Bulimie Diagnose

Hier hinein gehören u. a. spezifische Beiträge zu sämtlichen Essstörungen, Schlafstörungen (auch Schlafwandeln, Alpträume und exzessives Schlafbedürfnis), sexuellen Funktionsstörungen.
-> Basis-Infos zum Thema "Essstörungen"
taubendenkmal
Beiträge: 4
Registriert: Do 10. Dez 2015, 20:20

Bulimie Diagnose

Beitragvon taubendenkmal » Do 10. Dez 2015, 20:29

Hallo!

Ich habe seit einiger Zeit das Gefühl, eine Essstörung zu entwickeln. Ich habe vor ca. drei Jahren eine Angststörung gehabt und diese erfolgreich überwunden. Ich nehme allerdings immernoch Therapie in Anspruch. Das Essen war noch nie ein wirklich ernsthaftes Problem ich wollte zwar immer abnehmen, habe das aber nie mit extremen Methoden versucht durchzusetzen.
Ich nehme jetzt aber seit ca. zwei Monaten gelegentlich Abführmittel und habe kaum noch Appetit. Ist das schon eine Essstörung oder muss ich mir noch keine Sorgen machen. Ich bin mir unsicher, ab wann man diese Diagnose stellt.
Vielleicht kann mir jemand weiterhelfen mich würde mich sehr freuen! Vielen Dank.

Benutzeravatar
Su Wang
Beiträge: 64
Registriert: Mi 11. Nov 2015, 01:16

Re: Bulimie Diagnose

Beitragvon Su Wang » Fr 11. Dez 2015, 08:55

Hallo,

Man könnt' ja fragen: Wenn die Ursache für Deine Angststörung inzwischen behoben wär', wozu die Therapie dann noch weitergeführt wird.

Wahrscheinlich eher nicht "einfach nur", weil's Deinem Therapeuten halt gefallen hat mit Dir, nachdem Du eine angenehme Klientin warst, und er (oder sie) womöglich fürchtet, nicht so schnell wieder jemanden zu finden, der Therapie überhaupt nötig hätte ...

Und nun zum Verständnis:

Es werden im Laufe einer Psychotherapie durchaus auch bislang verborgene "Löcher" aufgerissen und die "geflickten" stellen sich als eben doch noch nicht nachhaltig genug repariert heraus.
Zudem hat's gelegentlich auch Betroffene, die finden eine Therapie eine solche Wohltat, nachdem sich dann ja endlich mal wer um ihre ungelösten, sie drückenden Probleme bemüht und sie an die Hand nimmt, daß sie - unbewußt ! - diese gern noch fortsetzen wollen; sich mithin immer wieder neue Fragen ergeben, welche sie dann auch gleich noch mit einer Lösung zugeführt gern sähen.

Bei Dir könnte es durchaus dann auch sein, daß das Bewußte beginnt, dieses Unbewußte zu überwiegen: Du entwickelst das Gespür dafür, daß da noch nicht wirklich alles erledigt sein könnte.

Dann also bitte hör' auch auf Dein Gefühl !
Sag dem Therapeuten (oder Therapeutin), was Du meinst, daß es jetzt - statt daß es behoben wäre schon - beginnt sich in diese Eßstörung zu wandeln.

... denn ziemlich sicher ist es eine; zumindest eine beginnende.
Abnehmenwollen mit Abführmitteln ist ja wohl nicht normal, oder ?

Was wartest' da auf die Diagnose, nachdem Du ja selber schon spürst, daß da etwas nicht stimmen kann.
Denk' bitte bloß nicht, Entstehung oder Verlauf einer Krankheit lassen sich davon "beeindrucken", wann nun die passende Diagnose gestellt werden konnte.

Offenbar ist der wahre Auslöser, der Dir Deine Ängste überhaupt erst ausgelöst hatte, noch nicht wirklich gefunden worden und besteht fort.
Sucht weiter nach einer Äußerungsform, und das könnte dann halt durchaus auch in Richtung Eßstörung gehen.

Was wäre denn, ganz allgemein, Deine Veranlassung, Abnehmen zu wollen ?
Wofür - oder evtl. für wen - willst Du es ?

Die (tieferen) Antworten darauf könntest' vielleicht da jetzt schon immer mal selber herausfinden versuchen und sie dann zu den Themen, welche im bisherigen Verlauf Deiner Therapie aufgedeckt worden sind, in Bezug setzen.

Ich denke, dies könnte auch Dein Therapeut selber schon so erkannt haben.
Red' halt mit ihm über Dein Dich beunruhigendes Gefühl.

( ... ich will's da jetzt mal nicht "Angst" nennen, gleich wieder von der nächsten Sache befallen zu sein ... )

taubendenkmal
Beiträge: 4
Registriert: Do 10. Dez 2015, 20:20

Re: Bulimie Diagnose

Beitragvon taubendenkmal » Fr 11. Dez 2015, 13:03

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!
Mir war natürlich selber klar, dass es nicht normal sein kann ich kenne allerdings Personen die deutlich schlimmere probleme mir dem Essen haben und in der hinsicht habe ich dann überlegt ab wann man so etwas als Essstörung bezeichnet. In der Therapie war öfter im Gespräch ob meine Probleme evtl. Auf ein Trauma zuruckzuführen sein könnten man hat nur nie eins finden können ( würde allerdings dazu passen, dass ich meine Probleme durch etwas anderes versuche zu verarbeiten)
Ich habe deshalb ein Problem, die Problematik mit den Abführmitteln in der Therapie anzusprechen, da ich mich lange Zeit mit dem Thema durch Hausarbeiten und Vorträge beschäftigt hab und es mir jetzt etwas unangenehm ist, dass es mir selber passiert ist, da ich immer davon ausgegangen bin, andere bzw. gesündere Wege zu finden, um Gewicht zu verlieren, auch wenn ich nie übergewichtig war oder bin.

taubendenkmal
Beiträge: 4
Registriert: Do 10. Dez 2015, 20:20

Re: Bulimie Diagnose

Beitragvon taubendenkmal » Fr 11. Dez 2015, 13:05

Zu der Frage für wen ich abnehmen will kann ich konkret gar nichts sagen. Ich dachte immer ich will das für mich tun damit ich mich besser fuehle wobei mir die Meinung meiner Freunde auch nicht völlig egal wäre.

Benutzeravatar
Su Wang
Beiträge: 64
Registriert: Mi 11. Nov 2015, 01:16

Re: Bulimie Diagnose

Beitragvon Su Wang » Fr 11. Dez 2015, 13:53

da ich mich lange Zeit mit dem Thema durch Hausarbeiten und Vorträge beschäftigt hab
Na bittesehr, dann bist Du ja noch weit öfter von dem Thema "touchiert" worden als Du lediglich zusammen mit dem Therapeuten per Zufall dran vorbeigeführt worden warst - ... und vielleicht haben es weder Du noch er/sie überhaupt bemerkt dann.

Zweitens ist es nicht eben selten, daß sich Klienten genieren, in Momenten, wo die Therapie genau den Punkt berühren würde, den man nichteinmal sich selbst gegenüber eingestehen sich wagt, und dann eher froh sind, wenn auch der Therapeut "nichts bemerkt" hat und an anderen, weniger verfänglicheren Stellen weitergräbt.

Wenn Du es nicht weißt, für wen, nachher wär's die Aufgabe, es herauszufinden. ;)

Ich sag' ja nicht, daß es so sein muß, daß da nun irgendjemand Konkretes sein müßte. Es kann genauso gut auch ein schon immer bestandenes, unterschwellig diffuses Gefühl gewesen sein, eben allgemein "nicht genügend" sich zu fühlen.

... dann mußt' es "nur" zu relativieren lernen und diesen Anspruch als nicht existentielle Sache begreifen; irgendwann, zumeist von Kind auf her, falsch eingebrannt.

Wie wär's außerdem mit Sport ... ?
Du scheinst bereit, dafür einen Aufwand betreiben zu wollen - Dein Unterbewußtsein scheint es Dir zu suggerieren, daß es einen Aufwand dazu braucht; irgendeinen -, und da wär' nachher Sport, sofern man's schafft, sich dazu durchzuringen, noch immer etwas, das Dir ganz neue Empfindungen verschaffen in der Lage wäre.

Der Faktor, worinnen Sport - gerade eben Jogging - auch nur wieder eine andere Form von Kompensation wär', ist noch nicht bewiesen.
Auch damit kann man sich wieder ... verrennen ... ;)

taubendenkmal
Beiträge: 4
Registriert: Do 10. Dez 2015, 20:20

Re: Bulimie Diagnose

Beitragvon taubendenkmal » Fr 11. Dez 2015, 19:48

Ich habe früher sehr lange Leistungssport (Leichtathletik) gemacht. Ich hatte dann aber keine Zeit mehr für die Wettkampfe wegen der ganzen Klausurphasen und der Druck wurde immer höher. Nachdem ich aufgehört hab habe ich naturlich auch zugenommen allerdings blieb das immer im Rahmen ich bin das Gewicht dann aber nie mehr los geworden und bin seitdem halbwegs regelmäßig im Fitnessstudio. Da stellen sich aber auch ziemlich langsam merkbare Erfolge ein. :D
Ich würde meiner Therapeutin auch davon erzählen weil wir ein sehr gutes Verhältnis haben ich hab nur Angst, dass sie denkt ich würde irgendwelche Strategien anwenden, um die Therapie zu verlängern was definitiv nicht der Fall ist und aus dem eben bereits beschriebenen Grund. Sie haben eben geschrieben, dass es oft vorkommt, dass Patienten sich genieren wenn es sozusagen an Probleme kommt, die man sich selbst nicht richtig eingestehen will. Wieso kommt dieses Problem denn erst nachdem ich eigentlich das Anfangsproblem hinter mir gelassen hab (also die Ängste). Also ich versteh nicht warum ich so etwas trotz regelmäßiger Therapie mache wenn ich doch selber weiß wie das enden kann. Sonst habe ich im Moment auch kaum Probleme mir geht es eigentlich rund um gut deshalb komme ich nicht dahinter was mich dazu veranlasst hat auf einmal damit anzufangen auf extreme Art abnehmen zu wollen..

Benutzeravatar
Su Wang
Beiträge: 64
Registriert: Mi 11. Nov 2015, 01:16

Re: Bulimie Diagnose

Beitragvon Su Wang » Sa 12. Dez 2015, 18:49

Wieso kommt dieses Problem denn erst nachdem ich eigentlich das Anfangsproblem hinter mir gelassen hab (also die Ängste). Also ich versteh nicht warum ich so etwas trotz regelmäßiger Therapie mache wenn ich doch selber weiß wie das enden kann.
Könnte man hierin nicht auch gleich schon einen (möglichen) Weg zur Antwort erkennen ... ?

Einfach die Frage - an ebenjene Therapeutin, mit der die Lösung des ursprünglichen Problems so wundersam ;) gelungen war -, ob nicht aus etwas, das man gerade im Entstehen erst bemerkt, nicht auch noch ein Problem werden könnte, irgendwann. Und indem man selbst gerade vielleicht noch hin- und hergerissen ist, ob's denn überhaupt was sei zum Anfragen, wird die Sache ja stets angefaßt / im Stillen hinterfragt / bewegt / "gewälzt"; horcht man in sich hinein und versucht's immer neu zu erspüren. Das elektrisiert sozusagen die schlafenden Hunde. ;)

Daneben ist ein Zusammenhang doch wohl offenbar, wo jemand eine liebgewonnene Beschäftigung - ... und auch dafür hat's ja sicher Gründe gegeben, daß man sich überhaupt mal drauf verlegt hatte -, diese "aus Einsicht" hat aufgeben müssen, und ist dann sofort auch fixiert auf was in der Folge mit seinem Körper passiert. Der Gedanke, da bei Gelegenheit gegensteuern (zu müssen) wird fortan fixiert.

... hier dann noch "hinzugerechnet" die Einlassung (in dieser Form):
Da stellen sich aber auch ziemlich langsam merkbare Erfolge ein
... ergibt, daß man sich mehr erwartet hätte und also irgendeine Hirnzelle mit dem allen irgendwie eben doch noch unzufrieden zu sein scheint.

Ich denke nicht, daß die Therapeutin es wie befürchtet empfinden würde. Sie sieht schließlich die ganze Persönlichkeit. Aber selbst, wenn's so wäre dann, daß einer "tricksen" ;) versucht, zeigte das ja nur, daß eben doch noch nicht alles fertig ist.

Wenn das mit diesen Abführmitteln sozusagen erst noch im Anfangsstadium ist, wär's wohl auch nicht sonderlich schwer, einfach nur der eigenen Vernunft nur nachzugeben, daß dieses selbst für sich genommen ja nun mal überhaupt nichts ausrichten schafft, oder ?


Zurück zu „Schlafstörungen, Essstörungen und andere Verhaltensstörungen (ICD-10:F5)“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast