Verhalten hielt sie nicht für nötig. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich dann dafür entschieden konsequent zu bleiben und habe die Freundschaft zu ihr beendet. Einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Ereignissen hat sie scheinbar nie erkannt.

Als eine Woche vergangen war hatte ich sie Ende April nochmals zu einem Gespräch aufgesucht, um ihr Gelegenheit zu geben, sich zu entschuldigen. Sie hatte bei diesem Treffen einen durchweg wütenden Gesichtsausdruck gehabt und auf ihrer Einstellung bestanden. Sie fragte mich gegen Ende des Gespräches, warum ich denn nicht wütend sei, dass unsere Freundschaft nun beendet ist. Ich sagte ihr, dass Wut uns nicht weiter bringen würde, hier sind nur rationales Denken und der Austausch von Argumenten gefragt. Tatsächlich hatte ich in diesem Augenblick weder positive noch negative Emotionen für sie. Sie verabschiedete sich dann mit der Bemerkung, dass ihr unsere Freundschaft schon gut gefallen hätte, wenn nur meine positiven Zuwendungen nicht gewesen wären, die ich ihr entgegen gebracht hatte. Wie es der Zufall so will, das erinnerte mich dann an einen Satz in einem kürzlich gelesenen Lehrbuch: Positive Zuwendung führt bei Patienten mit dissozialer Persönlichkeitsstörung ausserhalb einer therapeutischen Umgebung mit Sicherheit zum Abbruch der Beziehung :-k

Nun würde ich mich über Eure Kommentare/Vorschläge/Kritik freuen und hoffe, hier einen sachgerechten Beitrag eingestellt zu haben.

Lieber Admin, der Text ist leider "etwas" lang geworden, es lag aber nicht in meine Absicht, den Server vollzumüllen :puppydogeyes:

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Remedias
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Re: (Welche) Persönlichkeitsstörung bei einer Ärztin?

Beitragvon Remedias » Fr 12. Aug 2011, 12:21

Hallo Theo,
deine "Freundin" dissoziert vermutlich wenn sie in die Enge getrieben wird
. Ich finde dein Verhalten (Kuss auf den Mund, Nackenmassage) bei einer Frau, die in einer festen Beziehung lebt, übergriffig.
Dissoziation ist ein erlerntes Verhalten bei Stress und Angst,
vielleicht war man bei ihr als Kind auch schon übergriffig (Missbrauch) und da hat sie dieses Verhalten gelernt. Das muss aber nicht sein,
weil ich bei Angst auch dissoziere , ohne dass bei mir ein Missbrauch vorliegt; ich habe dieses Verhalten seit fünf Jahren, als ich Angst hatte, in eine Psychose zu rutschen.
Du solltest mit ihr nur noch reden und nix Körperliches mehr versuchen. Wenn sie sich zurückzieht, musst du noch behutsamer sein.
Nix ist schlimmer, wenn man dissoziert, dass einen jemanden anfasst!
Deine "Freundin" sollte skills lernen, die sie anwenden kann, wenn sie aus der Realität kommt.Jeder Psychotherapeut kennt sich damit aus und kann sie ihr beibringen.

liebe Grüße Remedias

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Re: (Welche) Persönlichkeitsstörung bei einer Ärztin?

Beitragvon theo.irgendwo » Fr 12. Aug 2011, 13:13

Hallo Remedias,

danke Dir für Deine Meinung.

Die dissoziativen Zustände traten nur zwei mal auf, in den ersten 5 Tagen unserer "Freundschaft". Sie waren nicht die Folge von körperlichen Zuwendungen. Ich emfpand ihre Dissoziationen nachträglich eher als Reaktion auf eine emotionale Stresssituation. Sexuellen Missbrauch kann ich in ihrer Vergangenheit sicherlich nicht ausschliessen. Dies wäre ihr mit Wahrscheinlichkeit aber heute nicht aktiv bewusst. Unser Vertrauensverhältnis war derart, dass ich davon ausgehe, dass sie mir dies mitgeteilt hätte, sie hatte es auf Nachfrage zumindest verneint.

Zu dem Zeitpunkt des versuchten Kusses und der "Nackenmassage" war ich über ihre psychischen Probleme nicht informiert. Zudem bin ich weder Psychologe noch Neurologe/Psychiater. Die Situation stellte sich mir ganz anders dar. Ich sah eine Frau, die sich in mich verliebt hatte und deren Beziehung zur Disposition stand. Daher fand ich diese körperlichen Zuwendungen legitim. Der grosse Unterschied bestand letztendlich in dem was sie sagte und wie sie sich verhielt.

Die Freundschaft ist seit 3 Monaten beendet. Wir haben keinen Kontakt mehr und ich empfinde dies als Erleichterung. Was mich eher betrübt ist, dass sie scheinbar aus Fehlern nicht lernen kann. Aus ihrem näheren Bekanntenkreis wurde mir zugetragen, dass sie ihr Verhalten nicht geändert hat und es zu einer weiteren, ähnlichen Konfliksituation mit einem anderen Mann gekommen ist.

Lieben Gruss,
Theo

Klaus W
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Re: (Welche) Persönlichkeitsstörung bei einer Ärztin?

Beitragvon Klaus W » Fr 12. Aug 2011, 13:45

Hallo Theo,

vergiss sie, Du kannst nichts machen. Du sagst vollkommen korrekt, ihr eigener Leidensdruck ist einfach zu gering. Da hilft auch nicht sie mit Freundschaft zu erpressen zu einem Psychologen zu gehen, sie geht dann zwar aber will es nicht wirklich. Wenn sie so leben will ist es ihre Sache.

Mir kommt spontan der Film "Die Klavierspielerin" von Michael Haneke dazu in den Sinn obwohl er nicht ganz eine Parallele ist. Vorsicht, Haneke ist harter Tobak.
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

theo.irgendwo
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Re: (Welche) Persönlichkeitsstörung bei einer Ärztin?

Beitragvon theo.irgendwo » Fr 12. Aug 2011, 15:21

Hallo Klaus,

sah und sehe das genauso. Ohne Leidensdruck keine Therapie. Dachte aber, ich sollte zumindest alles versucht haben.

Die Frage nach einer Beziehung mit ihr hatte ich eigentlich schon relativ früh gegen sie entschieden. Je mehr ich sie kennen lernte, desto weniger konnte ich mir dies vorstellen. Mein Interesse galt letztendlich nur noch der Information, "was ist ihr Problem" und ob man ihr vielleicht dabei helfen könnte. Bisher hat sich noch keiner im Forum in einer Diagnose gewagt. Ich habe zwar diesbzgl. meine Vorstellungen, möchte die im folgenden Kommentierenden durch eine Vorwegnahme jedoch nicht beeinflussen.

"Wenn sie so leben will ist es ihre Sache" - das sehe ich mit Einschränkung. Was sie privat macht, ihr Problem. Wenn sie Menschen verletzt - naja, habe ich zumindest keinen Einfluss drauf. Problematisch wird es jedoch, wenn ihre psychische Erkrankung Einfluss auf die Behandlung von Patienten haben würde. Das kann ich zwar nicht beurteilen, ich wäre aber ein Mitwisser und damit indirekt verantwortlich. Ihre Erkrankung ist eben nur wenigen Menschen in diesem Umfang bekannt. Sie ist eben eine kranke Heilerin, so paradox das klingt.

Dein Hinweis auf "Die Klavierspielerin" finde ich interessant. Habe weder das Buch gelesen noch den Film gesehen. Bzgl. des Inhalts habe ich mich gerade kundig gemacht. Über die ggf. bestehenden Parallelen werde ich mir noch ein paar Gedanken machen müssen :-k

Lieben Gruss,
Theo

Klaus W
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Re: (Welche) Persönlichkeitsstörung bei einer Ärztin?

Beitragvon Klaus W » Fr 12. Aug 2011, 16:36

Hallo Theo,

ja, man versucht zumindest was man kann, selbstverständlich. Eine Diagnose stellen kann ich nicht... ich denke aber daß sie Dich angelockt, aber gleichzeitig wieder weggestoßen hat, und Dich versucht hat konstant in diesem Zustand zu halten. Vermutlich inszeniert sie damit genau, was ihr früher passiert ist. Sie hat sich darin eingerichtet, fühlt sich nur durch Selbstverletzung noch lebendig und labt sich an ihren Fantasien. Echte Nähe und Zuwendung macht ihr massiv Angst und würde den Schmerz den sie früher erlitten hat durchbrechen lassen. Das muß um jeden Preis vermieden werden. Problematisch wird dabei für sie, daß sie trotzdem natürlich ständig Sehnsucht nach Nähe hat, sie pendelt darin hin- und her. An dem Punkt an dem Du sagtest, es würde ja da eine Entscheidung anstehen hat Du genau den kritischen Punkt getroffen, dort konnte sie nur noch mit Erstarrung reagieren ansonsten wäre sie unter dem Konflikt zusammengebrochen.

Die normale Reaktion auf solches Verhalten (Komm her - Geh weg) wäre eigentlich Zorn, an sich ist es eine Frechheit. Du hast viel investiert und bekommst nicht einmal ihre Aufmerksamkeit zurück als es Dir schlecht geht. Ich verstehe Deine Besorgnis, ob Ihre Erkrankung Einfluß auf die Behandlung von Patienten hat, unter zweierlei Gesichtspunkten. Einerseits ist die Sorge natürlich berechtigt. Jetzt wo Du weißt wie sie drauf ist ist es Deine Pflicht, dem nachzugehen, und Du würdest Dir Vorwürfe machen sollte etwas eintreten. Andererseits ist da vielleicht auch Zorn über ihr Verhalten, und Du schaust deswegen besonders scharf hin. Du solltest Dich überprüfen ob Du ihr nicht vielleicht damit eins auswischen willst. Verständlich wärs.

Abschätzen inwieweit sie Patienten real schaden würde kann ich nicht. Einerseits stabilisiert man sich als Arzt und Pfleger ja gerade über das Helfen. Auch richtet sie die Agressionen gegen sich selbst, nicht gegen die Außenwelt, ist also masochistisch veranlagt. Daher denke ich auch nicht daß die Patienten z.B. bewußt Schaden zufügen würde. Außerdem würde jemand der Patienten auf die ein oder andere Art schaden will (bewußt oder unbewußt) krampfhaft darauf bedacht sein absolut normal zu wirken, und sich nie im Leben anvertrauen. Nein, kann ich mir nicht vorstellen daß sie Patienten schaden würde. Ich würde es von meinem Gefühl her wohl einfach auf sich beruhen lassen.

Ich habe übrigens einmal einer Frau in einer ähnlichen Situation eine totale Krise verursacht. Ich wollte sie umarmen, aber sie versteifte sich, ich merkte, aha, sie will nicht, bin wieder auf Abstand und sie hat dadurch einen totalen Zusammenbruch erlitten, hat es gleich als Zurückweisung empfunden und ist dadurch in eine Woche lang in ein "geistiges Loch" gestürzt. Hätte ich sie trotzdem umarmt hätte ich einen Vorwurf abbekommen daß ich aufdringlich sei. Sprich, ganz egal wie man sich verhält, der Schmerz ist auf der anderen Seite so oder so da, egal was man macht, Es ist alles falsch, man wird einfach zum Brennpunkt, und davon muß man sich distanzieren.

Bei der Klavierspielerin will ich übrigens gar nicht auf Parallelen in der konkreten Handlung mit der Mutter, etc, hinaus (obwohl Mutterprobleme ja immer das zentrale Thema sind) sondern eher darauf, wie man auf eine Weise total verquer und unglücklich leben kann und sich darin einrichten kann, und das beschreibt Haneke psychologisch korrekt daß es beängstigend wird. Auch das weiße Band von ihm fand ich sehr gut. Insgesamt sind das Filme, die man sich nicht zweimal ansehen will. Der Mann hat den Finger drauf.

Lieben Gruß

Klaus
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Re: (Welche) Persönlichkeitsstörung bei einer Ärztin?

Beitragvon theo.irgendwo » Fr 12. Aug 2011, 17:43

Hallo Klaus,

danke für Deinen wirklich durchdachten Beitrag.

Ihre anfänglichen Emotionen für mich hielt ich schon für real und nicht inszeniert. Anschliessend empfand ich es eher so, als wolle sie ihre Gefühle zu mir aktiv zusammen mit mir "abarbeiten" um den eigenen "Normalzustand" wieder zu erreichen. Sicher war das auch inszeniert, das Nähe-Distanz Spiel kennt man ja aus der BPS, dachte zunächst auch in diese Richtung. Die von ihr manchmal berichtete Langeweile/Leere waren der Anhaltspunkt, ihre schwarz-weisse Kleidung, Selbstverletzungen etc. Die emotionale Instabilität mit "Ausrasten" konnte ich jedoch nicht wirklich feststellen. Sie hat eher eine ängstlich-verärgerte solide Grundstimmung.

Ihre Neigung zu positiver/negativer Aufregung wie riskantes Motorradfahren oder Achterbahnfahren liessen mich eher an eine andere PS wie die dissoziale denken. Dem gegenüber ist sie aber nicht kriminell oder betrügerisch, eigentlich eher sehr wahrheitsliebend, zumindest ihr vertrauten Personen gegenüber, ebenso nicht aggressiv, zumindest nicht körperlich.

Denke schon, das geht in Richtung Cluster B PS, vielleicht ein Mischtyp. Glaube auch, dass sie eine Ich-Schwäche hat und das ihr Ich fragmentiert ist. Denke das deshalb, weil sie im Gespräch viele oberflächliche Adaptationen zeigt, ihre Meinungen rasch wechseln und sie keine vollständige Wahrnehmung ihrer Persönlichkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt hat.

Lass es mich vorweg nehmen. Ich habe für sie verantwortliche ärztliche Berufsträger selektiv über meine Erkenntnisse bzgl. ihrer Symptome informiert, der Kollegin gegenüber sogar mit Ansage und ohne daran irgendwelche Bedingungen ihrerseits im Sinne einer Erpressung zu knüpfen. Dies, um meiner Verantwortung gegenüber ihr anvertrauten Patienten gerecht zu werden und mich aus dieser Verantwortung zu entlassen. Ich bin keineswegs durch die Gegend gelaufen und haben jedem Menschen erzählt dass diese Kollegin ein Problem hat. Wie erwähnt, es lag mir nicht an einer Stigmatisierung dieser Person und auch nicht an einer Stigmatisierung von Persönlichkeitsstörungen im allgemeinen.

Die Folge war natürlich, dass die informierten Kollegen die recht gute Fassade der Kollegin nicht durchdringen und meine Ausführungen nicht nachvollziehen konnten. Ich habe den informierten Kollegen jedoch meine Beweise auch nicht vorgelegt. So erhielt ich kurze Zeit später eine Abmahnung von der Kollegin, ich hätte ihre Persönlichkeitsrechte verletzt und solle eine Unterlassungserklärung unterschreiben. Naja, mein RA hat ihr ein nettes Rückschreiben mit einigen ihrer Ausführungen in Kopie zukommen lassen, in denen sie ihre eigenen Symptome schildert. Das schien überzeugt zu haben, eine Klage gab es bisher nicht.

Werde mir den Film "Die Klavierspielerin" wohl doch mal ansehen müssen :wink:

Lieben Gruss,
Theo

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Remedias
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Re: (Welche) Persönlichkeitsstörung bei einer Ärztin?

Beitragvon Remedias » Fr 12. Aug 2011, 18:13

Hallo, Theo, du hast WAS? Ihren Kollegen gesagt, dass sie ein Problem hat? Und dann schreibst du, dass seit drei Monaten die Freundschaft aus ist - na, kein Wunder.
Deine "Diagnosen" lesen sich sehr interessant; mich interessiert auch: Bist du ihr Psychiater oder Psychotherapeut? dass du solche "Diagnosen"
stellst über eine Frau, die dich hat abblitzen lassen, weil sie schon 6 Jahre mit ihrem Freund in einer Beziehung lebt.Das vergisst du irgendwie gerne.
Kann sein, dass ich automatisch solidarisch mit der Frau bin, weil ich selbst weiblich bin, aber da stellt sich mir der Kamm.
Ich hoffe, sie verklagt dich noch wegen übler Nachrede. Und tu nicht so, als würden dich die Patienten interessieren, denen sie mit ihrer "Persönlichkeitsstörung" vielleicht Schaden zufügt; was du machst, ist die typische Reaktion eines enttäuschten Typen.

Grüße Remedias

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Re: (Welche) Persönlichkeitsstörung bei einer Ärztin?

Beitragvon Klaus W » Fr 12. Aug 2011, 18:14

Hallo Theo,

ja, ganz klar, die Emotion an sich ist real und nie inszeniert. (Bzw. inszenierte Emotion erkennt man sehr leicht, die wirkt abstoßend, echte Emotion dagegen ist ansteckend). Inszenierung meint die Wiederholung, Neuaufführung der vergangenen Erfahrungen.

Bezüglich einer Diagnose also Benennung bin ich mir unsicher. Allerdings haben aus meiner Erfahrung heraus so viele Menschen solche oder andere Probleme ohne daß sie ihnen jemals bewußt werden daß ich eigentlich immer dafür plädiere Nachsicht walten zu lassen und stattdessen zu schauen warum man selbst auf manche Situationen anspringt.

Schade, wie es nun ausgegangen ist. Da habt ihr ja nun schon mit harten Bandagen gekämpft.

Lieben Gruß,

Klaus
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Re: (Welche) Persönlichkeitsstörung bei einer Ärztin?

Beitragvon theo.irgendwo » Fr 12. Aug 2011, 18:27

Hallo Klaus,

da hast Du völlig Recht. Es war ein klarer Fehler meinerseits, darauf einzugehen. Ich hätte zu jeder Zeit die Notbremse ziehen können. In den Augenblicken, in denen ich es versucht hatte konnte sie mich recht geschickt davon abbringen. Diese Menschen sind perfekt, wenn es um subtile Manipulation geht. Sie erkennen die Schwächen anderer sehr schnell und treffsicher, kaum jemand ist 100% davor sicher.

Aber ich bin lernfähig :)

Danke und einen lieben Gruss,
Theo

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Re: (Welche) Persönlichkeitsstörung bei einer Ärztin?

Beitragvon Klaus W » Fr 12. Aug 2011, 19:03

Hallo Theo,

ein letzter Gedanke noch zu Deinem Post. Sie hat sich nicht bewußt so verhalten, sie hat dich nicht bewußt manipulieren wollen. Sie hat das nicht böse gemeint.

Ich habe Deinen ersten Beitrag noch einmal gelesen. Ich kann Deinen Ärger gut nachvollziehen, aber in Bezug auf ihre dienstliche Kompetenz und Integrität liegst Du denke ich falsch.

Sie spendet Blut und Knochenmark, das heißt sie gibt wortwörtlich ihr Innerstes, ihr Leben, für die Patienten, sie gibt alles, bis zur Selbstaufgabe. Sie ist eine zutiefst unglückliche Person, aber die trotzdem tadellos korrekt ihren Dienst macht, und daraus ihre Kraft bezieht. Sie hat Dir ein Jahr nachgehimmelt, sie fand Dich toll. Mit Deinem Verdacht hast Du sie zutiefst gekränkt.

Ich sage das als Ausgleich. Ich weiß wie es ist, den Ärger hat man trotzdem noch.

Klaus
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Re: (Welche) Persönlichkeitsstörung bei einer Ärztin?

Beitragvon theo.irgendwo » Fr 12. Aug 2011, 19:09

Hallo Remedias,

so, wie Du es darstellst könnte ich Deine Empörung gut verstehen. Es verhält sich jedoch anders.

Ich habe die für die Kollegin VERANTWORTLICHEN Kollegen sprich Vorgesetzten und Chefärzte/ärztlicher Direktor informiert bzw. informieren MÜSSEN. Diese Kollegen unterliegen sowieso der Schweigepflicht und dem arbeitnehmerrechtlichen Datenschutz. Dadurch ist gewährleistet, dass die Informationen nicht weitergegeben werden können.

Als Notarzt übergebe ich dieser Kollegin Patienten. Ich habe eine Garantenpflicht gegenüber diesen Patienten. Desweiteren besteht ein Dienstvertrag zwischen mir und dem Krankenhausträger. Diese rechtlichen Umstände verpflichten mich, Informationen weiterzuleiten, die eine Gefahr für Patienten darstellen bzw. darstellen KÖNNTEN. Darunter fallen auch psychische Erkrankungen von Klinikärzten. Das hat mit "übler Nachrede" ganz und gar nichts zu tun.

Daher wird es keine Klage geben, wäre auch Unsinn, da sie keinen Erfolg haben kann, sie wäre nach geltenden Gesetzen im Unrecht. Das Einzige, was sie damit erreichen würde sind Kosten für sich und unliebsame Publicity. Man stelle sich vor, die Ärztekammer würde von diesen Umständen erfahren.

Was die andere Seite angeht bestand schon seit Anfang 03.2011 keinerlei fortgesetztes emotionales Interesse meinerseits an der Kollegin. Mein Interesse galt seither lediglich einer Hilfestellung bei den von ihr selber genannten Problemen. Zudem befinde ich mich bereits seit Mitte 03.2011 in einer festen Beziehung. Diese Umstände sind der Kollegin bekannt. Die Motivation "abgeblitzter Lover" ist daher abwegig. Ich bereue nicht im Geringsten, dass wir nie zusammen gekommen sind. Das einzige, was man mir vielleicht unterstellen könnte ist ein "Helfersyndrom" und dass ich mich auch für ehemalige Freunde noch verantwortlich fühle.

Lieben Gruss,
Theo

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Re: (Welche) Persönlichkeitsstörung bei einer Ärztin?

Beitragvon theo.irgendwo » Fr 12. Aug 2011, 19:27

Hallo Klaus,

ist sehr lieb, was Du da schreibst. Vielleicht sollten wir mal einen Kaffee trinken gehen :wink:

Sie hat mich nicht ein Jahr lang angehimmelt. Ich habe sie ein Jahr lang irritiert. Der Freund sitzt bei ihr zuhause, ich war nur der Störfaktor, der nun zu allseitiger Zufriedenheit durch das Ende der Freundschaft verschwunden ist.

Nein, ich trauere ihr nicht nach, ich lebe seit 03.2011 in einer glücklichen Beziehung. Sie hat natürlich Spuren hinterlassen, die beseitigt werden mussten, Reste sind noch vorhanden, aber sie prägen mich nicht mehr. Das verursacht wohl jeder Kontakt mit einer Person, die eine PS hat.

Ob sie mit ihrer Arbeit glücklich ist, ich weiss es nicht. Auf jeden Fall stresst sie die Arbeit mehr, als sie es vielleicht zugeben will. Sie hat im letzten Jahr 10kg an Gewicht verloren. Daher ist es für mich fraglich, ob ihre jetzige Arbeit als Ärztin wirklich einen positiven Effekt auf ihre psychische Erkrankung hat oder sie nicht vielleicht doch verschlimmert? Ob sie eine gute Ärztin ist? Ich hoffe es. Ob sich ihre psychische Erkrankung auf die Qualität ihrer Arbeit am Patienten auswirkt? Ich weiss es ehrlich gesagt nicht. Das Risiko möchte ich jedoch nicht tragen.

Lieben Gruss,
Theo

Klaus W
Beiträge: 448
Registriert: Sa 9. Jul 2011, 18:23

Re: (Welche) Persönlichkeitsstörung bei einer Ärztin?

Beitragvon Klaus W » Fr 12. Aug 2011, 19:30

Warum nicht, wenn Du jemals in Dresden weilst, schreib mir eine PM :)
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

theo.irgendwo
Beiträge: 13
Registriert: Do 11. Aug 2011, 20:33

Re: (Welche) Persönlichkeitsstörung bei einer Ärztin?

Beitragvon theo.irgendwo » Fr 12. Aug 2011, 19:38

OK, werde ich, versprochen!


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