Esstörung und medizinische Reha

Hier hinein gehören u. a. spezifische Beiträge zu sämtlichen Essstörungen, Schlafstörungen (auch Schlafwandeln, Alpträume und exzessives Schlafbedürfnis), sexuellen Funktionsstörungen.
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Remedias
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Esstörung und medizinische Reha

Beitragvon Remedias » Mi 7. Dez 2011, 19:59

Meine Therapeuten meinen, dass ich gerade eine Esstörung entwickle.
Ist schon wahr, meine Gedanken kreisen ziemlich ums Essen. Ja oder nein? Wieviel Kalorien hat das oder jenes? Bin ich diszipliniert und "gut" oder maßlos und "schlecht"? Muss ich mich schuldig fühlen, wenn ich überhaupt was esse, weil ich ja schon so dick bin? Ich klassizifiere auch Menschen nach ihrem Gewicht - dick oder dünn - auf der Straße.; fühle mich nur gut, wenn ich es schaffe, zu hungern.
Sie haben jetzt mit mir darüber gesprochen, eventuell eine medizinische Reha in einer Klinik für Essstörungen zu machen ( es müßte aber auch eine Klinik sein, wo sie sich mit Neuroleptika auskennen. )
Kennt jemand eine gute Klinik? Oder was meint ihr zu dem Thema?

liebe Grüße Remedias

Klaus W
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Re: Esstörung und medizinische Reha

Beitragvon Klaus W » Fr 9. Dez 2011, 01:19

Warum nicht, wenn Du so an Deinem Problem ansetzen kannst...
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

Mirjam
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Re: Esstörung und medizinische Reha

Beitragvon Mirjam » Sa 10. Dez 2011, 10:31

Hi Remedias !

Wie die das wohl handhaben, dass, wenn du erzählst, wieviel Kilo du mit den Neuroleptika zugenommen hast? Ich mein, andere Patienten bekommen ja da :shock: wohl 'n bissle Schiss.
LG
Mirjam

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Re: Esstörung und medizinische Reha

Beitragvon Remedias » Sa 10. Dez 2011, 17:14

Ja, Aufklärung tut Not. Mir hat das am anfang keiner erzählt, aonst hätte ich mich auf neuroleptische Medikation nicht eingelassen.
Aber ich müßte wirklich irgendwohin, wo sich die Ärzte damit auskennen.
Gesundes Essen und so greift bei mir zu kurz - ich bin Vegetarierin und ernähre mich recht bewußt und gesund; gerade wenn man kein Fleisch isst, muss man sich bei Nährstoffen und so gut auskennen, weil man sonst leicht Mangelerscheinungen bekommen kann. Eier esse ich auch nicht
Also eine "normale" Ernährungsberatung hatte ich schon; man konnte mir nicht sehr weiterhelfen.
liebe Grüße Remedias

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Re: Esstörung und medizinische Reha

Beitragvon Mirjam » Sa 10. Dez 2011, 20:15

Mich hat damals der Arzt über die "Nebenwirkung Zunehmen" aufgeklärt und gleich in der nächsten Nacht hatte ich geträumt, dass ich so breit wie hoch geworden bin und bin schreiend aufgewacht...

Medizinische Reha... Reha, um dich wieder arbeitsfit zu machen? Oder Klinikaufenthalt Essstörung? Irritiert mich etwas der Begriff.
LG
Mirjam

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Re: Esstörung und medizinische Reha

Beitragvon Remedias » Sa 10. Dez 2011, 21:55

Hallo Mirjam,
also medizinische Reha, um den Gesundheitszustand zu verbessern. Nicht für die Arbeitsfähigkeit.

Finde ich aber gut von deinem Arzt, dass er dir das mit der Gewichtszunahme gesagt hat. Ich, wie gesagt,
hätte die NL dann nicht genommen.

liebe grüße Remedias

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Re: Esstörung und medizinische Reha

Beitragvon fluuu » Mi 14. Dez 2011, 13:52

Remedias, Neuroleptika sind keine Wunschbeigabe bei einer psychischen Störung,
sie ermöglichen trotz akuten Schubs eine Eigenverantwortung damit sich der
Betroffene über seine eigene Persönlichkeit bewusst werden kann.
gruß fluuu

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Re: Esstörung und medizinische Reha

Beitragvon Remedias » Mi 14. Dez 2011, 15:26

Hallo, Fluuu,
ja da genau gehören die Neuroleptika hin: in den akuten Schub
da kann man auch die Nebenwirkungen akzeptieren;
aber leider sind die meisten Psychiater der Meinung, man müsse NL jahrelang nehmen. Dann kommt es natürlich zu längeren Störungen wie hohe Gewichtszunahme, Ahedonie, Asexualität und einem Störungsbild, das einer Depression nicht unähnlich ist.

liebe Grüße Remedias

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Re: Esstörung und medizinische Reha

Beitragvon fluuu » Fr 16. Dez 2011, 11:52

Genau, der akute Schub ist die Spitze vom Eisberg, der sichtbare Bereich.
Es wäre sogar sinnvoll Medikamente vorbeugend einzusetzen bevor der
große Schub kommt nur leider denkt vorher niemand daran und das Kind
muss erst in den Brunnen fallen bevor etwas unternommen wird.
Damit das Kind nach der akuten Phase nicht wieder in den Brunnen fällt ist
das Schutzgitter Neuroleptika errichtet.
Es gibt natürlich auch andere Schutzmöglichkeiten für den Stoffwechsel im Gehirn
ohne Medikamente nur müssen diese Methoden konsequent eingehalten werden und
an dieser Willensstärke in der Selbstständigkeit hapert es oft konsequent und stabil
auf lange Sicht bei Betroffenen, deshalb ist die Erhaltungsdosis eine Lösung.
Alternative Methoden zur Langzeitstabilität ohne Neuroleptika aufzuzeigen und
praktisch zu üben wäre eine Behandlung in der Praxis vor Ort im direkten Gegenüber
mit mehreren Sitzungen, das sprengt den Rahmen im Forum.
gruß fluuu

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Re: Esstörung und medizinische Reha

Beitragvon Remedias » Fr 16. Dez 2011, 16:51

Hallo Fluuu,
Es wäre sogar sinnvoll Medikamente vorbeugend einzusetzen
bin ich voll dagegen. Jeder Tag ohne Neuroleptika ist ein gewonnener Tag im Leben. Ich habe mit diesen Medikamenten in fast jeder Beziehung so schlechte Erfahrungen gemacht, dass mir sogar eine Psychose manchmal als das kleinere Übel erscheint. Ich bin nicht mehr ich selbst mit Neuroleptika. Und wem wollte man diese Medikamente geben? Kindern und Jugendlichen aus vorbelasteten Familien? Leute, die "schon immer etwas komisch waren"?
an dieser Willensstärke in der Selbstständigkeit hapert es oft konsequent und stabil
auf lange Sicht bei Betroffenen, deshalb ist die Erhaltungsdosis eine Lösung.
Eine Psychose ist keine Frage von Willenstärke. Im Gegenteil, oft wird gegen die Symptome verzweifelt gekämpft; und es ist ein wirklich scheußliches Gefühl, diesen Kampf zu verlieren und sich selbst zuzusehen, wie man den Verstand verliert. Das wünsche ich echt keinem.
Alternative Methoden zur Langzeitstabilität ohne Neuroleptika aufzuzeigen und
praktisch zu üben wäre eine Behandlung in der Praxis vor Ort im direkten Gegenüber
mit mehreren Sitzungen, das sprengt den Rahmen im Forum.
Dieses Thema interessiert mich sehr. Zumal sich bei mir die Ärzte irgendwie geeinigt haben auf "lebenslänglich NL-pflichtig", analog dem insulinpflichtigen Diabetiker. :silly:
Vielleicht könntest du ja solche Methoden wenigstens stichwortartig beschreiben.

liebe Grüße Remedias

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Re: Esstörung und medizinische Reha

Beitragvon Klaus W » Fr 16. Dez 2011, 21:47

Trau Dich, investier die Mühe, geh nach München. Die machen das dort, also, Freiheit von Neuroleptika. Mag nicht bei jedem Patienten sinnvoll sein, aber das ist ein anderes Thema.
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

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Re: Esstörung und medizinische Reha

Beitragvon Remedias » Sa 17. Dez 2011, 18:54

geh nach München.
Hallo Klaus, meinst du in die Klinik, wo du warst? Das ist von mir fast 1000 km entfernt; ich bin mir nicht sicher, ob die KK da mitspielt.
Aber vorschlagen kann ich es ja mal.

liebe Grüße Remedias

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Re: Esstörung und medizinische Reha

Beitragvon Klaus W » Sa 17. Dez 2011, 21:30

Ich war nie in Mendterschwaige, aber die Klinik ist hochgelobt von meinen alten Ärzten die ich sehr schätze. Wenn ich das Webangebot lese hab ich ein gutes Gefühl, ich würde wohl hingehen wenn ich wieder Therapie machen wöllte. Auf der Webseite steht übrigens daß sogar aktive Psychosen behandelt werden. Ich denke das will was heißen.

Die Kassen machen das grundsätzlich mit, wenn man selbst dazu gewillt ist. Entfernungen sind denen egal, bzw. man muß halt ein Argument anführen warum man gerade dort hin will.

Klar, 1000km sind happig. Aber wie sagt man so schön, der Weg ist das Ziel. Und wenn man die Fahrten lang genug vorher plant (2-3 Monate) bekommt man auch von der Deutschen Bahn Preise die wirklich erschwinglich sind.
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

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Re: Esstörung und medizinische Reha

Beitragvon fluuu » Di 20. Dez 2011, 10:25

Hallo,
es ist weniger der Aufenthalt in einer Klinik entscheidend für einen guten therapeutischen Prozess.
Dieser therapeutische Prozess ist eher ein innerer Vorgang, er läuft in einem selbst ab, es ist ein Prozess
der Selbstheilung und der hat immer etwas mit Überwindung zu tun und nicht nur mit Fürsorge.

München ist gleich um die Ecke da gibt es eine sehr fortschrittliche Psychiatrie und auch eine Soteria-Station.
Entscheidend jedoch ist das Aktivieren der Selbstheilungskräfte und das geht mit einem Therapeuten vor Ort
bei guter therapeutischer Beziehung sehr gut, sogar mit sich selbst ist es möglich.

Durch den Prozess der kreativen Krise lässt sich der Stoffwechsel im Gehirn unabhängig von Medikamenten
beeinflussen. Es ist eine Wahrnehmungsform in Kunstwerken die Dinge zu entdecken die in der eigenen Biographie
zu Leid und Schmerz geführt haben. Sie werden bewusst wahrgenommen, somit durchlebt und dabei verarbeitet.
Da gute Kunstwerke nicht nur Leid darstellen sondern auch schön sind gibt es eine Antwort als Lösung
mit dem Leid umzugehen. Es als schön empfinden, Ästhetik in der Vergänglichkeit.
Dieser Prozess der kreativen Krise, hier in Kurzform geschildert, überschreibt die negativen Strukturen im
Gehirn mit positiven Bewältigungserlebnissen. Das Ergebnis ist ein stabiler und gesunder Stoffwechsel.
Dieser Prozess bedeutet Mühe, braucht Geduld, macht aber auch Spaß und sollte so oft wiederholt werden wie möglich,
er ist auch nie beendet, so wie tägliches Pille einwerfen sollte die kreative Krise täglich durchlebt werden.
Es liegt auf der Hand, dass jeder gute Künstler bei der kreativen Arbeit diesen Prozess der kreativen Krise
ganz automatisch durchlebt und somit viel für die Heilung der Seele tut.

Die in jeder Stadt angebotene Kunsttherapie etabliert sich in Deutschland zunehmend und das nicht ohne Grund,
ist doch der emotionale Bereich des Bewusstseins bei vielen seelischen Dingen nicht so gut entwickelt
wie der rationale Bereich zum Erfassen materieller Werte.

Die kreative Krise ist nur ein Beispiel wie sich der Stoffwechsel im Gehirn auf natürliche Weise beeinflussen lässt,
solche Methoden der Überwindung im Handeln und dem Schaffen von Veränderung unabhängig von Medikamenten
gibt es zahlreich.

Grundsätzlich sind Neuroleptika eine Begleitung, eine Krücke, ein Schutz auf dem Weg im Alltag aber die meisten
Anforderungen und Entscheidungen im Gehirn werden unabhängig davon erledigt oder getroffen.
Wer meint Pille einwerfen und alles läuft automatisch ist auf dem Holzweg und er führt bekannter Weise nicht zum Ziel.
gruß fluuu

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Re: Esstörung und medizinische Reha

Beitragvon Remedias » Di 20. Dez 2011, 12:10

Hallo, fluuu, danke für die Beschreibung einer Methode. Das mit der "kreativen Krise" leuchtet mir ein.

Aber meinst du wirklich, Neuroleptika sind eine Krücke? Ich erlebe sie eher als Hemmschuh, als etwas, das Gehirnschäden verursacht.

liebe Grüße Remedias


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