Pädophilie. Wo fängt´s an, wo hört´s auf?

Hier posten Sie bitte spezifische Beiträge zum Thema der Persönlichkeitsstörungen, dazu gehören auch Störungen der Impulskontrolle (krankhaftes Glücksspiel, Stehlen, Brandstiftung, Haareausreissen (Trichotillomanie)), Störungen der Geschlechtsidentität und der Sexualpräferenz sowie sexuelle Reifungsstörungen.
-> Basis-Infos zum Thema "Persönlichkeitsstörungen"
Questionmark
Beiträge: 6
Registriert: Fr 7. Mai 2010, 18:04

Pädophilie. Wo fängt´s an, wo hört´s auf?

Beitragvon Questionmark » Fr 7. Mai 2010, 19:23

Und wieder hat die Pädophilie Einzug in die Medien erhalten, wieder entfährt der Kehle der Nation ein gellender Schrei der Empörung und des Entsetzens- Zu Recht!
Aber was ist Pädophilie genau? Wo fängt´s an, wo hört´s auf?
Ich habe mich in den letzten Tagen einmal etwas eingehender mit der Thematik beschäftigt und muss sagen: Ich bin vollkommen verwirrt!
Laut einer Studie sind 25% der Männer (zur Verdeutlichung und zum "Auf-der-Zunge-zergehen-lassen": Jeder vierte Mann (!!!)) durch präpubertäre Stimuli erregbar.
Heisst das, dass jeder vierte Mann bei dem Gedanken an einen nackten Kinderkörper sexuelle Lust verspüren oder gar sexuelle Befriedigung erlangen kann? Das jeder vierte Mann ein potentieller Pädophiler ist? Wäre dann also eine Einstufung als "gefährdete Klientel" gerechtfertigt? Aufmerken: Wir sprechen hier von ca. 2.0463.250 Mio. Männern in Deutschland.

Nächste Frage: Wenn ein Mann also bei dem Gedanken an ein zehnjähriges Kind bis zum Samenerguss masturbiert, ergo durch das Vorgestellte sexuell erregt wird, er aber primär (???) auf gleichaltrige Frauen bzw. Männer ausgerichtet ist, ist er nicht pädophil? Wie kann das sein? Wo ist die Begründung?

Desweiteren gibt es da noch die sogenannte "Parthenophilie", das erotisch-sexuelle Interesse an pubertären Mädchen. Diese allerdings stellt wiederum eine "sexualbiologisch erwartbare Reaktion" dar, ist von der Pädophilie abzugrenzen und somit nicht als Störung der sexuellen Präferenz zu werten.

Und dann wären da noch die, die es "für den Kick" tun (Der Reiz des Verbotenen) und sich, u.a. und bestenfalls, bei dem Gedanken an ein Kind sexuelle Befriedigung verschaffen. Pädophil? Ja? Nein? Oder stehen die einfach auf alles?

Schlußendlich: Kann man(n) pädophil werden oder ist man als Pädophiler schon "geboren"?

Im Moment habe ich keine Lust/ Zeit mehr mich mit diesem Thema weiter auseinanderzusetzen (Man hat ja schließlich ein Leben), finde es aber dennoch absolut interessant- deswegen lasse ich meine Fragen frecherweise mal hier und warte voller Spannung auf die Antworten.

Gruß und schönes Wochenende, an alle Glücklichen die eins haben.

Benutzeravatar
Lydia
Beiträge: 11224
Registriert: Fr 10. Sep 2004, 13:24

Re: Pädophilie. Wo fängt´s an, wo hört´s auf?

Beitragvon Lydia » Fr 7. Mai 2010, 19:45

Hallo Questionmark,

wäre vielleicht hilfreich, wenn du zunächst mal die Quelle verrätst, aus der du deine Zahlen bezogen hast. Um was für eine Studie handelt es sich und wo sind die Zahlen der Studie zu finden?

Die Berliner Charité, die wohl als seriös angesehen werden kann, befasst sich in dem in Deutschland zu diesem Thema führenden Projekt "Lieben Sie Kinder mehr, als Ihnen lieb ist?" u. a. auch mit der Frage, wie viele Pädophile es in Deutschland gibt. Dort wird davon ausgegangen, dass die Annahme von ca. 1 % der deutschen Bevölkerung wahrscheinlich ist. Ausgehend von den für 2005 ermittelten ca. 30 Mio. Männern zwischen 18 und 75 Jahren, wären das für Deutschland ca. 200 000 Pädophile.

Gruß
Lydia
Lebe jeden Tag als wäre es ein neuer Tag!
http://www.sheng-fui.de - Erfülltes Leben dank fernöstlicher Leere

Questionmark
Beiträge: 6
Registriert: Fr 7. Mai 2010, 18:04

Re: Pädophilie. Wo fängt´s an, wo hört´s auf?

Beitragvon Questionmark » Fr 7. Mai 2010, 20:00

Pädophilie liegt dann nicht vor, wenn zwar eine sexuelle Erregbarkeit durch Kinder besteht, diese aber nicht primär ist. In mehreren phallometrischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass ein hoher Prozentsatz erwachsener Männer durch präpubertäre Stimuli sexuell erregt wurde. So kam Wolfgang Berner in entsprechenden Studien auf einen Anteil von 25 %[7].
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4dophilie

Ich hoffe ich schneide damit jetzt nicht das leidige Wikipedia-Thema an...

Benutzeravatar
Lydia
Beiträge: 11224
Registriert: Fr 10. Sep 2004, 13:24

Re: Pädophilie. Wo fängt´s an, wo hört´s auf?

Beitragvon Lydia » Fr 7. Mai 2010, 20:08

Nein, aber wenn du das als Quelle nimmst, dann steht da doch auch, dass es sich bei den von dir genannten Beispielen in deinem Eingangsbeitrag nicht um Pädophilie handelt.

Pädophilie beschreibt die sexuelle Ausrichtung (jedoch nicht zwangsläufig mit dem tatsächlichen Übergriff verbunden) auf Kinder. Pädophile wünschen sich sozialen Umgang und sex. Kontakt mit den Kindern. Da geht´s nicht nur um eine einmalige oder kurzfristige Stimulation, sondern um das längerfristige, primäre Interesse an Kindern.
Allerdings muss man zwischen Pädophilie, Pädosexualität und sex. Missbrauch von Kindern unterscheiden. Bei Pädophilie muss ein Übergriff nicht zwangsläufig sein. Pädosexualität hingegen beinhaltet die Handlung/den Übergriff. Da gehts nicht nur um die sex. Präferenz, sondern um das Verhalten und entspricht somit dem Kindesmissbrauch.
Beim Kindesmissbrauch kann man dann wiederum bei den Tätern unterscheiden. Nicht jeder Täter ist auch pädophil. Es gibt auch Täter, und es wird angenommen, dass das die Mehrzahl ist, die den Missbrauch an Kindern als "Ersatzhandlung", z. B. wegen verminderter Intelligenz, Persönlichkeitsstörung, Minderwertigkeitskomplexe, Machtausübung..., begehen.
Hier ist die Unterscheidung für mich allerdings nicht mehr wichtig. Wer übergriffig wird, trägt dafür ganz alleine die Verantwortung. Egal, ob der Täter pädophil oder sonstwie gestört ist.

Grúß
Lydia
Lebe jeden Tag als wäre es ein neuer Tag!
http://www.sheng-fui.de - Erfülltes Leben dank fernöstlicher Leere

Questionmark
Beiträge: 6
Registriert: Fr 7. Mai 2010, 18:04

Re: Pädophilie. Wo fängt´s an, wo hört´s auf?

Beitragvon Questionmark » Fr 7. Mai 2010, 21:12

Das Pädophilie nicht gleich Vergewaltigung heisst, ist klar.
Dennoch finde ich es absolut interessant, dass ein solcher, wie ich finde, sehr großer, "Spielraum" bei der Diagnose bzw. Definition existiert. Mir wurde erst in den letzten Tagen wirklich bewusst, auf welch riesigem Feld voller Grauzonen sich Liebe und Sexualität abspielen- erstaunlich!
Etwas eigenartig finde ich das Ergebnis der Studie aber schon. Ich komme einfach über die Zahl nicht weg.
Was mir an diesem Punkt noch zu denken gibt, ist, warum ein solches Forschungsergebnis nicht groß durch die Medien geht. Der Mann, der diese Studie durchgeführt hat, Wolfgang Berner, ist offensichtlich ein bedeutender Fachmann auf dem Gebiet. Suchen wir vielleicht einfach nur nach Punkten um uns möglichst klar von "solchen" abzugrenzen?
Interessant, Interessant.
Es bleibt jedoch die Frage ob diese 25% irgendwann pädophil werden können.
Überhaupt: Ist Sexualität veränderbar? Man hört ja des Öfteren von Menschen, die erst in fortgeschrittenem Alter realisieren, dass sie eigentlich homosexuell sind.

Liebe Grüße!

Benutzeravatar
Lydia
Beiträge: 11224
Registriert: Fr 10. Sep 2004, 13:24

Re: Pädophilie. Wo fängt´s an, wo hört´s auf?

Beitragvon Lydia » Fr 7. Mai 2010, 21:16

Man hört ja des Öfteren von Menschen, die erst in fortgeschrittenem Alter realisieren, dass sie eigentlich homosexuell sind
Das hat wohl weniger mit der Realisierung als solchem zu tun, als mit der Erziehung und der "Gesellschaft", die lange Zeit Homosexualität tabuisiert hat und die Betroffenen ebenfalls dazu gezwungen hat, ihre Neigungen zu verleugnen.

Bei den 25 %, die in deiner Studie genannt werden, geht es offensichtlich nicht um Pädophile, sondern die Zahl beinhaltet Männer mit kurzfristigen, z. T. einmaligen sex. Fantasien, die weder zum Übergriff, noch zum primären Sexualverhalten und Wunschdenken der Männer gehören. Das sollte man unterscheiden.

Gruß
Lydia
Lebe jeden Tag als wäre es ein neuer Tag!
http://www.sheng-fui.de - Erfülltes Leben dank fernöstlicher Leere

Questionmark
Beiträge: 6
Registriert: Fr 7. Mai 2010, 18:04

Re: Pädophilie. Wo fängt´s an, wo hört´s auf?

Beitragvon Questionmark » Fr 7. Mai 2010, 21:25

Man weiß also sehr wohl um seine Neigung...
Und damit ist Sexualität wohl auch nicht veränderbar.

Questionmark
Beiträge: 6
Registriert: Fr 7. Mai 2010, 18:04

Re: Pädophilie. Wo fängt´s an, wo hört´s auf?

Beitragvon Questionmark » Fr 7. Mai 2010, 21:27

Wobei: Es gibt ja immerhin die sogenannte "Ex-Gay"-Bewegung. Wobei die sehr umstritten ist...

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4464
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Pädophilie. Wo fängt´s an, wo hört´s auf?

Beitragvon Laura » Fr 7. Mai 2010, 21:31

Immer diese Studien! Immer diese Schlussfolgerungen! Man hat bei einer psychologischen Studie auch festgestellt, dass Frauen auf Fotos von nackten Frauen mit einer stärkeren Erregung reagieren als auf Fotos von nackten Männern. Es wurde aber nicht der Schluss gezogen, dass wir Frauen nun alle potenziell lesbisch, bisexuell oder autosexuell seien.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Benutzeravatar
Lydia
Beiträge: 11224
Registriert: Fr 10. Sep 2004, 13:24

Re: Pädophilie. Wo fängt´s an, wo hört´s auf?

Beitragvon Lydia » Fr 7. Mai 2010, 21:37

Dennoch finde ich es absolut interessant, dass ein solcher, wie ich finde, sehr großer, "Spielraum" bei der Diagnose bzw. Definition existiert. Mir wurde erst in den letzten Tagen wirklich bewusst, auf welch riesigem Feld voller Grauzonen sich Liebe und Sexualität abspielen- erstaunlich!
Etwas eigenartig finde ich das Ergebnis der Studie aber schon. Ich komme einfach über die Zahl nicht weg.
Bei der Definition der Pädophilie sehe ich den Spielraum nicht so groß, wie du ihn mit der Studie darstellst. Ebenso finde ich die dort genannten Zahlen nicht erstaunlich, da es sich dort anscheinend nicht um Pädophilie handelt. Es geht nicht um echtes und nachhaltiges sex. Interesse an Kindern und erst recht nicht um den tatsächlichen Wunsch nach einem Übergriff, sondern lediglich um (kurzfristige) Fantasien.
Und damit ist Sexualität wohl auch nicht veränderbar.
So sehe ich es zumindestenst.
Das Projekt der Charité Berlin geht allerdings davon aus, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit der Neigung, z. B. durch Therapie, möglich ist. Also dass im Falle von Pädophile kein Übergriff auf Kinder erfolgt.

Neigungen und Präferenzen sind meiner Meinung nach gegeben, dafür kann keiner was. Was die Betroffenen daraus machen, also ob sie diese Neigungen ausleben, liegt allerdings, egal ob mit oder ohne Therapie, ganz alleine in der Verantwortung der Betroffenen. Ohne Entschuldigung!

Gruß
Lydia
Lebe jeden Tag als wäre es ein neuer Tag!
http://www.sheng-fui.de - Erfülltes Leben dank fernöstlicher Leere

Questionmark
Beiträge: 6
Registriert: Fr 7. Mai 2010, 18:04

Re: Pädophilie. Wo fängt´s an, wo hört´s auf?

Beitragvon Questionmark » Fr 7. Mai 2010, 23:25

Sicher. Dass es sich nicht um Pädophilie handelt, steht ja da. Dennoch dreht es sich um Phantasien (!). Immerhin. Für mich nur erstaunlich, weil ich bisher glaubte, dass sexuelle Phantasien bzw. sexuelle Erregung die durch kindliche Körper erlangt wird/ erlangt werden kann, eindeutig als pädophil einzustufen sind. Aber das scheint ja so nicht richtig zu sein falls diese Phantasien nicht von primärem Interesse sind.

Benutzeravatar
fluuu
Beiträge: 2544
Registriert: Di 13. Sep 2005, 13:32
Kontaktdaten:

Re: Pädophilie. Wo fängt´s an, wo hört´s auf?

Beitragvon fluuu » Do 20. Mai 2010, 12:04

Hallo,
da liegt ein Irrtum vor...
„Pädophilie“ ist eine psychische Störung und wird nach der Klassifizierung im ICD 10 unter
Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (F 60 - F69) mit Diagnoseschlüssel F 65.4 eingestuft.
Es ist eine krankhafte psychische Störung der Persönlichkeit und des Verhaltens und keine
Denkstörung und somit auch keine Störung in der Phantasie.
Wenn ein Mann Phantasien hat beim Onanieren die sich nicht in der Persönlichkeit oder
im Verhalten niederschlagen ist es kein Ausdruck von Störung.
Krankhaft und somit zu behandeln ist das Verhalten nur wenn es ausgelebt wird und da zeigt
die Charité in Berlin wie Hilfe vor der Tat möglich ist.

Vielleicht ist noch zu erwähnen, dass bei dem großen Thema sexueller Missbrauch an Kindern
die Männer mit Pädophilie als psychische Erkrankung nur einen kleinen Prozentsatz ausmachen.
Die meisten Vergehen werden von 'gesunden' Männern im weitesten Familienkreis durchgeführt
als reines Machtinstrument gegenüber Schwächeren und bleiben meist lange im Verborgenen.

Es ist ein Skandal am Anfang des 21. Jahrhunderts, dass diese Feigheit und Verlogenheit unter
Menschen immer noch praktiziert wird um auf so schändliche Weise das Ego zu befriedigen.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de


Zurück zu „Persönlichkeitsstörungen (ICD-10:F6)“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast