Depressione oder Essstörung???

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Jeannine
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Depressione oder Essstörung???

Beitragvon Jeannine » Fr 2. Feb 2007, 10:43

Ich leide seit 4 Jahren in unterschiedlichen Abständen an extremer Appetitlosigkeit. Anfangs hielt der Zustand immer nur ein paar Tage an, und dann ging es mir wieder gut. 2003 hatte ich meine erste schlimme Phase, in dieser Zeit (ca. 4 Wochen) mußte ich mich regelrecht zum Essen zwingen, mir war übel und sogar das Trinken fiel mir schwer. Auch allgemein ging es mir nicht gut. Aber von einem zum anderen Tag ging es mir wieder gut. Im letzten Jahr hatte ich 2 Attacken kurz hintereinander. Die Zeit war für mich unerträglich, und obwohl ich nicht suizidgefährdet bin, wünschte ich mir lieber tot zu sein. Im Juli habe ich dann einen Arzt aufgesucht, die Untersuchung ergab das ich organisch kern gesund bin. Daher wurde ich an eine Psychologin verwiesen, die widerum der Meinung ist, das ich unter Depressionen leide, die Ursache dafür ist noch nicht geklärt, da ich erst wenige Sitzungen hatte. Mein Zustand hat sich allerdings nicht gebessert obwohl ich zusätzlich Antidepressivum einnehme. Meine Frage: Kann depressiven Anzeichen eine reine Appetitlosigkeit vorausgehen??? Ich habe in sämtlichen Foren nach Gleichgesinnten gesucht, aber keinen gefunden der die gleichen Symptome hat. Depressionen machen sich durch verschiedene Symptome bemerkbar, oder???? Ich bin zwar in meinen Phasen auch antriebslos und geschwächt, bin aber der Meinung das dies die Folge meiner Apptetitlosigkeit ist. Kann es auch sein das ich essgestört bin???Im Anschluß an meine Phasen folgen gelegentlich richtige Fressatacken, bei denen widerum kein Sättigungsgefühl eintritt. Ich treibe ziemlich viel Sport, zähle aber keine Kalorien. Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.

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moni
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Beitragvon moni » Fr 2. Feb 2007, 18:22

Hallo Jeannine
Meine Frage: Kann depressiven Anzeichen eine reine Appetitlosigkeit vorausgehen???
Sie kann damit einhergehen, ja - und da ein genauer Beginn einer Depression oft nicht auszumachen ist, weil sie sich schleichend entwickelt, und sie meist in Phasen verläuft, ist oft schwer zu sagen, ob die Appetitlosigkeit davor, während oder danach auftritt. Sie kann einfach in Zusammenhang mit Depression stehen - wie "Fressattacken" und andere Symptome auch. Es muss nicht notwendigerweise eine Essstörung dahinterstecken.

Appetitlosigkeit kann ihre Gründe auch z.B. in Stress haben - in sog. negativem wie in positivem Stress. Wenn man von etwas so beflügelt und erfüllt oder einfach in Anspruch genommen ist, dass man all seine Energie darauf verwendet, verspürt man manchmal kein Hungergefühl mehr. Vielleicht spricht Schneewittchen von solchen Situationen. Da du dich aber nicht wie sie grossartig fühlst dabei, sondern übel, scheint dir eher etwas "auf den Magen zu schlagen", und ich finde es gut, dass du das abklären lässt und etwas unternimmst, um den Zustand zu verbessern. Schon mal gut zu wissen ist, dass du organisch gesund bist :) .
Was ich noch nicht genau verstanden habe: Wie ist das mit den psychologischen Abklärungen? Im letzten Sommer bist du zur Psychologin gegangen - hattest aber bis heute erst wenige Sitzungen? Machst du eine Therapie, oder sind das erst mal Probesitzungen? Du nimmst Antidepressiva - wie lange schon, bzw. wie lange schon ist trotzdem nichts besser geworden? Und wer hat sie dir verschrieben? Die Psychologin kann das ja nicht.
Ich treibe ziemlich viel Sport, zähle aber keine Kalorien.
Das klingt sehr gesund ... :cool:

Liebe Grüsse

moni
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Jeannine
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Appetitlosigkeit

Beitragvon Jeannine » Sa 3. Feb 2007, 19:36

Liebe Moni,
lieben Dank für deine Antwort.
Ich hatte zwar schon einige Behandlungen mehr als die Probesitzungen, hatte aber in den letzten 2 Monaten keine Therapie da meine Therapeutin aus gesundheitlichen Gründen ihre Praxis geschlossen hat.Fang jetzt Ende Februar bei meiner neuen Therapeutin wieder von vorn an. Die Medikamente habe ich vom Psychiater verschrieben bekommen, das erste Mekikament heißt Mirtazapin, habe ich seit Anfang Oktober eingenommen. Auf Empfehlung meiner psych.Therapeuten habe ich dann aber den Psychiater gewechselt.Diese war der Meinung das es nicht unbedingt das richtige Medikament für mich ist. Deshalb nahm ich dann anfangs zusätzlich noch Citalich, das Mirtazapin habe ich inzwischen abgesetzt. Bei dem Citalich kann ich zwar keine stimmungsaufhellende Wirkung feststellen, aber die 2 Attacken die ich seit der Einnahmezeit hatte gingen nur ein paar Tage und nicht wieder über Wochen, was für mich schon ein großer Fortschritt ist.Einem Arzt im Forum habe ich mein Problem auch schon geschildert, der widerum sagt das er Fälle mit Depressionen die durch reine Appetitlosigkeit vorangehen kaum kennt und glaubt das ich ein gestörtes Essverhalten habe. Er rät mir zu einer kombiniert tiefenpsychologisch-Verhaltenstherapeutischen Behandlung.
Leidest du auch unter Depressionen? Wie gehst du damit um?
Liebe Grüße. Jeannine

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moni
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Beitragvon moni » Mo 5. Feb 2007, 18:23

Hallo zusammen
ich habe nicht gesagt, dass ich mich großartig fühle
Ja, das sehe ich nun auch, und ich habe, glaube ich, deinen Punkt jetzt begriffen.

Jeannine, ich habe dich so verstanden:

- du bewertest deine Appetitlosigkeit und auch die "Fressattacken" nicht positiv, ganz im Gegenteil
- du zählst keine Kalorien, sagst auch nicht, dass du dich "fett" findest
- die meiste Zeit isst und trinkst du "normal" - nur in manchen Phasen nicht, in denen du dich ganz allgemein nicht gut fühlst

Ist das so ungefähr richtig?

Mit Essstörungen kenne ich mich nicht aus - weiss also nicht, von wann an man von einer ausgeprägten Störung (im Sinne von Krankheit) spricht, und wann einfach von zwar gestörtem, aber nicht krankhaftem Essverhalten. An deiner Stelle wäre ich auch vorsichtig mit einer Diagnose, die dir jemand übers Internet stellt, ohne dich wirklich zu kennen. Das finde ich nicht sehr seriös. Lieber würde ich mich diesbezüglich an die Fachleute halten, die dich persönlich kennen.

Spielt es für dich zum jetzigen Zeitpunkt denn eine Rolle, ob das, was dich beeinträchtigt, Depression oder Essstörung oder noch anders heisst? Geht es, etwas provokativ gesagt, nicht vielmehr darum, dass du ab möglichst bald und Schritt für Schritt besser damit umgehen lernst und herausfindest, was du dazu brauchst? Also ob Therapie, und wenn ja, welche Art - ob Antidepressivum, und wenn ja, welches, welche Dosis etc.?
Tiefen-/verhaltenspsychologische Therapie wird, soweit ich weiss, sowohl bei Depressionen wie auch bei Essstörungen angewendet.
Leidest du auch unter Depressionen? Wie gehst du damit um?
Oh, das ist ein weites Feld :wink: ... aber ja, ich kenne Depressionen aus eigener Erfahrung, mache seit bald drei Jahren eine Gesprächstherapie, parallel dazu habe ich auch gut ein Jahr Kunsttherapie gemacht, war letzten Sommer vier Wochen stationär (was für mich, glaube ich, eine Wende bedeutet hat :) ), nehme auch AD - noch (Trevilor). Frag einfach nach, wenn du was konkreter von mir wissen möchtest!

Liebe Grüsse

moni
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Beitragvon Jeannine » Di 6. Feb 2007, 14:52

Hallo Moni, so ungefair ist es.
Das ich nicht die typische Essstörung habe weiß ich. Eßgestörte nehmen in meinen Augen bewußt keine Nahrung weil sie sich zu dick finden. Das ist ja bei mir auf keinen Fall so. Mein Eßverhalten ist eben sehr auffällig, weil ich in bestimmten Phasen nicht im Ansatz Appetit verspüre, das läßt sich sehr schwer beschreiben, allein der Gedanke ans Essen ist dann für mich ekelerregend. Das Problem belastet mich wirklich sehr, es muß ja eine Ursache dafür geben und ich hoffe das meine Therapie Erfolg zeigt. Da ich ja organisch gesund bin muß es irgendeigene psychische Ursache haben. Leider gibt es wahrscheinlich niemanden der die gleichen Symptome aufweist.
Liebe Grüße. Jeannine.

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Beitragvon Jeannine » Di 6. Feb 2007, 14:55

Hallo Moni,
was ich dich noch fragen wollte: Kennst du die Ursache für deine Depressionen? Was ist das für ein Medikament was du einnimmst? Jeannine

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Beitragvon Papaya » Di 6. Feb 2007, 17:49

Hallo,

Ich kenne das, was du beschreibst, recht gut.
Allerdings hab ich erst morgen meinen ersten Termin bei einem Psychater.
Ich nehme also keine NL -andere starke Medikamente aber schon- und ob ich depressiv oder überhaupt psychisch krank bin, kann ich noch nicht sagen.
Aber ich hab oft, besonders in stressigen Phasen oder wenn ich mich nicht gut fühle, einfach keine Lust, zu essen. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Körper und hab keinen Grund, abzunehmen, aber ich hab in bestimmten Phasen einfach keine Lust, zu essen. Ich muss mich dann richtig zwingen, irgendetwas hinunter zu würgen, und nehme dann auch öfters sehr rapide ab.
(So geschehen erst direkt vor Weihnachten. Da hab ich in nur 3 Wochen 5 kg abgenommen.)
Und dann, so wie im Moment, macht mir das Essen aber wieder richtig Spaß und ich esse ziemlich viel.
Vielleicht leidest du ja unter eine bipolaren Störung..?
Das würde auch deine phasenweise Depression erklären.

Liebe Grüße,
Papaya
"Our prime purpose in this life is to help others. And if you can't help them, at least don't hurt them."
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moni
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Beitragvon moni » Fr 9. Feb 2007, 13:51

Hallo Jeannine
Was ist das für ein Medikament was du einnimmst?
Ein AD/SNRI: Efexor (= in Deutschland: Trevilor) retard, der Wirkstoff ist Venlafaxin.
Kennst du die Ursache für deine Depressionen?
Ich denke schon, ja. Einerseits bin ich wohl dazu veranlagt, da in meiner Herkunftsfamilie Depressionen oft vorkommen, und andererseits hat mein bisheriger Lebensweg von klein auf das seine dazu beigetragen, dass sie immer mal wieder ausgebrochen sind - lange unbehandelt, weil ich wohl gar nicht erkannt habe, dass ich depressiv bin/war, weil es für mich "normal" war; jetzt versuche ich, mit Hilfe der Therapie so manche Dinge zu verstehen, Verhaltensmuster bei mir wahrzunehmen und Alternativen dazu zu finden.

Mich würde es interessieren, wie es bei dir weitergeht, wenn du dann Ende Februar deine neue Therapie beginnst. Auf jeden Fall wünsche ich dir dafür alles Gute!

Liebe Grüsse

moni
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Re: Depressione oder Essstörung???

Beitragvon Maria » Fr 9. Feb 2007, 17:38

Ich bin zwar in meinen Phasen auch antriebslos und geschwächt, bin aber der Meinung das dies die Folge meiner Apptetitlosigkeit ist. Kann es auch sein das ich essgestört bin???Im Anschluß an meine Phasen folgen gelegentlich richtige Fressatacken, bei denen widerum kein Sättigungsgefühl eintritt. Ich treibe ziemlich viel Sport, zähle aber keine Kalorien. Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.
Hallo Jeannine,

ich habe auch eine Depression und kenne ebenso wie Du Phasen der Appetitlosigkeit, aber auch Phasen, in denen ich ständig essen könnte. Ich würde von mir ausgehend nicht sagen, dass die Appetitlosigkeit einer depressiven Phase vorangeht, sondern das geht ineinander über.

Ich beschäftige mich nicht so sonderlich mit diesen Schwankungen im Eßverhalten, ich zähle auch keine Kalorien und finde mich weder zu dünn noch zu dick, mir ist das relativ egal, wieviel ich wiege. Deshalb bin ich wie Du auch der Meinung, dass es sich nicht vorrangig um eine Eßstörung handelt, sondern dass dies als eins von mehreren Symptomen meiner Depression zu verstehen ist.

Wenn ich wenig Appetit habe, esse ich Dinge, die ich immer runterkriege. Das sind bei mir Joghurt, Quark, Bananen....alles, was ganz gut neben meinem gefühlten Kloß im Hals vorbeirutschen kann.

Deine Schwäche und Antriebslosigkeit würde ich nicht unbedingt auf den fehlenden Appetit und die dadurch fehlende Nahrung zurückführen. Der Körper ist so eingerichtet, dass er es ganz gut auch mal längere Zeit mit wenig Nahrungszufuhr aushalten kann. Man ist deswegen nicht gleich schwach. Ich würde eher überlegen, ob die Schwäche und Antriebslosigkeit nicht auch weitere Symptome einer Depression sind.

Vielleicht könntest Du versuchen, den Appetitschwankungen nicht gar zu viel Gewicht beizumessen, und auf Deinen Körper zu vertrauen, dass er sich zu gegebener Zeit schon das holen wird, was er braucht.

Eine Psychotherapie hilft mir schon seit längerer Zeit sehr gut, meine Depression zu verstehen und in meine Biographie einzubauen, und dadurch erheblich zu lindern. Ich empfinde sie als absolut wirksam und sehr hilfreich, und das gleiche wünsche ich Dir auch für Deine Therapie!

Viele Grüße,
Maria


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