PTBS und keine Erinnerung an ein Trauma....

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me myself and I
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PTBS und keine Erinnerung an ein Trauma....

Beitragvon me myself and I » Do 5. Feb 2009, 19:43

Hallo,

habe schon mehrfach PTBS diagnostiziert bekommen. Ich leide ziemlich heftig, kann kaum noch etwas machen, schwer depressiv, sehr häufige Dissos, SVV und noch ein bisschen mehr Kram. Ich kann mich zwar an keine Traumatisierung erinnern; habe auch nicht den Hauch einer Ahnung, woher es kommen könnte. Aber das soll es ja durchaus geben.

Nun mal meine Frage: ich geh demnächst stationär auf Therapie. Ich will endlich wissen, woher mein Problem kommt. Ich denke, dann kann ich mich der Sache stellen, mich damit auseinandersetzen und dann wird alles besser. Ich bin grundsätzlich ein Mensch, dem es besser geht, wenn er selbst aktiv werden kann. Andererseits habe ich Angst, dass mir bei einer Traumaexposition Dinge um die Ohren fliegen, mit denen ich dann vielleicht doch nicht umgehen kann. Ich wäre sehr, sehr dankbar, wenn ihr mir eure eigenen Erfahrungen schildern könnt, was bei einer Traumaexpostion genau passiert. Auch Literaturtipps sind herzlich willkommen. Hab natürlich schon gegoogelt und auch 'ne Menge über PTBS gefunden, aber dabei wird i.d.R. davon ausgegangen, dass das Trauma bekannt ist.

Vielen, vielen Dank für eure Hilfe

me myself and I

Jenny Doe
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Beitragvon Jenny Doe » Mo 16. Feb 2009, 05:37

Hallo me myself and I
PTBS und keine Erinnerung an ein Trauma
Wenn Du dich nicht an Trauma erinnern kannst, wie kommt dann die Diagnose PTBS zustande? Die PTBS ist genau dadurch charakterisiert, dass man ständig an das Trauma denken musst, ständig daran erinnert wird ("wiederkehrende und eindringliche belastende Erinnerungen an das Ereignis, die Bilder, Gedanken oder Wahrnehmungen umfassen können...", "Anhaltende Erinnerungen oder Wiedererleben der Belastung durch aufdringliche Nachhallerinnerungen (Flashbacks), lebendige Erinnerungen ...").

Liegt überhaupt ein Trauma vor oder suchst Du jetzt nach einem Trauma, weil Du die Diagnose PTBS bekommen hast?

Gruß
Jenny
DSM-IV- Kriterien:

A.Die Person wurde mit einem traumatischen Ereignis konfrontiert, bei dem die beiden folgenden Kriterien vorhanden waren:
(1) die Person erlebte, beobachtete oder war mit einem oder mehreren Ereignissen konfrontiert, die tatsächlichen oder drohenden Tod oder ernsthafte Verletzung oder eine Gefahr der körperlichen Unversehrtheit der eigenen Person oder anderer Personen beinhalteten.
(2) Die Reaktion der Person umfasste intensive Furcht, Hilflosigkeit oder Entsetzen...

B. Das traumatische Ereignis wird beharrlich auf mindestens eine der folgenden Weisen wiedererlebt:
(1) wiederkehrende und eindringliche belastende Erinnerungen an das Ereignis, die Bilder, Gedanken oder Wahrnehmungen umfassen können...
(2) Wiederkehrende, belastende Träume von dem Ereignis...
(3) Handeln oder Fühlen, als ob das traumatische Ereignis wiederkehrt (beinhaltet das Gefühl, das Ereignis wiederzuerleben, Illusionen, Halluzinationen und dissoziative Flashback-Episoden, einschließlich solcher, die beim Aufwachen oder bei Intoxikationen auftreten)...
(4) Intensive psychische Belastung bei der Konfrontation mit internalen oder externalen Hinweisreizen, die einen Aspekt des traumatischen Ereignisses symbolisieren oder an Aspekte desselben erinnern.
(5)Körperliche Reaktionen bei der Konfrontation mit internalen oder externalen Hinweisreizen, die einen Aspekt des traumatischen Ereignisses symbolisieren oder an Aspekte desselben erinnern

C.Anhaltende Vermeidung von Reizen, die mit dem Trauma verbunden sind, oder eine Abflachung der allgemeinen Reagibilität (vor dem Trauma nicht vorhanden). Mindestens drei der folgenden Symptome liegen vor:
(1) bewusstes Vermeiden von Gedanken, Gefühlen oder Gesprächen, die mit dem Trauma in Verbindung stehen,
(2) bewusstes Vermeiden von Aktivitäten, Orten oder Menschen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen,
(3) Unfähigkeit, einen wichtigen Aspekt des Traumas zu erinnern,
(4) deutlich vermindertes Interesse oder verminderte Teilnahme an wichtigen Aktivitäten,
(5) Gefühl der Losgelöstheit oder Entfremdung von anderen,
(6) eingeschränkte Bandbreite des Affekts (z.B. Unfähigkeit, zärtliche Gefühle zu empfinden),
(7) Gefühl einer eingeschränkten Zukunft (z.B. erwartet nicht, Karriere, Ehe, Kinder oder normal langes Leben zu haben).

D. Anhaltende Symptome erhöhten Arousals (vor dem Trauma nicht vorhanden). Mindestens zwei der folgenden Symptome liegen vor:
(1) Schwierigkeiten ein- oder durchzuschlafen,
(2) Reizbarkeit oder Wutausbrüche,
(3) Konzentrationsschwierigkeiten,
(4) übermäßige Wachsamheit (Hypervigilanz),
(5) übertriebene Schreckreaktion.

E. Das Störungsbild (Symptome unter Kriterium B, C und D) dauert länger als 1 Monat.

F.Das Störungsbild verursacht in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.


ICD-10 - Forschungskriterien:

A. Die Betroffenen sind einem kurz oder lang dauernden Ereignis oder Geschehen von außergewöhnlicher Bedrohung oder mit katastrophalem Ausmaß ausgesetzt, das nahezu bei jedem tief greifende Verzweiflung auslösen würde.

B. Anhaltende Erinnerungen oder Wiedererleben der Belastung durch aufdringliche Nachhallerinnerungen (Flashbacks), lebendige Erinnerungen, sich wiederholende Träume oder durch innere Bedrängnis in Situationen, die der Belastung ähneln oder mit ihr in Zusammenhang stehen.

C. Umstände, die der Belastung ähneln oder mit ihr im Zusammenhang stehen, werden tatsächlich oder möglichst vermieden. Dieses Verhalten bestand nicht vor dem belastenden Erlebnis.
Forum für induzierte falsche Erinnerungen, Falschanschuldigungen und Fehldiagnose DIS http://www.induzierte-erinnerungen.de

me myself and I
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Beitragvon me myself and I » Mo 16. Feb 2009, 09:13

Hallo,

meine Thera meint, dass es vorkommt, dass das Trauma soweit abgespalten wurde, dass man sich nicht mehr bewusst erinnern kann. Hmm, ich weiß nicht.... Im Grunde passen sämtliche Symptome, nur eben kann ich mich beim besten Willen an nix erinnern und auch Personen aus einem engen Umfeld (Eltern, Schwester....) können sich die Sache nicht erklären.

Ist irgendwie 'ne blöde Geschichte; ich werde seit Jahren (erfolglos) auf Depression, SVV, Dissos, Angststörung, Fugue .... behandelt. Der Verdacht PTBS kam erstmals vor ca. einem Jahr bei einem Klinikaufenthalt auf, dem wurde aber dann nicht weiter nachgegangen. Nun habe ich eine neue Thera und einen neuen Neurologen und die kamen dann eben beide unabhängig vorneinander mit der PTBS daher.

Liebe Grüße

Me myself and I

Jenny Doe
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Beitragvon Jenny Doe » Mo 16. Feb 2009, 10:15

Hallo me myself and I,

finde ich sehr merkwürdig, was Dir Deine Therapeutin erzählt. Zuerst bekommst Du die Diagnose PTBS, owohl die Kriterien einer PTBS gar nicht auf Dich zutreffen, und dann erklärt man dir, dass die Erinnerungen abgespalten wären.
Wenn du nicht von quälenden Erinnerungen heimgesucht wirst, dann hast du auch keine PTBS.
Normalerweise sollten Therapeuten von den Symptomen des Klienten ausgehen und von diesen auf eine Diagnose schließen und nicht umgekehrt, eine Diagnose aufsetzen und postulieren, dass die Symptome irgendwo sein müssen.
Ich finde es gefährlich, wenn Therapeuten solche Behauptungen aufstellen. Mit dieser Diagnose treibt sie Dich in die Richtung, nach einem Trauma zu suchen, und wohlmöglich noch falsche Erinnerungen zu kreieren.

Viele Therapeuten gebrauchen den Traumabegriff und die PTBS "inflationär" (Zitat von der Traumatherapeutin Luise Reddemann), ohne sich Gedanken darüber zu machen, was sie damit beim Klienten anrichten.

Pass auf dich auf, bleib bei dir selber und guck bei dir selber, was wirklich stimmt, und was nicht und fang nicht an nach irgendetwas zu suchen, was wohlmöglich gar nicht da ist, nur weil Du die Diagnose PTBS bekommen hast. Überprüf erst mal, ob die Diagnose PTBS überhaupt stimmt.

Viele Grüße
Jenny
Forum für induzierte falsche Erinnerungen, Falschanschuldigungen und Fehldiagnose DIS http://www.induzierte-erinnerungen.de

Johannes Neuerer
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Beitragvon Johannes Neuerer » Mo 16. Feb 2009, 20:09

Hallo Me myself and I,

ich bewundere, dass Du Dich nicht manipulieren lässt!

Meine ganz persönliche Meinung: Ich würde mich in acht nehmen vor "Experten", die mir völlig willkürlich irgendwelche Leiden und Diagnosen andichten wollen. Ob man eine PTBS hat oder nicht, das weiß man selbst am besten. Man kann viel verdrängen und dann möglicherweise irgendwelche Neurosen, Phobien oder dergleichen entwickeln, aber eine PTBS ist eine ganz andere Schiene.

Alles Liebe

Johannes


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