Leben mit PTBS, Angstattacken und Depressionen

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Franny25
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Leben mit PTBS, Angstattacken und Depressionen

Beitragvon Franny25 » Mo 13. Mär 2017, 17:13

Hallo,
ich heiße Franny und bin 25 Jahre alt.
Seit über 4 Jahren leide ich unter anderem unter dissoziativen Bewegungsstörungen. Letztes Jahr kam die Diagnose PTBS hinzu. Seit über einem Jahr erlebe ich Flashbacks und mindestens 20 Aussetzern am Tag. Obwohl ich medikamentös eingestellt bin, schlafe ich sehr unruhig und werde fast jede Nacht von Albträumen begleitet. Mein Kindheitstrauma, was ich viele, viele Jahre verdrängt habe, kommt wieder zum Vorschein. Ich war bereits in vielen Kliniken und ein erneuter Aufenthalt wird mir nicht erspart bleiben, da ich momentan nicht fähig bin, alleine raus zu gehen.
Neue Bilder überfordern mich schnell, sowie plötzlich auftretende Angstattacken.
Ich wollte mal fragen, wie ihr damit umgeht? Kennt ihr Tipps?
Bis jetzt bringt mich nur ein Kühlakku oder Ammoniak heraus.
Ich wäre euch über hilfreiche Tips sehr dankbar.

Liebe Grüße Franny

mamschgerl
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Re: Leben mit PTBS, Angstattacken und Depressionen

Beitragvon mamschgerl » Mo 13. Mär 2017, 20:15

hallo franny,
hab dir eine pn geschickt, auch wenn da nicht wirklich tipps zur selbsthilfe drinstehen, aber vielleicht hilft's ja trotzdem irgendwie auf seine weise.
liebe grüße
mamschgerl

mamschgerl
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Re: Leben mit PTBS, Angstattacken und Depressionen

Beitragvon mamschgerl » Di 28. Mär 2017, 08:20

hallo franny,
ein leben ohne drogen, alkohol und medikamente.
ein leben ohne alles, was das erleben von symptomen erträglicher machen würde, weil es allem den schrecken nimmt, ist ganz schön heftig.
ich bin immer noch nicht sicher, ob ich es auf dauer schaffe, aber immerhin, jetzt sind es schon fast 4 monate ohne medis und fast 3 jahre ohne alk und noch viel länger ohne drogen.
leider gesellen sich zu den üblichen problemen jetzt wieder vermehrt angstattacken und gefühle der bedrohung dazu; ich hatte es schon fast vergessen, daß ich diese art der empfindungen schon früher hatte, als kind, als jugendliche, gepaart mit vorstellungen von stechend blauen augen.
ich sah diese augen damals, wie in einem schlechten horrorfilm, vor meinem gesicht, mich anstarrend...dabei habe ich keinen bezug zu blauen augen, ich wüsste nicht zu sagen, warum sie mir solche angst machen?
ich sehe derzeit nichts dergleichen, aber die gefühle der angst, des nichtentkommenkönnens, der hilflosigkeit, der bedrohung sind genauso wie damals.
so langsam kommen die erinnerungen, warum ich soviel getrunken und soviele drogen genommen habe, zurück.
ich habe angst, daß ich es nicht schaffe, daß ich wieder zu medis greifen muss, um diese gefühle nicht mehr ertragen zu müssen, diese tiefe hoffnungslosigkeit, diese dunkle bedrohung, dieses schweben im nichts und ohne chance, mich als real zu begreifen, es tut einfach weh.
leben mit diesen symptomen ist schwer, aber aufgeben und scheitern schmerzt noch mehr.
ich will nicht mehr schwach sein und habe große angst davor, es am ende doch zu sein.
die frage, ob sich das lohnt, ein leben in einer welt, zu der man nie gehören wird, mit dem wissen, normale und wirklich positive gefühle nie empfinden zu können, mit angst und panik, ohne kontrolle über gefühle wie wut und schmerz und trauer, ist müßig.
wäre da nicht dieser trotz in mir, daß ich mich nie wieder kleinkriegen lassen möchte, würde ich den anderen weg gehen, ohne frage.
sowas nennt man latente selbstmordgefahr...dabei käme das für mich nie in frage, aber was will man machen, das ist die einschätzung der ärzte.
ich klammere mich an strohhalme in form meiner katzen, in form des erlebens der natur, ich bin froh, daß ich nicht blind und taub bin und noch kann ich kämpfen, also einem leben mit ptbs, depressionen und angstattacken ab und an etwas abtrotzen.
grüße
mamschgerl

inlines
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Re: Leben mit PTBS, Angstattacken und Depressionen

Beitragvon inlines » Do 20. Apr 2017, 22:12

Hallo Franny,

habe auch dissoziative Störungen oder "Aussetzer", wie du es nennst und ich es manchmal auch nenne.

Am besten hilft mir Ammola oder Eispacks (wenn ich richtig weg bin), aber auch Chilli oder ein Gummiband (bei nicht ganz starker Disso) hilft mir gut.

Empfehlen kann ich auch Naltrexon, was man aber vorsichtig einsetzen muss, da es ziehmlich heftig sein kann, wenn die Disso plötzlich zu einem Großteil verschwindet. Ich nehme hier seit ca. 1 Jahr 2 mg, wobei bis zu 6 mg eingesetzt werden. Das Medikament ist eine Sonderanfertigung und beinhaltet einen Wirkstoff der in viel höherer Dosis bei Suchterkrankungen eingesetzt wird.

20 mal, wie du schreibst, finde ich ziemlich viel, aber ich hoffe, dass du dann nicht jedes Mal auf dem Boden liegst, sondern auch kleinere Anfälle dazuzählen. Ich nenne es übrigens auch "Abschalten", wenn ich einen "Aussetzer" habe.

FG

mamschgerl
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Re: Leben mit PTBS, Angstattacken und Depressionen

Beitragvon mamschgerl » Di 2. Mai 2017, 09:59

hallo,
leben mit ptbs, angstattacken und depressionen...
ich helfe gerade einem nachbarn aus, dessen frau unlängst nach jahren voller schmerzen an krebs verstorben ist.
er gönnt sich eine kleine auszeit und macht eine woche urlaub, mein aushelfen besteht darin, seine katze zu versorgen.
seine wohnung ist klein, 2 zimmer, kleine wohnküche, balkon.
in dieser wohnung befindet sich, so hat es den anschein, sein ganzes leben und das seiner frau,
es ist unglaublich, wieviel darin gesammelt an jedem noch so kleinsten fleckchen aufgestellt wurde, im grunde findet sich da all das, was man in einem trödelladen erwarten würde.
es wirkt alles sehr heimelig, aber auch rustikal und für mich persönlich ist es fast unerträglich, dort zu sein.
es erinnert mich an meine kindheit, an die werte, die damals so hochgehalten wurden und auch durch die - für damals typische - einrichtung zum ausdruck kam.
selbst das wissen, daß dieser mann nichts mit den menschen zu tun hat, die ich als kind kennenlernte, hilft nicht, die aufkommende panik zu unterdrücken, wenn ich mich inmitten dieses sammelsuriums aufhalte.
es ist ein kraftakt, so lange dort zu bleiben, bis die katze rundum versorgt ist und nur der kontakt mit ihr, das bürsten des langen fells, das streicheln, ihr schnurren, hält mich in der realität fest. es geht hier schließlich um sie, nicht um mich.
diese wohnung macht mich unglaublich traurig, es ist wie ein zeitsprung in die vergangenheit.
als ich gestern die wohnung zum ersten mal alleine betrat, fand ich kurz den ausgang nicht mehr, mir wurde schwindlig und ich hatte atemschwierigkeiten, bis ich es schaffte, mir klarzumachen, daß ich zur not auch vom balkon springen könnte ( hochparterre überlebt man in der regel ), ich also nicht eingesperrt bin, dann wurde es wieder besser.
heute habe ich mich nicht umgesehen und mich nur auf die katze konzentriert und darauf, daß ich nur wegen ihr hier bin, aber das bedrückende bleibt.
was will ich damit sagen?
das leben ist voll mit solchen erlebnissen, mit dingen, die man sieht, hört, riecht, schmeckt, und immer wieder erwischt es einen, egal wo, eiskalt in momenten, in denen man sich vielleicht gerade noch einigermaßen normal gefühlt hat.
so ist es schon mein ganzes leben lang und es gibt nichts, was man dagegen tun könnte, das wird man nicht los.
man kann nur versuchen, sich damit zu arrangieren, es zu akzeptieren, daß man mit seinen speziellen empfindungen alleine da steht und hoffen, daß man die wenigen schönen momente, die sich zwischendurch ergeben, erkennen und mitnehmen kann, wie z.b. das streicheln einer katze.
in diesem sinne
mamschgerl

mamschgerl
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Re: Leben mit PTBS, Angstattacken und Depressionen

Beitragvon mamschgerl » Do 23. Mai 2019, 12:57

...heute hatte ich seit längerer Zeit wieder eine heftige, körperliche Reaktion auf einen bevorstehenden Arzttermin. Das Einschlafen gestern nacht hat schon nicht funktioniert ( üble Alpträume, statt 2 Stunden am Stück nur 1 Stunde und dann wieder wach ), um halb fünf dann wegen schlimmer Migräne vollends aufgewacht und in die Küche gewankt, dort zwei starke Pillen eingeworfen und am Ende den Termin per Email abgesagt...es geht lediglich um einen checkup wie Blutabnahme, Harnuntersuchung etc, aber alleine der Gedanke daran, daß da schon wieder jemand an mir rumfummeln will, eventuell noch abhorchen oder sonstiges, wofür ich einen Teil meiner Kleidung ablegen müsste, hat solche Angstzustände hervorgerufen, daß ich diese Migräne bekommen habe...ich befürchte fast, daß anstehende Vorsorgeuntersuchungen ebenso flachfallen werden, aber meine Abneigung und meine Panik vor Berührungen sind fast übermächtig. Ich denke, ich muß ernsthaft verletzt und bewegungsunfähig sein - am besten bewusstlos! -, bis wieder ein Arzt Hand anlegen darf, freiwillig und nur mal so zur Prävention geh' ich nicht.
Obwohl, die Krankenkasse hat mir jetzt als Härtefall doppelten Zuschuss gewährt, damit ich mir endlich wieder eine Teilprothese für den Unterkiefer anfertigen lassen kann, aber das fällt eben unter die Rubrik "zwingend notwendige Maßnahmen". Außerdem betatscht mich da keiner, sondern werkelt in meinem Mund herum, was zwar auch sehr, sehr unangenehm ist, aber irgendwie erträglich.
Es geht hierbei auch nicht um Schmerzen wie ein Nadelstich oder das Bohren beim Zahnarzt, es geht einfach um die Unerträglichkeit der körperlichen Nähe und Berührungen...
Tja, das sind eben die Nachteile, wenn man keine Medis mehr nimmt, aber vielleicht schaffe ich es ja doch irgendwann noch in diesem Leben, harmlose Untersuchungen ohne Panikattacken zu überstehen, wer weiß?
Grüße
mamschgerl

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Laura
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Re: Leben mit PTBS, Angstattacken und Depressionen

Beitragvon Laura » Fr 24. Mai 2019, 12:00

Oje, mamschgerl, da hast Du ja eine schlimme Nacht hinter Dir! Hoffen wir mal aufs Beste, und dass Du noch immer rechtzeitig zum Arzt gehen kannst! Jetzt ist immerhin diese scheußliche Nacht überstanden und Du kannst Dich hoffentlich in der nächsten Nacht wieder regenerieren!

LG

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.


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