wie soll ich mich entscheiden?

Hier posten Sie bitte alle Beiträge, die sich spezifisch auf psychische Störungen beziehen, die eindeutig als Folge von Traumatisierungen oder besonderen Belastungen entstanden sind.
-> Basis-Infos zum Thema "Traumatisierungen und PTSD"
acheron
Beiträge: 32
Registriert: So 6. Jun 2010, 12:07

wie soll ich mich entscheiden?

Beitragvon acheron » Mo 7. Jun 2010, 16:46

Hallo ,

seit 6 Wochen bin ich nun in einer Tagesklinik , von Januar bis März insgesamt 7 Wochen stationär . Im Januar begann das Chaos nach meinem gescheiterten Suizidversuch . Ich hatte eine Vergiftung und in der Zeit begannen mich zuerst grundlose Angst ,- Unruhe - und Panikzustände , später dann immer bildhafter und schmerzhafter werdende Erinnerungsblitze heimzusuchen . Ich hab davon aber keinem in der Klinik davon erzählt , weil ich merkte , dass das Dinge waren , die ich erlebt hatte und die mir schrecklich peinlich waren .

Nun sind die Flashbacks aber immer schlimmer und häufiger geworden und ich wusste mir nicht mehr zu helfen , ich wollte am liebsten wieder Selbstmord begehen . In der Visite gab ich diese Zustände dann zu und nun stellt mir der Arzt die Frage , ob ich eine Traumatherapie machen will .
Mir wird schon schlecht , wenn ich nur daran denke , aber ich halte das auch nicht mehr aus , es passiert mir immer völlig unverhofft und ich kann nicht heraus . Hinterher bin ich so fertig , dass gar nichts mehr geht und dann muss ich mich auch noch zusammenreißen , dass keiner was merkt zu Hause , wie sch...es mir geht , die halten mich sowieso schon für bescheuert , weil ich in so einer Klinik bin .

Ich hab auch noch Angst , meine Arbeit zu verlieren und habe mich von meinem Partner getrennt und der Umzug steht an , bei dem ich alles bezahlen und mich komplett neu einrichten muss . wenn ich zu lange in der Klinik bin , werde ich die Arbeit und die Wohnung verlieren .

Ich weiß einfach nicht , was ich machen soll , in der Klinik sagen sie immer , das ordnet sich schon - aber nichts ordnet sich und wird immer nur noch schlimmer . Ich hoffe , ihr könnt mir helfen , mich ein wenig zu ordnen ...

Acheron
"Ich gehöre zu den Maschinen , welche zerspringen können"

cake
Beiträge: 2235
Registriert: Mi 24. Mär 2010, 22:46

Re: wie soll ich mich entscheiden?

Beitragvon cake » Mo 7. Jun 2010, 17:10

Hallo acheron!
ob ich eine Traumatherapie machen will .
Was befürchtest Du?
Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. (Ludwig Erhard)

http://angstfrei.plusbb.org/forum.php
Bild

acheron
Beiträge: 32
Registriert: So 6. Jun 2010, 12:07

Re: wie soll ich mich entscheiden?

Beitragvon acheron » Mo 7. Jun 2010, 18:08

Ich schäme mich in Grund und Boden . Ich habe Angst , davon sprechen zu müssen . Vorher war ich wegen Depression in der ambulanten Therapie gewesen und meine Therapeutin hat gemerkt , dass da was ganz anderes faul war und versucht , es aus mir rauszubringen . Ich war dann völlig blockiert und sie hat immer wieder nachgefragt und als ich dann nur andeutungsweise davon gesprochen habe , ohne etwas genaues zu sagen , ist mir sofort hundeelend geworden und ich hab mich so geschämt , dass ich nicht mehr mit mir leben konnte . Zuhause hab ich mir dann ein Messer genommen und mir die Oberarme aufgeschnitten , dann ging s mir etwas besser . Dann musste ich wieder in die Klinik und seitdem sitze ich bei meiner Therapeutin wie das Kaninchen vor der Schlange und kriege gar nichts mehr raus , was mich irgendwo weiterbringt - als ich in die Tagesklinik kam , war ich erleichtert , nicht mehr zu ihr hingehen zu müssen , weil das eben nicht mehr das Thema war - und nun holt es mich wieder ein .

Ich will doch eigentlich nur , dass die Flashs aufhören oder zumindest damit leben lernen . Ich kann das nämlich nicht , es macht immer wieder alle Hoffnung zuschanden , die ich mir mühsälig aufgebaut habe , wenn es passiert . Ich will einfach nur mit mir so weit ins Reine kommen , dass ich ohne Angst leben kann .

Zusammengefasst : Auf der einen Seite frage ich mich , ob die Therapie etwas bringt , wenn ich nicht aus der Deckung komme , auf der anderen muss ich aber Wege finden , damit zu leben . Ich kann mir auf Arbeit keine Panikattacken leisten , bei denen ich völlig aus der Realität falle und nicht mit Leuten reden , die die anderen nicht sehen , ich fliege raus , wenn die so was merken . Wenn ich die Arbeit verliere , bricht mir das letzte verbliebene Stück weg , das mich überhaupt noch am Leben hält , alles andere habe ich schon verloren .

Acheron
"Ich gehöre zu den Maschinen , welche zerspringen können"

cake
Beiträge: 2235
Registriert: Mi 24. Mär 2010, 22:46

Re: wie soll ich mich entscheiden?

Beitragvon cake » Mo 7. Jun 2010, 18:14

wenn ich nicht aus der Deckung komme , auf der anderen muss ich aber Wege finden , damit zu leben .
Beides wäre wichtig.
Aus der Deckung kommen, und zu merken, dass Du dich vielleicht für was schuldig fühlst, was überhaupt nicht so ist.
Du also vollkommen unnötig diese Last in Dir trägst, und dann freier damit zu leben lernen.
Das wünsche ich Dir.
Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. (Ludwig Erhard)

http://angstfrei.plusbb.org/forum.php
Bild

acheron
Beiträge: 32
Registriert: So 6. Jun 2010, 12:07

Re: wie soll ich mich entscheiden?

Beitragvon acheron » Mo 7. Jun 2010, 18:49

Hallo Cake ,

vielleicht hast du Recht und es ist gefühlsmäßig bei mir auch klar , dass die Therapie der kürzeste Weg ist , ich habe aber einfach grenzenlose Angst davor . Mit der ambulanten Therapeutin war ich am Anfang auch gut klargekommen , bis zu dem Zeitpunkt eben ... sie rief mich am Freitag an , weil sie wissen wollte , wann die TK vorbei ist und wollte gleich einen Termin machen . Das allein hat so gestresst , dass das ganze Wochenende gelaufen war . Ich muss versuchen , mich zusammenzureißen und zu überwinden , das ist in der TK vielleicht besser , als draußen , wo ich dann hinterher wieder allein im Regen stehe .

Vielen Dank für deine lieben Wünsche ,

aber leider ist das mit der Schuld so eine Sache - auch wenn man klein ist , weiß man , was OK ist und was nicht . Wenn man es dennoch zulässt , dass mit einem Schlimmes angestellt wird , trägt man auch einen Teil der Schuld , besonders wenn man sich nicht dagegen wehrt . Das ist das schlimmste daran , dass ich wusste , was mit mir geschieht und ich mich nicht gewehrt habe aus Scham und Angst vor meinen Eltern , die noch schlimmer waren . Ich bin immer den Weg des geringsten Widerstandes gegangen , hab das geringere Übel dem vermeintlich größerem und den MB den Schlägen vorgezogen , weil das mein Leben nicht so bedrohte , wie es die Unberechenbarkeit meiner Mutter tat .
Bis heute prägt mich dieses Verhalten und das macht mich wütend und ich hasse mich und mein Leben .

Liebe Grüße Acheron
"Ich gehöre zu den Maschinen , welche zerspringen können"

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4493
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: wie soll ich mich entscheiden?

Beitragvon Laura » Mo 7. Jun 2010, 18:52

Hallo acheron!

Ich glaube, zu Scham- und Schuldgefühlen kann sich durchaus gesellen, dass man anderen Menschen kaum vertraut und sich letzteren nicht einmal richtig bewusst ist. Als sein eigener Richter kann man immer recht milde mit sich selbst umgehen, aber man fürchtet doch in hochpotenziertem Maße, von anderen abgeurteilt zu werden, z. B. zum letzten Dreckswurm, der auf dieser Erde vor sich hinkreucht. Und das macht's dann umso unangenehmer, sich mit etwas, das einem schwer auf der Seele liegt zu öffnen. Stell Dir vor, Du wärst Therapeutin und hättest eine Patientin wie Dich und wüsstest auch um deren inneren Konflikte Bescheid. Würdest Du diese Patientin dann auch aburteilen?

Ich weiß nun nicht, was Dir je so Schlimmes passiert ist, dass Du nun diese Zustände hast und wahrscheinlich gehört es auch nicht in einem Internetforum ausgebreitet, wo man auch mit hämischen Reaktionen rechnen muss. Aber meiner Erkenntnis nach schämt man sich fast immer nur für die Dinge, für die man absolut nichts kann.

Hältst Du das, was Dir passiert ist, für ganz einzigartig und vormals noch nie dagewesen und siehst somit Deine Chancen geschmälert, dass ein Außenstehender zumindest einen leisen Hauch von Ahnung davon haben könnte?

Traumatherapie ist in etwa die "Chemotherapie" unter den Psychotherapien, sie gilt als durchaus beschwerlich und man braucht viel Durchhaltekraft. Aber so wie Krebskranke eine Chemotherapie auf sich nehmen, nehmen traumatisierte Menschen eine Traumatherapie in Kauf, weil sie am Ende mit ihren Nerven und mit ihrem Latein sind. Wie in der Somatik ist der Behandlungs- und Heilungsprozess im psychischen Bereich nicht unbedingt ein Zuckerschlecken. Aber so viele Psychopatienten haben berichtet, wie sie nach langem Kampf doch endlich auf den langersehnten und schon für unmöglich gehaltenen grünen Zweig gekommen waren und wissen auch, dass sie es ohne professionelle Unterstützung nicht geschafft hätten. Wenn eine Psychotherapie fehlschlägt, dann liegt es meist daran, dass Therapeut und Klient auf zwischenmenschlicher Ebene einfach nicht zusammenpassen. Aber stell Dir doch mal was Schönes vor: Dass Du eine Therapeutin/einen Therapeuten findest, der mit Dir auf einer Wellenlänge liegt, ganz behutsam mit Dir umgeht und sich Stück und Stück an die alte Wunde herantastet und sie, so behutsam es geht, schließt, damit sie vernarben kann und nie wieder aufbricht. Und das solltest Du Dir nicht so vorstellen, dass Du dann von der ersten Sitzung an schon gleich alles offen legen musst. Du kannst ja erstmal sagen, dass es da etwas gibt, das sehr in Dir wehtut, so sehr, dass Du Deine Zeit brauchen wirst, um darüber sprechen zu können, aber dass es nicht anders gehen wird, als eines Tages darüber sprechen zu können.

Ehrlich gesagt, kommen mir Deine Suizidhandlungen oder Quasi-Handlungen auch nicht harmloser vor als das, was man u. U. in einer Traumatherapie zu tragen hat. Vielleicht kannst Du Dir einfach zu wenig vorstellen, wie es ist, sich wohlzufühlen und gibst einer Traumatherapie aus diesem Grund von vorneherein keine Chance. Aber wieso sollte in Deinem Leben alles so verhext sein, dass es Dir nie je oder nie wieder gut gehen könnte?

Liebe Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

acheron
Beiträge: 32
Registriert: So 6. Jun 2010, 12:07

Re: wie soll ich mich entscheiden?

Beitragvon acheron » Mo 7. Jun 2010, 19:35

Hallo Laura ,

vielen Dank für deinen lieben Beitrag ! Dein Avatar ist auch toll , ich hab die Himmelsscheibe als Kopie an meiner Wohnzimmerwand hängen ;-)

Ja , du hast Recht , auch vor Ablehnung habe ich Angst - oder eher , dass man sich insgeheim über meine Probleme amüsiert . Ich hab mal in der Klinik mitgehört , wie sich Pfleger über ihre Patienten ausließen , das war beschämend .

Ich halte es im Grunde nicht für einzigartig , was mir passiert ist , aber ich hätte etwas dagegen tun können und aus Angst vor Schlägen tat ich es nicht . Jeder andere hätte sich dagegen verwahrt und lieber Prügel kassiert .

Meine ambulante Therapeutin hat es auch behutsam versucht , mich dann aber überfordert , ohne es zu merken . Ich habe ihr vertraut und zumindest ansatzweise was erzählt . Dann war die Stunde zu Ende und ich fand mich draußen auf der Straße wieder . Nichts war irgendwie abgeschlossen , ich hab mich gefühlt , wie aufgeschnitten und weggeworfen , bin nicht mehr klargekommen . Dabei hatten wir vorher gut zusammengearbeitet , sie hatte mich sofort in Therapie genommen und ich mochte sie . Ich habe auch gemerkt , dass sie mir helfen will und dass ich ihr nicht gleichgültig bin , sie meldet sich auch jetzt noch regelmäßig . Aber wenn sie mit dem Thema anfängt , kann ich gar nichts mehr sagen , es geht vom körperlichen her auch nicht , ich bewege meinen Mund , aber kein Wort kann heraus , es ist wie eine Lähmung . In der TK ist alles allgemeiner und man lernt einfach nur Techniken , die man allein üben kann und das fällt mir leichter .

Vielleicht hast du Recht und ich kann mir gar nicht mehr vorstellen , wie es ist , sich wohl zu fühlen , denn das kenne ich eigentlich seit Jahren nicht mehr . Aber du machst mir doch ein wenig Mut und ich denke , dass ich es morgen schaffe , mich für eine solche Therapie zu entscheiden .

Liebe Grüße
Acheron
"Ich gehöre zu den Maschinen , welche zerspringen können"

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4493
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: wie soll ich mich entscheiden?

Beitragvon Laura » Mo 7. Jun 2010, 20:32

Hallo acheron!

Um mal von mir zu sprechen: Ich dachte immer, ich müsse voll die Primadonna werden oder von Anfang an gewesen sein, die immer das Richtige im richtigen Moment tut und die "Bösen" stets souverän in ihre Schranken weist und in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf bewahrt und einfach toll durchs Leben kommt, egal, was passiert. Immer eine gute Figur machend. Ich kann mir dieses überdimensionierte Wunschbild nicht anders erklären, als dass ich irgendwann in meinem Leben zu viel ferngesehen habe und mich zu sehr an irgendwelchen Filmhelden orientiert habe.

Im richtigen Leben hat doch jeder seine trotteligen Seiten und jeder ist schon mal in einer Situation gewesen, in der er nicht entscheiden konnte, was nun die richtige Reaktion sein könnte. Und was nun gefährliche Situationen angeht: Es gibt immer Stärkere und Schwächere. Aber nach einem Ehrenprinzip sollten Stärkere nicht feige auf Wehrlose losgehen. Vielleicht waren das in Deiner Vergangenheit Situationen, in denen Du einfach schlechte Karten hattest, um Dich zu wehren. Vielleicht hat die Gegenseite gerade das ausgenutzt? Vielleicht hättest Du damals zu viel riskiert, wenn Du auf die Barrikaden gegangen wärst. Vielleicht war es sogar intuitiv klug, die Klappe zu halten und nichts zu unternehmen. Vielleicht wäre es Dir damals zuviel gewesen, zum einen das Geschehene zu verkraften und dann auch noch die Folgen des Anklagens.

Das Unvermögen sich wehren zu können ist NICHT eine Billigung der Tat. Und z. B. im Bereich von sexuellen Übergriffen (als ein mögliches Trauma) ist die menschliche Psyche ganz diffizil und subtil beschaffen. Sexualität ist so oder so mit Scham behaftet, auch im positiven Sinne und sein Intimleben schützt man grundsätzlich so gut man kann. Ich hoffe, es ist okay, wenn ich den sexuellen Bereich hier so als Beispiel anbringe. Darüber hinaus gibt es noch ganz viele andere Dinge, die einen einfach sprachlos machen können. Es wird doch keiner als weiser, erfahrener 50jähriger geboren, der in Situationen immer ganz toll reagiert. Es gibt Dinge, die kennt man vom Hörensagen und denkt es sich so und so. Wenn man es dann aber selbst erlebt, ist ganz anders und man spürt das Subtile daran, was einem vorher nicht so ganz klar war. Ich z. B. war immer auf der Seite von Sozialhilfeempfängern und konnte nie verstehen, warum auf ihnen so herumgehackt wird und wurde. Nun habe ich es nach langem Kampf nicht verhindern können, selbst in der Sozialhilfe zu landen und kann nun viel besser nachvollziehen, was ich Betroffene früher z. B. in Fernsehberichten sagen hörte. Dass man das bei aller Vernunft doch nicht so locker nehmen kann, wenn man selbst da gelandet ist. Bei anderen kann man sich hingegen immer gut als mitfühlend und wohltätig aufspielen :lol: :lol: , fast schon von gnädig von oben herab :mrgreen:

Bei mir gibt es auch so einige Dinge, die ich nicht einfach so erzählen kann. Aber bei mir war es immer so, dass ich für mich selbst erstmal ein bisschen Klarheit gewonnen haben musste und erst nach einer gewissen "selbsttherapeutischen", d. h. reflektierenden (oder auch grübelnden) Phase damit zu jemandem hingehen konnte, in der Hoffnung, er würde mich damit nicht als so abartig ansehen, wie ich mich fühlte. Parallel dazu habe ich schon immer gerne gelesen, gerne mal anspruchsvolle Literatur. Und was wird da oft anderes getan als zu psychologisieren und eventuell auch zu trösten und Mut zu machen, wenn auch anonym? Also ich konnte mich schon immer am besten dann mit etwas "outen", wenn ich im Alleingang schon ein wenig aus meinem Gedankensumpf herausgekommen war und mich selbst auch mal in Schutz nehmen konnte. Wenn ich meiner eigenen Scharfrichterin in mir parieren kann, können die vermeintlichen "Richter" außerhalb auch nicht mehr so vernichtend sein, denn man hat ja auch ein Mundwerk, das man nutzen kann. Das halbe Leben besteht aus Argumentieren und angemessener Rhetorik! :D

Vielleicht kannst Du Dich erstmal selber besser an Dein Problem herantasten und vielleicht würde Dir da ein Buch helfen. Das Buch kennt Dich, acheron, nicht und kann Dir nichts tun. Aber der Autor eines Buchs kann durchaus schon mal etwas Ähnliches erlebt haben wie Du, mit all den psychischen Folgeerscheinungen. Oder Dich einfach mal über den Begriff der Scham schlau machen. Was andere darüber geschrieben haben, was das eigentlich für ein Gefühl ist und warum Scham uns so vieles erschwert. Vielleicht ist Scham ja wie Angst zwar ein unangenehmes, aber zeitweise doch nützliches, da warnendes und beschützendes Gefühl?

Wenn Du das Ziel verfolgst, es doch noch mal mit einer Therapie zu versuchen, dann wünsche ich Dir alles Gute dafür und dass Du doch noch die Hilfe findest, die Du brauchst, und zwar Deinem persönlichen Genesungstempo angemessen.

Alles Liebe

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4493
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: wie soll ich mich entscheiden?

Beitragvon Laura » Di 8. Jun 2010, 00:32

@Regensburger Berufsquerulant:

Für meine Geheimnisse hätte die BILD-Zeitung sicher keine Verwendung, es würde also nix mit dem dicken Geschäft werden, das Du aus meinen Geheimnissen würdest machen wollen. Und auf Deinen Henkerbeiltrost bin ich ebenso wenig angewiesen wie andere hier, falls Du doch tatsächlich vorgehabt haben solltest, Dir selbst auf meine Kosten "therapeutisch" weiterzuhelfen.

In das Geheimnis, wie man hier korrekt zitiert, kann ich Dich aber durchaus mal einweihen, wenn Du möchtest. Sogar ohne Geld dafür zu verlangen, das Du ja sowieso nicht hast. Aber habe ich Dich nicht bei anderer Gelegenheit schon korrekt die quote-Funktion nutzen sehen? Egal, laber weiter Deinen gehypeten Müll, mit oder ohne quote-Funktion. Deine Geheimnisse kannst Du ja mit Igor besprechen. lol, origineller Name für 'ne Parkuhr!

P. S.: Aaaach, und eeeendlich verstehe ich, warum in jedem Buch, das in Deutschland veröffentlicht wird, im Vorwort steht: "Gewidmet kleinbuchstabe111, ohne dessen Weitsicht dieses Buch nicht entstanden wäre"
Zuletzt geändert von Laura am Di 8. Jun 2010, 09:38, insgesamt 1-mal geändert.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Benutzeravatar
Feuerchen
Beiträge: 1194
Registriert: Sa 27. Okt 2007, 16:26

Re: wie soll ich mich entscheiden?

Beitragvon Feuerchen » Di 8. Jun 2010, 01:22

Hallo Acheron,

Ich war auch mal in einer Tagesklinik... Meine Bezugsperson in der Tagesklinik sprach auch von Traumatherapie... Sie meinte in einer Traumatherapie wird zu 90 % stabilisierend gearbeitet und der Rest ist Traumaarbeit....

Du mußt dir vorstellen, dass Du wie ein Dampfkessel bist... Alles hälst du in Dir zurück und irgendwann ist der Druck zu groß und es endet wie bei Dir z.b. in SVV oder Suizidhandlungen...

Es gibt gegen die Flashs eben auch ein Handwerkszeug mit dem man ihnen begegnen kann. Es gibt Imaginationsübungen... es gibt z.B. den inneren sicheren Ort, den inneren Garten,...oder auch eine sogenannte Tresorübung....
Ich fände es gut, wenn Du Dich zur Therapie entschließen könntest.... Es kann so heilsam sein, wirklich!!!

Und noch was ganz wichtiges... Ich kenne es von mir auch, dass ich mich schuldig fühle , weil ich mich nicht gewehrt habe und quasi "mitgemacht" habe.... Aber ich kann Dir eins sagen... so wie ich das Deiner Schilderung entnehme, warst Du Kind... Du kannst doch nicht von einem Kind eine Handlung wie ein Erwachsener erwarten und verlangen... Ich habe das nicht mal als Erwachsene geschafft....
Mich hat jemand mal gefragt, warum ich denn nicht anders gehandelt habe, wenn ich schon so denke... Ich kann nur sagen," damals konnte ich es nicht... Die Angst war viiiiiiel größer..." Und das ist bei Dir auch so!!! Und dann kam: Wir sind zu uns selber die schlimmsten Richter... richtige Sklaventreiber... Man muß sich selber auch verzeihen können... Es ist nicht unsere schuld in so eine Situation gekommen zu sein..
Deshalb geh liebevoll mit dir um... Du hast es nach all dem schweren verdient!

Liebe Grüße
Feuerchen

PS... Ich habe mir ein Buch von der Traumatherapeutin Luise Reddemann gekauft. Es heißt" Eine Reise von 1.ooo Meilen beginnt mit dem ersten Schritt - Seelische Kräfte entwickeln und fördern"
Manchmal findet man keinen Zugang mehr zu den eigenen Kräften, weiß gar nicht mehr, wo sie liegen. Der erste Schritt ist entscheidend - und kann für jeden und jede anders aussehen. Die Autorin gibt hier ihre lange therapeutische Erfahrung weiter - damit Leichtigkeit und Gelassenheit wieder ins Leben kommen. Eine kleine Schule der Lebenskunst.

Das ist nur eines ihrer vielen Bücher... Vielleicht wäre das auch ein bischen was für Dich... Du kannst danach googeln.. Man kann in diesem Buch im Internet Probe lesen... Gib einfach den Namen Luise Reddemann ein und den Buchtitel...
Hoffe ich konnte Dir weiter helfen..

cake
Beiträge: 2235
Registriert: Mi 24. Mär 2010, 22:46

Re: wie soll ich mich entscheiden?

Beitragvon cake » Di 8. Jun 2010, 11:52

aber leider ist das mit der Schuld so eine Sache - auch wenn man klein ist , weiß man , was OK ist und was nicht . Wenn man es dennoch zulässt , dass mit einem Schlimmes angestellt wird , trägt man auch einen Teil der Schuld , besonders wenn man sich nicht dagegen wehrt
acheron klar weiß man und spürt, was richtig und was falsch ist.
Aber man weiß eben nicht, wie man sich wehren kann.
Versuch mal das kleine, verängstigte Kind an die Hand zu nehmen, und Dich aus dieser Situation zu befreien.
Auch mit Hilfe eines Therapeuten.
Und Scham und Schuld haben einen auf Dauer noch nie befreit.
Wehr Dich und gib dem/den Peinigern keine Chance, solche Macht über Dich zu haben.
ich habe aber einfach grenzenlose Angst davor
Das versteh ich gut, aber Du kannst es Dir beweisen, dass da kein hilfloses Kind mehr in Dir schlummert.
Kämpfe um Dich, und Dein zukünftiges Leben :wink:
Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. (Ludwig Erhard)

http://angstfrei.plusbb.org/forum.php
Bild

acheron
Beiträge: 32
Registriert: So 6. Jun 2010, 12:07

Re: wie soll ich mich entscheiden?

Beitragvon acheron » Di 8. Jun 2010, 18:46

Liebe Laura ,

dieses überdimensionierte Wunschbild , das du so gut beschreibst , kenne ich irgendwie auch . Aber das hat , denke ich , nichts mit zuviel Fernsehen zu tun , sondern wird vielmehr ein Resultat deiner Erziehung sein . Da gibt es sicher viele Möglichkeiten , ein solches Bild zu fördern - beispielsweise überdrehte Anforderungen der Eltern ans Kind , die wollen , dass das Kind es einmal besser hat , als ihnen selbst oder zuviel Bestätigung in Form von Sätzen wie : Für dich immer nur das Beste und ähnlichem . Oder frühe große Verantwortungsübertragung , die dazu führt , dass man immer die unbedingte Kontrolle haben muss , da gibt es viele Spielarten .
Das aufzugeben , immer alles schaffen zu wollen und das Optimum aus allem rauszuholen zu wollen , immer alles zu geben , musste ich mir schnell abgewöhnen , als ich eine Behinderung bekam , auf einmal ging es nicht mehr so , wie gewohnt und ich war gezwungen , mich zu bescheiden und zurückzunehmen , um nicht noch kränker zu werden . Das war anfangs nicht schwer und kratzt auch heute manchmal an mir , aber mittlererweile ist das angesichts meiner anderen Schwierigkeiten nur noch ein Luxusproblem .
Was du da sagst von der intuitiven Richtigkeit des Handelns oder Nichthandens in solch einer Situation leuchtet mir ein Stück weit ein . In meiner damaligen Situation war es die Wahl zwischen Pest und Cholera und ich habe mich für die aus damaliger Sicht einfachere Variante entschieden . Du hast mit deinem Traumabeispiel übrigens ins Schwarze getroffen .

Heute habe ich mit dem Psychiater in der Klinik gesprochen , der wissen wollte , wie ich mich nun entschieden habe . Ich habe die Therapie in der TK abgelehnt , weil ich da irgendwann auch mal wieder raus muss und ansonsten noch mindestens 6 weitere Wochen dort bleiben müsste. Wir haben dann gemeinsam - Arzt , meine ambulante Therapeutin und ich telefonisch vereiinbart , wie die weitere ambulante Therapie weitergehen soll . Der Arzt hat ihr von meinen Ängsten und Bedenken erzählt - ich musste das nicht selber tun - und zu meiner völligen Überraschung kamen da ganz positive Signale von ihr zurück . Ich habe es mir einfach selber zu schwer gemacht - sie hat die ganze vergangene Zeit versucht , Vertrauen aufzubauen und mir Sicherheit zugeben , ich habe es einfach nicht hören wollen und nicht aufgenommen . Ich werde dann ab Juli wieder zu ihr in Therapie gehen . Nach dem Gespräch war ich erleichtert , die ganze Anspannung war raus und ich hab erst mal einige Stunden in der Klinik verpennt .

Ich kenne hier viele , die Hartz 4 beziehen , warum sollen die alle schlechte Menschen sein ? Klar gibt es immer Trittbrettfahrer , die sich damit einrichten , aber die sind nicht die Masse . In der TK sind viele schon so lange krank , dass sie ausgesteuert wurden , aber kann man denen zum Vorwurf machen , dass sie krank sind ? Manche haben auch noch Kinder - ich frage mich gerade bei denen manchmal , wovon die eigentlich leben . Ich wünsche dir , dass du wieder aus deinem persönlichen Loch herauskommst , du hörst dich jedenfalls ziemlich klar und stark an . Alles Gute für Dich !

Liebe Grüße
Acheron
"Ich gehöre zu den Maschinen , welche zerspringen können"

acheron
Beiträge: 32
Registriert: So 6. Jun 2010, 12:07

Re: wie soll ich mich entscheiden?

Beitragvon acheron » Di 8. Jun 2010, 19:46

Liebes Feuerchen ,

ich habe mich heute für die Therapie entschieden , allerdings nicht in der TK , sondern ambulant . Nur wenn es damit nicht funktioniert , gehe ich später in die TK zurück . Ich versuch es lieber draußen .

Wir üben in der TK auch den Inneren sicheren Ort , Achtsamkeit und Tresor und andere Imaginationsübungen . Die funktionieren bei mir auch , aber nur , wenn ich mich eben nicht bedroht fühle .

Ich hab als Kind UND als Erwachsener mich nicht zur Wehr gesetzt , bin immer das geborene Opfer gewesen . Erst mit einem völligen Ortswechsel - 600 Kilometer vom Elternhaus weg und in einem völlig fremden Umfeld , in dem mich niemand von früher her kannte , gewann ich etwas Sicherheit und konnte mich angstfrei bewegen .

Den Tipp mit dem Buch werde ich mir zu Herzen nehmen , vielleicht bereitet das mich ein wenig vor , so dass ich dann nicht ganz so viel Angst davor habe - hoffentlich ?

Dir auch viel Kraft und alles Gute !
Acheron
"Ich gehöre zu den Maschinen , welche zerspringen können"

acheron
Beiträge: 32
Registriert: So 6. Jun 2010, 12:07

Re: wie soll ich mich entscheiden?

Beitragvon acheron » Di 8. Jun 2010, 19:49

Hallo Cake ,

mach ich , lass mich nicht unterkriegen !

Vielen Dank für deine mutmachenden Worte !

Acheron
"Ich gehöre zu den Maschinen , welche zerspringen können"

cake
Beiträge: 2235
Registriert: Mi 24. Mär 2010, 22:46

Re: wie soll ich mich entscheiden?

Beitragvon cake » Di 8. Jun 2010, 20:03

Ich habe es mir einfach selber zu schwer gemacht - sie hat die ganze vergangene Zeit versucht , Vertrauen aufzubauen und mir Sicherheit zugeben , ich habe es einfach nicht hören wollen und nicht aufgenommen . Ich werde dann ab Juli wieder zu ihr in Therapie gehen . Nach dem Gespräch war ich erleichtert , die ganze Anspannung war raus und ich hab erst mal einige Stunden in der Klinik verpennt .
Ja, Vertauen aufbauen ist riesig schwer. :wink:
Da hab ich sogar hin und wieder Probleme
Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. (Ludwig Erhard)

http://angstfrei.plusbb.org/forum.php
Bild


Zurück zu „Anpassungsstörung und Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10:F4)“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast