kaum mehr was essen können

Hier hinein gehören u. a. spezifische Beiträge zu sämtlichen Essstörungen, Schlafstörungen (auch Schlafwandeln, Alpträume und exzessives Schlafbedürfnis), sexuellen Funktionsstörungen.
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MarvinS
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kaum mehr was essen können

Beitragvon MarvinS » So 24. Jun 2007, 21:24

Ich habe eine Frage zum Essverhalten - vielleicht gibt es hier ja auch andere, die ähnliche Erfahrungen haben... ich lebe nahezu "bedürfnisfrei": ich esse generell sehr wenig und bin damit auch zufrieden. Allerdings macht es mir Sorge, dass ich nur noch ganz selten - eigenlich aber so gut wie gar kein Hungergefühl verspüre - das geht jetzt schon seit 2 Wochen so: heute zum Beispiel habe ich nur einen Apfel und ein Brötchen gegessen, vor dem Brötchen habe ich mich dabei sogar geekelt - und ich habe keinen Hunger - und das, obwohl ich den halben Tag gearbeitet habe und gestern auch nicht sonderlich viel gegessen habe (einen Sandwich und Obst).
Ich habe keinerlei Gedanken im Sinne von "ich möchte abnehmen" - im Gegenteil, mir ist mein Gewicht total egal, trotzdem kommt mir Essen und vor allem einkaufen oft wie "vertane Zeit" vor oder ich finde Essen "ekelig". Woher kommt das? Ich kriege echt nichts mehr runter.

Komische Frage, ich weiß, aber mir wäre es unangenehm, sie irgendjemandem zu stellen, den ich kenne...

LG

MarvinS
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Beitragvon MarvinS » Mo 25. Jun 2007, 23:35

Ganz so einfach ist das für mich nicht. Ich habe den Eindruck, dass meine Therapeuin sich überfordert fühlt - sie blickt auch immer noch nicht durch unsere Familienverhältnisse durch usw und um ehrlich zu sein - ein bisschen wirkt es auch auf mich so als wäre sie daran gar nicht so richtig interessiert. Sie zeigt auch kaum Reaktionen, also ob sie es "ok" findet was ich sage oder nicht - das verwirrt irgendwie.
Ich versuche jetzt, allmählich wieder anzufangen mehr zu essen und das allmählich zu "steigern" - hab heut auch wieder eingekauft, das habe ich schon seit Wochen nicht mehr, weil es mir egal war.

Gruß
Marvin

MarvinS
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Beitragvon MarvinS » Mo 6. Aug 2007, 19:38

Ich nutze diesen Thread noch einmal, um über meine "Essenssache" zu schreiben. Seit von der Uni aus Ferien sind, klappt das leider noch schlechter und ich habe das bisher nicht bei der Therapeutin angesprochen, weil es mir schlichtweg zu peinlich ist.

Ein Beispiel: ich gehe in den Supermarkt und habe keine Ahnung, was ich mir kaufen soll, weil ich bei allem denke: "Ach, das brauche ich nicht" oder "Ach, was soll ich damit" oder "Eigentlich ist mir das auch egal" - es ist eine gleichgültige Haltung gegenüber mir selbst. Letztendlich kaufe ich mir dann meist ein paar Kleinigkeiten, zum Beispiel Jogurths und Chips, stelle die Jogurths in den Kühlschrank.
Nach ein paar Tagen fange ich aber schon an, mich davor ein bisschen zu ekeln und denke, sie wären zu "alt" um sie noch zu essen (insbesondere bei nicht luftdicht verpacktem Essen, z. B. Wurst). Ich ekle mich dann einfach davor und bekomme nichts davon runter - oft schmeiße ich das Essen dann weg - obwohl ich durchaus weiß, dass es noch völlig genießbar ist.

Im Moment gehe ich jeden Tag meist ein Mal nach McDonalds oder Subway, esse morgens ein belegtes Brötchen und das war`s, manchmal auch nur ein belegtes Brötchen oder nichts.
Komischerweise empfinde ich gegenüber dem McDonalds-Essen keinen Ekel, obwohl es ja eigentlich alles andere als frisch ist - ich empfinde meistens dann Ekel, wenn das Essen mir "gehört" und ich es nicht erst kurz bevor ich es esse von jemandem in die Hand gedrückt bekomme - auch wenn das völlig irrational ist.

Ich finde das irgendwie einfach nur peinlich und ich hoffe, das klingt alles nicht allzu lächerlich. Vor allem verstehe ich es schlichtweg nicht: ich habe ein sehr gutes Abitur - und bin zu unfähig, einkaufen zu gehen - also die alltäglichsten Dinge zu bewältigen.

Irgendwie ist das aber auch immer mit einer Art "Wertlosigkeitsgefühl" verbunden: ich denke innerlich die ganze Zeit, dass ich das ganze Essen und die "Konsumgüter" nicht wert bin - auch wenn der Gedankengang total unrealistisch und schlichtweg stupide ist, denn Essen gehört nun mal zu den Grundbedürfnissen.

Im Moment habe ich Angst, ich entwickle irgendeine Essstörung - auch weil meine Schwester eine Essstöruung hat (sie war auch wegen Magersucht in einer psychosomatischen Fachklinik) und es wäre das letzte, was sie jetzt bräuchte: dass ich auch noch eine Essstörung habe.
Vor allem kenne ich diese Form der "Essstörung" nicht (sich vor essen ekeln oder sich zu "wertlos" fühlen um zu essen).

Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen oder kann irgendwie etwas damit anfangen?

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Beitragvon Remedias » Mo 6. Aug 2007, 21:49

Hi @Marvin S; was du beschreibst, klingt nach einer Esstörung im Rahmen einer schweren Depression. Ich hatte so etwas ähnliches, aber nicht im Rahmen mich "wertlos zu fühlen" sondern "als Selbstbestrafung" und "um die Kontrolle über meinen Körper zu behalten.". Mit einer antidepressiven Behandlung würde sich auch dieses Problem lösen.
Liebe Grüße Remedias

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Beitragvon Laura » Di 7. Aug 2007, 00:22

Hallo Marvin!

Wie definierst Du das Menschsein? Könntest Du Dich selbst mal auf unpersönliche Weise in Deiner Eigenschaft als Mensch vorstellen? Also mal vom Allgemeinen auf das Einzelne, bzw. Dich selbst schließen?

Ich hatte auch schon sensible Momente, in denen ich mich für meine Bedürftigkeit nach Nahrung schämte. Ich dachte, dass es doch so viele Menschen auf der Welt gibt, denen es ganz furchtbar schlecht geht und die nicht mal was zu essen haben und ich geh hin und kauf mir mal eben schnell einen Döner, "nur weil ich Hunger habe". Aber die Probleme, die man ohnehin schon hat, werden nicht besser, wenn man sich neue "anschafft" (vielleicht um ein "greifbares" Problem zu haben oder sich abzulenken?).

Ich persönlich glaube, dass Nahrung nicht nur dafür da ist, seinen Körper zu erhalten, sondern auch seine Seele. Dass man sich mit Nahrung dem Schönen und Guten nähert, etwa nach dem Motto "Liebe geht durch den Magen". Aber gerade Nahrung erinnert einen an seine Bedürftigkeit, an Urängste, dass die Bedürfnisse eines Tages nicht mehr gestillt werden könnten. Also kann man in das Denken verfallen, man gehe kein Risiko mehr ein, wenn man einfach nicht mehr bedürftig ist.

Das mit dem "nicht-verdient-haben" ist ja ein häufiger Denkfehler unter psychisch Kranken, an dem ich selbst auch noch zu knappsen habe. Aber wer soll kommen und es für einen aussprechen, dass man Gutes verdient hat? Wer soll für einen sorgen, wenn man es nicht selbst tut als Erwachsener? Wer soll das eigene Leben mit all seinen Schwächen und Bedürftigkeiten leben, wenn nicht man selbst? Die Amis haben mal die sarkastische Retourkutsche "Excuse me for living" erfunden, z. B. als Antwort in Situationen, in denen einem über den Mund gefahren wurde. Dieses "Entschuldige, dass ich lebe", wie lange hält man das als Lebensmotto aus, wenn man das mal wortwörtlich nimmt. Vor wem sollte man sich da entschuldigen müssen und wofür?

Liebe Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Beitragvon MarvinS » Di 7. Aug 2007, 16:19

Hallo Laura und Remedias,
ich hatte schon geantwortet, fand das dann aber ziemlich misslungen - ich antworte euch nen anderes Mal - danke für eure Beiträge.
Marvin

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Beitragvon MarvinS » Mi 8. Aug 2007, 22:49

Noch einmal hallo Laura und Remedias :-)

@Remedias: Meine Therapeutin meint, ich hätte eine PTBS, aber keine Depressionen - ich weiß ohnehin nicht, was ich von Diagnosen halten soll. Sonderlich viel habe ich meiner Therapeutin aber nun auch nicht von mir erzählt.

@Laura: Ich mag deine Texte sehr gerne: du hast immer einen etwas "poetischen" Stil, aber zugleich auch gute Argumente.

Ich halte mich schon für einen "Menschen" per definitionem (zumindest wenn man von all den Definitionsvorschlägen in der Philosophie aus geht: der Mensch als animal rationabile, als "geistiges" Wesen usw.)
Das Problem ist eher mein Gefühl der Wertlosigkeitund die großen Schwankungen, den mein Selbstwert unterlegen ist. Jetzt zum beispiel fühle ich mich gerade intelligent, erfolgreich usw, weil ich die Klausurergebisse dieses Semesters bekommen habe. Es reicht aber, wenn mich nur einer einmal kurz "missversteht" und prompt ist dieses "Entfremdungsgefühl" da.

Das mit dem Supermaarkt finde ich schlichtweg lächerlich und ich kann es mir auch einfach nicht "leisten", ein derartiges Problem zu haben, weil in meiner Familie ohnehin schon genug Probleme in vielerlei Hinsicht sind und ich das etwas "ausbalancieren" muss.

"Excuse me for living"- ist eine passende Formulierung - vielleicht sollte ich sie unter meine Beiträge schreiben-. Ich denke, ich entschuldige mich auch viel zu oft bei anderen, selbst dann, wenn es eigentlich unangemessen ist. Und es fühlt sich auch oft an wie eine "Existenzschuld", verbunden mit monoton-kreisenden Gedanken wie "Hätte ich überhaupt geboren werden sollen?" oder "Warum bin ich geboren worden".
Ich würde gerne mal wissen, wie ich diesbezüglich zu mehr Ausgeglichenheit finden kann, um einfach "fitter" zu sein und alltägliche "Pflichten" udn Aufgaben noch besser und effizienter bewältigen zu können.

Liebe Grüße an euch

Marvin

MarvinS
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Beitragvon MarvinS » Fr 10. Aug 2007, 13:20

Hallo noch mal :-)

Ich hab mal mit der Therapeutin über das "Essensproblem" geredet: sie hat das mit dem Essen völlig anders erklärt als ich ursprünglich und ihre Erklärung ist viel besser...
Sie meinte, für sie wäre es total verständlich, dass ich nichts essen kann, was in meinem Kühlschrak ist, sondern nur das, was ich "spontan" irgendwo kaufe.
Das liegt daran, dass meine Schwester und ich von unseren Eltern früher immer dazu gezwungen worden sind zu essen, als Kind hatte ich jedes Mal Angst vor den Essenszeiten (immer Pukt 6 Uhr abends mussten wir ein Brot essen, um halb drei mussten wir Nudeln essen - und meine Mutter hat meist jeden Tag das Gleiche gekocht -immer Nudeln mit Soße .- und wenn wir die nicht gegessen haben, hat sie herumgeschrien, geheult bzw. geschlagen, meine Schwester musste manchmal sogar im Schlafanzug ins Treppenhaus, wenn sie nicht aufgegessen hatte)

Meine Therapeutin meint, dassich immer dann, wenn etwas bei mir im Kühlschrank verwahrt ist, diese alte "Pflicht" und vor allem den Ekel vor dem Essen spüre - und deshalb gar nichts mehr runterbekomme. Denn wenn etwas im Kühlschrank steht, denke ich gleich: "Ich MUSS das ja irgendwann essen." Genau das Gleiche im Supermarkt: ich hab das Gefühl, wenn ich mehrere Dinge kaufe, "verpflichte" ich mich - und dann ekle ich mich schon



Deshalb gehe ich jetzt nur noch "spontan" einkaufen und esse das Essen dann sofort danach - denn dann habe ich das Ekelgefühl gar nicht und esse sogar total gerne.

Ist zwar schon ein bisschen komisch, das Problem, aber mir erscheit es jetzt immerhin ziemlich nachvollziehbar und nicht mehr ganz so abstrakt - und die Therapeutin fand es auch gar nicht lächerlich.

Und wer ein Mal zwei Monate am Stück jeden Tag zu einer festen Zeit Nudeln mit Tomatensauce gegessen hat, wird wissen, was ich meine :-)

Gruß
Marvin


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