Pädophilie - Bewertung bei Begutachtungen (Rente & GdB)

Hier posten Sie bitte spezifische Beiträge zum Thema der Persönlichkeitsstörungen, dazu gehören auch Störungen der Impulskontrolle (krankhaftes Glücksspiel, Stehlen, Brandstiftung, Haareausreissen (Trichotillomanie)), Störungen der Geschlechtsidentität und der Sexualpräferenz sowie sexuelle Reifungsstörungen.
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Lydia
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Beitragvon Lydia » So 7. Dez 2008, 01:44

Hallo Eisbärin,

Pädophilie ist keine Krankheit, sondern eine Störung der Sexualpräferenz. Deswegen, da hast du recht, berechtigt Pädophilie genausowenig wie Homosexualität einen Anspruch auf Frührente.
Ich denke, und das wurde in der Ausgangsfrage von Eagle ja auch zum Ausdruck gebracht, dass es nicht um die Pädophilie als solches dabei ging, sondern um die Folgeerkrankungen, wie Depressionen, die dadurch entstehen können.
Das mit dem "Hilfe ich bin häßlich" ist vielleicht gar nicht so ein abwägiger Vergleich. Auch "Hässliche" leiden unter den Stigmatisierungen und Ausgrenzungen anderer, so dass dadurch schwere psychische Störungen entstehen können.

Warum ein Outing gegenüber anderen Personen, auch wenn es sich um Ärzte und Therapeuten mit Schweigepflicht handelt, so schwer ist, obwohl kein Verbrechen vorliegt, wurde in diesem Thread
http://www.psychiatriegespraech.de/phpB ... c&start=15
insbesondere in den Beiträgen von M. Daniels ganz gut beschrieben.

Gruß
Lydia

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Lydia
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Beitragvon Lydia » So 7. Dez 2008, 19:41

Hallo Eisbärin,

ich habe nicht mit meinen Beiträgen und Erklärungsversuchen die Absicht gehabt, die Gefahren von Pädophilen für Kinder zu relativieren oder gar irgendwas zu beschönigen.

Da ich selber auch Betroffene von sex. Missbrauch bin, fällt es mir schwer und so geht es vermutlich auch Nichtbetroffenen, eine objektive Stellung zu deinem Beitrag und zu der Beichte deines Bekannten zu beziehen.

Die Einstellung deines Bekannten "man tut den Kindern doch was Gutes" und "ich tue nichts, was das Kind nicht will" ist die Sichtweise eines Täters und nicht die eines Pädophilen, der weiß, was er Kindern antut, wenn er übergriffig wird und dies schon alleine aus diesem Grund verhindern möchte. Zu der Sichtweise, die teiweise von Pädophilen vertreten wird, man tue nichts, was das Kind nicht will, hatte ich mich in dem verlinkten Thread in meinem vorherigen Beitrag bereits geäußert und möchte es hier nicht nochmal wiederholen, da es hier um ein anderes Thema geht.

Das dein Bekannter kein Hilfe bekommen hat, als er sie gesucht hat, zeigt aber vielleicht das Dilemma in der Pädophile stecken, wenn sie etwas präventiv tun wollen.
M. E. Hat er es sich allerdings leicht gemacht, wenn er nach diesem einen Versuch aufgegeben hat. Es liegt in seiner Verantwortung, alles erdenkliche zu tun, sich Hilfe zu suchen und dadurch Kinder zu schützen.

Ich verstehe den Druck, den du aufgrund der Beichte verspürst und der auf dir lastet, wenn du verständlicherweise nicht auf seine Angebote eingehst. Aber wenn dein Bekannter übergriffig wird, liegt auch das alleine in seiner Verantwortung und wenn sich Hinweise aus seinen Erzählungen diesbezüglich ergeben, würde ich ihn anzeigen. Ebenso würde ich mich an eine Beratungsstelle gegen sex. Missbrauch" (z. B. Dunkelziffer, Wildwasser o. ä.) wenden, um dich beraten zu lassen, wie du am Besten mit der Situation für dich und zum Wohle potentieller Opfer deines Bekannten umgehen solltest. Dort gibt es professionelle Berater, die sich mit der Thematik auskennen.

Gruß
Lydia

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Lydia
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Beitragvon Lydia » So 7. Dez 2008, 23:21

Hallo Eisbärin,

ich möchte doch nochmal etwas zu der Sichtweise "ich tue nichts, was das Kind nicht will" und dem damit verbundenen Irrglauben "ich tue dem Kind nur Gutes" sagen.

Wer so eine Sichtweise vertritt, ist m. E. eine große Gefahr für Kinder, weil er sich mit solchen hanebüchenen Thesen bereits eine Entschuldigung bzw. Rechtfertigung zurecht gebogen hat und somit scheinbar bereits im Hinterkopf hat, real zum Täter zu werden bzw. vielleicht sogar schon geworden ist. Dein Bekannter ist es zumindest schon dadurch geworden, weil er Kinder dazu missbraucht hat, für Fotos zu posieren, die er ja nicht zufällig für sein Familien- oder Urlaubfotosalbum gemacht hat, sondern vor dem konkreten Hintergrund seiner Pädophilie. Er hat also bereits aktiv Kinder missbraucht, was du ja auch schon aufgrund seiner anderen Schilderungen vermutet hast.

Du scheinst dich ja schon eine geraume Zeit mit ihm relativ offen über das Thema zu unterhalten. Vor dem Hintergrund, was er dir alles erzählt hat, ist es schon wirklich bemerkenswert, dass du das aushältst. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich es nur lesen muss.

Die Frage wenn man sich darauf einlässt ist und du selber machst dir ja auch darüber Gedanken, wie man mit solchen Informationen umgehen sollte, welche Handlungsalternativen bestehen und welche im konkreten Fall am besten geeignet ist, einen Pädophilen, bei dem das Risiko oder sogar der Verdacht besteht, er könne sich tatsächlich an Kinder vergreifen, davon abzuhalten bzw. wie man potentielle Opfer davor bewahren kann.
Vieleicht sollte ich versuchen den Spieß einfach umzudrehen und statt mich unter Druck setzen zu lassen ihn unter Druck setzen. Geh da hin oder ich sags Deiner Frau!
Ich weiß nicht, welches der richtige Weg ist. Unter Druck setzen lassen, solltest du dich auf jeden Fall nicht. Notfalls würde ich den Kontakt abbrechen oder aber, da du in Therapie bist, das wirklich dort thematisieren, sollte der Druck zu groß werden. Dabei wird ein Therapeut dich sicherlich unterstützen können. Ob er dir aber bei den oben genannten Fragen helfen kann, wenn er nicht auf diesem Gebiet geschult ist, bezweifele ich, weil es dort nicht nur um psychologische Fragestellungen geht. Ein Versuch ist es natürlich wert. Parallel würde ich ich mich aber trotzdem an eine Beratungsstelle wenden, da die Mitarbeiter dort Erfahrungen in Sachen Präventionsarbeit besitzen. Die meisten Beratungsstellen kann man auch einfach per Mail kontaktieren.

Wie auch immer du handeln wirst, die Verantwortung für sein Handeln liegt und bleibt immer bei deinem Bekannten.

Gruß
Lydia

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Laura
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Beitragvon Laura » So 7. Dez 2008, 23:49

Hallo Eisbärin!

Ich kann nicht nachvollziehen, was in einem Menschen vorgeht, der von seiner Pädophilie und seinen pädophilen Taten erzählt, als handle es sich um ein unheimlich interessantes, erquickendes Thema. Entweder hat er die letzten Gewissensbisse ausgeschaltet oder er hat noch nie viel Unrechtsbewusstsein besessen oder er erhofft sich womöglich eine Art Absolution, indem er davon erzählt, auch für zukünftige Taten. Er sollte durch Dein Zuhören nicht das Gefühl bekommen, dass das, was er getan hat und möglicherweise noch tut und tun wird, nur "halb so wild" oder möglicherweise "interessant" sei. Wie Du damit umgehen willst, ist natürlich Deine Entscheidung, die Du im Ermessen Deiner Nervenstärke fällen musst. Ich würde jemanden auch nicht einfach so anzeigen oder der Ehefrau Illusionen rauben können. Aber wenn Du ihm sagen würdest, dass Du Dir diese scheußlichen Geschichten nicht mehr anhören möchtest und den Kontakt zu ihm abbrichst, hättest Du ihm ein Zeichen gesetzt. Nämlich dass Du nicht der Meinung bist, dass er da etwas "Gutes" tut und dass Leute wie er, die so etwas tun, nun mal geächtet gehören. Es muss ihm ja nicht sofort einleuchten, warum sexueller Missbrauch von Kindern gesellschaftlich geächtet wird, aber wenn er selbst Ächtung erfährt, könnte ihn das zum Nachdenken bringen. Solange er sich über seine Taten und Fantasien ausbreiten darf, kann er das Zuhören als stillschweigendes Einverständnis interpretieren. Wenn Du ihm bereits gesagt hast, dass Du seine Taten missbilligst, ihm aber weiter zuhörst, kann er sich Dein Zuhören genauso zurechtbiegen wie er sich seine Taten zurechtbiegt. Er könnte sich einreden, dass Du seine Stories interessant findest und auf Fortsetzungen wartest.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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deepnight
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Beitragvon deepnight » Mo 8. Dez 2008, 08:54

Hallo Eisbärin,
vielleicht erzählt er dir diese Dinge, damit er dich bewegen kann für seine "Ersatzbefriedigung" herzuhalten. Du bist weder dazu verpflichtet, mit ihm ins Bett zu gehen, noch liegt es in deiner Verantwortung, wenn er sich an Kindern vergreift. Das ist allein seine Verantwortung!!!!!. Mein Rat: sag ihm daß du dich von ihm und seiner Problematik überfordert fühlst (du bist auch nicht seine Therapeutin) und brich den Kontakt konsequent ab.
Gruß, Helene
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Beitragvon esperanza » So 14. Dez 2008, 20:19

Irgendwie geht Eisbärin ein bisschen an der Sache vorbei. Nur weil dieser Mann, der sich geoutet hat der Meinung ist, er tut Kindern was Gutes, muss das doch nicht jeder Pädophile denken....
Nur um nochmal eins klarzustellen: Ich habe absolut KEIN Verständnis mit Tätern. Aber ich habe Mitgefühl mit Pädophilen, die ihre Neigung NICHT ausleben. Ich finde Ausgrenzung in jeglicher Form schrecklich. Man kann einen Menschen doch nicht aufgrund seiner Veranlagung hassen....das ist unmenschlich. In diesem Sinne sind Pädophile auch Opfer. Und: Nur weil man Mitgefühl für Pädophile hat, die ihre Neigung NICHT ausleben, heisst das noch lange nicht, dass man deshalb keins für Opfer haben kann....irgendwie alles unlogisch.
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Beitragvon esperanza » So 1. Feb 2009, 02:22

@Eisbärin
Es ist ja schön, dass Du mir hier dei Definiton des Wortes Opfer näherbringen willst, aber die kannte ich schon vorher.
Wenn jemand pädophil ist, aber keinem Kind was zuleide tut und dennoch von allen gehasst und ausgestossen wird, wird ihm ja wohl was Schlimmes angetan, oder sehe ich das falsch?? Also was hat das dann damit zu tun, dass Pädophilie eine Veranlagung ist? Denk doch erst mal nach, bevor Du schreibst. Was ich meine, war ja wohl klasklar!
Die Wahrheit triumphiert nie, ihre Gegner sterben nur aus!

OEG
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Beitragvon OEG » So 1. Feb 2009, 11:57

Ob ein Pädophiler wirklich schuldlos ist, kann er wohl nur selber feststellen, wenn er selber ehrlich zu sich und anderen ist.

Das ist nichts, was wir hier feststellen können.

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Beitragvon meti18 » Fr 27. Feb 2009, 20:26

therapie?!?

Fuma
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Re: Pädophilie - Bewertung bei Begutachtungen (Rente & GdB)

Beitragvon Fuma » Fr 2. Mär 2018, 20:23

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mamschgerl
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Re: Pädophilie - Bewertung bei Begutachtungen (Rente & GdB)

Beitragvon mamschgerl » Fr 2. Mär 2018, 23:07

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Fuma
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Re: Pädophilie - Bewertung bei Begutachtungen (Rente & GdB)

Beitragvon Fuma » Sa 3. Mär 2018, 09:41

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mamschgerl
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Re: Pädophilie - Bewertung bei Begutachtungen (Rente & GdB)

Beitragvon mamschgerl » Sa 3. Mär 2018, 10:44

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Fuma
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Re: Pädophilie - Bewertung bei Begutachtungen (Rente & GdB)

Beitragvon Fuma » Sa 3. Mär 2018, 12:07

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mamschgerl
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Re: Pädophilie - Bewertung bei Begutachtungen (Rente & GdB)

Beitragvon mamschgerl » Sa 3. Mär 2018, 14:47

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