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Kategorien somatoformer Störungen

Verfasst: Sa 6. Nov 2010, 17:53
von frankmehlhop
Hallo!

Es finden sich im ICD 10 F45 folgende somatof.St.:

Somatisierungsstörung
Undifferenzierte Somatisierungsstörung
Hypochondrische Störung
Somatoforme autonome Funktionsstörung
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung

Meine erste Frage ist, kennt Ihr weitere Formen mit Namen und Kurzbeschreibung, welche nicht im ICD 10 F45 vertreten sind?

2. Ist jemanden so etwas wie eine "abhängige somatoforme Störung" bekannt? Es handelt sich wohl um eine somatof.St., bei welcher der Patient therapiewillig ist und einen Psychotherapeuten begehrt.

Vielen Dank im Voraus!
vom Frank

Re: Kategorien somatoformer Störungen

Verfasst: Sa 6. Nov 2010, 18:34
von frankmehlhop
DVTore hat geschrieben:In einem Psychoforum würde ich nicht meine Domina neben meinen Diagnosen angeben.
Warum?

Re: Kategorien somatoformer Störungen

Verfasst: Sa 6. Nov 2010, 19:00
von cake
frankmehlhop welche psychischen Belastungen hast Du denn genau?
Magst darüber differenzierter berichten? :wink:

Re: Kategorien somatoformer Störungen

Verfasst: Sa 6. Nov 2010, 19:05
von frankmehlhop
cake hat geschrieben:frankmehlhop welche psychischen Belastungen hast Du denn genau?
Magst darüber differenzierter berichten? :wink:
Ich bin ja neu in diesem Forum und ich bin hier gelandet, weil ich davon ausging, dass es hier um fachlichen und nicht um persönlichen Austausch geht. Ich habe meine Frage gepostet, weil ich fachlich interessiert bin.

Re: Kategorien somatoformer Störungen

Verfasst: Sa 6. Nov 2010, 19:29
von Grobser
Hallo Frank,

der Ottonormalverbraucher geht bei körperlichen Beschwerden ja nicht wie selbstverständlich von einer etwaig vorhandenen psychischen Ursache aus. Ich möchte sogar soweit gehen, dass er schon gar nicht hören will, dass es eine psychische Ursache haben könnte. „Er sei schließlich nicht irre oder krank im Kopf!“, könnte die zu erwartende Reaktion sein, wenn sein Arzt so weitsichtig ist, dass er sowas in Erwägung zieht.

In meinen Augen ist ein Klient, der trotz einer somatoformen Störung (denn die fühlt sich für ihn ja nun mal wirklich so an und führt ihn deshalb zu einem Arzt) einen Therapeuten zur Hilfe heranziehen will, ziemlich aufgeklärt und offen für einen therapeutischen Ansatz. Weshalb sollte man diese Krankheitseinsicht gerade in Verbindung mit F45 pathologisieren?
Es handelt sich wohl um eine somatof.St., bei welcher der Patient therapiewillig ist und einen Psychotherapeuten begehrt.
Woher stammt die Information? Oder woraus leitest du sie ab?

Gruß
Sanne

Re: Kategorien somatoformer Störungen

Verfasst: Sa 6. Nov 2010, 19:42
von frankmehlhop
Hi Sanne!
Grobser hat geschrieben:
Es handelt sich wohl um eine somatof.St., bei welcher der Patient therapiewillig ist und einen Psychotherapeuten begehrt.
Woher stammt die Information? Oder woraus leitest du sie ab?
Dies entstammt der Frage meines Prüfers (HPP) nach weiteren Formen somatoformen Störungen mit Hinweis auf eben jene Form, bei der der Patient untypischer Weise den Therapeuten verlangt. In vier Wochen habe ich meine Wiederholungsprüfung und ich versuche natürlich die Antwort auf die Frage zu finden, die ich nicht beantworten konnte.

LG! Frank

Re: Kategorien somatoformer Störungen

Verfasst: Sa 6. Nov 2010, 20:01
von Grobser
Hallo Frank,

nun, ich hätte den Prüfer gleich nach der Prüfung um Aufklärung gebeten. ;)

Tja, tut mir leid; in meinen Augen gibt es die so nicht und ich hätte es in der Prüfungssituation auch genauso wie oben formuliert beschrieben. Vielleicht schaust du noch mal nach Parallelen im DSM; manchmal lauern dort noch "horizonterweiternde Ideen“ für den Hinterkopf. Wie auch immer - falls du eine Antwort auf deine Frage findest, freue ich mich, wenn du sie hier mitteilst.

Sehr wohl aber bin ich davon überzeugt, dass es ein Klientel gibt, das sich seinen Therapeuten ggfs. auch vor dem Hintergrund eigener körperlicher Beschwerden „just for fun“ gönnt, weil da jemand zuhört und man sich dort aufgehoben und angenommen fühlt. Und da wir ja alle ein bisschen bluna sind, sich die Zeiten und die Qualität zwischenmenschlicher Begegnungen kontinuierlich ändern, ist es möglicherweise auch legitim, dass sich in dem Bezug the american way of life durchsetzt. Aber auch das würde ich dann schlussendlich nicht bei F45 suchen, weil es mir zu weit weg vom Thema erscheint und - bezüglich des Abhängigskeitsattributes - auch nicht bei F60 weils mir zu tiefgreifend wäre. Im Rahmen meiner Ausführungen wäre es mehr ein Zeitgeist, dem da gefolgt wird und der sich im Übrigen in der Vielzahl der Coaching- und psychologischen Beratungspraxen widerspiegelt.

Viel Erfolg bei der Prüfung!

Sanne

Re: Kategorien somatoformer Störungen

Verfasst: Sa 6. Nov 2010, 20:12
von frankmehlhop
Grobser hat geschrieben:nun, ich hätte den Prüfer gleich nach der Prüfung um Aufklärung gebeten. ;)
Hey Sanne!

Ich habe den Prüfer gefragt.
Und die Antwort war in etwa so "Es gibt eine große Fülle von Literatur, die müssen Sie sich selbst zugänglich machen, in Ihren Lehrbüchern finden sie das gewiss nicht."

Außerdem denke ich, dass der Prüfer es eher darauf anlegt, die Prüflinge durchfallen zu lassen, wie es bei HP-Prüfungen bundesweit normal zu sein scheint.

Danke noch für Deinen Tipp mit den DSM, da schau ich mal.

Übrigens hatte ich als Variante auch an F60.7 Abhängige Persönlichkeitsstörung in Zusammenhang mit F45 Somatof.St. gedacht.

LG! Frank

Re: Kategorien somatoformer Störungen

Verfasst: So 7. Nov 2010, 00:59
von Grobser
Hi again Frank,

ach du grüne Neune! Na, das ist ja an Arroganz kaum zu überbieten!

Ich empfehle dir, nicht nach der Nadel im Heuhaufen zu suchen. Solltest du bei der Nachprüfung tatsächlich an den selben Prüfer geraten und dich erneut mit dieser Frage konfrontiert sehen, dann sags wie es ist: leg DEINE Einschätzung nebst DEINER Argumentation zu DEINER Verdachtsdiagnose dar und stell ggfs. klar, dass dir diese spezielle Literatur eben noch nicht untergekommen ist.

Zudem ist dein Eindruck m.E. auch nicht so falsch. Oft wird in Prüfungen bewusst darauf abgezielt zu verunsichern. Es geht dann vielmehr darum, seinen Mann zu stehen und sich nicht ins Trudeln bringen zu lassen; niemand weiß alles – auch der Prüfer nicht.

Es jetzt irgendwie in eine Schublade zu pressen, mag vielleicht möglich sein; davon halte ich allerdings nicht so viel. Da es bei der Fragestellung um somatoforme Störungen ging, kann es nämlich nicht Sinn der Sache sein, sich über Nuancen einer etwaig vorhandenen Persönlichkeitsstörung zu hangeln.

Trotzdem noch zwei Denkanstöße:
  • Vielleicht wollte der Prüfer „abhängig“ im Bezug auf Komorbidität verstanden wissen?

    Mir fällt auf, dass deine Aufzählung oben mit der F45.8/9 die sonstigen bzw. nicht näher bezeichneten somatoformen Störungen vermissen lässt. Ich denke, dass man annehmen darf, dass soetwas wie Zähneknirschen in der Bevölkerung inzwischen problemassoziiert akzeptiert ist, so dass sich hieraus dann ggfs. die Bereitschaft zur Therapie ableiten lässt bzw. bei der Suche nach dem passenden Fachmann doch zumindest eher an einen Therapeuten als an einen Arzt gedacht wird. Vielleicht wollte dein Prüfer darauf hinaus?
So long
Sanne