Pädophilie - Bewertung bei Begutachtungen (Rente & GdB)

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Eagle66
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Pädophilie - Bewertung bei Begutachtungen (Rente & GdB)

Beitragvon Eagle66 » Sa 9. Aug 2008, 12:09

Guten Tag zusammen,

mich interessiert, wie eine klinisch nachgewiesene Pädophilie einschließlich ihrer Folgeerkrankungen wie z.B. Depressionen üblicherweise bei Begutachtungen bewertet wird, wenn es darum geht, einen Grad der Behinderung (GdB) oder eine Rente wegen voller Erwerbsminderung zu vergeben?

Begeht der Betroffene (hoffentlich) keine Übergriffe, so leidet er aber extrem unter dem Verzicht auf die Erfüllung sämtlicher sexueller und emotionaler Bedürfnisse. Dass einem das auf die Dauer schwer psychisch krank macht, sollte nicht weiter erklärungsbedürftig sein...

Die Selbstkontrolle, z.B. sexueller Impulse, ist üblicherweise so stark belastend, dass absolut keine Leistungsfähigkeit besteht.

Unter diesem Blickwinkel hätte ich gerne einmal gewußt, wie im Schwerbehindertenrecht und im Rentenrecht mit einer derartigen Diagnose umgegangen wird? Mir ist natürlich klar, dass jeder Einzelfall etwas anders liegt, aber mir geht's um den "Durchschnitt".

In den "Anhaltspunkten 2008" wird ja genannt:

Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, ...
--> Schwere Störungen mit mittelgradigen sozialen Anpassungsschwierigkeiten - GdB 50 - 70
--> Schwere Störungen mit schweren sozialen Anpassungsschwierigkeiten - GdB 80 - 100

Kann man die Pädophilie hier mit einordnen? Ich würde sagen, dass hierbei eine mittlere bis schwere soziale Anpassungsschwierigkeit vorliegt.

Ich bin für fachlich qualifizierte Antworten sehr dankbar.

Lesen hier evtl. sogar Ärzte mit, die selbst als Gutachter tätig sind?

Viele Grüße,
Eagle66

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Molly
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Beitragvon Molly » Sa 9. Aug 2008, 13:39

Ich bin zwar kein Fachmann aber ist es grade wenn man solche Neigungen hat, nicht besser sich in Arbeit zu stürzen um sich abzuelenken? Jemand der die ganze Zeit zu Hause sitzt und nichts tut, kommt wohl eher auf dumme Gedanken, oder?

Molly

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Remedias
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Beitragvon Remedias » Sa 9. Aug 2008, 13:53

Hallo Eagle, für den GdB kann dich das Landesamt für soziale Dienste in deinem Bundesland beraten; Nicht einmal mein Arzt konnte mir eine Prognose für einen möglichen GdB geben; das machen die Gutachter des Amtes auf Grund der ihren vorliegenden Unterlagen.
lieber Gruß Remedias

Goj
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Beitragvon Goj » Sa 9. Aug 2008, 14:00

http://www.vdk.de/cms/mime/915D1201601158.pdf
hier ist im einzelnen aufgelistet, was es so alles "gibt".

ob pädophilie jetzt für sich bereits einen GdH gibt, oder ob die folgeerscheinungen wie depressionen etc. lediglich als chronisch gelten, kann ich nicht beurteilen. entscheiden tut letztendlich die behörde.

im übrigen gibt es medikamente, die den sexualtrieb unterdrücken. würd ich doch sehr empfehlen, wenn du nicht das leben anderer und dein eigenes doch noch "versehentlich" zerstören willst. zudem kann es auch die folgeerscheinungen reduzieren.

Eagle66
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Beitragvon Eagle66 » Sa 9. Aug 2008, 15:12

@Molly: Sich in Arbeit zu stürzen, ist nicht möglich, wenn man aufgrund seines psychischen Zustandes schon seit Jahren dauerhaft arbeitsunfähig bzw. erwerbsgemindert ist. Da würde sofort der nächste Nervenzusammenbruch kommen, da absolut keine Belastbarkeit gegeben ist, bis hin zu Suizid-Gedanken. Daher liegt auch schon seit Jahren eine volle Erwerbsminderung vor, wenn auch bisher nur befristet. Die Pädophilie ist nur ein Problem von mehreren. Sie wurde bisher - aus sicher nachvollziehbaren Gründen - noch nicht einmal den Gutachtern und Ärzten gegenüber erwähnt, und auch ohne diese Diagnose wurde bereits volle Erwerbsminderung zuerkannt...

Zuhause ist es außerdem noch "am sichersten". Sobald man rausgeht, z.B. weil man arbeiten gehen würde, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass man sich lauter Reizen aussetzt, z.B. auf der Straße, im Bus, usw. Selbst das Einkaufen gehen einmal pro Woche ist schon ein Akt für sich.

@Remedias: Deine Antwort liest sich so als wenn Du das gleiche Problem hast. Hast Du selbst schon einmal einen Antrag auf GdB gestellt? Wenn ja, was kam dabei heraus?

@Goj: Danke für den Link, aber die Anhaltspunkte kenne ich sinngemäß. Da ich hier nicht wirklich etwas passendes finden konnte, daher meine Frage in diesem Forum... Am besten wäre es natürlich, jemand könnte aus eigenen Erfahrungen berichten, oder es würde jemand mitlesen, der selbst gutachterliche Erfahrungen hat.

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Remedias
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Beitragvon Remedias » Sa 9. Aug 2008, 15:25

Hallo, eagle, nein, ich habe einen GdB von 50 wg. einer Psychose; aber was ich dir sagen wollte, ist, dass nicht einmal mein Psychiater voraussagen konnte, wie hoch er denn nun ausfallen würde. Auch die GdB- Tabelle gibt ja nur Richtwerte an. Deshalb meine ich, dass dir nur übrig bleibt, den Antrag zu stellen und abzuwarten, was dabei herauskommt.
Ärzte lesen hier eher weniger mit.
lieber Gruß Remedias

Lutz
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Beitragvon Lutz » So 10. Aug 2008, 03:31

Sexuelle Vergehen an Kindern ist ein kriminelles Delikt.
Also gehört ein Pädophiler zu den kriminellen Geisteskranken.

Das Kriminalität ist mit Sicherheit keine Behinderung und Frührentner wirst du auch nur, wenn du eine blütenweiße Weste hast.

Null Chance!!!!!!!!!!"

Gruß
Lutz

Eagle66
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Beitragvon Eagle66 » So 10. Aug 2008, 11:02

@Lutz: Sorry, selten so viel Blödsinn gelesen... Das gilt nur, wenn man seine Pädophilie auch auslebt, d.h. pädophil bedeutet nicht gleichzeitig kriminell.
Was Du meinen könntest, ist vielleicht pädosexuell, das ist etwas anderes.

Aber mich wundert es nicht, dass eine solche Äußerung kommen muß, Du repräsentierst damit die typische Stigmatisierung in unserer Gesellschaft.

Gruß,
Eagle66

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Stille
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Beitragvon Stille » So 10. Aug 2008, 18:04

Hallo eagle,

Pädophilie soll ganz gut therapierbar sein. Es geht darum tragfähige Beziehung auch zu erwachsenen Personen aufbauen und ausleben zu können. Deshalb finde ich es nicht richtig, dass du dich mit deinem Problem noch nicht mal an deine Therapeuten gewannt hast. So wie sich das anhört bist du eine tickende Zeitbombe
Zuhause ist es außerdem noch "am sichersten". Sobald man rausgeht, z.B. weil man arbeiten gehen würde, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass man sich lauter Reizen aussetzt, z.B. auf der Straße, im Bus, usw. Selbst das Einkaufen gehen einmal pro Woche ist schon ein Akt für sich.
Wie ein Gutachter das einschätzen würde, wird dir hier kaum jmd sagen können, da er ja die gleichen Symptome/Erfarungen usw. haben müsste. Außerdem sind Gutachter auch subjektiv in ihrer Beurteilung. bei jeder Erkrankung gibt es auch unterschiedliche Beurteilung der Betroffenen, sonst würde ja nach einem einfachen Diagnosekatalog jeder entsprechend einzordnen sein. Es können also nur Richtwerte und Empfehlungen ausgesprochen werden.

Du solltest dich also dringend in eine entsprechender Behandlung begeben, denn irgendwann kann es nicht nur für dich zu spät sein.

In diesem Sinne
Stille

Eagle66
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Beitragvon Eagle66 » So 10. Aug 2008, 19:13

Hallo Stille,

ich habe mich schon um eine entsprechende Therapie bemüht, ich sage nur: Charité Berlin..., aber keinesfalls mache ich den Fehler und oute mich bei meinen Behandlern vor Ort...

Ich habe schon oft gelesen von Menschen, die das gleiche Problem haben wie ich, dass nach einem Outing das Vertrauensverhältnis selbst zu ihren Ärzten und Therapeuten massiv gestört war bzw. sogar eine weitere Behandlung abgelehnt wurde! Das kann ich mir in meiner Region aufgrund Facharzt-Mangels nicht erlauben, da ein Wechsel zu einem anderen Facharzt nur möglich wäre, wenn man fortan für jeden Arztbesuch riesige Entfernungen in Kauf nimmt.

Bisher habe ich mich selbst als "sicher" eingeschätzt, obwohl rückwirkend betrachtet meine Neigung schon seit rund 20 Jahren besteht. Aber jetzt wird mein Leidensdruck zu groß, da es mit dieser Neigung unmöglich ist, eine feste Partnerschaft (zu einer erwachsenen Frau) aufzubauen, und die Partnerlosigkeit macht mich mittlerweile fertig...

Übrigens: Pädophilie ist NICHT heilbar, nur kontrollierbar! Das ist das Erste, was man gesagt bekommt...

Grüße,
Eagle66

Joey (w)
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Beitragvon Joey (w) » So 10. Aug 2008, 19:47

Hallo Eagle66,

Es gibt Hilfe.
Vor ein paar Jahren (kann mich nicht mehr genau erinnern), waren überall Plakate zu sehen mit der Aufschrift: "Lieben sie Kinder mehr als ihnen lieb ist? Dann lassen sie sich helfen."
Ich weiss nur leider deren Anschrift nicht mehr.

Vielleicht kennt hier noch irgendwer diese Plakate und deren Anschrift.

Es gibt also Einrichtungen, in denen man Hilfe bekommt.

Und ich denke auch nicht, das dich alle Therapeuten, sobald du dich dazu äusserst, ablehnen.

Du hast doch noch keinem was getan wie ich es verstanden habe und bist sogar gewillt dir Hilfe zu holen, damit es so bleibt.

Also bleib dran, lass dir helfen und gib nicht auf!
Um das Leben der Kinder und deins zu schützen.

Nicht heilbar gibt es nicht, wenn du selbst dran glaubst du kannst es schaffen ist alles möglich.

LG
Joey

Eagle66
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Beitragvon Eagle66 » So 10. Aug 2008, 20:24

Hallo Joey,

dieses Programm IST von der von mir im Artikel vorher erwähnten Charité Berlin...

Viele Grüße,
Eagle66

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Molly
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Beitragvon Molly » So 10. Aug 2008, 21:32

Dann solltest Du dich aber mal trauen! Die werden Dich sicher nicht fressen, wenn Du schon selbst was gegen Deine Neigung tun willst.

Molly

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Stille
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Beitragvon Stille » So 10. Aug 2008, 23:44

Halle Eagle,

genau das habe ich gemeint. Lernen eine sogenannte "normal" tragfähige Beziehung aufzubauen. Wenn du deiner Neigung je nachgibst, hast du die Chance zum großen Teil verspiel, oder es wird zumindest extrem schwieriger. Präventiv kann da viel gemacht werden, natürlich von Therapeuten die kompetent genug sind. Das ist aber die Voraussetzung jeder guten Therapie.

In diese Sinne
Stille

Lutz
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Beitragvon Lutz » Di 12. Aug 2008, 18:39

Ich frage mich nur, was man Kindern, die man "geliebt" hat, bis dahin schon angetan hat.

Gruß
Lutz


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