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Angst vor Krankheiten wegen zu häufiger Arztbesuche?

Verfasst: Do 8. Jan 2009, 22:05
von Werra
Hallo!
Ich wurde Ende 2006 nach meinem Umzug krank, hatte monatelang Husten, Atemnot, eine Beule an der Hand und Schnupfen. Ich war aber nie der Mensch, der wegen sowas zum Arzt gehen würde.
Also schob ich es vor mir hin. Nach einigen Monaten machte ich mir dann aber doch Gedanken und fing an Medizinbücher nachzuschlagen und kam dann zu der Erkentniss, dass die Beule Knochenkrebs darstellen könnte und ich eine schwere Lungenkrankheit haben könnte.
Ich bekam Panik und ging zum Arzt, ich wurde knapp 1 Jahr lang untersucht bis kein einziges Körperteil mehr ununtersucht blieb, ständig bekam ich neue Erkrankungen, die wieder untersucht wurden, irgendwann bekam ich so viele Krankheit, dass ich dachte, so viele Sachen kann man gar nicht haben, nach 1 Jahr dann endlich die Diagnose: Immundefekt
Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass ich immer denke, DA könnte noch eine Krankheit verborgen sein. Manchmal habe ich damit auch Recht.

Kann man wegen meiner Arztkarriere (in 2 Jahren 200 Arzttermine, 44 verschiedene Fachärzte, 8 Diagnosen, 8 verschiedene Krankenhäuser, 3 OP´S) eine gewisse Art der Hypochondrie bekommen?

Mich stört es ungemein, wenn ich neue beschwerden bekomme und zu 99% weiss, dass es nichts Schlimmes ist, das 1% mich dann aber doch zu weiteren Arztterminen zwingt.
Was kann man dagegen tun?

Grüsse Sandra

Verfasst: Do 5. Feb 2009, 14:49
von paul.
Hallo Werra,
Ich habe in den letzten Jahren persönlich miterlebt wie häufige Arzt besuche eine Hypochondrische Erkrankung fördern. Ich denke nicht das häufige Arztbesuche alleine ein Auslöser sind, allerdings habe ich beobachtet das diese eine Hypochondrie extrem fördern.
Meine Freundin ist Hypochonderin, und bei ihr lief das folgendermaßen ab:
Früher war sie oft krank, und hatte übertrieben ängstliche Eltern. Sie war als jugendliche ständig im Krankenhaus, und hatte auch sehr ernste Krankheiten. Dadurch das sie so für Krankheiten sensibilisiert wurde verlor sie schnell das vertrauen in ihre eigene Urteilskraft. So nach dem Motto: ich habe mich ja schön früher einmal geirrt, und eine schlimme Krankheit übersehen…
Durch diese Zweifel ging sie wegen Kleinigkeiten zum Arzt, und das beruhigte sie dann auch für eine gewisse zeit. Dann kam nach ca. ½ Jahr das nächste und sie ging wieder zum Arzt, der sie wieder beruhigte. Diese Beruhigung durch den Arzt wurde zu einer art sucht. Kurz nach dem Arzt besuch ging es ihr wunderbar, mit der zeit kamen dann die ersten Zweifel, die immer schlimmer wurden, bis es nicht mehr auszuhalten war, und der nächste Arztbesuch anstand.
Dadurch hat sie ihre eigene Verantwortung abgegeben, d.h. sie hat verlernt ihrer Wahrnehmung zu vertrauen. Der Arzt hat ihr quasi abgenommen sich selber richtig wahrzunehmen und einzuschätzen.
Dieser Kreislauf wurde mit der zeit immer schlimmer, die abstände zwischen den Arztbesuchen wurden immer kürzer, und das beruhigende Gefühl hielt immer weniger lange an. Mittlerweile kann sie sich und ihren Körper überhaupt nicht mehr einschätzen.
Besonderst problematisch ist, wenn tatsächlich mal was ist. Meist sind es nur Kleinigkeiten, wie eine Erkältung. Aber das ist dann eine extreme Bestärkung für ihr verhalten. D.h. sie sagt dann: siehst du war doch was, und keiner hat es gemerkt… das verstärkt dann den Teufelskreis noch mal. Sie kann mittlerweile keine Woche mehr ohne Arzt. Sie googelt täglich nach tödlichen Krankheiten und ist fest davon überzeugt sehr krank zu sein. Für uns beide, und unser Umfeld ist diese Situation nicht mehr auszuhalten. Aber das gute ist, das sie mittlerweile akzeptiert hat, dass sie eine Angststörung hat.
Sie bemüht sich um einen Therapieplatz, und ich hoffe das langsam wieder berauf geht.

Ich würde dir raten, etwas für dein Körperbewusstsein zu tun, z.B. einen tai chi kurs zu belegen.
Ich denke man kann aus diesem Kreislauf ausbrechen, wenn man lernt sich selber zu vertrauen. Und sich nicht die Bestätigung beim Arzt such sondern bei sich selber.

Wenn du das Gefühl hast, das deine häufigen Arzt besuche und deine Ängste dein leben bestimmen, und das du selber nicht mehr aus diesem kreis ausbrechen kannst, würde ich dir in jedem fall zu einer Psychotherapie raten.
Sinnlos finde ich es, wenn man seine Ängste ignoriert und gar nicht mehr zum Arzt geht. Denn die Möglichkeit einer tatsächlichen Erkrankung besteht ja immer. Ich denke man darf seinen Körper nicht ignorieren, aber überbewerten auch nicht. Also der richtige Weg liegt wie immer in der Mitte.

Liebe grüße Paul

Verfasst: Do 5. Feb 2009, 19:14
von Corvina
Hallo Sandra,

ich würde Deine Frage aus meiner Erfahrung heraus auch mit "Ja" beantworten.

Ich hatte eine Angststörung, die natürlich körperliche Symptome verursacht, die verunsichern. Also bin ich von Arzt zu Arzt, und ganz oft zu meinem damaligen Hausarzt (der das auch gar nicht komisch fand), und nie wurde was gefunden. Diese Schleife "Aber es könnte doch immernoch was Unentdecktes sein" kenne ich nur zu gut. Zwar habe ich in der Verhaltenstherapie gelernt damit umzugehen, meine Körperwahrnehmung umzustellen, aber es gibt immernoch Phasen, in denen mich solche Gedanken wieder einholen. "Könnte ja auch alles immernoch ein Hirntumor sein" und sowas. In der Regel helfen mir dann Bachblüten ganz gut aus der Schleife der Hoffnungslosigkeit (dort orte ich das zu, und die entsprechende Bachblüte wirkt) rauszukommen.

Mir hat auch Yoga sehr gut getan, dadurch bekommt man ein sehr schönes Körpergefühl. Man fühlt sich grundlegend sehr kraftvoll, was schon mal sehr gut gegen diese Gedanken sich "krank und schwach" zu fühlen hilft. Der Chakrenausgleich beim Yoga trägt ebenfalls dazu bei sich besser zu fühlen, durch das "sich ausgeglichen fühlen" haben solche Gedanken viel weniger Raum.

Vielleicht ist auch progressive Muskelentspannung was für Dich? Entspannung durch Anspannung. Das hat mir auch sehr gut geholfen, man richtet seine Aufmerksamkeit dabei zwar ebenfalls auf den Körper, aber im Sinne von "loslassen". Da gibt es gute CD´s zu mit Programmen, kann ich nur empfehlen.

Und manchmal hilft auch einfach der böse Vergleich mit dem Toaster: es gibt keine Garantie dafür, dass alle potentiellen Möglichkeiten zum Krankheiten abchecken genutzt wurden. Wenn ich eine Garantie will, muss ich mir nen Toaster kaufen. Das ist Leben. :wink:

Alles Gute für Dich!
Corvina