Minderwertigkeitskomplexe mit Magersucht?

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kachelofen
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Minderwertigkeitskomplexe mit Magersucht?

Beitragvon kachelofen » Mo 31. Aug 2009, 19:54

Hallo alle,

ich habe eine Freundin, die ganz offensichtlich an starken Essstörungen leidet. Nach eigenen Angaben hat sie seit dem 27. Juli dieses Jahres keine echte Mahlzeit mehr zu sich genommen und bricht sich nach dem spärlichem Essen meist sofort.

Ich möchte ihnen die Situation schildern:
Sie ist fast 15 Jahre alt und nicht wirklich dick, ein bisschen Speck, aber sonst normal. Persischer Abstammung, aber das ist egal. 2 Jahre zuvor trennten sich ihre Eltern fast und über die Sommerferien fuhr sie mit ihrer Mutter für 1,5 Monate nach Amerika zu ihrer Tante, da die Mutter Abstand vom Vater brauchte. Bis dahin hatte sie eine wahrlich schlanke Linie. In Amerika hat ihr das fette Essen zugesetzt und sie wurde ein wenig pummelig. Ihre Mutter hat ihr auch ganz offen gesagt, das sie zu dick sei. Innerhalb eines Jahres nahm sie 2 Kilo ab und sah dann normal aus. Währenddessen litt ihr Bruder an Magersucht, nachdem er "dick" war. Er kippte im Wohnzimmer vor den Eltern um, somit müsste sie eigentlich die Konsequenzen ihrer Aktion kennen.
Jedenfalls hatte sie vor gut einem Jahr, so August 2008 einen Freund, den sie nun wirklich über alles liebte. Der sie jedoch nicht und sagte ihr das auch mit allem was da eigentlich nicht zugeört ins Gesicht. Er hielt es auch für angebracht, sie als fett und haarig zu beschimpfen und hat dann per Internetchat mit ihr Schluss gemacht. Das hat ihr sehr zugesetzt, sie leidet immernoch darunter, vorallem, weil besagter Junge in ihre Klasse geht und sie so garkeinen Raum zum verarbeiten der Ereignisse hat. Weiterhin pisakt der Junge sie seit nun gut einem Jahr immer wieder und sie sagte mir, das sie trotzdem noch eine Menge für ihn machen würde, obwohl sie eigentlich weiß, was er ihr antat. Sie verstehe es auch nicht genau. Und das macht ihr seeeehr zu schaffen. Sie war fast 6 Monate mehr oder weniger depressiv, als er mit ihr Schluss machte. Dann lernte ich sie vor 4 Monaten kennen und verliebte mich natürlich in sie. Wir kamen auch zusammen, aber nur für gut einen Monat, sie machte Schluss, weil sie immer noch an vorhin genannten Jungen hänge und nicht wirklich bereit für was neues war. Das war Anfang der Sommerferien. Wir gingen getrennte Wege, was ich nicht wusste ist, das sie sich derart hässlich fand, sodass ich es schon als Minderwertigkeitskomplexe bezeichnen würde. Nach einer Woche Urlaub fing sie an, nichts mehr zu essen. Falls relevant, sie würde im Urlaub mit einer befreundeten Familie von dem Mann dieser Familie, welcher Drogenberater ist, als schlechtes Kind bezeichnet. Also, seit dem Urlaub, so sagte sie, fing es einfach an bei ihr, dass sie nichts mehr aß. Sie sagt, es komme von alleine, und wird seitdem immer stärker. Ihr Ziel ist es, dünn zu werden. Nun traf ich sie diesen Samstsg auf einem Konzert, als sie schon gut 4 Wochen hungerte (und auch schon 4 Kilo abnahm) und sie trank 3 Gläser Bier auf leeren Magen. Dementsprechend schnell war sie betrunken. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählte mir nun von ihren Plänen, bis zum achten September nochmal 4 Kilo abzunehmen. Als ich sie fragte, warum, antwortete sie, um dünn zu sein, als ich sie fragte, ob sie sich dann besser fühle, sagte sie nein! Seitdem sind wir wieder im Kontakt und ich und ihre Freundinnen versuchen ihr das auszureden und auch ihr Bruder, der das alles ja schon erlebt hatte. Sie erzählte, dass es ihr immernoch zu schaffen macht, ihren Exfreund jeden Tag in der Schule zu sehen, da sie ihn einerseits hasst, anderseits jedoch noch etwas für ihn empfindet. Weiterhin hasst sie ihren Körper nun absoulut, findet sich ekelig und "muss" nach eigenen Angaben abnehmen. Außerdem hat sie starke Schuldgefühle, weil sie mit mir Schluss gemacht hat, sie wollte nie zu jemandem verletztend sein, ich rede ihr das natürlich aus und wir sagen ihr das sie nicht abnehmen braucht und toll aussieht und so. Aber sie macht weiter, hat aber selber Angst, es nicht mehr unter Kontrolle zu haben, wie sie sagte. Es fing an, ohne das sie was machen konnte und es geht weiter und sie hat wirklich Angst davor, das es aus dem Ruder läuft, und sie ernsthaft psychisch krank ist. Einen Arzt lehn sie aber partout ab, obwohl sie es besser weiß. Ihr fehlt der Wille, der Wunsch nach Schlankheit ist größer oder sie hat es echt nicht mehr unter Kontrolle. Sie meinte, sie hätte sich an den Hunger gewöhnt, und das finde ich echt beängsigend, 5 Wochen keine echte Mahlzeit und sich daran gewöhnen, ich glaube schon, sie ist krank, Bulimie oder so... Nach außen hin gibt sie sich mehr oder weniger gut gelaunt und in guter Verfassung, aber eigentlich geht es ihr richtig dreckig, sie hat zurzeit mit vielen Leuten Probleme (mit ihrem Exfreund, der auch ein Freund von mir ist und sie jetzt pisakt, weil sie mit mir Schluss machte), ihre schulischen Noten waren nur geradeso ausreichen für die Versetztung in die zehnte Klasse.

Nun zu meinen eigentlichen Fragen:

- Zu welcher vorläufigen mehr oder weniger "Diagnose" könnten die Ärzte hier unter Berücksichtugung ihrer aktuellen Sitaution und ihrer Vergangeheit kommen?
- Wie können wir sie (vorallem ihr Bruder, von dem sie sich am meisten sagen lässt) davon überzeugen, dass ihre Aktion absoluter Bullshit ist und sie damit aufhören muss?
- Ist ihrer Meinung nach professionelle Hilfe nötig?
- Wenn wir es schaffen, ohne Arzt ihre Phase zu beenden, wie sollte man am besten den Rückgang zum normalen Essen vornehmen, da sie bestimmt schon einen sehr kleinen Magen hat.
- Was tun, wenn sie rückfallig werden sollte?

Danke im Vorraus

Mit freundlichen Grüßen

kachelofen

Proxifilm
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Re: Minderwertigkeitskomplexe mit Magersucht?

Beitragvon Proxifilm » Do 21. Jan 2010, 18:46

Ich denke Ihre Freundin ist ein ganz "normales" Mädchen, das eine vielleicht nicht gesunde Beziehung zu ihrem Essverhalten hat, aber sicher mit der Zeit gehen will. Dicke Menschen sind vermutlich weder schön anzusehen, noch körperlich besonders gesund. Eventuell hat Ihre Schwester etwas über die Kulturbewegung "Pro Ana" gelesen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Pro-Ana
Abhängig vom Alter könnten Sie Ihre Schwester dahingehend bilden, dass eine ausgeglichene Nahrung genau so schlank hält, als wenn man nichts isst. Außerdem, so unterstelle ich, hat Ihre Schwester Zukunftspläne, die kann man nur mit einem gesunden und gut ernährten (reich an Vitaminen) Körper erreichen. Bildung ist allerdings ein langer Prozess.


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