plötzliche Flashbacks

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saffia
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plötzliche Flashbacks

Beitragvon saffia » Mi 22. Dez 2010, 22:59

Hallo zusammen,

letzten Sonntag bin ich mit einem Alptraum aufgewacht, als ich ihn aufschreiben wollte, wurde ich plötzlich von einer Welle von Gefühlen überrollt, bekam Angst, Panik und wurde ganz unruhig, mir wurde dann klar, daß es ein Flashback war, es war das erste mal. Im Moment kommen zwar viele Erinnerungen hoch, aber ich denke nur weil ich auch gezielt versuche mich zu erinnern, aber dieser Flashback hat mich vollkommen umgeworfen, ich war den ganzen Tag irgendwie nicht ganz bei mir und immer wieder tauchten die Szenen auf, die ich am liebsten für immer vergessen hätte.

Am nächten Tag hatte ich dann Therapie, aber ich habe nur angesprochen, daß ich einen Flashback hatte, aber nichts weiter erzählen könne, ich wollte verhindern, daß es durch die erzählung wahr wird.

Im Moment stehe ich vollkommen neben mir, ich habe das Gefühl, ich meine umwelt irgendwie durch einen Schleider wahrnehme, nicht ganz klar sehe, als ob da irgendeine viskose Flüssigkeit in meinem Hirn hin und herschwappt und es nicht richtig fixiert ist.

Seit diesen Flashbacks, die immer und immer wieder auftreten, bin ich viel trauriger und fühle mich innerlich leer.

Wie kann ich die Flashbacks verhindern, oder meine Reaktiona daruf nicht so heftig ausfallen lassen?Werden sie irgendwann einmal seltener?

Schönen Abend, Saffia

saffia
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Re: plötzliche Flashbacks

Beitragvon saffia » Do 23. Dez 2010, 13:47

Hallo Erwin, vielen Dank für Deine Antwort.

ICh habe großes Vertrauen zu meinem Therapeuten, aber dieser "Alptraum" das "es" wie ich es die ganze Zeit bezeichne, kam vor der letzten Therapiestunde vor den Weihnachtsferien hoch und da mochte ich es nicht ansprechen, weil ich Angst hatte, wenn ich es ausspreche kann es Realität werden, so versuche ich mir immer wieder einzureden es war nur ein Traum. Ich weiß, daß es Realität war, denn sowie ich diese Flashbacks habe kommt wieder die Panik hoch, die ich nach dem Vorfall hatte, diese Verzweiflung. Ich bin erschrocken, wie lange ich alles so sehr unterdrücken konnte, daß ich es komplett vergessen habe - bis jetzt.

Ich habe Angst es anzusprechen, ich habe immer meine Familie als Ideal hingestellt, meine Kindheit als Paradies beschrieben, dann nach einigen Therapiestunden brach es aus mir heraus, daß nichts davon mehr übrig ist, ich begann die Mißhandlungen, psychisch und physisch zu erinnern.
Mein Psychiater riet mir den Kontakt zu meinen Eltern vorerst abzubrechen, bis es mir wieder besser geht und ich etwas mehr Kraft habe. Das Ganze hat mich sehr mitgenommen und mir wurde klar, wie einsam ich als Kind war. Ich versank vor Scham, als ich über die Prügel sprach, weil ich mir immer wieder die Schuld dafür gab und auch immer noch gebe, ich versuche mir einzureden, daß Eltern ihre Kinder nicht schalgen dürfen, aber trotzdem immer wieder die Frage nach dem Warum. Aber damit hätte ich noch klar kommen können.

Aber nun das, jetzt. Immer wieder versuche ich es zu verdrängen, damit es nie passiert ist, aber immer wieder werde ich von den Gefühlen überrollt, ich möchte gerne wütend werden, über den Täter, ich kann es nicht, ich bin so traurig und leer, wenn die Panik nachläßt.

Aber nun ist nichts mehr von meiner Familie übrig, ich stehe alleine da, mir wird niemand glauben, wenn ich mich je entschließe, den Täter zu konfrontieren. Die ganze tolle Familie war nur Illusion, das tut so unendlich weh, und ich habe mir jahrelang etwas vorgemacht, immer nur die Guten Dinge, die gab es ja auch, erinnert und alles Schreckliche verdrängt.
Liebe Grüße, Papermoon

saffia
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Re: plötzliche Flashbacks

Beitragvon saffia » Do 23. Dez 2010, 21:55

Hallo Erwin,

ich war ja schon kein Kind mehr, als der Mißbrauch (jetzt habe ich doch die Büchse der Pandora ganz geöffnet) stattfand. Ich war 20 J und er ist so überraschend über mich hergefallen, ich konnte mich gar nicht wehren, es ging zu schnell, ich war irgendwie gar nicht anwesend, als ob es jemand anderem passierte. Einmal, da war ich allerdings noch ein Kind, aber da habe ich es gerade geschafft wegzulaufen.

Ich versuche es tatsächlich immer wieder zu verdrängen - ungeschehen zu machen. Im Moment bin ich fast keine Stunde ohne die Erinnerungen. Ich weiß auch nicht, wie ich mit meiner Familie weitermachen kann, so lange ich noch krank bin geht gar nichts, aber danach, ich glaube nicht, daß ich verzeihen kann. Seit Monaten bin ich jetzt krankgeschrieben, ich mache die lange Therapie. Ich bin so unendlich traurig, leer, einsam... Ich wünschte meine Eltern hätten mich nur einmal in den Arm genommen und getröstet. Aber das fand nie statt, sondern Prügel, Kontrollen, psychische Mißhandlungen und dann soll ich einfach sagen ich verzeihe Euch, wobei sie mir so wehgetan haben und es auch nicht einsehen?
Wie schafft man es zu verzeihen?
Würde es mir dann besser gehen?
hätte ich ohne die Therapie keine flashbacks gehabt?

Ich wünsche Dir schöne Weihnachten und einen guten Rutsch, Saffia

saffia
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Re: plötzliche Flashbacks

Beitragvon saffia » Fr 24. Dez 2010, 17:14

Hallo vision,

ich habe leider so gar keine Ahnung, welche Medikamente gegen Falshbacks helfen, bin gar nciht auf die Idee gekommen, daß es da welche geben könnte. Vielleicht wären das dämpfende ADs?

Ich nehme morgens 30 mg Cymbalta (antriebssteigernd)

und abends 30 mg Mirtazapin, damit ich überhaupt einmal ein paar Stunden schlafen kann.

frohe Weihnachten, Saffia

elmsfeuer
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Re: plötzliche Flashbacks

Beitragvon elmsfeuer » Sa 25. Dez 2010, 09:26

Hallo saffia,

ich kann gut nachvollziehen, was du gerade durchmachst, vor allem im Bezug auf das "nicht wahrhaben wollen". Ich wusste lange Zeit (bis ich etwas Mitte 20 war), kaum was von den Traumatisierungen meiner Kindheit. Hatte auch wenig schöne Erinnerungen, dachte immer, "naja, war nicht prall, aber auch nicht so schlimm".
Bis die ersten Erinnerungen kamen, und damit die Flashbacks. Mir gings genau wie Dir, den Bildern keinen Raum geben, bloß nicht drüber reden, weil auch ich das Gefühl hatte, dann wird es "wahr". Habe mir auch immer versucht vorzugaukeln, dass es nur Ausgeburten meiner Phantasie sind, Alpträume, Ängste.... . Ich wusste schon, dass es geschehen ist, als die Erinnerungen kamen, aber ich wollte einfach dass es nicht wahr ist. Verstehe ich das richtig, dass es dir ähnlich geht?
ich habe dann lange nach den Auslösern gesucht, viele Dinge vermieden... das hat meine lebensqualität total eingeschränkt, und viele Auslöser sind so minimal, dass man sie gar nicht bewusst wahrnimmt. Soll heißen, ich kann es nicht vermeiden, dass Flashs auftreten.
Hatte dann aber das Glück, eine tolle Traumatherapeutin zu finden, die mit mir daran arbeitet, die Flashbacks etwas erträglicher zu machen. Es funktioniert nicht immer, auch nach langer Therapie passiert es mir immer noch, dass ich voll reinfalle in einen Flash.
Aber es gibt auch Situationen, in denen ich es etwas abmildern kann mit diversen Techniken.
Mir helfen Imaginationsübungen wie "sicherer Ort" mittlerweile, aber ich musste viel üben, bis es etwas funktionierte.
Oder die "Leinwandtechnik", ich versuche dann mir vorzustellen, dass die Bilder nicht in meinem Kopf ablaufen, sondern auf einem Bildschirm z.B. an einer Zimmerwand. Dann versuche ich, sie z.B. zu verkleinern, den Ton leiser zu stellen, die Bilder schwarz-weiß zumachen oder eine Art Nebel darüber zu legen. Es funktioniert längst nicht immer, aber ab und an klappt es, so dass ich mir dann wenigstens etwas handlungsfreiheit erhalten kann und nicht ganz und gar darin abtauche.
Wie schafft man es zu verzeihen?
Würde es mir dann besser gehen?
hätte ich ohne die Therapie keine flashbacks gehabt?
Meine Erinnerungen kamen auch zur zeit der ersten Therapie hoch, hatte leider damals einen Therapeuten, der "gebohrt" hatte... das Ausmaß der Traumatisierungen war denke ich auch nicht einschätzbar, da ich nach außen hin immer recht gut "funktionierte". Ich wusste nur von Traumata im Erwachsenenalter, die waren aber im Bewusstsein und nicht verdrängt.
Ich persönlich denke, die Erinnerungen wären in meinem Fall ohnehin aufgetreten, vielleicht nicht so plötzlich und überflutend.
Aber Du schreibst, dass du deinem Therapeuten vertraust. Dann versuche, es mit ihm zu besprechen. Versuche, dich auffangen zu lassen. Du musst da nicht alleine durch! :wink:
Rückgängig machen kannst du es nun nicht mehr, die Erinnrungen sind nun leider da. Aber es birgt vielleicht auch die Chance, etwas davon langsam zu bearbeiten, damit es dir hoffentlich auf lange Sicht gesehen irgendwann einmal besser geht.
Mit dem verzeihen ist so eine Sache.
Ich selber kann es auch nicht. Auch ich denke oft, vielleicht würds mir besser gehen, wenn ich es könnte, denn die Emotionen wie Wut, Hass, etc. kosten ja auch Kraft.
Also nicht falsch verstehen, ich denke, Wut etc. sind auch gesunde Gefühle, die auch sein dürfen und raus müssen. Ich glaube, alles ist noch viel zu frisch grade bei Dir, um an verzeihen zu denken. Die Erinnerungen sind ja grad erst wieder präsent.
Ich glaub, da verlangst du von dir selbst etwas viel, wenn du denkst, du solltest gleich verzeihen können. das ist ja ein langer Prozess. Erst der Unglaube (ist es wirklich passiert), der Schmerz (wieso mir...), das Realisieren (es war wirklich so...) die Wut ( wie konnten sie mir das antun)....die trauer, leere, einsamkeit....
dann der lange Weg des Verarbeitens...und dann, vielleicht, könnte irgendwann das werzeihen kommen. Denke ich mir zumindest so.
Ich versank vor Scham, als ich über die Prügel sprach, weil ich mir immer wieder die Schuld dafür gab und auch immer noch gebe,
schau, da bist du noch ganz am Anfang.
Ich kenne diese Gefühle auch, Scham, Schuld...
Irgendwann kam dann Wut dazu. Das war erst fremd, beängstigend. Früher durfte es Wut nicht geben, nur ertragen, kleinmachen...
Aber es war mit der zeit erleichternd, es fühlte sich richtig an, befreiend.
Ich glaub das war jetzt sehr viel und vielleicht auch wirr, ich weiß nicht.
ich wünsche dir, dass ich dir in manchen Punkten vielleicht etwas aus meinen Erfahrungen vermitteln konnte, dass dir vielleicht zumindest zeigt, du bist nicht alleine mit diesem Gefühlschaos. Und ich find gut, dass du drüber schreiben konntest hier, das ist ja auch ein schritt zur entlastung und um die dinge zu sortieren.
Mir hilft schreiben auch oft. gar nicht unbedingt über die Details der Traumata, das kann ja auch neuerliche Flashs auslösen. Aber über die Gefühle, Ängste, zweifel drumherum.
beim Schreiben schaffe ich mir manchmal etwas ordnung im Gefühlswirrwarr, und auch etwas Abstand, wenn ich es dann weglege.
Ich wünsche dir viel kraft!
Gruß elmsfeuer

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Re: plötzliche Flashbacks

Beitragvon saffia » Sa 25. Dez 2010, 18:49

Hallo Vision,

ich weiß nicht, ob es Medikamente gegen Flashbacks gibt, auch nicht, ob Neuroleptika helfen.

Vielleicht fragst Du mal Deinen Arzt, der kennt sich da aus. Ich bekomme ja nur ADs gegen die Depressionen, über Flashbacks haben wir ja noch nicht gesprochen, denn sie sind ja jetzt erst vor kurzem aufgetaucht.

Hast Du diese Flashbacks schon länger?
Was sagt Dein Therapeut?
elmsfeuer hat ganz gute Vorschläge, was zu tun ist, wenn sie über jemanden hereinbrechen, lies mal, steht hier über Deier Frage.

Tut mir leid, daß ich keine bessere Auskunft geben kann, Saffia


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