PTBS und wieder viel schlimmer aufgetreten

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Luigi
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PTBS und wieder viel schlimmer aufgetreten

Beitragvon Luigi » So 7. Nov 2010, 00:03

Hallo liebe User,

Ich schreibe hier, weil ich hier das erste Mal Beiträge in einem Forum gelesen habe, die genau das beschreiben, wie es mir auch geht.

Mir geht es seelisch wirklich nicht gut und hab auch niemanden mit denen ich darüber reden kann.

Aber wie ihr selber wisst, ist darüber reden auch nicht so einfach möglich. Wen soll ich denn vertrauen?

Zu meiner Geschichte in kurzen:
Ich habe einige Zeit( mehr als 3 Jahren her) eine ziemlich heftige Einschnitte in meinen Leben erlebt. Man hat mir und meiner Familie Gewalt angetan und dazu dürfte ich erleben, wie Polizei und Justiz nicht helfen. Während dieser Phase, wo ich auch durch die Täter ständig terrorisiert wurde, ist dann meine Freundin zu einen Anderen gelaufen. Sie hat mich wirklich übel behandelt, mittlerweile sind wir definitiv verfeindet.

Es hat wirklich lange gedauert bis ich das erste Mal mir seelische Hilfe holen wollte. War erst in einer Verhaltentherapie und tatsächlich ging es mir danach ein wenig besser. Angeknackst war ich trotzdem.

Mittlerweile lebe ich wie in einem zeitlosen Loch.
Ich lebe nicht mehr dort, wo das alles passiert war. Ich bin wirklich allein. Hab so gesehen niemanden mehr. Nachts habe ich dermaßen Angst, dass ich nur noch mit einer Waffe in der Hand einschlafen kann. Öfters werde ich sehr sehr depressiv und gebe mir immer die Schuld für alles was da passiert war. Insbesondere tut mir das mit meiner EX immer noch sehr weh, obwohl ich in den letzen Jahren schon 2 gescheiterte Beziehungen hatte. In Vergleich zu früher kommen mir Selbstmordgedanken und ich versuche mir immer zu sagen, dass ich das meinen Eltern nicht antun kann. Meine Eltern sind gute Menschen, die so etwas nicht verdient haben. Mir ist das in der Situation klar, dass ich seelisch krank bin, aber ich komme gegen diese Gefühlswelt nicht mehr an. Zur Kompensation greife ich neuerdings zur Flasche. Versau mir damit meine berufliche Existenz.
Mir geht es richtig schlecht, hab auch nicht mehr den Mut auf andere Menschen zuzugehen und schotte mich weitesgehend ab. Diese Krankheit ist wesentlich schlimmer als ich davor erlebt hatte.

Das erste Mal das ich richtig Hilfe brauch, aber da ist niemand mehr.

sky
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Re: PTBS und wieder viel schlimmer aufgetreten

Beitragvon sky » So 7. Nov 2010, 13:46

hallo luigi,

und willkommen hier im forum :)
den ersten schritt hast du schon getan : du hast ein wenig vertrauen aufgebracht und dich hier mitgeteilt :)
Es hat wirklich lange gedauert bis ich das erste Mal mir seelische Hilfe holen wollte. War erst in einer Verhaltentherapie und tatsächlich ging es mir danach ein wenig besser. Angeknackst war ich trotzdem.
leider dauert es oft etwas, bis man sich die hilfe holt, die man braucht - keine ahnung, ob es daran liegt, daß man in der gesellschaft hier vielleicht eher zum "ausharren" erzogen wird oder warum, aber manchmal gewinne ich schon den eindruck.
aber das möchte ich auch gerne festhalten :
du hattest dir schon mal hilfe geholt und das hatte dir auch geholfen - dir ging es danach etwas besser.

du brauchst hilfe - da stimme ich dir völlig zu.
und genau deshalb solltest du dir jetzt auch nochmal hilfe holen.
das kannst du an ganz verschiedenen stellen gleichzeitig tun, quasi mehrgleisig fahren, daß du an mehreren stellen ein eisen im feuer hast.
vom anrufen der telefonseelsorge über den besuch bei deinem hausarzt, einem facharzt für psychiatrie, der suche nach einem therapeuten, bis hin zu der überlegung, ob du vielleicht in eine akutklinik willst, um dich erstmal zu stabilisieren und ob und wo vielleicht eine traumatherapie für dich in frage kommen könnte.
morgen ist montag, dh du kannst morgen schon zu den ärzten, du kannst ab morgen schon therapeuten anrufen (ein vorgespräch bekommst du meist noch eher schnell, aber die wartezeit bis zur therapie dauert oft monate), du kannst psychologische beratungsstellen aufsuchen und dort fragen, was sie dir empfehlen.
das wichtigste ist eigentlich nur, daß du auch tatsächlich etwas tust !

es gibt an sich sehr viele hilfsangebote, nur leider kommt niemand an deine tür, klopft und bietet dir die passende hilfe an. du mußt selbst aktiv werden, so schwer es im moment viellciht auch fällt.
statt dem griff zur flasche, greif zum telefonhörer oder gehe in eine beratungsstelle.
überlege dir mal was für möglichkeiten du bei dir hast und welche davon du nutzen magst.
und ganz nebenbei kannst du dir natürlich hier auch im forum hilfe holen und erleichterung verschaffen, indem du vielleicht ein wenig darüber redest, was dir so durch den kopf geht.

was hast du ab morgen vor ?
wie sieht dein plan aus ?

viele grüße, sky
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cake
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Re: PTBS und wieder viel schlimmer aufgetreten

Beitragvon cake » So 7. Nov 2010, 14:49

Nun, ich denke auch Du brauchst dringend Hilfe, um dieses Trauma zu verarbeiten.
Du könntest Dich an den weißen Ring wenden, oder eben auch an Stellen, die Dir sky schon genannt hat.
Alkohol ist ein schlechter Ratgeber.
Gute Besserung
Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. (Ludwig Erhard)

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Luigi
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Re: PTBS und wieder viel schlimmer aufgetreten

Beitragvon Luigi » So 7. Nov 2010, 23:59

sky hat geschrieben:hallo luigi,
vom anrufen der telefonseelsorge über den besuch bei deinem hausarzt, einem facharzt für psychiatrie, der suche nach einem therapeuten, bis hin zu der überlegung, ob du vielleicht in eine akutklinik willst, um dich erstmal zu stabilisieren und ob und wo vielleicht eine traumatherapie für dich in frage kommen könnte.
Hallo Sky,

so einfach ist das aber nicht. Ich kann nicht irgendjemand Unbekanntes meines intimsten Sorgen ausbreiten. Das geht doch nicht.
Und einen Hausarzt habe ich auch nicht.

Man hatte mir noch vor der Verhaltentherapie angeboten, dass ich in eine Klinik für 2 Wochen gehen sollte. Ich hatte da ernsthaft mal darüber nachgedacht, aber das schreckt mich auch ab. Und bis man dann einen Platz bekommen, dauert sowieso zu lang.

Und es ist ja nicht so, dass diese Mutphasen auch dauerhaft. Es variiert eben in den Phasen.

sky
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Re: PTBS und wieder viel schlimmer aufgetreten

Beitragvon sky » Mo 8. Nov 2010, 20:09

hallo luigi,

ich habe nirgends gesagt, daß es einfach ist.
Ich kann nicht irgendjemand Unbekanntes meines intimsten Sorgen ausbreiten. Das geht doch nicht.
das geht "doch" nicht ?
wieso geht das doch nicht ?
ist das etwas unsittliches, etwas, wofür du dich meinst schämen zu müssen, oder warum glaubst du, daß das nicht geht ?

ob und wie gut du es kannst, liegt auch mit an dir.
auch wenn es hart klingt, aber wenn du hilfe suchst, dann mußt du in erster linie bei DIR ansetzen und bei DIR etwas ändern !

wenn es so, wie es bisher lief, dich in dieses loch gebracht hat, dann ist an diesem weg doch irgendetwas falsch, oder nicht ?
logische konsequenz wäre dann doch, twas zu ändern - und dabei hat man es oft noch recht gut, denn es kommt meist gar nicht mal so sehr darauf an, was man ändert, sondern, daß man überhaupt mal anfängt etwas zu ändern und änderungen zuläßt.
Und einen Hausarzt habe ich auch nicht.
na dann überleg mal selbst... !
wie könntest du dieses problem wohl lösen ?
na ? was meinst du ?
aber das schreckt mich auch ab.
naja, wenn dich das zu sehr abschreckt, dann ist es offensichtlich noch nicht ganz so schlimm ?
willst du warten, bis dein leidensdruck noch größer geworden ist ?
du dann aber vielleicht wirklich keine hilfe mehr selbst holen kannst ?
Und bis man dann einen Platz bekommen, dauert sowieso zu lang.
"zu" lang wofür ? für wen ?
es dauert lange, ja. aber es dauert noch wesentlich länger, wenn du dich gar nicht erst um einen platz bemühst - dann wird nämlich gar nichts draus.

um es etwas salopp zu sagen : ich würde dir gern dezent aber äußerst treffsicher einen tritt in deinen allerwertesten geben, damit du deinen hintern hebst und etwas unternimmst, anstatt eine ausrede nach der anderen zu suchen.
dir vielleicht gar nicht so bewußt, aber umso wichtiger, daß du dir überlegst, was du wirklich willst.

du kannst dich jeden tag aufs neue entscheiden, ob du zur flasche oder zum telefonhörer greifst.
die entscheidung selbst nimmt dir aber keiner ab, denn es ist dein leben - das du entweder im alkohol ersäufst oder das du wieder auf die beine stellst.

viele grüße, sky
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Luigi
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Re: PTBS und wieder viel schlimmer aufgetreten

Beitragvon Luigi » Mi 10. Nov 2010, 00:28

Hallo,

ich werde nun wohl stationär aufgenommen. Hab keine Ahnung, auf was ich mich einlasse. Hoffe es hilft.

sky
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Re: PTBS und wieder viel schlimmer aufgetreten

Beitragvon sky » Mi 10. Nov 2010, 18:56

hallo luigi,

das klingt ja prima :)
wann ist es so weit ? hast du schon einen termin ?
wenn du magst, erzähl dann mal... ;)

viele grüße und einen guten start dabei, etwas für dein leben zu tun, sky
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