Traumatisierte Freundin

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ratloser
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Traumatisierte Freundin

Beitragvon ratloser » Sa 10. Jan 2009, 16:24

Ich kenne meine Freundin seit etwa einem dreiviertel Jahr. Nun bin ich mir sicher, dass sie stark traumatisiert ist. Die Ursache liegt mindestens zwei Jahre zurück. Es ist mir aber nicht möglich mit Ihr darüber zu reden, weder über das Ereignis noch über Ihr Trauma. Hier blockt sie, u.a. mit Abbruch der Beziehung sofort ab.
Ich bin mir sicher, daß hier professionelle Hilfe nötig ist.
Weiß hier jemand Möglichkeiten und Wege wie mir und ihr geholfen werden kann?

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moni
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Beitragvon moni » Sa 10. Jan 2009, 23:25

Hallo ratloser

Du hast recht insofern, dass die Bearbeitung eines Traumas in professionelle Hände gehört und nicht innerhalb einer Beziehung geschehen kann. Ob und inwiefern deine Freundin dies aber tun will, muss alleine sie entscheiden. Du kannst ihr höchstens anbieten, sie darin zu unterstützen - z.B. bei der Suche nach professioneller Hilfe -, wenn sie sich denn dafür entscheiden sollte. Hast du sie denn schon mal gefragt, ob sie dies für sich in Betracht zieht bzw. hast du es ihr mal vorgeschlagen? Woraus schliesst du überhaupt, dass sie professionelle Hilfe braucht?

Was du tun kannst, ist, ihr deine Beobachtungen und deine Sorge mitzuteilen und ihr deine Unterstützung anzubieten. Und ansonsten immer wieder ganz bewusst den Fokus auf schöne und angenehme Dinge richten: Zusammen kochen, Spieleabend - was auch immer; nichts ist zu banal dafür.

Aber du kannst nichts lösen für sie - das muss sie selber tun.

Du sprachst auch Hilfe für dich an - inwiefern meintest du das?

Liebe Grüsse

moni
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ratloser
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Traumatisierte Freundin

Beitragvon ratloser » So 11. Jan 2009, 13:09

Hallo moni,

vielen Dank für Deine sehr schnelle Antwort.

Zitat: „Hast du sie denn schon mal gefragt, ob sie dies für sich in Betracht zieht bzw. hast du
es ihr mal vorgeschlagen?“
„Was du tun kannst, ist, ihr deine Beobachtungen und deine Sorge mitzuteilen

Wenn ich dies nur andeutungsweise versuche, blockt sie sofort ab, unter anderem mit einem Abbruch der Beziehungsebene, „die Grenzen härter setzen“ nennt sie es.

Woraus schließe ich auf die Notwendigkeit einer professionellen Hilfe?

Es ist nicht einfach dies hier zu erläutern, ohne ihre Anonymität, zu gefährden.
Der ganze Verlauf unserer Beziehung ist für mich sehr ungewöhnlich.
Persönliche Kontakte gibt es ausschließlich nur während der Arbeit. Hier finden nur belanglose Gespräche, statt. Sie erzählt dann viel über ihre Vergangenheit, bis zum Ende ihrer Ehe (vor ca 6 Jahren) habe ich ein recht umfassendes Bild. (harte Trennung)
Kontakte privater Natur, Entschuldigungen, Kritiken oder Dank gibt es nur über elektronische Kanäle, Chat, SMS, E-Mail oder Telefon, wobei sie Telefon möglichst meidet.
Einladungen lehnt sie ab.
Außenstehende können eine Beziehung zwischen uns kaum erkennen.
Schließlich hatte ich den Eindruck, dass sie keine Beziehung beabsichtigt und wollte den Kontakt abbrechen. Dagegen hat sie sich dann gewehrt und mich wieder „zurückgeholt“, wieder per Chat.
Ihren Heimweg von ca. 800m (allerdings immer nachts) legt sie immer mit Taxi (kann sie sich eigentlich kaum leisten) oder Mitfahrgelegenheit mit vertrauten Personen zurück.
Sie verschläft den Hauptteil ihrer Freizeit, hat Probleme mit dem Magen.
Obwohl sie sehr intensiv umworben wird, gibt es seit mindestens zwei Jahren keine Männerfreundschaften. (Hat wohl keiner soviel Geduld wie ich.) Nach ihren eigenen Erzählungen hat sie vorher einen eher stürmischen Lebenswandel gehabt (Swingerclubs).
Lesbische Neigungen kann ich mit großer Sicherheit ausschließen.
Soweit ich weiß, lässt sie praktisch niemanden in ihre Wohnung.
Physische Kontakte beschränken sich auf ein flüchtiges Küsschen auf die Wange zur Begrüssung/Abschied.
Wenn sie versucht hätte, mich irgendwie auszunutzen, wäre ich zu anderen Schlüssen gekommen. Aber genau das findet nicht statt.

Wie schon gesagt, eigentlich kann man kaum von einer Beziehung reden, es findet alles nur auf platonischer Ebene statt, keine gegenseitigen Besuche, kein Ausgehen aber auch keine endgültige Trennung.
Sie verhält sich am Telefon anders, freundlicher und lieber, als im persönlichen Gespräch. Kritiken kommen nur im Chat, da streiten wir uns teilweise recht heftig, ist sie sehr schnell, oft für mich unerklärlich, gereitzt.
Ich habe mich stets bemüht ihr Selbstvertrauen zu stärken, ohne damals eine Ahnung für ein solches Problem zu haben. Sicher habe ich dadurch einen Zugang zu Ihr gefunden, der anderen Männern verschlossen bleibt.
Eine flüchtige Bekanntschaft äußerte mir gegenüber mal, das meine Freundin eine Therapie braucht, damals gab ich dem keine Bedeutung, nachfragen kann ich nicht mehr.

Wie meinte ich das, Hilfe für mich?
Ich habe mich in diese Beziehung sehr reingesteigert, will und kann mich von Ihr nicht trennen. Ich hätte da Schuldgefühle, jemandem im Stich gelassen zu haben, ich habe natürlich auch intensive Zuneigung zu ihr.
Ich habe schon einmal eine Erfahrung mit einem Opfer gehabt und weiß wie schnell man den „falschen Knopf“ drücken kann. Da reicht unter Umständen eine falsche Geste um eine Katastrophe auszulösen.
Deshalb scheint es mir auch unmöglich, sie darauf anzusprechen, zumal ich nicht weiß, was die Ursache ist.
Alle Hilfsangebote richten sich an die Opfer, ein Dritter wie ich steht da sehr alleingelassen da.

Natürlich muss sie selber Hilfe suchen und annehmen, aber wenn sie nur auf Verdrängung setzt, vielleicht nicht bereit ist, die Notwendigkeit anzuerkennen oder eben Angst davor hat….mehr als zwei Jahre sind soweit ich weiß schon eine bedenkliche Zeitspanne, …

Im Augenblick kann ich wohl nur auf Zeit setzen, ich fühle mich dabei aber nicht wohl.
Meine Hoffnung war hier jemanden zu finden, ja keine Ahnung, eben ratlos.

Nochmal vielen Dank

Liebe Grüsse
ratloser

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moni
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Beitragvon moni » So 11. Jan 2009, 16:24

Noch mal hallo ratloser
Persönliche Kontakte gibt es ausschließlich nur während der Arbeit. Hier finden nur belanglose Gespräche, statt. (...) Kontakte privater Natur, Entschuldigungen, Kritiken oder Dank gibt es nur über elektronische Kanäle, Chat, SMS, E-Mail oder Telefon, wobei sie Telefon möglichst meidet. (...) Ich habe mich in diese Beziehung sehr reingesteigert, will und kann mich von Ihr nicht trennen. Ich hätte da Schuldgefühle, jemandem im Stich gelassen zu haben, ich habe natürlich auch intensive Zuneigung zu ihr.
Klingt tatsächlich ziemlich ... na ja ... ungewöhnlich ... Die Frage ist halt, wie weit/wie lange noch du diese Art Beziehung mitmachen willst, und warum - gerade weil es offenbar nicht das erste Mal ist, dass du dich in einer ähnlichen Konstellation wiederfindest. Vielleicht würden da sogar dir ein paar Stunden Aufdröseln mit einer Fachperson dabei helfen, dies (und dich) zu verstehen? Woher kommen z.B. deine Schuldgefühle in Bezug auf eine allfällige Trennung, obwohl eine direkte persönliche Vertrautheit zwischen euch beiden ja eigentlich fehlt?
Fachpersonen schreiben hier jedoch übrigens kaum mit - falls du hier im Forum fachliche Antworten suchen solltest.

Sich in eine Beziehung reinsteigern hat auch einen besitzergreifenden Aspekt; dem anderen Partner bleibt dann (auch ohne Trauma) oft gar nichts anderes mehr übrig, als immer wieder abzublocken und Grenzen zu setzen. Auch wenn die Absichten noch so gut sind.

Was du über den Lebenswandel deiner Freundin erzählst, klingt schon nicht so nach glücklich sein. Trotzdem: Ihr Leidensdruck, nicht deiner wird sie in eine Therapie führen - wenn denn. Das musst du respektieren, auch wenn es schwierig ist. Ob du dazu bereit bist, ist deine Entscheidung. So wie du auch darüber entscheiden musst, welche Ansprüche du an eine (Liebes-)Beziehung hast.

Liebe Grüsse

moni
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
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ratloser
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Beitragvon ratloser » Sa 17. Jan 2009, 14:25

Hallo Moni,

noch mal, danke für deine Antworten.

Was mich bzw. mein "Beschützersyndrom" betrifft, da kann ich mit umgehen.
Wie schon erwähnt, war sie es, welche einen Trennungsversuch meinerseits verhinderte. Da kann ich nun, nach relativ langer Zeit, nicht einfach so wegrennen, nur weil es für mich eben schwieriger wird.
Meine Freundin betreffend, da war die Erkenntnis eben für mich schockierend.
Eigentlich ist auf Ihrer Seite ja jetzt nichts passiert.
Es ist eben nicht so einfach, tatenlos zu bleiben, erst mal nur zuzusehen, auch wenn es das Richtige ist.
Wie ich es nun sehe ist es offensichtlich das Beste und einzig Mögliche, den Dingen seinen Lauf zu lassen.
Sie kommt auf ihre Art zurecht, wirkt tagsüber glücklich.
Ich weiß nur eben, wie es Ihr wirklich geht, wenn sie abends allein ist, trinkt um schlafen zu können….und mir am nächsten Tag wieder eine heile Welt vortäuschen will.
Nun hat sie unsere Beziehung, wieder, auf die Freundschaftsebene zurückgesetzt. Hatten wir schon, bis ich es dann ernst nahm und mit einer anderen einen Flirt anfing.
Besitzergreifendes Verhalten vermeide ich grundsätzlich und kann ich bei mir nicht sehen, sie hat sich sogar schon über meine mangelnde Eifersucht geäußert, wie schon erwähnt wird sie sehr umworben.
Ich deute ihr Verhalten so, sie hat Probleme welche sie hinter einer dicken Mauer versteckt, sie bezeichnet sich selber als unnahbar, von denen keiner wissen soll.. Ich habe nun, ohne es zu merken, zu weit reingesehen, eine Grenze überschritten, wie sie sagt. Daher nun der Block ihrerseits, und alles beginnt von vorne…
Sie ist von Männern sehr enttäuscht worden, soviel weiß ich sicher. Ich kann auch ohne sie leben, muss sie nicht haben/besitzen, nur möchte ich nicht der Nächste sein, der aus ihrer Sicht in die gleiche Kerbe schlägt. Das gerade kann sie jetzt nicht gebrauchen.
Fachlichen Rat, ja den hatte ich schon erhofft. Deine Antworten wirken auf mich schon sehr fachlich, zumindest hat es mir geholfen die Sache etwas sachlicher zu betrachten.

Danke und liebe Grüsse von nicht mehr ganz ratloser

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moni
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Beitragvon moni » Sa 24. Jan 2009, 20:22

Hallo nicht-mehr-ganz-ratloser :wink:

Noch mal: Ich bin kein Fachmensch für psychologische Dinge - was ich hier schreibe, sind einfach meine persönlichen Gedanken, und ich möchte diese nicht überbewertet sehen.
Ich deute ihr Verhalten so, sie hat Probleme welche sie hinter einer dicken Mauer versteckt, sie bezeichnet sich selber als unnahbar, von denen keiner wissen soll.. Ich habe nun, ohne es zu merken, zu weit reingesehen, eine Grenze überschritten, wie sie sagt. Daher nun der Block ihrerseits
Ja, das kann durchaus sein. In bestimmten Situationen oder Lebensphasen können Mauern jedoch geradezu lebensnotwendig sein, selbst wenn sie letztendlich vieles Schöne auch verhindern, z.B. fröhliche Freizeitkontakte und -unternehmungen. Ein zu plötzliches Einreissen oder, wie du es beschreibst, ein zu weit Reinsehen wirkt dann u.U. dermassen bedrohlich, dass nichts anderes bleibt als der Block.

Es war auch genau dieses zu weite Reinsehen, das ich meinte mit "besitzergreifend": Sehr weitgehende Empathie - du sprichst sogar von Beschützersyndrom - kann vom anderen u.U. fast wie ein "Eindringen" oder Vereinnahmen, auch bis hin zu einem Machtausüben, empfunden werden - oder auch wie ein Verschmelzen; selbst wenn es noch so gut gemeint ist. Dann bleibt nichts anderes als Grenzen zu ziehen, um wieder zu merken, wo man selber aufhört und wo der andere anfängt. Man kann sich selber und einander nur spüren, wenn beide ihre persönlichen Konturen wahrnehmen und wahren.

Und du - kannst du deine eigenen Grenzen noch spüren? Weisst du noch, wo du aufhörst und wo deine Freundin anfängt? Wo deine Bedürfnisse sind, wo ihre? Schaust du die Welt mit deinen Augen an oder mit ihren?
Klingen vielleicht etwas seltsam, diese Fragen, und sie müssen auch überhaupt nicht hier an dieser Stelle beantwortet sein - aber ich kenne diese Problematik der verwischten bzw. nicht (mehr) vorhandenen eigenen Konturen und Grenzen eben selber.
Sie ist von Männern sehr enttäuscht worden, soviel weiß ich sicher. (...) ... möchte ich nicht der Nächste sein, der aus ihrer Sicht in die gleiche Kerbe schlägt.
In welche Kerbe möchtest du denn nicht schlagen - bzw.: Inwiefern befürchtest du, sie (auch?) zu enttäuschen?
Das Einzige, was du tun kannst, ist in meinen Augen, aufrecht und gerade genau so zu sein, zu denken und zu handeln, wie du eben bist, denkst und handelst - ohne dich zu verbiegen und krampfhaft zu versuchen, irgendwer zu sein oder auch gerade nicht zu sein.

Eben: Mit deinen Augen und auf deinen Füssen durchs Leben gehen! Einen solchen Partner an seiner Seite zu wissen, ist für jemanden, der grade nicht so sicher im Leben steht, mitunter hilfreicher als einer, der jeden Wunsch von den Augen abliest.

Liebe Grüsse

moni
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