Dissoziationen/eure Erfahrungen

Hier hinein gehören alle Beiträge, die sich spezifisch auf sehr vielfältigen und oft sonderbar wirkenden dissoziativen Störungen bzw. Konversionsstörungen beziehen
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Elliot
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Dissoziationen/eure Erfahrungen

Beitragvon Elliot » Mo 9. Apr 2007, 12:35

Hallo an alle!

Ich habe eine dissoziative Störung und das wirkt sich in "Krampfanfällen", Bewusstseinslücken und Empfindungsstörungen aus (es ist nicht ganz klar, ob die Empfindungsstörungen vielleicht eher psychotischer Natur sind).
Mich würde sehr interessieren, wie Dissoziation sich bei euch ausdrückt.

Lieben Gruß

Elliot
Manchmal muss man verstummen um gehört zu werden...

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Elliot
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Beitragvon Elliot » Mi 11. Apr 2007, 07:51

Hallo Rumpelstilzchen

Es sind ja keine richtigen Krampfanfälle. Ich bin deswegen 5 Tage im Krankenhaus gewesen um alles körperliche durchchecken zu lasse und ich hab nichts. Die Neurologen haben etliche EEGs gemacht und MRT. Die Diagnose Dissoziative Störung habe ich schon länger. Ich habe mir erzählen lassen, dass ich dann total abwesend bin und total angespannt bin und es sieht aus, als ob ich krampfen würde. Ich hab dann auch immer Bewusstseinslücken.
Neuroleptika nehme ich seit ein paar Wochen, davor hatte ich diese Zustände auch.
Dieses Syndrom, was du schreibst, kann bestimt aufm EEG gesehn werden, oder?

Elliot
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Gina1969
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Es gibt dissoziative Krampfanfälle!

Beitragvon Gina1969 » So 22. Apr 2007, 20:05

Hallo Elliot!
Als erstes das Wichtigste: Natürlich gibt des dissoziative Krampfanfälle!
Ich selber habe sei 1999 welche und kenne die Symptome gut.
Auch bei mir wurden eine Reihe von Untersuchungen gemacht, die natürlich alle ohne Befund waren. Diese Art von Anfällen sind weder durch EEGs noch durch MRT nachzuweisen oder zu diagnostizieren. Erst später wurde bei mir die Diagnose dissoziative Krampfahnfalle gestellt.
Es hat mehrer Jahre gedauert, bis mir eine Ärztin endlich erklärt hat was es ist und wodurch es verursacht wird. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich schon selber für völlig verrückt erklärt.
Einen Zusammenhang zwischen Neuroleptika und Krampfanfälle kann ich nicht sehen. Ich hatte und habe die Anfälle egal ob ich Medis nehme oder nicht.
Du hast geschrieben, dass die Diagnose Dissoziative Störung schon länger bekannt ist, daher liegt es für mich klar, dass die Krampfanfälle auch unter die Kategorie Disozziative Anfälle fallen.

Hier einige Informationen:
Die offizielle ICD Nummer für Dissoziative Krampfanfälle lautet: F44.5
Die Krampfanfälle können den epileptischen Abfälle sehr ähneln. Besonders im Bezug auf die Bewegungen. Zungenbiss, Verletzung beim Sturz oder Urininkontinenz sind jedoch selten.

Auch bei mir wurde schon von verschiedenen Ärzten ein epileptischer Anfall diagnostiziert, der sich jedoch nicht bestätigt hat.

Am besten suchst du dich durch diverse Internetseiten durch, um an Informationen zu gelangen.


Ich hoffe ich konnte dir damit ein bisschen weiter helfen

Und lass dich nicht verrückt machen, du bist es nicht.

Gina

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Remedias
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Beitragvon Remedias » Do 28. Jun 2007, 22:33

Hallo, ich habe auch eine dissoziative Störung.
Wie drückt sie sich aus?
In Derealisationserlebnissen und "WEggetretensein". Wobei nicht klar ist, was die Ursache ist; ich habe keine Traumaerfahrung.
Liebe Grüße Remedias

Luka
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Beitragvon Luka » Di 3. Jul 2007, 13:41

Tja, Dissoziation und Flashback... eine Zeit lang war das mein ständiger Begleiter. Und ich hatte wirklich Angst vor diesen Situationen, weil sie mich eingeschränkt und in vielerlei Dingen beschnitten haben.

In einem Brief an meinen Taekwon Do Meister beschrieb ich es folgendermaßen:
... "Das schlimmste sind aber immer noch die Flashs.
Das sind Momente, in denen ich mich nicht mehr in der Realität befinde. Diese Flashs sind eine Art Halluzination oder Tagtraum, die aber so real scheint, dass man Fiktion und Realität nicht mehr unterscheiden kann.
Das ganze zieht sich dann manchmal nur über ein paar Minuten hin, kann allerdings auch ein paar Stunden anhalten. Während eines solchen Flashs ist alles nur ganz schwarz um mich herum. Ich sehe dann nichts mehr, auch wenn helllichter Tag ist.
In solchen Momenten bekomme ich Angst.
Ich habe Angst verrückt zu werden, oder es vielleicht schon zu sein.
Meist sind die Flashs so geartet, dass ich in dem Moment, in dem ich von der Realität nichts mehr wahrnehme, anfange mich selbst zu verletzen, ohne dass ich es mitbekomme.
Ich kann das alles nicht mehr kontrollieren.
Die Flashs kommen und gehen und es scheint irgendwie nicht möglich mich dort herauszuholen.
Mein Freund sagte mir hinterher, ich sei dann wie weggetreten und egal, ob er auf mich einredet, oder mich schüttelt, er kann dann nicht mehr zu mir durchdringen.

Das ist der Grund, weshalb ich nicht mehr zum Training gekommen bin.
Es liegt einfach daran, dass ich zu große Angst vor diesen Flashs habe. Sie kündigen sich nicht an. Sie überfallen mich einfach. Und gerade in den letzten Wochen sind sie sehr häufig aufgetreten. Ich habe einfach Angst, beim Training in eine solche Situation zu geraten.
Ich weiß nicht, ob Ihr und ob Du damit umgehen könntest.
Ich habe Angst davor, dass ich nicht verstanden und deshalb für verrückt erklärt werde.
Das alles wirkt so fremd auf mich, wie muss es dann erst auf andere wirken.
Phung, ich weiß nicht was ich machen soll. Ich würde so gerne wieder trainieren.
Ich vermisse das Training und ich vermisse Euch.
Ich würde so gerne wiederkommen, aber ich traue mich einfach nicht.
Was passiert, wenn ich in einen Flash gerate und nicht mehr weiß was ich tu...oder ich mache einfach gar nichts mehr und bin einfach weggetreten mitten beim Sparring.
Ich brauche Deinen Rat, Phu, als Kursleiter, Meister und auch Freund. Ich weiß nicht, ob ich noch kommen darf, oder ob ich nicht lieber wegbleiben sollte, um das Training nicht zu stören, oder um niemanden zu verwirren."
___

Ich habe damals den Rat bekommen mich nicht durch die Dissoziation abhalten zu lassen von den Dingen, die mir wichtig waren und sind. Also bin ich wieder zum Training gegangen, und es war für mich die richtige Entscheidung, weil einfach das Umfeld sich auf mich eingestellt und mir ein gutes und sicheres Gefühl gegeben hat.
Diese Dissoziationserlebnisse hatte ich tatsächlich während des Trainings hin und wieder, wenn auch nur sehr selten. Und es war ok - zumindest wurde mir das Gefühl vermittelt.

Heute dissoziiere ich nicht mehr, oder vielleicht auch nicht mehr so leicht. Woran das nun aber genau liegt, kann ich letztendlich nicht sagen. Aber im Zuge meiner Weiterenwicklung/vielleicht auch z.T. "Genesung" ist die Dissoziation immer mehr verschwunden.


Liebe Grüße,

Luka
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Remedias
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Beitragvon Remedias » Di 3. Jul 2007, 16:09

Hi @Luka,
erstmal schön für dich, dass die Dissoziationen weniger geworden sind.
Dissoziationen heißen aber nicht, dass man verrückt wird. Sie sind ein ziemlich vielschichtiges Symptom für alles mögliche:
Posttraumatisches Belastungsyndrom, Borderline, Schizotypie,
auch Psychose (aber da begleitet von anderen Sympzomen), Panikattacken, schweren Depressionen und...und....und.....
Um sie zu behandeln, muss man die zugrunde liegende Störung behandeln.
Liebe Grüße Remedias

Luka
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Beitragvon Luka » Di 3. Jul 2007, 16:27

"I know that, Data" ... nein im Ernst:

Hallo Remedias,
es war nicht meine Absicht, Dissoziationen isoliert und als etwas anderes als ein Symptom zu betrachten. Vielmehr ging es mir darum, auf die eingangs gestellte Frage zu antworten, eben wie sich Dissoziationen bei mir ausdrücken, bzw. ausgedrückt haben, und was mein Empfinden dabei war. Nicht mehr und nicht weniger.
Daher das Zitat aus einem Brief, den ich in einer akuten Phase schrieb.

Luka
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Beitragvon Remedias » Di 3. Jul 2007, 17:46

"I know that, Data" ... nein im Ernst:

Hallo Remedias,
es war nicht meine Absicht, Dissoziationen isoliert und als etwas anderes als ein Symptom zu betrachten. Vielmehr ging es mir darum, auf die eingangs gestellte Frage zu antworten, eben wie sich Dissoziationen bei mir ausdrücken, bzw. ausgedrückt haben, und was mein Empfinden dabei war. Nicht mehr und nicht weniger.
Daher das Zitat aus einem Brief, den ich in einer akuten Phase schrieb.

Luka
Hallo @Luka, (Captain Picard?)
ich habe es nicht böse gemeint, sondern wollte dich nur beruhigen: machen Leute glauben nämlich, dass sie, nur weil sie dissoziert haben, psychotisch werden und machen sich heftigeSorgen.....
Liebe Grüße Remedias

Luka
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Beitragvon Luka » Di 3. Jul 2007, 18:04

Hallo nochmal,

alles klar, es kam bei mir dann nur falsch rüber.
Sorry, für mein kratzbürstiges Verhalten.

Viele Grüße,

Luka
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Beitragvon Remedias » Sa 14. Jul 2007, 20:59

Hallo, da ich ziemlich oft dissoziere, d.h. dann wegtrete, würde ich gerne wissen, ob jemand Tricks oder Tipps dagegen hat?
Liebe Grüße remedias

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Beitragvon Remedias » Sa 22. Dez 2007, 19:49

Danke @MelaNiete für die Tipps; im Moment habe ich Glück und habe schon seit einigen Monaten nicht mehr dissoziert; mittlerweile war ich auch in der Klinik und habe einige dieser Methoden kennengelernt.
Liebe Grüße Remedias

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Beitragvon paine 22 » So 23. Dez 2007, 19:28

ja, also ich dissoziere auch und das zur zeit schon recht stark.

ich habe große gedächtnislücken, sodass ich manchmal nicht weiss, was vor 5 std war und ich mich wundere, warum es schon so spät geworden ist.

es ist ein wenig besser geworden, jedoch belastet es mich nach wie vor sehr. ich mache die skill- übungen und verzichte zum großen teil auf medis, doch manchmal sind so heftig, dass ich gar nix mehr stundenlang mitbekomme. ich zwinge mich dann trotzdem rauzugehen und dann kann ich sie irgendwie besser kontrollieren.

ich bin trotzdem am studieren und hänge mitten in den prüfungen und hoffe, dass das ganze net mehr so lange dauert..

aber was mache ich, wenn mir das in der prüfung passiert?
wie kann ich mich zurückholen ohne das dies als schlechte leistung gesehen wird?

außerdem hätte ich mal langsam gerne den führerschein, aber mit derart starken dissos habe ich angst, dass ich gegen einen baum fahre..

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Xcat
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Beitragvon Xcat » Mi 23. Jan 2008, 12:06

Also ich dissoziiere auch sehr oft, fast immer mehr oder weniger.

Bei mir sind es sehr starke Derealisations- /Depersonalisationserlebnisse, manchmal auch Gedächtnislücken. Zum Beispiel ich schaue auf die Uhr, es ist 14 Uhr, ich schaue noch einmal drauf, es ist 20 Uhr und ich wundere mich, habe keine Ahnung was in diese 6 Stunden passiert ist.

Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass ich während Dissoziationen fahren kann, ohne dass etwas passiert.

lg Tom
„Ich möchte immer so sein, wie diesen Morgen: mich einfach nur normal fühlen!“ Xcat

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Lilith
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Beitragvon Lilith » Do 27. Mär 2008, 13:07

[edit]
Zuletzt geändert von Lilith am Fr 5. Mär 2010, 11:41, insgesamt 1-mal geändert.
Bin nur sporadisch hier, schau aber etwa zwei mal im Monat rein- geht aus Zeitgründen leider nicht anders.

"Coming back to where you started is not the same as never leaving."
A Hat Full of Sky- Terry Pratchett

Talia
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Beitragvon Talia » Sa 3. Mai 2008, 17:52

Hallo an euch alle.
ich fand es sehr interessant was ihr geschrieben habt,ich habe eine komplexe posttraumatische belastungsstörung mit staken dissoziationen.ich war oft in kliniken,aber immer war ich die ausnahme,für die anderen patienten in der psychiatrie war ich nur ie total bekloppte.ich mache dinge die ich später nicht weiß und gehe ins kindheits-ich zurück.spreche dann in babysprache usw.gestaffelt nach altern,habe auch diese krampfanfälle.und verletzte mich selbst ohne es mitzubekommen und kam dann in der fixierung zu mir.dann wurde mir gesagt dass das chronisch ist und ich wurde kaputtgeschrieben.bisher kenne ich immer noch niemand der ähnliche symptome hat,aber wenn ich das lese gibt es mir mut zu wissen,dass ich nicht die oberbekloppte bin,sondern dass es sowas in dem ausmaß öfter gibt.obwohl ich es auch schade finde zu hören,dass das andere menschen durchmachen...ich habe aber leute die sich um mich kümmern und mir nach und nach helfen selbstständiger zu werden und die kleinsten erfolgserlebnisse geben mut.einerseits dass minderwertigkeitsgefühl dass ich so bin wie ich bin aber andere seits freude dass diese leute mich trozdem genau so lieben.und mich einfach nur so kennen und es mir nicht für krum nehmen,auch wenn sie es nicht immer verstehen.jetzt versuche ich mit den voraussetzungen die ich habe dass bestmögliche zu erreichen.zum beispiel kann ich damit nicht voll arbeiten.es steht zur sprache dass es bald darum geht den grad der behinderung festzustellen.ich sehe dass nicht als stempel sondern zum beispiel als möglich keit um dann ins arbeitsleben integriert zu werden ohne dass die anforderungen so sind dass ich mich überfordere.ich habe mir bewusst gemacht,dass es egal ist was andere darüber denken.entwerder sie mögen mich mit diesen "macken" oder sie sind es der mühe nicht wert.ich habe es für mich angenommen dass es bei mir so ist,aber ohne dabei zu resignieren,denn das leben geht weiter und es kann trotzdem schön sein.
ich schreibe das um deutlich zu machen dass man mit diesen ganzen problemen dennoch ein sehr gutes leben führen kann.ich habe das früher nicht so gesehen,ich dachte mein leben ist somit unerfüllt und von wenig wert.aber jetzt versuche ich auf kleine erfolge stolz zu sein,und habe gelernt mich nicht fertig runter zu machen sondern mich selbst anzunehmen.und seitdem kann mein umfeld auch besser damit umgehen,seitdem ich dazu und zu mir selbst stehe.
trotzdem belastet es mich manchmal dass es andere versuchen zu verstehen aber oft nicht nachvollziehen können.
sorry mein beitrag wurde nun sehr lang,ich hoffe dass das geschriebene hier an richtiger stelle ist.vielleicht hilft es manchen von euch zu wissen,ass man sehr wohl gut damit leben kann und lernen kann damit umzugehen.
ich danke fürs lesen
liebe grüße talia


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