Dissoziationen/eure Erfahrungen

Hier hinein gehören alle Beiträge, die sich spezifisch auf sehr vielfältigen und oft sonderbar wirkenden dissoziativen Störungen bzw. Konversionsstörungen beziehen
max1986
Beiträge: 12
Registriert: Fr 23. Mai 2008, 19:30

Beitragvon max1986 » Di 27. Mai 2008, 15:57

ich habe auch starke dissoziationen, wogegen ich Nemexin bekomme, was mir auch teilweise hilft.

Wenn ich dissoziiere, dann weiss ich m eistens, dass ich es tue und schwebe über mir, bzw. fühle mich viel größer gewachsen und sehe alles durch einen Nebel hindurch.
dazu kommt, dass ich dann nichts mehr hören kann, meine akustik ist total abgeschaltet und ich nehme auch keine schmerzen mehr wahr.
so passiert es, dass ich mich schneide, ohne es zu merken....bzw. in einen völligen Blutrausch komme und garnicht mehr aufhören kann.
Manchmal mischen sich in die Dissoziationen auch Flashbacks und Verfolgungsgefühle, wodurch ich dann noch mehr in die Diss rutsche.

Da ich diese Dissoziativen Anfälle oftmals bis zu einer Woche am Stück hatte( mit anschließender Teilamnesie), und sie unkontrollierbar wurden, kam ich in die KLinik.
Was denen da aber eher Probleme bereitete...
da sie Angst hatten, ich könnte mich lebensgefährlich verletzen.

diese Zustände habe ich schon seit ich ca 14 Jahre alt bin...und irgendwann weiss man, dass man in diesen Phasen nix lebensgefährliches macht... ( naja nach 6-7 Jahren, sollte man sich da irgendwie reingefunden haben)

glg

Benutzeravatar
Lilith
Beiträge: 85
Registriert: Mo 31. Dez 2007, 17:12

zum damit leben lernen

Beitragvon Lilith » Fr 11. Jul 2008, 21:53

ja das müssen wir wohl alle, aber auch nicht zu vergessen sind auch unsere Freunde oder auch Familie.
Oft können sie ja nicht wirklich nachvollziehen, wir dürfen auch nicht immer erwarten das die Mitmenschen Dinge nachvollziehen die wir tuen.
Doch mit dem Wissen um die Krankheiten, fällt es oft auch den außen stehenden leichter uns zu verstehen und zu akzeptieren.
So wird es allgemein leichter die Dinge zu verstehe und auch der Umgang mit einander wird leichter auch
wenn es manchmal schwer fällt kann man hoffen das es ein leben damit gibt, für alle beteiligte.

Wir dürfen alle nur nicht den Mut verlieren und oft muß man Situationen oder Dinge einfach akzeptieren
auch wenn es mal anders gelaufen ist als man es selbst getan hätte.
Wir sind quasi wie eine Familie in uns und es ist wichtig zu lernen das auch hier ein geben und nehmen besteht,
um das leben zu lernen und seine , bei uns starke, Vielseitigkeit schätzen zu lernen,
für eine gemeinsame Zukunft in uns.

An alle da draußen hoffe ich das ihr den Mut und die Kraft für euch findet.
Zuletzt geändert von Lilith am Fr 4. Jan 2013, 13:05, insgesamt 2-mal geändert.
Bin nur sporadisch hier, schau aber etwa zwei mal im Monat rein- geht aus Zeitgründen leider nicht anders.

"Coming back to where you started is not the same as never leaving."
A Hat Full of Sky- Terry Pratchett

Llllleona 5x.2
Beiträge: 114
Registriert: Mi 27. Jun 2012, 10:59

Re: Dissoziationen/eure Erfahrungen

Beitragvon Llllleona 5x.2 » So 21. Apr 2013, 02:34

Derealisation = es fühlt sich unwirklich an; zumindest hab ich es so in Erinnerung.

Was ich fragen wollte: ich hab mal gelesen, dass die schlimmste Form der Dissoziation die dissoziative Identitätsstörung ist. Allerdings frage ich mich, ob nicht Psychosen und schizophrene Zustände ähnlich schlimme oder schlimmere Formen von Dissoziation sind.

Mein Studium hat mir bei der Beantwortung dieser Frage bisher nicht viel gebracht. Die Vorlesung für klinische Psychologie behandelt nur die Symptome, die biologischen Ursachen und wie diese medikamentös behandelt werden müssen.

Dass es da aber noch mehr geben könnte, vermute ich aufgrund eigenem Erleben und Begegnung mit anderen (bin nicht schizophren, außerdem glaube ich, dass die Übergänge zwischen verschiedenen psychischen Erkrankungen/Zuständen schwimmend sind und dass sich außerdem alle auf einem Kontinuum des psychostrukturellen Niveaus von niedrig bis hoch und/oder auch auf irgendeiner (möglicherweise [noch] nicht definierten/identifizierten anderen Dimension irgendwie anordnen lassen) und aufgrund mancher Aussagen/Beschreibungen mancher namhafter Personen auf diesem Gebiet (z.B. Margret Mahler, Carl Rogers).
Manchmal ist mein Glas halbvoll,
manchmal ist mein Glas halbleer,
manchmal ist das Leben toll,
manchmal ist das Leben so besch*** wie ein verschissenes Katzenkisterl...

Benutzeravatar
fluuu
Beiträge: 2544
Registriert: Di 13. Sep 2005, 13:32
Kontaktdaten:

Re: Dissoziationen/eure Erfahrungen

Beitragvon fluuu » Fr 26. Apr 2013, 11:12

Hallo,
es gibt viele Bewusstseinszustände die erforscht sind, lässt sich in der Fachliteratur nachlesen
aber es gibt noch mehr unbewusste Zustände des Gehirns die noch nicht erforscht sind.
So kann die Wahrnehmung in bestimmten nervlichen Verknüpfungen bewusst oder unbewusst
erlebt die verschiedensten Ausprägungen gestalten.
Ich würde zeitweiligen Dissoziationen keine übertriebene Aufmerksamkeit beimessen,
sie kommen im Alltag bei jedem vor, vor allem wenn die Konzentration schon geschwächt ist
wie z.B. durch Müdigkeit, Alkohol, Anstrengung, seelische Bedrückung, Erinnerung an Trauma,
Schmerzen oder andere Beeinträchtigungen.
Besser ist es weniger den Fokus auf die Wahrnehmungsstörungen zu richten als viel mehr durch
welche Maßnamen ein seelischer Ausgleich wieder hergestellt werden kann.
Dann gehen meistens die Erlebnisse mit Dissoziationen zurück.
Der Glaube an Dimensionen die wissenschaftlich noch nicht bekannt sind aber man selbst in der Lage ist
als Mensch mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zu betreten, helfen um sich in unserer realen Welt
zurecht zu finden nicht weiter. Ich finde die fünf Hauptsinne in der Wahrnehmung so zu benutzen
und auszuschöpfen, dass sie ein Leben mit Qualität bescheren ist schon eine große Herausforderung.
Es ist ein sehr gutes und ausgeprägtes Gespür notwendig um alle Facetten wahrzunehmen.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

Kanalratte
Beiträge: 14
Registriert: Mo 6. Apr 2015, 12:15

Re: Dissoziationen/eure Erfahrungen

Beitragvon Kanalratte » Fr 17. Apr 2015, 19:08

Bei mir äußert sich das in Lähmungen (bin bei vollem Bewußtsein, höre alles, sehe auch wenn ich die Augen offen habe), aber ich kann keinen Finger rühren, auch keine Augenlider ... nichts ....
Und es kommen Derealisationen dazu und das Gefühl der ICH-Auflösung. Man kann versuchen es zu ignorieren (nicht so viel Bedeutung), das hilft aber wenig, meist kommt es mit noch mehr Macht zurück. Ich glaube auch nicht, dass jeder Mensch Lähmungen kennt, die spontan auftreten.

wenn man es vorher merkt, kann man was dagegen unternehmen ... Skills z.B. Ammoniak riechen, Chili kauen etc .... aber wenn man es nicht bemerkt, weiß ich auch nicht, was hilft, außer abwarten, bis der Zustand vorbei ist ....

mamschgerl
Beiträge: 1105
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Dissoziationen/eure Erfahrungen

Beitragvon mamschgerl » Sa 4. Jun 2016, 08:45

hallo kanalratte,
beim durchstöbern nach beiträgen, die meinen problemen nahe kommen und mir eventuell vergleichsmomente bieten können, ist mir deine bemerkung aufgefallen, daß man in diesen besagten momenten gar nicht mitbekommt, daß sie eingetreten sind, also wie soll man sich daraus befreien?

diese frage habe ich mir bzw. meiner therapeutin ebenso gestellt, wenn wir über maßnahmen bei dissoziationen ind flashbacks gesprochen haben.
all diese vorschläge, gummiball kneten, schenkel klopfen, ohrläppchen zupfen etc. etc. kann man nur außerhalb dieser zustände herunterbeten, aber währenddessen?
meine therapeutin wusste darauf keine befriedigende antwort, weil es keine gibt.

wenn ich dissoziiere, dann hilft nix mehr. ich bin dann weg, höre nichts, sehe nichts, und selbst wenn ich ab und zu mal am rande mitbekomme, daß da einer was von mir will, so kann ich doch nicht reagieren, ich bin stumm wie ein fisch, meine augen sind blicklos, obwohl geöffnet, fehlt nur noch, daß ich sabbere.
wie ich da rauskomme, weiß ich nicht wirklich, ich erinnere mich danach immer nur an diese angst, eingesperrt zu sein in einem zustand, der mich bewegungsunfähig macht.
diese angst vor der völligen hilflosigkeit wird so übermächtig, daß sich meine kehle verkrampft, bevor ein rettendes nach luft schnappen mich vor dem ertrinken bewahrt.

bei meinen flashbacks passiert das nicht, da bin ich da, obwohl ich in einer anderen zeit gefangen bin.
in diesen momenten sehe ich mich hilflos, verkrampft, mein gesicht verzerrt sich zu einer grimasse, weil ich erlebe, was gewesen war und einfach nur leide. da kann ich nichts tun, ich muss abwarten, selbst wenn mir bewusst ist, was sich da gerade abspielt, da könnte ich bälle kneten wie ich wollte, der zustand dauert so lange, wie er halt dauert.

ich hoffe, daß ich diese zustände nie gemeinsam erleben muß, denn zu dissoziieren während eines flashbacks stelle ich mir einfach nur gnadenlos grausam vor, was natürlich die jeweiligen zustände auch nicht in ihrer qualität mindert.
mich ödet es an, daß ich durch diese zustände nicht in der lage bin, eine arbeit aufzunehmen und vollkommen in ein typisches vermeidungsverhalten gerutscht bin.
meine mir über jahrzehnte durch harten kampf antrainierte selbstkontrolle ist vollkommen im a..., psychisch wie physisch, das geht tatsächlich hand in hand.
und ja, alltägliche dinge wie frühstücken, zum arzt fahren, andere sachen laufen oft nebenbei und versinken im nirgendwo. das bewusstsein verabschiedet sich irgendwohin und ich erinnere mich nicht, wo ich war, was ich getan oder gesagt habe, das ist die andere variante.
meine kontaktpersonen wissen das und gehen auf ihre weise damit um, aber es ist nicht gerade tröstlich, von sich selbst sagen zu müssen, daß sein verhalten und das gesagte als nicht verbindlich einzustufen sind, solange es nicht irgendwie bestätigt wurde.
tja, ich habe so gesehen einen an der waffel, wie man so schön sagt, wenn ich abwesend bin. für aussenstehende schwer nachvollziehbar, unheimlich.

ich für mich glaube, daß ich in den momenten unbewusst dissoziiere, wenn sich ein flashback anbahnt, um dem zu entkommen. mein verstand flüchtet ganz einfach, nur leider nicht an den so genannten "sicheren ort", sondern irgendwohin.
es ist vollkommen lächerlich, mit dissoziationen oder flashbacks vernünftig umgehen oder versuchen zu wollen, sie in ihrer intensität zu beeinflussen, diese zustände haben nämlich eine unumstößliche eigenschaft, sie sind unkontrollierbar.

mamschgerl

inlines
Beiträge: 7
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 23:12

Re: Dissoziationen/eure Erfahrungen

Beitragvon inlines » Fr 17. Jun 2016, 23:44

Hallo zusammen,

habe ebenfalls relativ starke Dissos. Nehme seither 2 mg Nemexin, wobei dies nun erhöht werden soll (evlt. 4 mg). Ich erlebe diese Dissos sehr unterschiedlich, wobei ich mittlerweile weiß, dass ich sie durch ein gewisses Verhalten fast provozieren kann, z. B. die Augen leicht zukneife und den Blick fixiere. Ich erlebe sie teils als Befreihung, da ich dadurch keinen Verkrampfungs-Schmerz mehr spüre, und mir wie in meiner eigenen Höhle vorkomme. So als hätte man ein paar Bier gedrunken, oder das Blickfeld künstlich eingeengt. Sie können aber auch eine Belastung sein, wenn sie unkontrollierbar sind, und man nicht mehr sprechen oder lesen kann oder man den eigenen Körper wie ein fremdes Teil erlebt. Dann bin ich dankbar dass es Ammola oder Eiswasser gibt. Besonders schlimm finde ich sie, wenn sie relativ stark sind, aber trotzdem Traumagefühle wahrzunehmen sind. Diese Mischung ist wirklich unerträglich und sollte niemand auf Dauer zugemutet werden. Ich habe schon festgestellt, dass es eine große Bandbreite an Dissos gibt, und nicht bloß das binäre System wie es wohl die Therapeuten glauben. Sind sie leichter spüre ich das Eis in der Hand, sind sie stärker muss ich das Eis auf meinen Hals drücken, am oberen Ende der Skala spüre ich es nur noch im Gesicht (Wangen) oder muss die Füße ins kalte Wasser (mit Eiswürfeln) hängen. Komme ich schnell aus tiefer Disso wieder zu mir (Ammola), neige ich zur Schnappatmung, so als ob ich eine Panikattacke hätte. Lange Zeit waren diese Dissos für mich so unwirklich wie die Traumatisierung selbst. Erst als ich "beobachtet" habe, wie ich ausgeschlafen, und völlig klar innerhalb von Minuten komplett weggedriftet bin, konnte ich die Dissos als solche akzeptieren.

Vielleicht noch ein Hinweis zu Ammola: Mir persönlich geht es so, dass der Reiz mit jeder Anwendung nachlässt. Es sollte daher wirklich nur in Notfallsituationen angewendet werden. Beim ersten Mal hab ich geglaubt mein Gehirn hätte Feuer gefangen, aber so nach dem 20 Mal kommt nicht mehr gar so viel im Hinterkopf an.

mamschgerl
Beiträge: 1105
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Dissoziationen/eure Erfahrungen

Beitragvon mamschgerl » So 17. Jul 2016, 17:33

bezugnehmend auf fluus thread:
dissoziationen, die einem jeden im alltag begegnen mit denen zu vergleichen, die traumatisierte oder anderweitig leidende bekommen, ist hier völlig unangemessen.
ich denke, jeder hier weiß, worin sie sich unterscheiden und ich denke auch, daß hier keiner von den alltäglichen dissos spricht.
aber naja, ich habe mich schon öfter über manche von fluus bemerkungen geärgert, es wird sich auch nicht ändern, besonders, da er glaubt, als therapeut fungieren zu müssen.
bin ich froh, nicht an einen solchen schwätzer geraten zu sein...aber vielleicht sollte eher der schwätzer froh sein... :silly:

mamschgerl

Benutzeravatar
Feuerchen
Beiträge: 1194
Registriert: Sa 27. Okt 2007, 16:26

Re: Dissoziationen/eure Erfahrungen

Beitragvon Feuerchen » Sa 20. Aug 2016, 16:58

Hallo Mamschgerl, hallo Inlines,

Zu den Dissos möchte ich sagen, dass ich das auch einmal erlebt habe, nicht anwesend zu sein...Einfach nicht da, weder körperlich, noch in Gedanken, noch als Gefühl, noch im Bewußtsein... Leere/Nichts. Und in so einer Situation davon zu sprechen, sich Igelbälle zu holen, ist hirnrissig, weil man eben nicht mehr existiert außer den K*rperfunktionen.
Aber und jetzt kommt die Einschränkung... Andere merken das evtl. z.b. nahestehende Personen, die einen gut kennen.
Und da ist es auch wichtig an diese Personen einen Hilferuf an "bewußten" Tagen zu richten und die Bitte auszusprechen dass sie versuchen Dich aus Deinem Eingesp*rrtsein herauszuholen. Und da können die Angehörigen, die ganze Palette der Skills auffahren und vielleicht bekommt ihr dann zusammen raus, was Dir hilft.

Ganz liebe Grüße
Feuerchen

mamschgerl
Beiträge: 1105
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Dissoziationen/eure Erfahrungen

Beitragvon mamschgerl » Sa 20. Aug 2016, 21:29

hallo feuerchen,
an und für sich eine gute idee, setzt aber etwas entscheidendes voraus: vertrauen.
ich habe das leider nicht und vertrauen müsste ich schon haben, um meinem partner soviel meiner krankheit und damit von mir preiszugeben.
da ich selbst nicht damit einverstanden bin, darunter zu leiden, kann ich es auch nicht vor meinem partner eingestehen, ich weiß, klingt ziemlich verworren, aber fakt ist, ich schäme mich für meine schwäche, meine krankheiten, meine probleme. ich will niemanden da mit reinziehen und belasten, ich kann nicht anders. für mich, ich glaube, das schon mal woanders erwähnt zu haben, gibt es kein "geteiltes leid ist halbes leid", für mich bedeutet das eher doppeltes leid, weil ein anderer auch noch damit belastet wird.
also zieh ich mich, wenn ich schon eine schlechtere stimmung als sowieso schon habe, zurück in mein stilles eckchen und erwarte, daß man mich in ruhe lässt. im vorfeld zu dissos oder flashbacks, die plötzlich auftreten könnten, wenn doch mal jemand anderer dabei ist, erbitte ich mir distanz und ebenso, mich in ruhe zu lassen.
denn dummerweise reagiere ich, wenn überhaupt, auch nicht immer gleich, das heißt, mein gegenüber, der versucht, mich aus diesem zustand rauszuholen, hat ganz schön was zu ertragen. ich kann mir nicht vorstellen, daß das für einen partner sehr angenehm ist, so etwas miterleiden zu müssen und ich will es auch nicht. tja, das alte thema, ich kann keine hilfe annehmen und es auch nicht ertragen, wenn sich jemand liebevoll um mich kümmern möchte, denn bei solchen vorhaben schaltet mein hirn sofort um und assoziiert damit schmerz, hilflosigkeit, erniedrigung etc ezc.
es ist schon schlimm genug, an sich schon keine hilfe ertragen zu können, aber für einen menschen ist es genauso schlimm, zurückgestoßen zu werden.
jaja, es ist schon pervers, mit welchen folgeerscheinungen ich mich herumquälen muß, aber ein anderer sollte eben darunter nicht auch noch leiden müssen.

mamschgerl

inlines
Beiträge: 7
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 23:12

Re: Dissoziationen/eure Erfahrungen

Beitragvon inlines » Sa 20. Aug 2016, 22:22

@Feuerchen: Ja, da ich glaube auch, dass die Angehörigen helfen können. Am Anfang hat meine Frau es teilweise gar nicht bemerkt, wenn ich erstarrt und weggedriftet war, und ist aus dem Zimmer gegangen, weil sie meinte ich wolle nicht mit ihr reden. Das war ziemlich heftig für mich, da ich ja dabei meist in heftigen Zuständen stecke, und mir gar nicht vorstellen konnte, dass ein anderer das überhaupt nicht bemerkt. Mittlerweile achtet sie aber darauf, und reagiert der Intensität entsprechend: Die Ammoniakampulle wird eingesetzt wenn ich auf dem Boden liege, oder nicht mehr reden kann. Ansonsten Gummiband oder Eis ins Gesicht. Es ist also wohl eine Sache der Übung.

@mamschgerl: Ja, Alltags-Dissos sind kaum mit unseren "krankhaften" Dissos vergleichbar. Das eine hat wohl was mit Automatismen/Konzentration zu tun, und das andere mit überleben. Ich habe schon öfters bemerkt, dass es tatsächlich so ist, und zwar dann, wenn die Intensität der Anspannung/des Stresses etwas langsamer stieg: Anfangs ist dann normale Anspannung, man ist halt etwas nervös. Steigt der Level weiter, fangen bei mir die Schmerzen in der Magengegend an, und diese steigern sich mit der Anspannung, bis es richtig weh tut, so als ob man einen Dauerkrampf hätte. Schließlich kommt der Nebel, teils schlagartig, und der Schmerz ist plötzlich weg, als wäre er nie dagewesen. Fast schon unheimlich ist das. Ich merke also ganz deutlich wie mein Körper "eingreift" oder "abschaltet", wenn eine Situation so unträglich wird, dass ich geschützt werden muß.

Ich denke, wenn man das nicht selber erlebt hat kann man das halt kaum nachvollziehen.

LG Inlines

Benutzeravatar
Feuerchen
Beiträge: 1194
Registriert: Sa 27. Okt 2007, 16:26

Re: Dissoziationen/eure Erfahrungen

Beitragvon Feuerchen » Mo 22. Aug 2016, 16:29

Hallo Mamschgerl, Hallo Inlines,

Ich habe jetzt nicht die Ruhe und die Zeit Euch angemessen zu antworten. Bin ab Morgen auf eine Woche auf Lehrgang und kann nicht sagen, ob ich es schaffen werde Euch zu schreiben. Wollte Euch aber heute darüber Bescheid geben.

Liebe Grüße
Feuerchen

mamschgerl
Beiträge: 1105
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Dissoziationen/eure Erfahrungen

Beitragvon mamschgerl » Mi 24. Aug 2016, 07:20

hallo inlines,
das ist doch aber auch etwas gutes, oder?
ich meine, im vorfeld zu spüren oder zu erahnen, daß etwas kommt und dann vielleicht doch reagieren zu können, so daß man nicht in eine blöde situation gerät, die man dann wieder erklären müsste.
ja, es ist hart für den partner. bei mir ist es so, daß ich mir wahrscheinlich nur einrede, daß er so darunter zu leiden hat, daß ich eigentlich in der pflicht wäre, diese beziehung ihm zuliebe zu beenden.
hört sich das nicht grandios selbstlos an?
dabei bedeutet das nur, daß ich nicht verstehen kann, daß es vielleicht doch jemanden gibt, der ohne mir schaden zu wollen, einfach nur an meiner seite bleiben will und letztendlich ist das nicht meine entscheidung.
aber das ist ein anderes thema...
momentan fühle ich mich leider wacher als sonst üblich und fange schon fast an, die dissos zu vermissen. meine sind nicht so heftig, daß ich mich auf dem boden wiederfinde, daher denke ich, klingt es nicht zu abgefahren, wenn ich das sage. ich empfinde sie eben meistens als sehr hilfreich, auch wenn sie mir angst einflößen. irgendwann komme ich vielleicht nicht wieder zurück, weil es gar so einfach ist, sich zurückzuziehen?
es ist nun mal nicht steuerbar, das macht es so unheimlich und gefährlich, sie sind eben zweischneidig in ihrer bedeutung und auswirkung.
und es wäre schon toll, wenn man nur die üblichen alltags dissos hätte, die einem nicht unbedingt das leben noch schwerer machen...
l.g. mamschgerl

inlines
Beiträge: 7
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 23:12

Re: Dissoziationen/eure Erfahrungen

Beitragvon inlines » Mi 24. Aug 2016, 08:57

Hallo mamschgerl,

ich kann vieles gut nachvollziehen, was du schreibst. Dieses an allem Zweifeln und nicht Vertrauen fassen können, kommt mir sehr bekannt vor. Darüber hinaus fühle ich mich auch ständig unverstanden, und habe immer wieder einen starken Drang zu erklären und zu beschreiben, in der Hoffnung, dass ich daraufhin eine Rückmeldung bekomme, die ehrlich wirkt und die ich glauben kann. Ich rede dann, und rede immer weiter, widerhole bestimmte Worte hunderte Mal, im Glauben ich hätte sie nicht richtig rübergebracht oder noch gar nicht gesagt, und rede auch dann noch weiter wenn mein Partner davon zornig wird, und aus dem Zimmer rennt. Ich kann dann einfach nicht mehr aufhören. Es ist wie ein Kampf um Anteilnahme, den man nicht gewinnen kann.

Auch kann ich verstehen, dass man die Dissos manchmal fast schon herbeisehnt, also zumindest die "guten" Dissos, wo man nichts mehr fühlt, und keine Gedanken mehr hat. Das war zu Beginn meiner medikamentösen Behandlung so, wo der leichtere Schleier komplett weggeblasen war, und ich mich unheimlich klar und frei fühlte, und die Welt als etwas echtes wahrgenommen habe. Relativ kurz danach habe ich aber festgestellt, dass die Dissos trotzdem noch gewaltig sein können, wenn der Stresspegel nach oben schießt. Ich habe also ein Mittelmaß gefunden, dass die "unnötigen" Dissos ausschaltet, mir aber immer noch die Sicherheit gibt, in den schlimmen Situationen entlastet zu werden. Das war sehr beruhigend zu wissen.

LG Inlines

mamschgerl
Beiträge: 1105
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Dissoziationen/eure Erfahrungen

Beitragvon mamschgerl » Mi 24. Aug 2016, 15:06

...tja, so geht's mir mit der therapeutin, nicht immer, aber ziemlich oft.
ich versuche, einen zustand zu erklären, beispielsweise das nichtempfinden gewisser gefühle, insbesondere der positiven, da ich diese nicht kennengelernt habe oder ich versuche, klar zu machen, daß diese leere sich nicht füllen lässt und das gefühl, im ohnehin schon falschen film nicht mehr mitspielen zu können, weil ich irgendwo den anschluß nun komplett verloren habe...es ist nicht leicht, so etwas jemandem zu erklären, der ganz anders tickt und eigentlich einem gerade diese positiven gefühle ( die ich nie hatte und daher auch nicht kenne ) wiederbringen will, damit man aus diesem tiefen, schwarzen loch wieder herauskommt oder doch zumindest herausschauen kann. alles nett gemeint und sicher bei vielen anderen sehr hilfreich, aber ich komme mir dann auch so vor, als rede ich gegen eine wand.
bei meinem partner versuche ich das erst gar nicht, er kann schon mit den dissos und den flashbacks und den anderen netten dingen nicht umgehen, da würde ich ihn total überfordern, wenn ich ihm das auch noch erklären wollte. die therapeutin versucht wenigstens, etwas ihr zwar unverständliches trotzdem zu akzeptieren, sie hat genug erfahrung und genug erlebt, aber mein partner?
es ist zwar schmerzhaft, einzugestehen, daß da etwas für mich grundsätzlich wichtiges meiner person auf partnerseite auf unverständnis stösst, aber dieses eingeständnis habe ich schon vor jahren getroffen.
unverständnis war und ist mein begleiter, seit ich denken kann. ich habe mich fast daran gewöhnt, nicht ganz, denn ich versuche nach wie vor, mich zu erklären, um einmal das gefühl haben zu können, verstanden zu werden.. #-o
"...keiner versteht mich..."
sorry, ich wollte das jetzt nicht ins lächerliche zeihen, aber manchmal sollte man auch über schlimmes einfach lachen, um dem ganzen die schwere zu nehmen...

l.g. mamschgerl


Zurück zu „Psychogene Schluckstörung, Hyperventilation und andere dissoziative Störungen (ICD-10:“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast